318 Erklärung des Jakobusbriefes
W.S. 1922/23
12 Μακάριος ἀνὴρ ὃς ὑπομένει πειρασμόν, ὅτι δόκιμος γενόμενος λήμψεται τὸν στέφανον τῆς ζωῆς, ὃν ἐπηγγείλατο τοῖς ἀγαπῶσιν αὐτόν.
13 Μηδεὶς πειραζόμενος λεγέτω ὅτι ἀπὸ θεοῦ πειράζομαι· ὁ γὰρ θεὸς ἀπείραστός ἐστιν κακῶν, πειράζει δὲ αὐτὸς οὐδένα.
14 ἕκαστος δὲ πειράζεται ὑπὸ τῆς ἰδίας ἐπιθυμίας ἐξελκόμενος καὶ δελεαζόμενος·
15 εἶτα ἡ ἐπιθυμία συλλαβοῦσα τίκτει ἁμαρτίαν, ἡ δὲ ἁμαρτία ἀποτελεσθεῖσα ἀποκύει θάνατον.
16 Μὴ πλανᾶσθε, ἀδελφοί μου ἀγαπητοί.
17 πᾶσα δόσις ἀγαθὴ καὶ πᾶν δώρημα τέλειον ἄνωθέν ἐστιν, καταβαῖνον ἀπὸ τοῦ πατρὸς τῶν φώτων, παρ’ ᾧ οὐκ ἔνι .
18 βουληθεὶς ἀπεκύησεν ἡμᾶς λόγῳ ἀληθείας, εἰς τὸ εἶναι ἡμᾶς ἀπαρχήν τινα τῶν αὐτοῦ κτισμάτων.
19 Ἴστε, ἀδελφοί μου ἀγαπητοί.
12 Selig der Mann, der in der Versuchung beharrt! Denn als Bewährter wird er den Kranz des Lebens empfangen, den er denen verheißen hat, die ihn lieben. 13 Keiner sage in der Versuchung: Von Gott werde ich versucht! Denn Gott ist unversucht vom Bösen; er versucht also Niemanden. 14 Sondern jeder wird so versucht, dass er von seiner eigenen Begierde herausgelockt und geködert wird. 15 Dann gebiert die schwanger gewordene Lust die Sünde, die Sünde aber, zur Reife gekommen, gebiert den Tod. 16 Irrt euch nicht, meine geliebten Brüder! 17 Lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist und keine durch Bewegung verursachte Beschattung. 18 Durch seinen Willen hat er uns gezeugt durch das Wort der Wahrheit, damit wir sozusagen Erstlinge seiner Geschöpfe seien. 19 Ihr wisst es, meine geliebten Brüder!
I. Wir fragen zunächst wieder nach dem Zusammenhang. Sie haben im Bisherigen gesehen, dass ich es für richtig ansehe, die Mitte zu halten zwischen denjenigen Auslegern, die, wie etwa Hofmann und Schlatter, einen mehr oder weniger strikt und detailliert
nachweisba
|320ren logischen Zusammenhang in unserem Brief zu erkennen meinen.
*1, und den anderen, die ihn, wie etwa
Hollmann, aber auch
Windisch, als ein Konglomerat von lauter fast zufällig aneinandergereihten Fragmenten auffassen.
183 Ich möchte also den einzelnen Gedankengruppen ihre Selbständigkeit nicht nehmen durch allzu kunstreiche Beziehungen, aber auch nicht unterdrücken, was an wirklich vorhandenen Verbindungsfäden vorhanden ist. Es liegt auf der Hand, dass man sich dabei leicht nach beiden Seiten verfehlen kann. So glaube ich an unserer Stelle nicht, dass
Zwingli im Recht war, wenn er V. 11 und V. 12 verknüpfte durch den Gedanken: Nicht der Reiche ist selig zu preisen, sondern der in mannigfachen Versuchungen Geübte und Bewährte!
185, oder
Schlatter, wenn er auf den Gegensatz zwischen dem
μαρανθήσεται V. 11 und dem Kranz des
Lebens V. 12 aufmerksam macht
186. Wohl aber scheint es mir erlaubt und geboten, die ganz allgemeine Tatsache zu beachten, dass nach der Digression von 1,9-11 hier offenbar das Thema von V. 2-8, das Stehen und Bestehen der Christen in der Versuchung, wieder aufge
ἀνὴρ ὃς ὑπομένει V. 12 zurückzublicken auf den
ἀνὴρ δίψυχος V. 8, zu dessen Schicksal und Gericht (wie wir V. 8 auffassten) das
μακάριος V. 12 dann das Gegenstück bilden würde. Jedenfalls aber möchte ich den Zusammenhang zwischen V. 12 und V. 13ff. nicht, wie es gewöhnlich geschieht, lösen, sondern von der Seligpreisung V. 12 eine Linie ziehen zu dem: «Ihr wisst es, meine geliebten Brüder!», V. 19a, das, wie mir scheint, nicht zu den Imperativen von V. 19bff. gehören kann, sondern sich auf den Inhalt von V. 17 und 18 beziehen muss, speziell auf den von V. 18, in welchem, was ein Christ ist, abschließend gesagt und damit das Recht zu der Seligpreisung V. 12 letztlich begründet wird. Was dazwischen liegt, V. 13-18, ist die Abweisung eines Irrtums, der sich an die Tatsache der Versuchlichkeit des Christen anknüpfen möchte und der die Seligpreisung V. 12 allerdings illusorisch machen würde, weil er dem dort geschilderten
ἀνήρ das Rückgrat bräche,
des Irrtums nämlich, |322 Gott sei der Versucher und der Mensch also von Gottes wegen ein ἀνήρ δίψυχος. Dieser Irrtum wird abgewiesen durch eine doppelte Betrachtung: V. 13-15 von unten, vom Menschen, V. 16-18 von oben, von Gott her, mit dem Ergebnis, dass dieser rückgratbrechende Gedanke sich nicht halten lässt, dass also das μακάριος V. 12, das selber wieder zurückverweist auf das καυχάσθω V. 9 und auf das χαρὰν ἡγήσασθε V. 2, zu Recht besteht. «Das wisst ihr, meine geliebten Brüder» (V. 19a). V. 19b ff. würde dann in wesentlich loserer Anknüpfung eine neue Gedankenreihe anfangen.
Zum
Einzelnen: Das
μακάριος ὃς ὑπομένει,*2
V. 12, wird wohl eine ungewollt-gewollte Reminiszenz sein an das Rätselwort Dan. 12,12.
191 Für die Auslegung ist aus dieser Anspielung kaum etwas zu gewinnen. Das
ἀνήρ darf man nicht pointieren: er habe sich männlich gehalten; es steht nach alttestamentlichen Vorbildern für: der Mensch.
192 Das
μακάριος ist natürlich nicht Wunsch, sondern wie am Anfang der Bergpredigt höchst kategorisch gemeinte Prädikation:
Der Mann
ist selig, dem entgegenstehenden Augenschein zum Trotz:
Ὑπομένει τὸν πειρασμόν, er tut das, was V. 3 und 4 geschildert ist: er bietet der Versuchung, so gut ein Mensch das tun kann, Schach, er stellt Notwendigkeit gegen Notwendigkeit. Warum ist der Mensch, der das tut, selig? Nach V. 4 könnten wir erwarten: weil die
ὑπομονή das menschlich vollkommene Handeln mit sich bringt oder doch bringen sollte. Aber nun steigt Jakobus in der Begriffsreihe V. 2-4 nicht aufwärts, sondern abwärts, greift also zurück auf das,
was er
|326 dort als den Anfang der
ὑπομονή beschrieben, und antwortet: weil er als
δόκιμος γενόμενος den Kranz des Lebens.
*3 empfangen wird, nur dass er jetzt als das, was sich bewährt hat, nicht den Glauben, sondern den Menschen selbst bezeichnet.
Aber der Gesichtspunkt ist derselbe. Hier wie dort wird die Lage des Menschen so verstanden, dass er im Fall ist,
treu zu bleiben, in Konsequenz einer Voraussetzung nach Menschenmöglichkeit zu
handeln – das ist der Aspekt, den der Jakobusbrief nun einmal gewollt hat. Aber hier wie dort ist dieses Treubleiben, dieses Handeln innerhalb des Menschenmöglichen nicht mehr als der
Erkenntnisgrund, auf Grund dessen von Einem gesagt werden kann: dort: Freuet euch!, hier: Selig ist der Mann! Wir haben schon in der Stelle über das Gebet V. 5-8 ein Beispiel gehabt, und wir werden gleich auf ein weiteres stoßen dafür, dass göttliches und menschliches Handeln für Jakobus Parallelen sind, die sich sehr genau entsprechen, die sich aber nicht schneiden. Die Meinung ist also auch hier nicht etwa die: weil er sich bewährt, empfängt er und ist darum selig zu preisen, sondern, wie es dasteht: er ist selig zu preisen, weil er als Bewährter empfängt, ohne dass die zwei letzten Glieder
kausal verbunden werden. Daran ändert auch der Zusatz nichts, dass der Kranz des Lebens denen verheißen ist:
τοῖς ἀγαπῶσιν αὐτόν.
194 leuchtet ein, dass der gestrenge
Calvin dazu bemerken muss: «non asserit dilectionem hominis esse causam (praevenit enim nos Deus suo erga nos amore) sed tantum significat, eos demum approbari Dei electos, qui ipsum diligunt.»
195 Aber er ist auch exegetisch
im Recht.
*4 Denn wenn irgend ein menschliches Tun in
keinem kontinuierlichen kausalen Verhältnis steht zu dem, was Gott am Menschen tut, so ist es das, was Dtn. 6,5 als Grundpflicht der Israeliten Gott gegenüber aufgestellt ist, was Paulus 1.Kor. 12,31 als die
καθ’ ὑπερβολὴν ὁδόν, den «unbegreiflichen Weg» bezeichnet oder 1.Kor. 2,9 als Tun
der Men|328schen, denen Gott bereitet habe, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was in keines Menschen Herz gekommen ist, oder 1.Kor. 8,3 als das, was menschlicherseits geschieht, wenn der Mensch von Gott erkannt ist, oder Röm. 8,28 als das, was diejenigen auszeichnet, denen alle Dinge zum Besten dienen. Es entspricht der ganzen Haltung des Jakobus, dass er naiver umgeht, auch mit diesem Begriff, als Paulus, ganz nüchtern mit der Möglichkeit rechnet, dass es Menschen geben kann, die das tun, dieses – wenn wir von den paulinischen Stellen herkommen – so unerhörte und darum bei Paulus vor plattem Verstehenwollen so sorgfältig Gesicherte: Gott lieben! Vor dem Mißverständnis, als ob es sich dabei um ein do ut des-Verhältnis handeln könnte, um ein Verhältnis von Ursache und Wirkung, sollte auch ihn das ὃν ἐπηγγείλατο und das λήμψεται schützen, das den Kranz des Lebens sofort wieder in die Hand Gottes zurücklegt, in der er bleibt, auch wenn und nachdem er dem Menschen, der ihn liebt, so kategorisch als möglich zugesprochen ist. Es kommt also auch bei Jakobus wohl zu lebendigster Beziehung, aber zu keinen Vermischungen zwischen Himmel und Erde.
Es ist ja der
στέφανος τῆς ζωῆς, der dem Gott Liebenden und als solchem dem, der sich bewährt, zugesprochen wird, nach der Auffassung aller Ausleger der Lohn des
ewigen Lebens,
*5 also der Lohn, der kein Lohn sein kann, an den auch das höchste verdienstliche Tun in der Zeit so wenig heranreicht, wie man mit einem Fingerhut den Ozean fassen kann, der immer nur als freie Gabe begreiflich ist. Aber diese freie Gabe, ewiges Leben, sagt Jakobus, steht parallel dem, dass der Mensch Gott lieb hat. Wo dies geschieht, da ist diese unerhörte Gabe verheißen. Die sinngemäße Parallelstelle ist Mt. 10,22: Wer beharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden! Und bis auf den Ausdruck entTod, so will ich dir den Kranz des Lebens geben. Das Bild ist wahrscheinlich nach Analogie von 1.Kor. 9,25 zu verstehen, wo es heißt, dass die Christen
im
|330 Unterschied von denen, die im Stadion um die Wette laufen, um den
στέφανος ἄφθαρτος sich bemühen sollen.
Ζωῆς steht appositionell zu
στέφανος, das ewige Leben ist selbst der verheißene Kranz. Wer ihn verheißt und wer der ist, der geliebt werden soll, ist in V. 12 nicht ausdrücklich gesagt. Einige Handschriften haben darum ergänzt:
ὁ κύριος und
ὁ θεός.
198 Es gehört zum Stil des Jakobus, und es ist kein schlechter Stil, dass er mit den höchsten Namen sparsam umgeht.
Wo das Genannte verbotenus verheißen ist, darf man meines Erachtens hier nicht fragen und sich also weder nach einem Agraphon Jesu noch nach einer alttestamentlichen Stelle umsehen.
Diese Verheißung bedarf keiner Belegstelle, und
Schlatter hat wohl recht, wenn er einfach auf die Auferstehung Jesu verweist
199, die in diesem Zusammenhang Alles sagt.
