1915

Die innere Zukunft der Sozialdemokratie

152

DIE INNERE ZUKUNFT DER SOZIALDEMOKRATIE

1915

In seinem Pfarrerkalender hat Barth unter dem Datum des 12. August 1915 vor dem Titel dieses Referats notiert: «Sozialisten von Suhr». In Suhr gab es einen 1907 gegründeten Grütliverein, der Ende 1914 27 Mitglieder hatte.1 Vermutlich waren es Mitglieder dieses Vereins, die Barth am 12. August 1915 in Safenwil besuchten. Am 6. August 1915 schreibt er an E. Thurneysen: «Ich für mich habe dann noch meine Sonder‹pflichten› dieser Art gegenüber den ‹Genossen›. Am nächsten Donnerstag sollen wieder vier aus Buchs und Suhr zu mir kommen zu einem Gespräch unter dem Apfelbaum über die innerliche Zukunft der Sozialdemokratie».2 Und am 18. August: «Letzten Donnerstag hatte ich eine ganz interessante Aussprache mit den Suhrer Sozialdemokraten, man kam wenigstens schon an den Punkt, wo es sich entscheidet, ob man ‹am Ersten trachten› will ... [Mt. 6,33]»3 Bei dem vorliegenden Manuskript scheint es sich also um eine Einführung zu diesem Gespräch zu handeln.

Dem Manuskript liegen Exzerpte bei, die Barth aus verschiedenen Publikationen ausgezogen hat. Er hat von ihnen offensichtlich in seinem Referat Gebrauch gemacht. Sie werden daher im Anschluss an den Text wiedergegeben. Soweit die Anmerkungen sich auf diese Exzerpte beziehen, werden diese als «Exz.I», «Exz.II» etc. zitiert.

Die innere Zukunft der Sozialdemokratie.

12. VIII 15

Die Soz[ial]dem[okratie] hat, weniger äußerlich als innerlich, versagt. Naumann hat Recht behalten.4 Im Augenblick, wo die bisherige Gesellschaftsordnung ihre schrecklichsten Konsequenzen zeitigte, |153 wurde der Soz[ialismus] national-bürgerlich, aus einer revolutionären Partei zu einer neben andern in den Nationalstaaten. Kriegssozialismus u. Profitsozialismus.5

Ob äußere Programmänderung nötig sein wird im Sinn des Syndikalismus u. Anarchismus, sei dahingestellt.6 Ebenso taktische Fragen!

Wir richten unsre Aufmerksamkeit auf die innere Zukunft[,] auf den sozialistischen Geist, der kommen muß, wenn es anders werden soll.

Ist es (im Sinn der Väter des Sozialismus) bürgerliche Ideologie, überhaupt vom Geist in den Menschen zu reden[?]7 Kautsky behauptet[,] Intelligenz, Disziplin u. Organisationstalent seien durch den Kapitalismus bereits großgezogen[,] mehr brauche es nicht. Die angebl[iche] Vorbedingung werde Ergebnis des Sozialismus sein.8 – Aber diese Auffassung der Geschichte ist zu äußerlich-mechanisch.9 Ist der Satz: zuerst bessere Menschen, dann ... falscher Idealismus, so ist der andre: zuerst bessere Verhältnisse[, dann ...] falscher Mater[ialismus]. Der histor[ische] Materialismus im Sinn von Marx hat nicht den Sinn eines rein ökonomischen Ablaufs, sondern gerade des Selbständigwerdens der lebendigen Menschen gegenüber der Materie. Mit den Zuständen u[nd] aus den Zuständen heraus will der Mensch sich erheben. Das Verhältnis ist das einer Wechselwirkung. Die Ideale mögen Seifenblasen der ökonom[ischen] Entwicklung sein, der Mensch ist das Allerrealste u. steht als solcher über der Ökonomie. Das ist übersehen worden u. war ein Mangel an Tiefe in der soz[ial]- ­dem[okratischen] Praxis (nicht bei den Gründern des Soz[ialismus] cf. Engels b[ei] Kutter 239)[.]10 Man erwartete Alles vom mechan[ischen] Eintreffen der Katastrophe u. von der Gewinnung der polit[ischen] Macht. So konnte eine Katastrophe ganz andrer Art kommen. Sie traf soz.dem. Menschen, die nicht gerüstet waren, die von dem «Sprung |154 aus der Notwendigkeit in d. Freiheit»11 gar nichts wußten. