Eindrücke aus Deutschland
EINDRÜCKE AUS DEUTSCHLAND
Am 6. April 1915 fuhr
Bl† [Blaukreuz]
26. IV 15
Eindrücke aus Deutschland
Eindrücke! Nicht viel mehr als das. Aber ein Land im Kriegszustand ist gerade Erlebnis genug. Was man gesehen hat, berührt einen ganz anders!
Äußrer Verlauf. Hochzeit.2 Reise an sich wichtiger.
Ein Land im Krieg. «Alles wie sonst» Eisenbahnverkehr (Personen, ob Güter?!) Straßenleben (Flau, wenig Pferde u. Autos.) Stimmung ruhig u. gefaßt. Geschäfte.
Anzeichen. In der Bahn: Gespräche, Soldaten, Warnung vor Spionen, Mahnung zum Sparen. «Fenster geschlossen». Gott str[afe]
| Haltung geg[en] Fremde: Mißtrauen? Postvisitation an d. Grenze u. in Nahrung. K Brot. Brotkarten.6 | |
| Die Opfer. | Ausziehende u. zurückkehrende Soldaten
Verwundete Gefangene Die Zurückgebliebenen Die Trauernden Die Internierten. |
| Dies die äußere Seite der Vorgänge! Schwieriger hineinzusehen. | |
Die geistigen Vorgänge
Wenig Begeisterung (Soldaten!) Dafür umso mehr zähe selbstverständl. Vaterlandsliebe u. Miterleben[?]. Wenig Rede vom Sieg, dafür vom «Durchhalten»7
142 Aussichten? Man redet nicht davon, jedenfalls nicht vom Frieden. Man rechnet auf Ermüdung d. Feinde – und auf einen nächsten Krieg8
Nationalismus?! Auswüchse verschwinden, Sache bleibt.
Aussichten: die deutsche Marine14[,] keine Kriegsentschädig[un]g.
Relig[iöse] Stell[un]g Eigentlich franziskanisch15 – bin froh über patriot[ische] Relig[ion].
144 Wählen zwischen zwei Welten. Dort die andre übermächtig[,] aber es wird schon anders kommen.