V. 13a bringt den schon formulierten Einwand zur Sprache. Der Begriff
πειρασμός war weder V. 2 noch V. 12 näher bestimmt worden. Wir fassten ihn V. 2 als «Anlass, von Gott abzufallen»; damit wird auch V. 12, wo er wieder auftaucht, durchzukommen sein. Es scheint mir aber auch im Folgenden nicht nötig, mit
Hollmann und anderen Neueren anzunehmen, dass Jakobus nun einen ganz neuen Begriff von «Versuchung» einführe, nämlich den der Versuchung zum Bösen, während V. 2 und 12 von der Anfechtung durch Leiden und Verfolgung die Rede sei
201, obwohl auch
Zwingli und
Calvin
dieser Mei
|336nung waren
202. Es steht auch in V. 2 und 12 nichts von «Leiden und Verfolgung», obwohl diese Dinge natürlich nicht ausgeschlossen sind,
und wenn es heißt, man solle es für lauter Freude halten, in mancherlei ἀπὸ θεοῦ πειράζομαι. Die Freude, von der dort die Rede ist, hängt unveräußerlich daran, dass man zu Gott beten kann, wie V. 5ff. vorgesehen, dass man Gott als Herrn auch über die Macht der Versuchung begreifen und ihn also mit dem Unservater anrufen kann: Führe uns nicht in Versuchung [vgl. Mt. 6,13]! Aber nicht ist damit und mit der 6. Bitte des Unservaters gesagt, was die Meinung des Einwandes V. 13a ist, dass der Mensch auch nur einen Augenblick in die Lage kommen könne, Gott selbst als den Versucher, als den
Denn was ist der Sinn dieses Gedankens? Offenbar der: nicht ich bin verantwortlich dafür, ob ich den Anlass zum Anlass nehme, in die Versuchung herein- und also von Gott abfalle in Leid oder Freude. Sondern als eine objektive Notwendigkeit, als Gott selbst tritt mir dieser Anlass entgegen, und so bin ich geliefert, indem er da ist; denn wer könnte Gott widerstehen?
Ich sehe kein Hindernis, den Begriff πειρασμός auch bei dieser neuen Wendung im bisherigen und also von V. 2-18 im selben allgemeinen Sinn festzuhalten. Der Begriff verändert sich nicht und auch nicht seine Betrachtungsweise, wenigstens bei Jakobus selbst nicht, höchstens Unservater und allem, was damit zusammenhängt, gerecht werden möchten.
Zwingli und
Calvin haben sich an dieser Stelle wie die Löwen für das Doppelte gewehrt:
1. dafür, dass an der providentia Dei, dass Alles durch Gott geschehe, nicht gerüttelt werden dürfe,
2. dafür, dass Gott unter keinen Umständen als der auctor malorum in Anspruch genommen werde.
203 Man sieht auf den ersten Blick, dass nur ihre zweite Behauptung textgemäß ist, während die erste von Jakobus weder aufgestellt noch bestritten wird. Man dürfte eben auch das Letztere nicht sagen: Jakobus war nicht Dialektiker wie Paulus und die Reformatoren. Er ist darum nicht blind gewesen für die andere Seite der Wahrheit, die jene mit ihrer Dialektik an den Tag brachten. Haben jene den Vorzug der Überlegenheit, so hat sein Reden den der Eindeutigkeit. Und das kann auch ein Vorzug sein. Er schüttelt den euripideischen Gedanken: Die Versuchung Gotteswerk!
204 einfach von sich ab als etwas Perverses, Dekadentes, Faules – auch Paulus und den Paulinern bleibt ja im entscheidenden Augenblick nichts anderes übrig als
diese Geste Röm. 3,4; 6,1.15 –
ὁ γὰρ θεὸς ἀπείραστος ἐστιν κακῶν. In der patristischen Literatur wird dieses
ἀπείραστός geradezu zu einer feststehenden Eigenschaft Gottes.
205 Für Gott kommt kein Anlass in Betracht, der ihm Anlass werden könnte,
sich selbst untreu zu
|340 werden. Darum:
πειράζει δὲ αὐτὸς οὐδένα. Der Gedanke ist wohl der: Ein Verführer hat Freude am Verführen, weil er selber ein Verführter ist. «
Solamen miseris socios habuisse malorum.»
206 Gott ist kein Verführter, ergo kommt er auch als Verführer nicht in Betracht. Wer von Gott redet, soll eben wissen, dass er von
Gott redet, und darum: vom auctor omnium? Ja, es gilt, würde wohl auch Jakobus antworten. Aber darum nicht notwendig – auch logisch nicht notwendig – nein, wenn er von
Gott redet, gerade logisch unmöglich, vom auctor malorum. Das Böse
als Böses, als der
gebrochene Strahl des göttlich Guten im Prisma menschlichen Tuns – und welcher göttliche Lichtstrahl wäre in diesem Prisma
nicht gebrochen? –, es hat nicht Gott zum Urheber.
Dazu wird das, was
Gott tut – und warum sollte nicht auch Jakobus sagen, dass Gott
Alles tut? –, nur bei
uns, in seinem Verhältnis zum Menschen; und im Rätsel des
Menschen, im Rätsel unserer eigenen Existenz haben wir die Antwort zu suchen auf die Frage, warum uns dieser und jener Anlass zum Anlass des Abfalls wird.
13.I.23 Darum: ἕκαστος δὲ πειράζεται ὑπὸ τῆς ἰδίας ἐπιθυμίας. Kommt es zum
beschreibt Jakobus mit unheimlicher Drastik wie das zugeht innerhalb des Prismas des menschlichen Tuns, wo also irgend eine Ursächlichkeit Gottes nicht in Betracht kommt; denn mit dem Ein- tritt in diese Sphäre ist das, was Gott tut, gebrochen, nicht mehr sein Tun. Nur der Verlauf und die Art dieses gebrochenen Strahls soll nun also geschildert werden. Da ist die ἐπιθυμία, die Lust, heißt es zuerst. Nichts Gutes und nichts Böses wird von ihr gesagt. Es könnte wohl auch einfach heißen: die menschliche Natur in ihrer ganzen Zweideutigkeit. Was bedeutet sie für den Menschen selbst? Er wird von ihr ἐξελκόμενος καὶ δελεαζόμενος, herausgelockt aus dem Ort, wo er sich befinden sollte, und geködert, dorthin zu kommen, wo er nicht hinkommen sollte, wie ein Fisch oder ein Jagdtier. Aber dann ändert sich das Bild und wird noch grimmiger. Nun ist V. 15 die ἐπιθυμία auf einmal die Dirne, die den Törichten verführt: εἶτα ἡ ἐπιθυμία συλλαβοῦσα τίκτει – schwanger geworden (von wem? von ihm selbst! wie sie seine eigene Begierde ist!), gebiert sie – jetzt erst ist das Böse da, aber jetzt ist es da: ἁμαρτίαν, die böse Tat,
denn es handelt sich bei
|342 Jakobus nicht um die Sünde als Macht und Voraussetzung, die allen
Taten vorausgeht, nicht um die Sünde, die mit Adam in die Welt gekommen ist, wie Röm. 5, sondern konkret um das Böse, das der Mensch
tut;
ἡ δὲ ἁμαρτία ἀποτελεσθεῖσα, die böse Tat in ihrer Konsequenz, in ihrer Vollendung und Reife,
ἀποκύει – die Tochter ist selbst schon wieder Mutter geworden –
θάνατον. Jede einzelne Tat ist ja nur der Ausdruck der Gesamttat des menschlichen Lebens. Die
φθορά, die über dem Ganzen hängt, hängt drohend auch über dem
Einzelnen. Ihr reift das Böse als solches entgegen. Aber nicht das alles zu zeigen war der Zweck dieser Worte, sondern nur den Weg der Versuchung zeigen: Begierde, Sünde, Tod? Sind das Gottes Werke?
Nein, das sind des Menschen Werke, will Jakobus sagen. Der Mensch der zeugende Vater, der Mensch die gebärende Mutter, der Mensch der Urheber, der Verantwortliche. Wer will es anders sagen?
Μὴ πλανᾶσθε, ἀδελφοί μου ἀγαπητοί (V. 16), eine eindringliche Warnung vor Irrtum, die ich in Analogie zu V. 19a eher zum Vorhergehenden als zum Folgenden ziehen möchte. Sie fasst den Inhalt von V. 13–15
kurz zusammen (wie V. 19a den von V. 17–18). Der Mensch soll und kann sich über die Wirklichkeit, die mit der Tatsache, dass er in Versuchung steht, gegeben ist, keinen Täuschungen hingeben. In
207
V. 17a scheint es sich, wenn kein Zufall vorliegt, um das Zitat eines nicht ganz einwandfreien Hexameters von unbekannter Herkunft zu handeln:
πασα δοσις αγαθη και παν δωρημα τελειονα.
208
Πᾶσα und
πᾶν ist wie V.2, wie es auch mit dem Sinn dieses unbekannten Zitates stehen möge, in diesem Zusammenhang nicht mit «jede» oder «alle», sondern mit «lauter» zu übersetzen, sodass der Hauptton des Satzes V.17a auf «gute» und «vollkommene», der Nebenton auf
ἄνωθέν fällt,
πᾶσα und
πᾶν dagegen unbetont bleiben.
Der Verfasser will im Gegensatz zu dem zurückgewiesenen Gedanken: von Gott werde ich versucht! (V. 13) sagen: Was von oben kommt, von Gott, das ist ausschließlich gut. Er will ja jetzt die Abweisung jenes Gedankens auf einer zweiten Linie, von Gott aus durchführen und begründen. Er tut das, indem er wie in V. 5 an das Wesen Gottes erinnert, den er dort, wo vom Gebet die Rede war, als den Gebergott geschildert hat, während er hier,
wo es sich um die
|344 Natur seines Gebens
Unwandelbarkeit, seine Unzweideutigkeit, seine Einheit in sich selbst, und zwar die Unwandelbarkeit seines
Wesens als des Guten und Vollkommenen [schildert]. Es wäre sehr erleichternd, wenn man zum Folgenden (nach V. 6 und V. 10f. übrigens schon dem dritten Naturgleichnis des Jakobusbriefs!) dem Vorschlag
Hofmanns folgen dürfte, der den Genetiv
τῶν φώτων von
παραλλαγὴ abhängen lässt und so den Sinn herausbekommt: «von dem Vater, bei dem es nicht wie bei den Gestirnen eine Veränderung und Beschattung infolge ihrer Bewegung gibt».
209 Denn die Bezeichnung Gottes als des
πατὴρ τῶν φώτων hat etwas Befremdliches, wenn ich auch nicht mit
Windisch sagen möchte, sie sei «nicht im Sinne Jesu».
210 Aber der Vorschlag Hofmanns ist doch wohl, wenn man die Wortstellung betrachtet, als eine der nicht seltenen Verirrungen seines an sich so vorbildlichen exegetischen Spürsinns [zu beurteilen]. Sicher
211 ist, dass Gott als der Vater – hier im strengen Sinn von Schöpfer – der Gestirne seinen Geschöpfen als andersartig gegenübergestellt werden soll. Der Platoniker
Zwingli dürfte das Richtige getroffen haben, wenn er sagt: «
ubi ἀποσκίασμα est, non ἀποτέλεσμα. …
Est in rebus creatis omnibus, quae verae istius lucis vestigia et umbrae quaedam sunt, nihil solidum, nihil constans, nihilque perfectum.»
212 Die geschaffenen und darum in
παραλλαγή, im Kommen und Gehen begriffenen, durch ihre Bewegung Beschattung erleidenden oder auch verursachenden Lichter weisen zurück auf ein ungeschaffenes,
nur schöpferisches Licht, dessen unvollkommen-gebrochene Erscheinungen sie selber sind, nie auch nur annähernd an ihren Ursprung heranreichend oder ihm zu vergleichen, aber gerade in ihrer Unvollkommenheit Zeugen seiner Vollkommenheit. «Das alles hat
keine Ähnlichkeit in Gott»
(Schlatter)213,
via negativa
214 nur können wir in den Geschöpfen den Schöpfer erkennen. «Gott ist Licht und Finsternis in
ihm gibt es keine» (1.Joh. 1,5). V. 18 bringt den Abschluss:
Dieser Schöpfer, dessen Art nur
via negativa aus der Art
|346 aller seiner Geschöpfe zu erkennen ist, ist als solcher auch
unser Schöpfer: damit ist gesagt, was
er, Gott, an uns tut, damit ist die Ableitung des Bösen aus ihm abgeschnitten.
Βουληθείς215 möchte ich im Anschluss an
Calvin auffassen als Umschreibung der Freiheit, mit der Gott uns gezeugt, als seine Kinder erschaffen hat: «nulla externa causa inductus», «suo bene placito».
216 Das zu betonen muss [?] dem Verfasser in diesem Zusammenhang wichtig sein: um seinen Lesern zu sagen:
dieser Schöpfer ist
euer Schöpfer, dieser Gott ist
euer Gott, zieht die Konsequenz daraus und tut nicht, als ob ihr ihn nicht kenntet, als ob ihr von Gott wie von einem schicksalsartigen Irgendetwas reden dürftet – um ihnen das sagen zu können, muss er sie an die
Offenbarung erinnern, muss er appellieren an ihre
Christlichkeit. Was ist sie? Etwas Gewordenes, Gewachsenes, Zeitliches und also auch wieder Geschöpfliches,
παραλλαγή und dem
ἀποσκίασμα, die aller kontingenten Größen Mangel bezeichnen.
Nein, will er ihnen jetzt sagen:
βουληθεὶς ἀπεκύησεν ἡμᾶς, aus dem unergründlichen Wohlgefallen seines göttlichen Willens brach und bricht dies Wunder hervor, dass wir sind, was wir sind,
dieses Gottes Kinder. Wie aber geschah und geschieht das?
Λόγῳ ἀληθείας. Nun befinden wir uns freilich einen Augenblick ganz auf der Erde, bei einem Faktum der Lebensgeschichte und Lebenserfahrung des Verfassers und der Leser. Denn man darf aus dem Begriff
λόγος ἀληθείας nicht etwas Besonderes, etwa mit
Zwingli das «verbum vitale et vivificum»
217, oder mit
Hofmann «das Wort der Wahrheit, dem er getreu verbleiben will», herauslesen
218, denn Jakobus ist nicht
Johannes, sondern er ist, wie ein Blick auf 2.Kor. 6,7; Kol. 1,5; Eph.1,13; 2.Tim. 2,15 zeigt, einfach ein terminus technicus für Christliche Lehre. Ihr habt die Wahrheit, die große christliche Wahrheit
gehört! Ihr wisst es, meine geliebten Brüder, wie er nachher V. 19a schließt.
