Die Gewinnchancen beim Rösslispiel. Antwort
Der M.-Korrespondent in der Dienstagsnummer1 hat sich scharfsinnig darum bemüht, die berühmte «Harmlosigkeit» der – na? «Unterhaltungsspiele» in den schweizerischen Kursälen2 aufs neue nachzuweisen. Zum Schlusse aber warnt er mit gewichtigen Worten vor dem durch die Initiative der schweizerischen Volkswirtschaft drohenden Schaden, «der hoch in die Millionen geht».3 Pardon, aber eine von diesen beiden Behauptungen muss nach allen Regeln der Logik falsch sein. Entweder die Verluste der Spieler resp. die Gewinne der Spielhalter sind so harmlos, wie M. uns vorrechnet, dann kann es mit der befürchteten Schädigung der schweizerischen Geschäftswelt bei Abschaffung der Spiele nicht so weit her sein. Oder diese Abschaffung ist ein solches Landesunglück, wie M. behauptet, dann sehen aber die Umsätze etwas anders aus, als seine Berechnungen uns glauben machen wollen. Entweder – oder, aber nicht beides! Wir sind nun durch den Artikel von M. bestärkt worden in der Ansicht, dass es mit der «Harmlosigkeit» dieser Spiele nicht weit her ist. Man sehe sich doch die von M. selbst ausgerechneten Zahlen ruhig an! Verlustmöglichkeit in einer Stunde ununterbrochenen Spiels bei Minimaleinsatz und normaler Gewinnchance = 30 Franken!4 Ist denn das eine Kleinigkeit, selbst wenn immer so wenig gesetzt und immer so günstig gespielt würde? Lässt sich denn eine normale Spielstunde «Jass» auch nur entfernt an die Seite stellen? Und wenn nach M.s Berechnung nur im |47 Kursaal Genf jährlich 50’000 Personen je neun Franken netto abgenommen werden5, ist das ein harmloses Unterhaltungsspiel, dem die Öffentlichkeit herzlich erfreut zusehen müsste? Doch es könnte ja sein, dass Herr M. und wir uns da ganz unnütz mit theoretischen Zahlen bemühen. Darum eine Bitte an die hohen Kursaalverwaltungen, deren Advokaten jetzt einer nach dem andern auf den Kampfplatz treten! Es müsste ihnen doch ein Leichtes sein, die behauptete Harmlosigkeit ihrer Sache durch eine öffentliche Abrechnung über den Ertrag der Spiele zu beweisen, womöglich mit genauen, amtlich festgestellten Angaben über den Verlauf einiger Spieltage (Spielerzahl, Spielgänge, Einsätze und Nettoverlust der Spieler!) anfangs, Mitte und ausgehends einer Saison, schließlich eine Anzahl Jahresgewinne aus der letzten Zeit! Ist das schon zu viel verlangt? Warum ist das alles so ins Dunkel gehüllt? Warum hat man uns nicht gleich zu Beginn der Initiativkampagne durch eine solche Abrechnung zum Schweigen gebracht? Warum wartet man jetzt so lange damit? Und, ich wiederhole die Anfrage meines ersten Abwehrartikels: warum kein einziges Rössli, keine einzige «Boule»6 an der Landesausstellung, wo sonst alle ehrlichen Erwerbszweige zeigen, was sie sind?7 Darauf einmal eine Antwort, das wäre uns lieber und der Sache dienlicher als das ewige Aufwärmen der gleichen längst beantworteten Einwürfe, dass doch das erspielte Geld so moralisch verwendet werde, dass es nichts ausmache, die paar Fremden zu ihrem eigenen Vergnügen zu rupfen, und dass unsere Fremdenindustrie absolut gerade auf diese Einnahmequelle angewiesen sei. Wir verzichten für diesmal darauf, auf diese alten Geschichten noch einmal einzutreten.