Auf dieses geschichtliche, erfahrungsmäßige Faktum beruft er sich jetzt und deutet es: es war und ist der lebendige Same,
aus dessen Kraft |348 ihr dieses Gottes Kinder seid, oder wie er es nun ausdrückt: ἀπαρχή τις τῶν αὐτοῦ κτισμάτων. Der von Paulus gern gebrauchte Ausdruck ἀπαρχή [Röm. 8,23; 11,16; 1.Kor. 15,20.23] für das Anheben einer neuen Welt in Christus und den Christen und der Genitiv αὐτοῦ bei κτισμάτων (= θεοῦ) weist darauf hin, dass wir hier nicht etwa an den sehr fragwürdigen Gedanken, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, zu denken haben, sondern im Sinn von Röm. 8,19ff. an die in Christus eröffnete Palingenesie, in der – nicht der Mensch als solcher, aber der Mensch als Kind Gottes die erste zögernd unter eine neue Ordnung sich stellende – ἀπαρχήν τινα sagt Jakobus zurückhaltend – und doch dieser neuen Ordnung nicht mehr ganz fremde Spitze der ihm folgenden anderen zukünftigen Gottesgeschöpfe ist.
Dieses ihr Stehen unter der neuen Ordnung der Wiedergeburt – ihr wisst es, geliebte Brüder (V. 19a) –, herbeigeführt durch ihre Bekanntschaft mit der christlichen Wahrheit, aber begründet in der Offenbarung, im göttlichen Beneplacitum, das ist’s, was den Irrtum, als ob Gott es sei, der zum Bösen versuche, letztlich unmöglich macht. Kinder Gottes sagen das nicht, weil sie ihren Vater nicht so kennen. Und damit ist das Recht zu der Seligpreisung von V. 12, mit der der Abschnitt begann, begründet. Ein Christ ist ein durch die Offenbarung aus Gott gezeugter Mensch, Gott aber ist das unwandelbare, fleckenlose Gute.
Also kann ein Christ in der Versuchung nicht auch Gott sehen und sich durch diese vermeintliche Erkenntnis das Rückgrat brechen lassen, sondern sie ist ihm das Gottfremde, dem er widersteht, zu dem er als Christ Nein sagt, in deren Mitte er, siegend oder unterliegend, jedenfalls bekennt, ὑπομένει πει. Selig der Mann, im Gegensatz zu dem ἀνὴρ δίψυχος, dem διακρινόμενος von V. 6, dem Mann im Zuschauerparkett, der Gott ernst und gleich darauf wieder nicht ernst nimmt und damit nur beweist, dass er nicht weiß, was man als Christ eben wissen sollte (V. 19a).
II. Wenn die Analyse dieses wichtigen Abschnitts richtig ist, so wird er synthetisch etwa so zu verstehen sein:
219 Aufruf zu ernstem Wollen und Tun innerhalb der Schranken des Möglichen war der erste Abschnitt des Jakobusbriefs (V. 2-4), in
Gerichtsdrohungen, erst an die Adresse der Zweifelnden, Gott unsachlich
gegenüberstehenden
|350 Christen, dann ganz einfach an die der Reichen als solchen (V. 5-8 und V. 9-11) mündeten die beiden folgenden. Unser Abschnitt V. 12-19a hebt an und endigt mit dem
Evangelium, mit einer Seligpreisung und mit der Zusage, dass wir Gottes Kinder sind. Aber Jakobus muss auch hier als Jakobus verstanden werden. Es kommt in diesem Abschnitt zum Aufwerfen letzter Fragen, zu tiefen Einsichten, zu kühnen Ausblicken. Ohne Paulus und
Johannes zu kennen, würden wir Jakobus hier nicht verstehen. Er zeigt, dass er als Vorläufer oder Zeitgenosse oder Nachfahre dieser Geister die Gedankenwelt ihres Zeugnisses auch kennt, dass er aus ihr nicht nur Entlehnungen vorzunehmen, sondern ihre wertvollsten Güter selbständig zu gebrauchen weiß im Rahmen seines Zeugnisses und seiner Gedankenwelt. Aber es bleibt bei diesem Rahmen. Das Evangelium erscheint als Erfüllung jenes Aufrufs zur
Sachlichkeit, mit dem der Brief begonnen, und als Gegenspiel zu jenen jähen Worten des
Gerichts. Es gibt eine
andere Möglichkeit als jenen Zweifler mit seinem Schicksal, eine andere Möglichkeit auch als den Reichen, diese verwelkende Blume, möchte man ergänzen, aber wir haben gesehen, dass V. 9-11 eine Digression ist; von V. 11 zu V. 12 kann nur so eine Brücke geschlagen werden, dass man zunächst auf V. 8 zurückgeht.
Diese andere Möglichkeit ist die bekannte Wahrheit des Evangeliums, wenn man sie eben weiß, wie man sie wissen kann, wenn und sofern sie bei seinen Bekennern nicht nur bekannt ist, sondern in Kraft steht. In
dieser Orientierung und Stimmung redet Jakobus, auch wenn er vom
Evangelium redet. Die Seligpreisung dessen, der auf dem rechten Weg ist, wird bald und kurz abgebrochen, und an ihre Stelle tritt (– die wirkliche Lage der Zuhörer wird nicht aus dem Auge verloren –) die Warnung vor dem Irrtum. Und die Zusage der Gotteskindschaft ist, das ist nicht zu übersehen, kein selbständiger Gedanke, sondern der letzte, durchschlagende Grund zur Bekämpfung jenes Irrtums. So ist schließlich doch auch in dieser Evangeliumsverkündigung das eigentlich Beherrschende der
Bußruf: Irret euch nicht, geliebte Brüder, aber freilich mit dem positiven Vorzeichen: Ihr braucht euch nicht zu irren, ihr braucht bloß zu sein, was ihr seid, und die Konsequenzen daraus zu ziehen.
«Selig ist der Mann, der in der Versuchung beharrt! Denn als Bewährter wird er den Kranz des Lebens empfangen, den er denen verheißen hat, die ihn lieben!» |
352 Jakobus weiß also nicht nur von den Schatten, von Gericht und Tod, die über den Menschen, auch den Christen liegen. Er weiß davon – das haben wir früher gehört –, und darum hat es nun auch Gewicht, wenn er bezeugt, dass er auch von etwas Anderem weiß. Seligpreisung aus seinem Mund ist nicht billig zu haben, aber eben darum horchen wir auf, da wir sehen, dass sie bei ihm zu haben ist. Er sieht eine menschliche Möglichkeit, die er für würdig hält, als Seligkeit bezeichnet zu werden. Wir staunen. Wie steht es mit dieser Möglichkeit? Man liest, um zu verstehen, den Vers am besten von hinten nach vorne. Es gibt Menschen, die Gott lieben, sagt er zuletzt. Das ist das eigentlich Evangelische, die frohe Botschaft in dieser Stelle, dass er es wagt, damit zu rechnen, dass es solche Menschen gibt. Schon hier ragt jenes Unerhörte herein, von dem er nachher redet, wenn er daran erinnert, dass wir durch Gottes Wohlgefallen gezeugt sind als seine Kinder. Denn Gott lieben ist nicht das geringere Wunder als Gottes Kinder sein. Denken Sie an die paulinischen Parallelen, die ich zu diesem ἀγαπῶν θεόν anführte. Unbegreiflich kühn steht hier dem Unmöglichen, dass Gott uns liebt als seine Kinder, das andere Unmögliche gegenüber, dass wir Gott lieben. Denn wie soll das Eine, wie soll das Andere möglich und wirklich sein? Von hüben nach drüben und von drüben nach hüben führt keine Brücke. Nur von Christus aus kann damit gerechnet werden. Und indem Jakobus damit rechnet, von Christus aus damit rechnet, dass es Menschen gibt, die Gott lieben (wie er nachher wiederum von Christus aus damit rechnet, dass Gott in unergründlicher Freiheit uns zuerst geliebt hat), nennt er diese Menschen Besitzer einer Verheißung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir denken an das Bild Abrahams, wie Paulus es in der Genesis gefunden hat [vgl. Röm. 4; Gal. 3,26-29]: Der Freund Gottes ist ein Verheißungsträger, das muss ihm genug sein,
aber daran hat er die Fülle. Seiner wartet der Kranz, das ewige Leben. Darauf kann man nur warten, das kann nur verheißen sein. Ewiges und zeitliches Leben schließen sich gegenseitig aus. Hörte das Warten auf und würde zum Besitz, dann wäre es entweder mit dem einen oder mit dem anderen zu Ende. Besitzen kann man den Siegerkranz des ewigen Lebens nur als verheißenes, d. h. aber als noch nicht besessenes Leben. In diesem Besitz stehen, die Gott lieben. «Er wird empfangen», sagt Jakobus, wie auch Paulus, wenn er davon redet,
immer nur im Futurum redet, |354 freilich in dem Futurum, das in keiner Zeit zur Gegenwart wird. Die Gegenwart, der es in aller Zeit entgegen zeigt, ist ja die Ewigkeit. Eben darum ist der, von dem das zu sagen ist, selig zu preisen. Selig? Wir staunen. Heißt Seligkeit nicht Besitz? Ja, Seligkeit als menschliche Möglichkeit heißt Besitz, Besitz dieser Verheißung ewigen Lebens. Dieses «Er wird empfangen», das ist die Seligkeit, von der wir noch reden bewährt, antwortet Jakobus. Daran, dass er siegt, erkennt man ihn als den, der den Kranz empfangen wird. Nicht etwa: weil er siegt, wird er ihn empfangen; kein Wort davon steht da. Wollte man nach der Ursache fragen, so müsste man bis auf das Letzte zurückgehen: weil er Gott liebt – und dann steht man erst recht nicht vor der Ursache, sondern vor dem Wunder. Ja, weil er Gott liebt – noch einmal: Jakobus wagt es, mit diesem Wunder zu rechnen –, darum siegt er, darum bewährt er sich, und daran mag man denn erkennen, dass er ein Besitzer der Verheißung ist, dass er den Kranz, das ewige Leben empfangen wird, dass er zu Abrahams geistlichem Samen, zu dem Volk gehört, das im Finstern wandernd ein großes Licht gesehen hat [vgl. Jes. 9,1; Mt. 4,16]. |
Der Sieg, die Bewährung ist aber etwas ganz Schlichtes: dass er bleibt, was er ist, und bei dem, was ihm gesagt ist und was er gehört hat. Wenn Jakobus es wagt, mit Christus und darum mit der Möglichkeit eines solchen Menschen zu rechnen, so rechnet er ja allerdings einerseits mit dem Höchsten und Letzten, nämlich mit der Wirklichkeit des lebendigen Gottes, mit der Auferstehung Jesu von den Toten, d. h. damit, dass jenes Unmögliche zwischen Gott und den Menschen Ereignis ist, aber andererseits auch ganz schlicht damit, dass dieses Unmögliche den Christen gesagt ist und dass sie es gehört haben, gesagt und gehört als Möglichkeit, als Ereignis. Wer selber glaubt, kann auch glauben, dass Andere glauben. Er baut auf den schlichten λόγος ἀληθείας, zu dem er sie ja schließlich einzig auch zurückführen will. Das Festhalten daran, das Bleiben bei dem dazu gesagten Ja meint er mit der Bewährung. Und wie vollzieht sich die? Jetzt sind wir auf den Anfang zurückgekommen: im Beharren in der Versuchung. Also im Nichtabfallen von der Richtung aufs Ziel, die ihr Dasein durch das, was ihnen gesagt ist und was sie gehört haben,
gewonnen hat, ein |356 Nichtabbrechen des Weges, auf den sie damit getreten sind, ein Nicht-Vergessen, dass sie Wanderer und was für Wanderer sie sind. Von Überwindung der Versuchung ist nicht die Rede. Sie fallen vielleicht, nein irgendwie fallen sie sicher – kann das Leben des Menschen etwas Anderes sein als ein fortgesetztes mehr oder weniger völliges und schweres Erliegen gegenüber der Versuchung? Aber es gibt ein Beharren in der Versuchung auch in diesem großen beständigen Erliegen,
ein treues hartnäckiges Zurückkommen auf den mit Gott gemachten Anfang, auf das mit ihm gegen sich selbst und gegen die ganze Welt gemachte Wagnis, ein letztes grimmiges Ablehnen der Möglichkeit, als ob etwa die Versuchung, und wäre sie noch so groß und siegreich, recht haben könnte, als könnten wir etwa zu ihr statt zu dem, der uns berufen hat, Ja sagen, ein nicht mehr ganz aufhörendes Sich-Besinnen auf das, was gilt und nicht gilt, ist und nicht ist, und damit – stehe es mit uns, wie es wolle – ein letztliches Nein auch zu der siegreichsten Versuchung, Beharren nicht bei sich selbst oder bei einer eigenen oder fremden Bewegung, aber in dem Bewegtsein durch Gott, ohne das wir die Versuchung ja gar nicht als Versuchung verstehen könnten, das die Voraussetzung auch unseres schlechtesten Gewissens, auch unseres tiefsten, bittersten Schuldgefühls, auch der gründlichsten Erkenntnis unserer Ohnmacht ist, ein Beharren in dem Bewegtsein, das sich schließlich einfach darin manifestiert, dass wir uns vor Gott als Sünder bekennen – das ist’s, was Jakobus als Zeuge von Christus, vom Evangelium hier meint. |
Den Menschen, bei dem das geschieht, stellt er wie einen aus dem Feuer geretteten Brand in seiner Seligkeit dem anderen gegenüber, der die Richtung verliert, dessen Weg stockt, der aufhört, ein Wanderer zu sein, das Wagnis mit Gott unterlässt, das rechte Ja und das rechte Nein unterdrückt, vergisst, was ist und was nicht ist, und bei sich selbst und in seiner Bewegung und in der Weltbewegung beharrt und über dem allem, vielleicht bei manchen, auch schönen Siegen über die Versuchung, unselig wird, wie V. 7-8 beschrieben. Niemand sage in der Versuchung: Von Gott werde ich versucht! Denn was wäre das Anderes als das Nicht-Beharren und darum das Heraustreten aus dem Licht der vorher gehörten Worte? Wer das sagt: Von Gott werde ich versucht, der will irgendwie nicht mehr als Sünder vor Gott stehen, er will die Versuchung nicht mehr
als Versuchung verstehen, kein |358 schlechtes Gewissen, kein Schuldgefühl mehr haben, er möchte den Streit los sein, er sucht einen Vorwand, zum Feind überzulaufen, den Vorwand: der Feind sei gar kein Feind, Gott selbst sei der Versucher. Das wäre freilich das Ende der Spannung, in der sich der Mensch auch in der tiefsten, vollständigsten Niederlage ganz heimlich immer noch befindet.
Gott stünde auf unserer Seite, wenn und indem wir der Versuchung nachgeben, ja wir täten damit ganz eigentlich sein Werk und seinen Willen. Gibt es eine verlockendere Möglichkeit? Eine Möglichkeit, die uns rascher und sicherer in den Frieden, in die Harmonie, in die Ruhe und Freude hineinführte, nach der wir doch begehren? Ja, und wenn wir wollen, könnten wir ja auch weiter gehen und behaupten, dass gerade dieses Nachgeben und Friedenschließen mit der Versuchung unser Beharren bei Gott und in dem Bewegtsein durch ihn sei. Wenn der λόγος ἀληθείας, der uns gesagt ist und den wir gehört haben, uns nicht vorhalten würde, dass gerade dieses Nachgeben und Friedenschließen, und wenn wir die Versuchung Gott nennen würden, Verrat ist. Am Bleiben bei diesem Gesagten und Gehörten hängt aber unsere Teilnahme an der Verheißung, unser Bleiben in der Liebe, und also unsere Seligkeit. Darum, um unserer Seligkeit willen, wenn wir nicht mehr verstehen sollten, was das heißt: um Gottes willen! Das nicht. Niemand sage das!
20.I.23Jakobus begründet seine Warnung: Niemand sage in der Versuchung: Von Gott werde ich versucht! zunächst einfach mit der GegenbehaupDenn Gott ist unversucht vom Bösen, er versucht also niemanden! Und doch ist auch diese Behauptung schon voll Begründung. Die Nebeneinanderstellung von Passiv und Aktiv ist keine bloße Redefigur. Er will sagen: In Gott ist keine Wechselwirkung, kein Gegensatz, kein Kampf, auch kein Kampf gegen das Böse. Wer von Gott redet und zugleich von einer ihm gegenüberstehenden, ihn beeinträchtigenden Gegenmacht, die dann doch als solche irgendwie eine Auswirkung seiner Macht sein soll, so dass der Mensch, wenn er ihr begegnet, denken könnte: das ist Gottes Macht, wer so von Gott redet, der redet eben nicht von Gott. Freilich gehört die Existenz dieser Gegenmacht zum unveräußerlichen Bestand des Daseins und Soseins der Welt. Die Welt, die wir kennen, ist ja eben die Sphäre der Wechselwirkung des Kampfes, und wir kennen, von Gottes Offenbarung abgesehen, keine andere Welt. Es ist aber,
eben weil wir auf
|360 Grund von Gottes Offenbarung eine
andere Welt oder vielmehr die verborgene
Wahrheit dieser unserer Welt kennen, ein Missbrauch des Schöpfungs- und Allmachtsgedankens, im Dasein und Sosein dieser unserer Welt die Urheberschaft Gottes feststellen zu wollen, als ob zwischen ihr und der Welt, die Gott geschaffen hat und erlösen wird, nicht der Abgrund eines radikalsten Vergehens und Neuwerdens klaffte. Von
daher allein ist die Gegenbehauptung des Jakobus V. 13b zu verstehen. Sie ist keine Leugnung des Gedankens der providentia Dei.
Zwingli und
Calvin haben wohl Recht, wenn sie auch hier zähe daran festhielten.
220 Sie sichert ihn aber vor der unreinlichen Vermischung mit dem Kausalitätsgedanken. Sie warnt vor allen direkten Schlüssen, von dem, was
ist, auf das, was
Gott ist. Sie empfiehlt, wenn denn von einem Weg zu Gott die Rede sein soll, die via negativa. Im Hintergrund aber steht die Offenbarung, die uns allein sagen kann, wer und was Gott ist.
Das Interesse der Ausleger hat sich bei dieser Stelle
2. von jeher auf die Frage gerichtet, wie sich diese Aussage mit der
6. Bitte des Unservater vereinigen lasse [vgl. Mt. 6,13; Lk. 11,4]. Ich würde dazu sagen, dass das «führe uns nicht in Versuchung!» auf keinen Fall die Aussage enthält: Gott führt in Versuchung, sondern eben wirklich als Gebetswort verstanden werden muss, d. h. als ein bewegtes Vordringen von dem Gott dieser Welt, dem auctor malorum, der den Menschen versucht und hinter dessen Bild der lebendige Schöpfergott dem Auge des Beters zunächst verborgen ist, zu eben diesem lebendigen Gott, Schöpfer Himmels und der Erde
221, wie er war im Anfang und sein wird am Ende der Zeit und ist in Ewigkeit, dem Gott, der in der Tat, mit Jakobus zu reden, niemand versucht. Oder wie
Luther es im kleinen Katechismus ausdrückt: «Gott versucht zwar niemand; aber
wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott wollt behüten und erhalten, auf dass uns der
Teufel, die
Welt und unser
Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweifeln und ander große Schande und Laster, und
ob wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich
gewinnen und den Sieg
behalten» (21,16).
222 Die Aussage des Jakobus wäre
nicht wahr ohne das Fragen, Ringen,
Flehen um diese
|362 Wahrheit, das wir in der 6. Bitte vor uns haben. Und wie sollte umgekehrt die Frage, die Hiobsfrage an Gott: Wer bist du? in der 6. Bitte verständlich sein ohne die allen Fragen vorausgehende Antwort, wie sie in der Aussage des Jakobus formuliert ist? Das Beharren des Menschen in der Versuchung, will er sagen, hat einen Sinn, weil auch Gott treu ist, weil in ihm die Versuchung ein Nichts ist, weil auch der den Ungeheuern erliegende Antonius in der Wüste
223, indem er beharrt, Gott auf
seiner Seite hat. Aber woher dann die Versuchung? Es liegt in Paulus, dass er bei der positiven Beantwortung dieser Frage, nachdem er Gott gegeben, was Gottes ist [vgl. Mt. 22,21], sofort wieder den einzelnen konkreten Menschen und seine Lage ins Auge fasst:
«Ein jeder wird so versucht, dass er von seiner eigenen Lust herausgelockt und geködert wird. Und dann gebiert die schwanger gewordene Lust die Sünde, die Sünde aber, zur Reife gekommen, gebiert den Tod. Irrt euch nicht, meine geliebten Brüder!»
Der Mensch steht eben im Kampf, im Widerspruch, vor der Realität der Macht des Bösen. So gewiss Gott nicht als Gott verstanden ist, wenn man diesen Widerspruch in seinen Willen hineinträgt, ihn begreift nach Analogie der Welt, die wir kennen, so gewiss wäre es Lüge, den Menschen anders sehen zu wollen als in diesen Widerspruch verwickelt, in die Wechselwirkung erlittener und selbst ausgeübter Versuchung. Man muss zunächst diesen Kontrast schon in diesen Worten [sehen], den Kontrast zwischen dem reinen, göttlichen Licht
und den |364 gebrochenen Strahlen, die im Prisma der Menschenwelt daraus geworden sind. Und dann das Zweite: die Menschenwelt, in der die Macht der Finsternis allein ihre Möglichkeit ist, kein Äußeres, sondern ein Inneres, kein allgemeines Ganzes, sondern der Mensch selbst, jeder Einzelne. Wenn Paulus Röm. 5[,12ff.] von Adam redet, durch den die Sünde in die Welt kam, so meint er natürlich auch den Menschen, den Einzelnen als solchen, in ungeheurer Projektion an die Wand geworfen im Bild des Protoplasten, des Ahnherrn. Der Jakobusbrief ist, wie wir sahen, aus einer Atmosphäre entstanden, in der diese Verkündigung al fresco nicht mehr verstanden, vielleicht missbraucht wurde zu bequemer mythologischer Vernünftelei über den Ursprung des Bösen, über der der einzelne Mensch seine Haftbarkeit für das in Adam Geschehene vergaß und zum bequemen Zuschauer ferner Heils- und Unheilsvorgänge wurde.
Darum redet Jakobus
nicht auf
dieser Linie weiter – es hat auch solche Zeiten gegeben, wo der Römerbrief der allzu sehr auf seine großen Konturen eingestellten Christenheit wieder weggenommen und scheinbar durch ganz gewöhnliche Psychologie und Moral ersetzt werden musste. An dieser kritischen Wende stand im apostolischen Zeitalter oder an seinem Ende Jakobus. Darum redet er nicht von Adam, sondern appliziert die Antwort auf das schwerste Problem alles Denkens direkt und ausschließlich ad hominem: Du bist der Mann [vgl. 2.Sam. 12,7]! Unerbittlich soll jeder Einzelne genötigt werden, sich als Objekt
und Subjekt der Versuchung zu begreifen. Ich erinnere an die das letzte Mal besprochenen Einzelheiten der Bilder von der Jagd, vom Fischfang, von der Dirne, in denen er hier redet.
225 Man beachte aber wohl, dass ihm diese ganze Psychologie nur Mittel zum Zweck ist. Um zu begründen, dass
Gott niemand versucht, darum redet er jetzt so einlässlich,
als ob kein Gott wäre, davon, wie es bei der Versuchung zugeht: du bist der
Versuchte, ja, aber du bist auch der
Versucher. Lust kommt
eigene Lust,
du empfindest sie,
du gibst ihr Recht,
du willst, was sie will.
Hier gilt nun allerdings Kausalität, aber das erste Glied in der Reihe, deren Ende Tod heißt, bist du selber. Wir können für ἐπιθυμία Menschennatur einsetzen oder Kreatürlichkeit, Bewusstsein oder Unterbewusstsein oder die Libido, von der die Psychanalytiker reden, wenn es nur dabei bleibt, dass wir hier Subjekt ebensowohl wie Objekt sind, wenn es nur zu keinem Nebenhinaustreten und Betrachten seiner selbst von außen kommt. Darin unterscheidet sich nun allerdings die Psychologie des Jakobus aufs Stärkste von der gewöhnlichen Psychologie, dass es eben dazu nicht kommt. Es bleibt der Mensch, der Einzelne im Mittelpunkt, nicht auf seine Prädikate, sondern auf seine Existenz wird er angeredet, keine Abschiebung findet statt auf dritte, dingliche Größen, sondern auf ihm selbst, wie er vor Gott steht,
bleibt |368 Alles liegen, Frage und Antwort und neue Frage. Die positive Beantwortung der Frage nach dem Woher? der Versuchung ist also die Erkenntnis des Gerichtes, unter dem der Mensch steht.
Er fängt an mit dem befremdeten Seufzer über die Unheimlichkeit der Macht des Bösen, die ihn bedrängt, und er endigt mit der Einsicht, dass diese Macht nicht wäre, wenn er der Mensch nicht wäre. Ich brauche wohl nicht zu zeigen, wie in diesem Ergebnis der Jakobusbrief mit dem Römerbrief sich wieder findet. Und auch das ist deutlich, dass auch diese Aussage so gut wie die vorher über Gott gemachte nur möglich ist als Aussage des Glaubens auf Grund von
Erlöser.
Denn nur in der zwingenden Gegenwart
Gottes kann der Mensch sich selbst preisgeben; nur in einem Atemzug mit der Verherrlichung
Gottes kann ich von mir sagen, dass das, was ich hervorbringe, schließlich der Tod ist. Und dieses ursprüngliche Wissen, aus dem jene Aussage allein hervorgehen kann, das
227 kann der Mensch nicht
haben, sondern nur und immer wieder
nur empfangen. Das ist Offenbarung, das immer neue Geschenk dieses Wissens von Gott, durch das wir gerichtet und gerade in diesem Gericht zu unserer Errettung und Seligkeit an Gott gebunden sind. Und das ist Glaube, dass wir uns dieses Wissen von Gott immer aufs neue schenken lassen und nicht anders als in der Beugung unter das damit gesetzte Gericht errettet und selig werden wollen.
So kann Jakobus sagen: Irrt euch nicht, geliebte Brüder! [V. 16] Auch Irrtum gibt es nur an der Wahrheit, und «Irrt euch nicht!» kann man nur zu solchen sagen, denen die Wahrheit nicht fremd, sondern bekannt, wenn auch vielleicht ver
die mit der |370 Tatsache, dass der Mensch in Versuchung steht, gegeben ist, ist die Gerechtigkeit Gottes. Von ihr sollen wir nicht abschweifen, ruft Jakobus uns zu. Um sie sollen wir uns sammeln, an sie uns halten, und wenn wir damit unser Todesurteil unterzeichneten. Es hängt Alles daran, dass wir zu uns selbst Nein sagen, oder vielmehr, dass wir das zu uns selbst schon gesagte, von Gott gesagte Nein anerkennen. Dann und damit wird der Weg frei zu der anderen Erkenntnis [V. 17]: «Lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk kommt von oben herab von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist und keine durch Bewegung verursachte Beschattung.»
Wir sahen, dass der ganze Nachdruck dieses Satzes auf der Güte und Vollkommenheit dessen, was von oben, von Gott kommt, liegen muss.
Der Satz ist nicht gleichbedeutend mit dem von V. 13b, dass Gott nicht versucht werde noch versuche. Er redet von Gabe und Geschenk, von dem, was von oben herunter zu uns kommt, und sagt, dass das ausschließlich gut und vollkommen sei. Wir sollen nicht nur wissen, wer und was Gott ist, wir sollen wissen, wie wir mit ihm dran sind, wie er an uns handelt. Daran hängt ja schließlich die Möglichkeit, nach V. 12 zu beharren in der Versuchung, d. h. in der unvermeidlichen Versuchung, in der wir stehen, der Versuchung doch nicht Recht zu geben. Wir könnten das nicht tun, wenn wir nicht Gott die Ehre und darum uns selbst Unrecht geben würden. Denn solange wir Gott vielleicht die Ehre geben, aber ihm doch auch direkt oder indirekt einen Teil unseres Unrechts zuschieben und vielleicht einiges Unrecht auf uns nehmen und uns doch auch noch etwas Ehre wahren wollen, dann verwischen sich alle Grenzen, dann kann von einem Entweder – Oder, dann kann von Beharren nicht mehr die
Rede sein. |374 Wir könnten aber noch immer nicht beharren, wenn Gottes Ehre in unserem Unrechthaben nicht der in unserem Leben unserer ganzen Versuchlichkeit zum Trotz sich ereignende Triumph des Guten und Vollkommenen wäre. Gottes Gerechtigkeit ist unsere Rechtfertigung und nichts Anderes, das ist’s, was Jakobus hier sagen will.
Gottes Beziehung zu uns ist unzweideutig, ohne Vorbehalt, ohne Beimischung anderer Möglichkeiten ein rundes volles Ja, das der zu uns spricht, der von keiner Versuchung weiß, zu uns, die wir ganz und gar nur Subjekt ebensowohl wie Objekt von Versuchung sind, uns der Einsicht, dass wir böse sind, vor ihm nicht entwinden können. Von einem Gott, den wir uns nach Analogie der Welt, der Natur, der Geschichte, des Schicksals gedacht hätten oder dessen Wahrheit wir etwa aus diesen Wirklichkeiten ablesen wollten, könnten wir das nicht sagen, denn alle diese Wirklichkeiten sind in sich selber zweideutig, gemischt aus gut und böse – wie sollte ihre Beziehung zu uns anders als zweideutig sein? Die Gewissheit, dass Gott uns rechtfertigt, hängt daran, dass wir seine Gerechtigkeit und unsere Ungerechtigkeit unverworren lassen.
Wer das Gericht sieht, unter dem der Mensch, er selbst steht, der und nur der kann daraus auch Gottes Gerechtigkeit sehen, nicht nur in der Ferne, sondern in der Nähe, nicht nur als das Andere, Fremde, sondern als das Eine, neben dem es kein Anderes gibt, nicht nur Gottes Gerechtigkeit, sondern eben auch unsere Rechtfertigung und das – ich wiederhole – ohne Wanken und Schwanken, ohne Zweifel und Einwand: lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk.
Aber wohlverstanden: immer von oben herab, nicht umgekehrt. Von Gottes Beziehung zu uns gilt das, nicht von unserer Beziehung zu ihm, von dem, was er gibt und schenkt, nicht von dem, was wir darbringen können. Das steht immer wieder unter dem Gericht, von dem er vorher redete. Aber von Gottes Beziehung zu uns gilt das; das ist’s, was er jetzt sagen will. Er erläutert es durch das Gleichnis von dem Licht und den Lichtern. Der den Menschen rechtfertigt mitten in seiner Menschlichkeit und Versuchlichkeit, der ihn, den Bösen, sein Kind nennt, und das in unerschütterlicher Klarheit und Wahrheit, ohne dass etwa daneben auch noch etwas Anderes gelten könnte, der gleicht dem Licht, das alle Lichter teilnehmen lässt an seiner Helle, ohne dass sie doch mehr sind als seine dunklen, schattenhaften,
vorübergehen|376den, zeitlichen Erscheinungen, dem Wandellosen, das aller Bewegung Voraussetzung, dem Unberührten, das aller Wechselwirkung Bedingung ist. Gebrochen, verdunkelt, veränderlich lebt doch auch das kleinste geschaffene Licht von seiner Beziehung zu seinem Ursprung, von der Güte und Vollkommenheit jenes ungeschaffenen Lichtes, das nie war noch sein wird.
Aber das Wort vom «Vater der Lichter» ist nur Gleichnis, nicht Begründung. Es hat Sinn nur als Erläuterung eines Bekannten, Gegebenen. Andernfalls, wenn etwa damit
Gott dem Menschen gezeigt werden sollte, dass er auf den gestirnten Himmel über ihm
232 verwiesen wird, wäre nur ein Rätsel anstelle eines andern gesetzt, denn davon gingen wir ja
aus, dass es, wohin auch der Mensch auf Erden blickt, ebenso aussieht wie am gestirnten Himmel: Veränderung, Bewegung, Beschattung. Und wie das Licht des Ursprungs nicht das Licht des Ursprungs wäre, wenn wir es irgendwo und irgendwann
sehen könnten, um so die Güte und Vollkommenheit, an der die Lichter des Himmels teilhaben, direkt zu sehen, wie die Idee nicht zur Erscheinung werden kann, um uns so zu überzeugen von der Güte und Vollkommenheit, die in der Mangelhaftigkeit der Idee erscheint, so wäre Gott nicht Gott, wenn etwa die gute Gabe und das vollkommene Geschenk seiner uns rechtfertigenden Liebe irgendwo und irgendwann ein Ding unter anderen werden würde – es wäre denn, wir meinten damit wieder das Unmögliche, Gottes Offenbarung, Jesus Christus, denn Gottes Offenbarung ist gerade
als Offenbarung zugleich das dem Menschen
Allerverborgenste, Gottes alleinige Tat.
Die Offenbarung löst beide Rätsel, das Rätsel des gestirnten Himmels und das des Menschenlebens, und wer von Offenbarung weiß, dem mag dann wohl der gestirnte Himmel zum Gleichnis des Menschenlebens werden und veranschaulichen, was er doch nicht begründen kann, die Gegenwart des Einen in dem Vielen, die Gegenwart Gottes unter den Menschen. Wer da hat, dem wird gegeben werden [vgl. Lk. 19,26 par.]. Anders kann es Jakobus mit diesem Gleichnis nicht gemeint haben.
378 Und dieser Gott nun, schließt Jakobus, der das ist (V. 13) und so an uns handelt (V. 17), er ist unser Gott. Durch seinen Willen hat er uns gezeugt durch das Wort der Wahrheit, damit wir sozusagen Erstlinge seiner Geschöpfe seien [V. 18]. Ihr wisst es, liebe Brüder [V. 19a].
Ich halte mich durch diesen Vers für gerechtfertigt, wenn ich bei der ganzen Stelle immer wieder an die Voraussetzung der Offenbarung oder des Glaubens erinnert habe. Jakobus hat die höchsten Dinge über Gottes Wesen und Tun ausgesagt. Es würde
Alles wenig glaub|382würdig tönen, wenn wir diesen Abschluss nicht beständig im Auge behalten hätten. Auch Jakobus mit seinem Bußruf moralisiert nicht von unten her, auch er ist Zeuge Jesu Christi. Wenn er von Gott und vom Gericht und von dem, was Gott an uns tut, [redet,] dann appelliert er fortwährend an die höchste, letzte Instanz – ihr wisst es, geliebte Brüder!, schließt er hier in der eindringlichsten Weise. Er vollzieht aber diesen Appell, indem er an das scheinbar so Einfache erinnert, an das «Wort der Wahrheit», das sie empfangen und gehört haben. Man könnte «das Wort der Wahrheit» hier vielleicht einfach mit «Christentum» übersetzen, so schlicht ist es gemeint. Jakobus will ja wirklich nur den menschlichen Rechtstitel nennen, der ihm das Anrecht gibt, sie zum Beharren aufzufordern, vor Untreue und Irrtum zu warnen. Aber was steckt hinter dieser Aufforderung und Warnung und dem, was ihm dazu das Recht gibt? Hinter der scheinbar so belanglosen Tatsache, dass da Einer und dort Einer diese Botschaft gehört, empfangen hat?
Der Wille Gottes steckt dahinter, erklärt Jakobus, das Wunder der ewigen Majestät, der den Himmel zerrissen hat [vgl. Jes. 64,1], damit wir, die das gehört haben, nun nicht mehr nur versuchliche Menschen, nur verlorene Atome dieser Welt, nur Gerichtete und Getötete seien, nicht mehr nur geschaffene Lichter, sondern nun wirklich teilhaftig der Güte und Vollkommenheit des ewigen Lichtes, nun wirklich Gerechtfertigte, nun wirklich in der Versuchung Gottes Kinder, nun wirklich «Erstlinge von Gottes Geschöpfen», sagt Jakobus, von Gottes neuen Geschöpfen, haben wir uns das erläutert. Es geht ein Seufzen durch die Kreatur [vgl. Röm. 8,22], ein Entbehren der Güte und Vollkommenheit des Schöpfers, an der sie doch teilnehmen möchte. Wer das Kreuz verstanden als das Ende und den Anfang der Wege Gottes mit dem Menschen, der kann nicht anders, als es am Ende und Anfang aller Gotteswege sehen. Die Schöpfung Gottes ist noch nicht erschienen, sie will aber erscheinen. Dazu sind wir Gottes Kinder, um «sozusagen» dieses Erscheinens erste Zeugen zu sein. Dazu haben wir das Wort der Wahrheit gehört. Und darum können und müssen wir nach V. 12 beharren. Wir können, weil Gott mit seinem Willen hinter uns steht, hinter der schlichten Tatsache, dass wir von Christus
gehört |384 haben. Wir müssen aber auch, denn die Untreue gegen das Wort der Wahrheit wäre die gegen Gott, in dessen Hände wir schon gefallen sind [vgl. Hebr. 10,31].
319 Erklärung des Jakobusbriefes
W.S. 1928/29
Jakobus 1,12-18
Selig der Mann, der in der Versuchung beharrt!
Denn als Bewährter
wird er den Kranz des Lebens empfangen,
den er denen verheißen hat, die ihn lieben.
Keiner sage in der Versuchung:
Von Gott werde ich versucht!
Denn Gott ist unversucht vom Bösen;
er versucht also niemanden.
Sondern jeder wird von seiner eigenen Begierde versucht,
herausgelockt und geködert.
Dann gebiert die schwanger gewordene Lust die Sünde,
die Sünde aber, zur Reife gekommen, gebiert den Tod.
Irret euch nicht, meine geliebten Brüder!
Lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk
kommt von oben herab,
von dem Vater der Lichter,
bei dem keine Veränderung ist und keine durch Bewegung verursachte Beschattung.
Durch seinen Willen hat er uns gezeugt durch das Wort der Wahrheit,
damit wir Erstlinge seiner Geschöpfe seien.
Wir fragen auch hier zunächst nach dem Zusammenhang. Ich halte es auch hier für geboten, eine gewisse Mittelstellung einzunehmen zwischen Auslegern wie Hofmann und Schlatter einerseits, Hollmann, Windisch183
, Dibelius184 andererseits.
Die Verbindungsfä|321den zum Vorangehenden und Nachfolgenden sind dünn und locker – das ist gegen die ersten –, sie sind aber vorhanden – das ist gegen die zweiten unter den Genannten zu sagen. So glaube ich nicht, dass Zwingli im Recht war, wenn er V. 11 und 12 verknüpfte durch den Gedanken: Nicht der Reiche ist selig zu preisen, sondern der in mannigfachen Versuchungen Geübte und Bewährte185
, oder Schlatter, wenn er auf den Gegensatz zwischen dem μαρανθήσεται V. 11 und dem Kranz des Lebens V. 12 aufmerksam macht186
. Wohl aber scheint es mir erlaubt und geboten, die Tatsache zu beachten, dass nach der Digression von V. 9-11 hier offenkundig das Thema von V. 2-8, das Stehen und Bestehen des Christen in der Versuchung wieder aufgenommen wird. Vielleicht darf man sogar so weit gehen, von dem ἀνὴρ ὃς ὑπομένει V. 12 zurückzublicken auf den ἀνὴρ δίψυχος V. 8, zu dessen Schicksal und Gericht das μακάριος V. 12 dann das Gegenstück bilden würde.
323
Jedenfalls aber scheint es mir unmöglich, V. 12, wie es wieder mit besonderem Nachdruck Dibelius tut187, als aus dem Zusammenhang auch nach vorwärts ganz herausfallenden Einzelspruch aufzufassen. Er wirkt ja zunächst zweifellos formal störend, weil er nach Inhalt und Wortlaut so starke Ähnlichkeit mit V. 2-4 zeigt. Dieser Schönheitsfehler wird aber, wie Hauck gut gezeigt hat188, als absichtsvolle Kunst verständlich, wenn der Vers als Kopfstück einer bis V. 18 gehenden Reihe aufzufassen ist, so, dass V. 13-18 in zwei Gängen, V. 13-15 von unten vom Menschen her, V. 16-18 50 von oben, von Gott her, das Recht der Seligpreisung V. 12 beweisen, indem sie sie schützen vor dem Irrtum, als ob Gott der Versucher und also der Mensch von Gottes wegen ein ἀνήρ δίψυχος sei. 189 haben V. 2-4 verstanden als einen Aufruf zu christlichem Wollen und Tun innerhalb der Schranken des Möglichen, V. 5-8 und V. 9-11 dagegen als Gerichtsdrohungen. Unser neuer Abschnitt hebt an und endigt mit dem Evangelium, mit seiner Seligpreisung und mit der Zusage, dass wir Gottes Kinder sind. Jakobus muss auch hier als Jakobus verstanden werden. Wir sehen ihn freilich gerade hier von Gedanken Gebrauch machen, die ohne Zusammenhang seines Zeugnisses mit dem des Paulus und Johannes nicht begreiflich wären. Aber er stellt sie in den Rahmen seines Zeugnisses und seines Wollens. Das Evangelium erscheint als Erfüllung jenes Aufrufs zu christlicher Sachlichkeit und als Gegenspiel zu jenen jähen Worten des Gerichts. Es gibt eine andere Möglichkeit als die jenes Zweiflers und seines Schicksals (eine andere auch als die des Reichen, dieser verwelkenden Blume, möchte man im |325 Blick auf die Digression V. 9-11 hinzufügen). Diese andere Möglichkeit ist die des Evangeliums, des wohlbekannten Evangeliums, sofern es eben seinen Bekennern nicht nur bekannt ist, sondern, vor Irrtum geschützt, in ihrem Gehorsam in Kraft steht. In dieser Stimmung und Orientierung redet Jakobus von der Seligkeit und Gotteskindschaft der Christen. Die Seligpreisung bricht rasch genug ab und an ihre Stelle tritt – die wirkliche Lage der Leser wird nicht aus dem Auge verloren – die Warnung vor dem den Gehorsam bedrohenden und damit die Seligpreisung illusorisch machenden Irrtum, und so ist auch die Zusage der Gotteskindschaft am Schluss kein selbständiger Gedanke, sondern der letzte durchschlagende Grund zur Bekämpfung jenes Irrtums. So ist schließlich auch in diesem Abschnitt der Bußruf beherrschend: Irret euch nicht geliebte Brüder! (V. 16), aber freilich mit dem positiven Vorzeichen: Ihr braucht euch nicht zu irren, ihr braucht bloß zu sein, was ihr seid, und die Konsequenzen daraus zu ziehen, um selig zu sein.
«Selig der Mann, der in 51 der Versuchung beharrt». Man darf das ἀνήρ hier nicht pointieren: er habe sich männlich gehalten oder dergleichen; es steht nach alttestamentlichen Vorbildern einfach für: der Mensch.192
Μακάριος «deutet ein Gottesheil an, dessen sich der Mensch gegenwärtig und oft gerade wie hier im Gegensatz gegen eine alltägliche Urteilsweise getrösten darf» (Hauck)190
. Es handelt sich natürlich nicht um einen Wunsch, sondern wie am Anfang der Bergpredigt um eine höchst kategorisch gemeinte Prädikation: Der Mann ist selig! Der Mann nämlich, der das tut, was V. 3-4 geschildert wurde. Aber warum ist er selig? Nach V. 4 könnten wir erwarten: weil und sofern die ὑπομονή das menschlich vollkommene Werk mit sich bringt. Aber diesmal steigt Jakobus in der Begriffsreihe V. 2-4 nicht aufwärts, sondern abwärts, greift er also zurück auf das, was er dort als den Anfang der ὑπομονή beschrieben, und antwortet: «Denn als Bewährter wird er den Kranz des Lebens empfangen», nur dass jetzt als |327 das, was sich bewährt hat, nicht der Glaube, sondern der Mensch selber genannt wird.
Aber hier wie dort wird die Lage des Menschen so verstanden, dass er im Falle ist, einem ihm Gegebenen treu zu bleiben, in Konsequenz einer Voraussetzung nach Menschenmöglichkeit zu handeln. Und hier wie dort ist dieses Treubleiben, dieses konsequente Handeln der Erkenntnisgrund dort: des Freuet euch! hier: des Selig ist der Mann! Göttliches und menschliches Handeln erscheinen bei Jakobus als Parallelen, die aufs Strengste und Intimste auf einander bezogen sind, die sich aber nicht schneiden. Die Meinung ist also nicht etwa die: weil er sich bewährt, empfängt er (Bardenhewer193) und ist darum selig zu preisen, sondern wie es dasteht: er ist selig zu preisen, weil er als Bewährter empfängt, ohne dass die zwei letzten Glieder kausal miteinander verbunden wären.
329
Es ist ja der «Kranz des Lebens», den der sich Bewährende empfängt. Ζωῆς steht appositionell zu στέφανος, das Leben, das ewige Leben natürlich ist selbst der Kranz, mit dem der Bewährte gekrönt wird. Es 52 ist also der «Endlohn» (Hauck196), von dem die Rede ist. Mt. 10,22 ist die genaue Parallele: «Wer beharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden», und bis auf den Ausdruck genau Apk. 2,10: «Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir den Kranz des Lebens geben». Wo in den gleichzeitigen Mysterienreligionen197 die Vergottung des Eingeweihten anschaulich und greifbar vollzogen wird in der Bekleidung des Mysten mit dem Gewande seines Gottes, da setzt das Neue Testament dieses ἔσχατον, den Kranz, der in der Zeit Verheißung bleibt, den überschwänglichen Lohn, der auch als Lohn freie Gabe bleibt. Aber dieses Eschatons zeitliche Entsprechung ist eben die Bewährung. |331 Seine Entsprechung, nicht seine Ursache. Daran ändert auch der Zusatz nichts: «den er denen verheißen hat, die ihn lieben.» Wer der ist, der verheißt und der geliebt werden soll, wird nicht ausdrücklich gesagt. Ὁ θεός und ὁ κύριος haben darum manche Handschriften ergänzt198
und die Vulgata: Deus. Es gehört zum Stil des Jakobus, und es ist kein schlechter Stil, dass er mit dem höchsten Namen sparsam umgeht. Nach einer alttestamentlichen Belegstelle für diese Verheißung oder nach einem Agraphon Jesu wird man hier nicht fragen dürfen. Diese Verheißung bedarf keines Beleges, und Schlatter hat wohl recht, wenn er einfach auf die Auferstehung Jesu verweist199
, die in diesem Zusammenhang der ersten Christenheit Alles sagte. |
«Denen die ihn lieben». Calvin200 hatte nicht nur dogmatisch, sondern auch exegetisch recht, wenn er dazu bemerkte: «non asserit dilectionem hominis esse causam (praevenit enim nos Deus suo amore) sed tantum significat eos demum approbari Dei electos, qui ipsum diligunt».195
Denn wenn irgend ein menschliches Tun in keinem kontinuierlichen, kausalen Verhältnis steht zu dem, was Gott am Menschen tut, dann sicher das, was Dtn. 6,5 als Grundpflicht des Israeliten Gott gegenüber aufgestellt ist, was Paulus 1.Kor. 12,31 als die καθ’ ὑπερβολὴν ὁδόν oder 1.Kor. 2,9 als Tun der Menschen, denen Gott bereitet habe, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, was in keines Menschen Herz gekommen ist, oder 53 1.Kor. 8,3 als das, was menschlicherseits geschieht, wenn der Mensch von Gott erkannt ist, oder Röm. 8,28 als das, was diejenigen auszeichnet, denen alle Dinge zum Besten dienen. Jakobus rechnet nach seiner ganzen Art sehr nüchtern damit, dass Menschen dieses – wenn wir von den paulinischen Stellen herkommen so unerhörte – tun: Gott lieben. Er sollte aber vor dem von Calvin abgewehrten Missverständnis, als ob hier menschliches Tun das göttliche bedingte, schon dadurch geschützt sein, dass er den ihm zuteil werdenden Lohn eben als ἔσχατον und als verheißenen Lohn charakterisiert hat. Wir gehen zum synthetischen Verständnis des Verses wohl am Besten gerade von diesem Schluss aus. |333 Jakobus wagt es in der Tat, damit zu rechnen, dass es Menschen gibt, die Gott lieben. Das ist das eigentlich Evangelische, die frohe Botschaft in dieser Stelle. Es ist dasselbe Wunder, auf das er nachher [V. 18] verweist, wenn er sagt, dass wir durch Gottes Wohlgefallen durch das Wort der Wahrheit Gezeugte sind. Dass Gott uns für seine Kinder hält und dass wir Gott lieben, damit kann nur in Christus gerechnet werden, wie es hier geschieht. Indem Jakobus das tut, nennt er diese Menschen Besitzer einer Verheißung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir denken an das Bild Abrahams, wie Paulus es in der Genesis gefunden hat [vgl. Röm. 4; Gal. 3,6-9]: Der Freund Gottes ist ein Verheißungsträger, das muss ihm genug sein, aber daran hat er die Fülle. Seiner wartet der Kranz, das ewige Leben, der überschwängliche Lohn, der seinem Begriff nach in der Zeit nur verheißen sein, nur in der Verheißung besessen werden kann. |
V. 12 λήμψεται τὸν στέφανον τῆς ζωῆς. Hörte das Warten auf, gäbe es hier ein anderes Besitzen als eben das in der Verheißung, dann würde das bedeuten, dass die Zeit aufgehört hätte. In der Zeit das ewige Leben haben, wie es bei Johannes [3,16.36; 5,24; 6,54] heißt, heißt des ewigen Lebens warten, nicht wie irgendwelche Menschen auf irgend etwas warten, sondern wie solche, die Gottes Verheißung haben, auf deren Erfüllung warten. Solche Habende sind die, die Gott lieben. «Er wird empfangen», sagt Jakobus wie Paulus, wenn er davon redet. Die Gegenwart, 54 auf die dieses Futurum hinzeigt, ist keine zeitliche, sondern die ewige Gegenwart. Eben darum und insofern ist der, von dem das gilt, selig zu preisen. Die Seligkeit als in der Zeit möglicher und wirklicher Besitz besteht eben in dem Besitz der ewigen Verheißung. Als der, der den Kranz empfanden wird, ist er selig. «In Hoffnung seid ihr - aber eben: in Hoffnung seid ihr gerettet» oder selig, wie Luther übersetzt hat (Röm. 8,24). Und daran erkennt man einen solchen Menschen, erkennt man den, der den Kranz empfangen wird und deshalb selig zu preisen ist – daran, dass er sich bewährt. Nicht etwa: weil er sich bewährt, wird er empfangen – kein Wort davon steht da. Wollte man hier nach der Ursache fragen, so müsste man danach fragen, wie er denn dazu kommt, Gott zu lieben, ein durch das Wort der Wahrheit Gezeugter zu sein. Jakobus greift auch hier nicht auf diese letzte Frage zurück, er rechnet von ihrer Antwort aus und also damit, dass es Menschen gibt, zwischen denen und Gott jenes Letzte Unerhörte Ereignis ist und |335 denen nun nur das zugerufen werden muss, dass sie sich als solche bewähren, dass sie als solche, die aus dem λόγος ἀληθείας Gezeugte [sind], existieren sollen. Das geschieht, indem sie in der Versuchung beharren. Er wird später sagen: dass sie Täter des Wortes sind, 1,22, dass sie nicht vergessen, dass sie solche sind, die in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingesehen haben, 1,25, dass ihr Glaube nicht ohne Werke sein kann, 2,14ff. Es handelt sich immer um dasselbe. Jakobus rechnet einerseits mit dem Unmöglichen, das zwischen Gott und den Menschen Ereignis geworden ist, aber auch mit der Möglichkeit, dass ihnen das gesagt ist und dass sie es gehört haben und dass man sie darauf anreden kann, anreden kann als solche, von denen zu erwarten ist, dass sie auch in der Versuchung bei der durch das Gesagte und Gehörte bestimmten Linie beharren werden. Von Überwindung, von Besiegung der Versuchung und dergleichen ist nicht die Rede. Es gibt aber ein Beharren auch in der übermächtigen Versuchung, ein Beharren, das auch durch menschliches Unterliegen hindurch darum Beharren 55 ist, weil der Mensch es nicht aufgegeben hat, sich durch das Wort, aus dem er gezeugt ist, bewegen zu lassen. Ob zu großen sichtbaren oder zu kleinen unsichtbaren Taten, darauf kommt es nicht an. Nicht das große sichtbare Werk ist gefordert, sondern das Werk als solches, das Verharren in der Bewegung durch das Wort. Den Menschen, bei dem das geschieht, stellt er wie einen aus dem Feuer geretteten Brand [Sach. 3,2; vgl. Am. 4,11] dem Andern gegenüber, der nicht in seiner Bewegung durch das Wort, sondern in seiner eigenen Bewegung verharrt und eben darum in der Versuchung ein Unseliger ist, wie V. 7-8 beschrieben. |
V. 13a bringt den schon formulierten Einwand in scharfer Ablehnung zur Sprache: «Niemand sage in der Versuchung. Von Gott werde ich versucht!» Ich sehe keinen Grund, bei dem nun in den Mittelpunkt tretenden Begriff der Versuchung mit den meisten Exegeten einen an dieser Stelle eintretenden Bedeutungswechsel anzunehmen.201
Bis dahin sei nur von der Anfechtung durch Verfolgung und Leiden die Rede gewesen, von jetzt an von der Versuchung zum Bösen. Aber auch in V. 2 und 12 war mit der allgemeinen und umfassenden Deutung: «Anlass zum Abfall von Gott» durchzukommen (war doch V. 2 |337 ausdrücklich von «mancherlei Versuchung» die Rede), und wenn nun in V. 13f. das Entstehen der Versuchung im Menschen selbst so nachdrücklich unterstrichen wird, so ist damit noch nicht gesagt, dass dabei an von außen kommende Anlässe zur Übertretung nicht gedacht werden dürfe. Versuchung zum Bösen ist offenbar auch die Versuchung durch Leiden und Verfolgung, sofern sie eben Versuchung ist.
Der Sinn des besprochenen Einwandes ist offenbar der: nicht ich bin verantwortlich dafür, wenn ich den Anlass benütze, in die Versuchung herein- und also von Gott abfalle in Leid oder Freude. Sondern als eine objektive Notwendigkeit, als Gottes eigener Wille tritt dieser Anlass mir entgegen, und so bin ich geliefert, indem er da ist; denn wer könnte Gott widerstehen? An die Erklärung von V. 12 anknüpfend könnten wir sagen: der Mensch beharrt darum in der Versuchung, nicht in der Bewegung durch das Wort Gottes, durch 56 das er gezeugt ist, weil er die gewiss entlastende, entspannende Entdeckung gemacht hat, dass ja der drohende Feind da drüben selbst kein Anderer als Gott ist. Er fühlt sich daraufhin, wenn nicht gerechtfertigt, so doch jedenfalls entschuldigt, wenn er den Kampf aufgibt oder nur lässig führt, wenn er sich nicht mehr oder nur noch teilweise durch das ihm Gesagte und von ihm Gehörte, sondern ganz oder doch teilweise durch den in seinem Schicksal entdeckten Gotteswillen leiten lässt. Es liegt ein gewisses Entsetzen in der Abwehr, in der Jakobus dieses Gedankens Erwähnung tut: Niemand sage das! Niemand von denen, die wirklich die Verheißung empfangen haben, die wirklich Gott lieben V. 12. Die Teilnahme an der Verheißung, das Stehen in der Liebe zu |339 Gott hängt am Bleiben bei dem uns Gesagten und von uns Gehörten. Das Wort der Wahrheit hat uns das nicht gesagt! Jakobus begründet diese Abwehr zunächst einfach mit der Gegenbehauptung V. 13b: «Denn Gott ist unversucht vom Bösen, er versucht also niemanden».
Zwingli und Calvin haben sich bei der Auslegung dieser Stelle wie die Löwen für ein Doppeltes gewehrt, 1. dafür, dass an der providentia Dei, an dem Gedanken, dass Alles durch Gott geschehe, nicht gerüttelt werden dürfe; 2. dafür, dass Gott unter keinen Umständen als auctor malorum in Anspruch genommen werden dürfe.203
Man sieht auf den ersten Blick, dass nur ihr zweiter Satz hier textgemäß, der erste aber von Jakobus weder aufgestellt noch bestritten worden ist. Auch nicht bestritten! Aber Jakobus ist nun einmal nicht Pauliner. Er hat für die mögliche Dialektik jener beiden Sätze weder Bedürfnis noch Sinn gehabt. Er schüttelt den euripideischen Gedanken: Die Versuchung das Werk der Gottheit!204
einfach ab, wie etwas Dekadentes, Perverses, Faules. Aber wir erinnern uns, dass auch Paulus und den Paulinern im entscheidenden Augenblick jeweils nichts Anderes übrig bleibt als eben diese Geste (Röm. 3,4; 6,1.15). Und eben, wir stellen fest: dass jener erste an seinem Ort unentbehrliche, mit dem zweiten, freilich nur dialektisch zu verknüpfende Satz von dem Eindeutigkeit 57 liebenden Jakobus jedenfalls auch nicht bestritten worden ist. Der Gedanke dieser zweiten Vershälfte scheint der zu sein: Ein Verführer hat Freude am Verführen, weil er selber ein Verführter ist. |341 «Solamen miseris socios habuisse malorum.»206
Gott ist aber kein Verführter wie wir, also kommt er auch als Verführer nicht in Betracht. Wer von Gott redet, der soll eben wissen, dass er von Gott redet, und darum – vom auctor omnium? Ja, würde wohl, wenn gefragt, auch Jakobus geantwortet haben. Aber darum nun nicht notwendig, auch logisch nicht notwendig: vom auctor mali. Das Böse als Böses, als der gebrochene Strahl des göttlich Guten im Prisma menschlichen Tuns – und welcher göttliche Lichtstrahl erschiene in diesem Prisma etwa nicht gebrochen? – es hat nicht Gott zum Urheber. Dazu wird, was Gott tut, – und warum sollte nicht auch Jakobus sagen können, dass Gott Alles tut? – nur bei uns. In uns selbst, im Rätsel des Menschen, nein, im Rätsel unserer eigenen Existenz haben wir die Antwort zu suchen auf die Frage, warum uns dieser und jener Anlass zum Anlass des Abfalls wird.
343
345
347
349
351
353
355
357
359
Die scheinbare bloße Behauptung, in der in der zweiten Vershälfte der in der ersten namhaft gemachte Einwand abgefertigt wird, ist doch schon voller Begründung: Von Gott und von der Versuchung, von dem sich uns darbietenden Anlass, von Gott abzufallen, kann man eben nicht in einem Atemzug reden, auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Allmacht Gottes. Der Gegensatz, die Wechselwirkung von Gut und Böse ist bezeichnend für uns selber, für die Welt des Sündenfalls, für den Gott dieser Welt. Sobald wir diesen Gegensatz auch in Gott hineintragen, haben wir eben nicht mehr Gott vor Augen, sondern ein Spiegelbild unseres eigenen Wesens. Darum ist jener Einwand töricht und unmöglich.
361
Das Interesse der Ausleger hat sich bei dieser Stelle von jeher auf die Frage gerichtet, wie sich das, was hier gesagt wird, mit der sechsten Bitte des Unservaters vereinigen lasse [vgl. Mt. 6,13; Lk. 11,4]. Ich würde dazu sagen, dass das «Führe uns nicht in Versuchung!» auf keinen Fall die Aussage enthält: «Gott führt in Versuchung», sondern eben wirklich als Gebetswort verstanden werden muss. Im Gebet sucht der Mensch den Weg von dem falschen Gott dieser Welt, 58 dem auctor mali, hinter dessen Bild der lebendige Gott für uns so leicht sich verbergen kann, zu eben diesem lebendigen Gott, Schöpfer Himmels und der Erde221
, dem Gott, der in der Tat, wie er unversuchbar und unversucht ist, niemanden versucht, dessen Tun rein ist, von dem, wie es nachher heißt, nur gute Gabe und vollkommenes Geschenk kommt (V. 17). Wie Luther im Kleinen Katechismus schreibt: «Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott wollt behüten und erhalten, auf dass uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweifeln und ander große Schande und Laster, und ob wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten» (E.A. 21,16).222
Die Aussage des Jakobus bekommt ihre Wahrheit für uns |363 im Gebet der sechsten Bitte. Und wiederum kann die Hiobsfrage an Gott: Wer bist du?, ohne welche die sechste Bitte kein wirkliches Gebet wäre, nicht sein ohne Voraussetzung der Antwort, wie sie eben in der Aussage des Jakobus gegeben ist. Das Beharren des Menschen in der Versuchung, das will Jakobus in V. 13 sagen, ist sinnvoll, weil auch Gott treu ist, weil in ihm, bei dessen Wort der Mensch beharren soll, keine Versuchung ist, weil auch der den Ungeheuern erliegende Antonius in der Wüste223
, indem er beharrt, Gott auf seiner Seite hat. Aber woher dann die Versuchung? Und nun ist es wieder bezeichnend für die ganze Richtung des Jakobus, dass er bei der positiven Beantwortung dieser Frage, nachdem er mit der negativen Gott gegeben, was Gottes ist [Mt. 22,21], sofort wieder dem konkreten Menschen und seiner Lage sich zuwendet. Im Blick auf sie vollzieht sich seine entscheidende Abwehr jenes Einwurfes V. 14-16: «Ein jeder wird so versucht, dass er von seiner eigenen Lust herausgelockt und geködert wird. Und dann gebiert die schwanger gewordene Lust die Sünde, die Sünde aber zur Reife gekommen, gebiert den Tod. Irrt euch nicht, meine geliebten Brüder». Also: da handelt die ἐπιθυμία, die Begierde, die Lust im Menschen, da wo er Anlass empfängt und Anlass nimmt, von Gott abzufallen. Der Begriff ἐπιθυμία 59 ist nicht neutral gebraucht. Sie ist nicht nur die menschliche Natur in ihrer ganzen Zweideutigkeit oder die Libido der Psychanalytiker. Es ist die Lust, die die Sünde gebiert, es ist also schon bestimmt die böse Lust, die gemeint ist. Aber nicht darauf liegt der Nachdruck, dass sie böse, sondern dass sie des Menschen, und zwar eines jeden Menschen eigene Lust ist.
Der Mensch steht eben in dem Gegensatz, in dem nach V. 13 Gott nicht steht, in der Wechselwirkung der erlittenen und selbst ausgeübten Versuchung. Man muss zunächst diesen Kontrast sehen als allgemeinen Sinn unserer Stelle im Gegensatz zu V. 13b: den Kontrast zwischen dem reinen göttlichen Licht und den gebrochenen Strahlen, die im Prisma der Menschenwelt daraus geworden sind. Dann aber, und das ist fast noch wichtiger: Die Menschenwelt, die da mit Gott kontrastiert wird, ist nicht ein Allgemeines, Ganzes, dem man sich |365 allenfalls, auch wenn man sich zu ihm gehörig weiß, betrachtend gegenüberstellen kann, sondern eben «ein jeder», der Einzelne in seiner Existenz. Wenn Paulus Röm. 5,12ff. von Adam redet, durch dessen Sünde die Sünde in die Welt kam, so meint er natürlich auch den Einzelnen, gerade den Einzelnen in seiner Existenz, auf die er ihn verweist, indem er ihn auf den Protoplasten verweist. Diese Verkündigung al fresco konnte und kann aber bekanntlich missverstanden und missbraucht werden zu einer bequemen mythologischen Vernünftelei über den Ursprung des Bösen, bei der der Mensch gerade das vergisst, dass von seiner eigenen Existenz die Rede ist, wenn von Adam die Rede ist, und zum müßigen Zuschauer eines fernen Unheilsvorgangs wird.
Derselben Gefahr ist bekanntlich auch der wahrhaftig existentiell gemeinte Gedanke vom Satan als der Quelle des Bösen ausgesetzt. Jakobus scheint es mit einer Christenheit zu tun zu haben, die von dieser Gefahr tatsächlich bedroht war. Und darum redet er weder von Adam (obwohl seine Beschreibung der ἐπιθυμία nach Ort und Art aufs Genaueste zusammentrifft mit dem, was das an Paulus orientierte kirchliche Dogma unter dem Namen der concupiscentia als das Wesen eben der aller bösen Einzeltat vorangehenden und zu Grunde liegenden Sünde unserer Existenz, d. h. eben der Erbsünde beschrieben hat224) noch vom Teufel (obwohl er nach 3,15 und 4,7 jedenfalls das sehr wohl schon hier hätte tun können), sondern er appliziert die christliche Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Bösen 60 direkt und ausschließlich ad hominem: Du bist der Mann [vgl. 2.Sam. 12,7]! Du bist nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt der Versuchung. Und das, nicht dass die Begierde böse, sondern dass sie eines jeden eigene Begierde ist, ist nun auch als der Sinn des psychologischen Nachweises, der den Inhalt von V. 14-15 ausmacht, anzusehen. Gott versucht niemanden. Darum wird jetzt, als ob kein Gott wäre, davon geredet, wie es bei der Versuchung zugeht. Darum wird jetzt exklusiv vom Menschen geredet. Nicht mit einem selbständigen Interesse an dem menschlichen, allzu menschlichen Vorgang als sol|367chem, sondern in der Absicht zu zeigen: das ist ein menschlicher, rebus sic stantibus der menschliche Vorgang. Du wirst von der Lust «geködert und herausgelockt», wie ein Fisch oder ein Jagdtier. Du wirst verführt, d. h. dahin geführt, wohin du nicht gehen solltest. Es kommt über dich. Jawohl: Es! Aber dieses Es ist nicht Gott, auch keine äußere kosmische Notwendigkeit. Auch von Adam und vom Teufel soll nun also nicht die Rede sein. «Es» ist, das will Jakobus einschärfen, deine eigene, eines jeden eigene Lust. Du hast sie, du empfindest sie, du gibst ihr Recht, du willst, was sie will. Jawohl, du bist versucht, aber du bist selbst dein Versucher.
In V. 15 verschiebt sich das Bild. Nun ist die Sünde das Kind, das zur Welt kommt und zwar die Tochter, die alsbald selber wieder Mutter wird und den Tod gebiert. Dibelius hat recht, wenn er davor warnt, das Interesse des Jakobus etwa in der Aufstellung der Genealogie ἐπιθυμία – ἁμαρτία – θάνατος zu suchen, auch wenn er hier tatsächlich in den Bahnen eines damals beliebten Gedankenganges gedacht haben sollte. Jakobus will bei dieser Kette «vor dem ersten Glied mit Hinweis auf das letzte warnen: hüte dich vor der Begierde, denn sie führt letztlich in den Tod!»226 Wobei doch die Pointe der Warnung vor der Begierde besteht in der Warnung des Menschen vor sich selber. Die Sünde, die die Mutter des Todes ist, ist eben das Kind meiner eigenen Begierde, warum sollten wir nicht sagen – es ist sicher die Meinung des Jakobus –: sie ist mein Kind?
369
Fängt diese positive Beantwortung der Frage nach dem Woher? der Versuchung an mit dem befremdeten Seufzer über die unheimlich den Menschen bedrängende Macht des Bösen, so endigt sie mit der Einsicht, 61 dass diese Macht nicht wäre, wenn der Mensch nicht wäre. Er ist böse. Das ist die christliche Antwort auf jene Frage. So redet der Glaube auf Grund der Offenbarung wie vorher über Gott, so jetzt über den Menschen.
Nur in der zwingenden Gegenwart Gottes kann der Mensch sich selbst böse nennen, kann er sich selbst preisgeben. Nur in einem Atemzug mit der Verherrlichung Gottes kann ich von mir sagen, dass das, was ich hervorbringe, die Sünde und schließlich der Tod ist.
Ich kann aber Gott nicht die Ehre geben, ohne von mir selbst eben das zu sagen, ohne Gott schrankenlos und unbedingt Recht, mir selbst aber Unrecht zu geben.
V. 16 ruft auf zur Erkenntnis der eben ausgesprochenen Wahrheit. Die Wahrheit, die mit der Tatsache, dass der Mensch als sein eigener Versucher in Versuchung steht, gegeben ist, ist die Gerechtigkeit Gottes. Von ihr sollen wir nicht abschweifen, ruft Jakobus uns zu. Um sie |371 sollen wir uns sammeln, an sie uns halten, und wenn wir damit unser eigenes Todesurteil unterzeichnen würden. Dann und damit wird der Weg frei zu der andern Erkenntnis V. 17: «Lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk kommt von oben herab von dem Va- ter der Lichter bei dem keine Veränderung ist und keine durch Bewegung verursachte Beschattung».
228 scheint es sich, wenn kein Zufall vorliegt, um das Zitat eines (nicht ganz einwandfreien!) Hexameters πᾶσα δόσις ἀγαθὴ καὶ πᾶν δώρημα τέλειον zu handeln.208
Πᾶσα und πᾶν ist, wie es auch mit dem Sinn dieses unbekannten Zitates stehen möge, wie V. 2 in diesem Zusammenhang mit «lauter» zu übersetzen, sodass der Hauptton des Satzes V. 17a auf «gute» und «vollkommenes», der Nebenton auf ἄνωθέν ἐστιν καταβαῖνον fällt, πᾶσα und πᾶν dagegen unbetont bleiben.
Ich bin bei der Übersetzung von V. 17b vom gewöhnlichen Text ausgegangen: der Genitiv τροπῆς ist dabei irgendwie adjektivisch zu verstehen, «verändernde» oder eben: durch Veränderung, durch Wechsel, durch Bewegung verursachte Beschattung. Neben dieser gewöhnlichen Lesart kommt 62 eine zweite in Betracht: παραλλαγὴ ἢ τροπῆς ἀποσκιάσματος, die aber nur übersetzbar wird, wenn man konjiziert: παραλλαγὴ τροπῆς ἢ ἀποσκιάσματος oder: παραλλαγὴ ἢ τροπῆς ἢ ἀποσκιάσματος.229 Nach der ersten Lesart stünden παραλλαγή und τροπῆς ἀποσκίασμα nebeneinander als Ausdruck desselben Gedankens: der Veränderlichkeit, der die Gestirne unterworfen sind. Nach der zweiten wäre παραλλαγή der Oberbegriff in dem τροπή und ἀποσκίασμα genitivisch eingeschlossen wären. So ergibt sich bei beiden Lesarten ganz klar, dass der Sinn der Bezeichnung Gottes als des Vaters der Lichter nicht der ist, dass etwa sein Wesen als Licht |373 bezeichnet werden soll (Windisch)230, sondern die Entgegensetzung seines Wesens als des Schöpfers von dem der Gestirne als seiner Geschöpfe: er ist im Gegensatz zu jenen unveränderlich. Der Verfasser hat ja V. 12 gesagt: was von oben, von Gott kommt, das ist ausschließlich gut. Die Abweisung des Gedankens: «von Gott werde ich versucht» V. 13 soll ja jetzt auf der zweiten Linie, von Gott her durchgeführt und begründet werden. Das geschieht, indem auf seine Unwandelbarkeit, seine Einheit mit sich selbst hingewiesen wird, im Gegensatz zu der Veränderlichkeit, der sich seine «Kinder», die Gestirne des Himmels unterworfen zeigen. Es231 ist Zwingli, der in der Deutung von V. 17b das Richtige getroffen haben dürfte, wenn er sagt: «ubi ἀποσκίασμα est, non ἀποτέλεσμα. ... Est in rebus creatis omnibus, quae verae istius lucis vestigia et umbrae quaedam sunt, nihil solidum, nihil constans, nihilque perfectum».212
Das geschaffene Licht weist in seiner Unvollkommenheit zurück auf die Vollkommenheit des ungeschaffenen. «Das Alles hat keine Ähnlichkeit in Gott» (Schlatter)213
, via negativa214
nur können wir den Schöpfer aus den Geschöpfen erkennen. «Gott ist Licht, und Finsternis in ihm gibt es keine» (1.Joh. 1,5).
V. 17 ist nicht gleichbedeutend mit V. 13b: dass Gott nicht versucht werde, noch versuche. Wir sollen nicht nur wissen, wer und was Gott ist, sondern wie wir mit ihm dran sind, wie er an uns handelt. Daran hängt die Möglichkeit nach V. 12 63 mitten in der unvermeidlichen Versuchung, in der wir stehen, der Versuchung doch nicht recht zu geben.
375
Gottes Beziehung zu uns ist unzweideutig, ohne Vorbehalt, ohne Beimischung anderer Möglichkeiten, ein rundes volles Ja, das der zu uns spricht, der von keiner Versuchung weiß, zu uns, die wir nach V. 14-15 ganz und gar Objekt sowohl wie Subjekt der Versuchung sind. Von einem Gott, den wir uns etwa nach Analogie der Welt, der Natur, der Geschichte, des Schicksals gedacht hätten, dessen Wahrheit wir aus diesen Wirklichkeiten ablesen wollten, könnten wir das nicht sagen, denn alle diese Wirklichkeiten sind zweideutig, gemischt, gut und böse, und so auch ihre Beziehung zu uns. Und wenn wir Gottes Güte und Vollkommenheit im Sinn von V. 13a verwirren wollten mit unserer eigenen Schuld, dann könnten wir das von Gott auch nicht sagen.
Stellen wir uns selber im Sinn von V. 14-15 unter das Gericht Gottes, dann ist die Bahn frei für die Einsicht, dass das, was von ihm kommt, lauter gute Gabe, lauter vollkommenes Geschenk ist.
Man wird das ἄνωθέν, in Bezug auf das dies gesagt ist, nicht stark genug unterstreichen können. Von Gottes Beziehung zu uns gilt das, nicht von unserer Beziehung zu ihm, von dem, was er uns gibt, nicht von dem, was wir ihm etwa darbringen können. Das steht wohl immer wieder in dem Gericht, von dem vorher die Rede war. Aber von Gottes Beziehung zu uns gilt das – das ist’s, was er jetzt sagen will. Der zum Menschen in seiner ganzen Menschlichkeit und Versuchlichkeit jenes Ja spricht in unerschütterlicher Klarheit und Wahrheit, der gleicht dem Licht, von dem alle Lichter ihr Licht nur geliehen haben, dem Wandellosen, das aller Bewegung Voraussetzung, dem Unberührten, das aller Wechselwirkung Bedingung ist. Er gleicht ihm.
377
Das Wort vom Vater der Lichter kann doch nur als Gleichnis gemeint sein. Also nicht damit soll dem Menschen Gott gezeigt werden, dass er auf den gestirnten Himmel232
verwiesen wird. Das würde ja bedeuten, dass ein Rätsel an die Stelle des andern gesetzt wird. Wie 64 auf Erden, bei und in uns Menschen, so sieht es ja auch am Himmel aus: da ist lauter Veränderung, Bewegung, Beschattung. Die Güte und Vollkommenheit Gottes ist weder dort noch hier direkt einzusehen. Aber in Gottes Offenbarung – ein Begriff, der hier wie bei Jakobus fast immer nur stillschweigend vorausgesetzt ist –, in Gottes Offenbarung ist das doppelte Rätsel, das Rätsel des gestirnten Himmels und das des Menschenlebens gelöst. Wer um sie weiß, und an dieses Wissen wird hier stillschweigend appelliert, dem kann dann der gestirnte Himmel, das auf Grund der Offenbarung erkannte Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf in der Natur zum Gleichnis des auf Grund derselben Offenbarung erkennbaren Verhältnisses von Versöhner und Sünder im Menschenleben werden.
Ihm kann der gestirnte Himmel erklären, veranschaulichen, was er ihm freilich nicht begründen kann: die heilvolle Gegenwart Gottes unter und bei den Menschenkindern.
379 Und dieser Gott, so schließt nun Jakobus, der Gott, der das ist (V. 13) und so an uns handelt (V. 17), er ist unser Gott, V. 18: Durch seinen Willen hat er uns gezeugt durch das Wort der Wahrheit, damit wir sozusagen Erstlinge seiner Geschöpfe seien. Dieser Schöpfer, dessen Art nur via negativa aus der Art aller seiner Geschöpfe erkennbar ist, ist als solcher auch unser Schöpfer, der Schöpfer unseres Lebens als Christen. Damit ist gesagt, was er, Gott an uns tut, damit ist der Ableitung des Bösen aus ihm die Wurzel abgeschnitten. Βουληθεὶς233 möchte ich im Anschluss an Calvin auffassen als Umschreibung der Freiheit, in der uns Gott gezeugt, als seine Kinder ins Leben gerufen hat, «nulla externa causa inductus, suo beneplacito»216
. Das zu betonen, muss ja dem Verfasser in diesem Zusammenhang wichtig sein.
Er will seinen Lesern doch sagen: dieser Schöpfer ist euer Schöpfer, dieser Gott ist euer Gott! Tut nicht, als ob ihr ihn nicht kenntet, als ob ihr von ihm wie von einem schicksalsartigen Irgendetwas reden dürftet. Um ihnen das zu sagen, muss er aber an ihre Christlichkeit erinnern. Was ist sie? Etwas Geworde65nes, Gewachsenes, geschöpflich Existierendes, teilnehmend an der παραλλαγή und dem ἀποσκίασμα, die aller geschaffenen Dinge Mangel bezeichnen? Sicher, so gut wie die Gestirne des Himmels, die er vorher auch als Gottes Kinder beschrieben hat. Sicher, sofern wir uns in unserm christlichen Dasein und Sosein betrachten. Aber dieser Außenaspekt verbirgt doch nur das Wunder, dass wir kraft des unergründlichen Wohlgefallens Gottes als Christen noch in einem andern Sinn, als dies gemeinsam von den Gestirnen und von uns als Menschen zu sagen ist, seine Kinder sind.
Wir sind doch, was wir sind als Produkt der neuen Zeugung und Geburt durch den λόγος ἀληθείας. Das dürfte nach Analogie von Kol. 1,5; Eph. 1,3; 1.Tim. 2,15 zunächst einfach als terminus technicus für «Christliche Lehre» zu verstehen sein. Ihr habt die Wahrheit, die große christliche Wahrheit gehört, das «verbum vitale et vivificum» (Zwingli)217
, das aus Gottes Offenbarung stammt und als solches das Wunder eurer Existenz ist. Der Zusatz: εἰς τὸ εἶναι usw. bezeichnet das Ziel des in dem gehörten christlichen Wort in unserm Leben |381 erkennbaren Gotteswillens. Der von Paulus gern gebrauchte Ausdruck ἀπαρχή [vgl. Röm. 8,23; 11,16; 1. Kor. 15,20.23] für das Anheben einer neuen Welt in Christus und den Christen und der Genitiv αὐτοῦ bei κτισμάτων weist darauf hin, dass wir hier im Sinn von Röm. 8,19 an die in Christus eröffnete Palingenesie zu denken haben, in der nicht der Mensch als solcher, aber der Mensch als das neugeborene Kind Gottes die erste zögernd unter eine neue Ordnung sich stellende – ἀπαρχήν τινα, sagt Jakobus zurückhaltend – und doch dieser neuen Ordnung nicht mehr ganz wesensfremde Spitze der Zukunft der ihm folgenden andern menschlichen und außermenschlichen Gotteskreatur darstellt. Dieses Stehen der Christen unter der neuen Ordnung der Wiedergeburt, herbeigeführt durch ihre Bekanntschaft mit der christlichen Botschaft, aber begründet in Gottes Offenbarung, im göttlichen beneplacitum – das ist, was den Irrtum, als ob Gott es sei, der zum Bösen versucht, letzlich un66möglich macht.
Kinder Gottes sagen das nicht, weil sie ihren Vater eben nicht so kennen. Und damit ist das Recht zu der Seligpreisung V. 12 begründet, mit der der Abschnitt anfing. Ein Christ ist ein durch die Offenbarung Gottes gezeugter, ein im Worte Gottes existierender Mensch, Gott aber ist der unwandelbar und fleckenlos Gute. Also kann ein Christ in der Versuchung nicht auch Gott sehen und sich durch diese vermeintlich fromme Erkenntnis das Rückgrat brechen lassen, sondern sie ist ihm das Gottfremde, das mysterium iniquitatis [2.Thess. 2,7], dem er als Christ nur widerstehen [kann], zu dem er nur Nein sagt dazu, wie das einzige Verhältnis, das Gott selbst dazu hat, eben das ist, dass er Nein dazu sagt. Er kann, in die Versuchung gefallen – in die Versuchung, die nach V. 14-15 in ihm selbst ihren Ursprung hat -, nur beharren, auch im Falle, gerade im Falle Gott recht geben gegen sich selbst, nicht aber mit Hilfe Gottes, d. h. unter Leugnung des wahren Gottes, in seiner Sünde recht haben wollen. Selig der Mann – im Gegensatz zu dem ἀνὴρ δίψυχος, dem διακρινόμενος von V. 6, dem Mann im Zuschauerparkett, der Gott ernst und gleich darauf wieder nicht ernst nimmt und damit nur beweist, dass er nicht weiß, was man als Christ eben wissen sollte.
V. 18 rechtfertigt uns, wenn wir uns bei der ganzen Stelle – und nicht nur bei dieser Stelle – immer wieder an die Voraussetzung des Glaubens und der Offenbarung erinnert haben. Was Jakobus über das Wesen und Tun Gottes gesagt hat, wird glaubwürdig und haltbar nur |383 im Licht dieses Abschlusses, der «nur aus einer christlichen Glaubens- und Lebenswelt zu verstehen» ist (Dibelius)234.
Auch Jakobus kann nicht anders als, ohne den Namen zu nennen, an Jesus Christus zu appellieren. Hinter der Tatsache, dass seine Leser das «Wort der Wahrheit» gehört haben, steht der Wille Gottes, das Wunder der ewigen Majestät, das den Himmel zerrissen hat [vgl. Jes. 64,1], damit wir nicht mehr nur versuchliche Menschen, nur Gerichtete und Getötete, nur geschaffene und also veränderliche Lichter seien, sondern nun doch als solche teilhaftig des ewigen unveränderlichen 67 Lichtes, nun wirklich in der Versuchung Gottes Kinder, nun wirklich durch ihn Gerechtfertigte, nun wirklich «Erstlinge unter Gottes Geschöpfen» sagt Jakobus, d. h. von Gottes neuer zukünftiger Kreatur. Die Schöpfung in ihrer Vollkommenheit muss ja erst als Wirklichkeit erscheinen. Dazu sind wir Gottes Kinder, um dieses Erscheinens erste Zeugen zu sein. Und darum können und müssen wir «beharren» nach V. 12. Wir können: weil Gott mit seinem unveränderlichen Willen hinter uns steht, sofern das Schlichte geschehen ist, dass wir das Wort Christi gehört haben. Wir müssen aber auch, denn die Untreue gegen das Wort der Wahrheit wäre die gegen Gott, in dessen Hände wir schon gefallen sind [vgl. Hebr. 10,31].
385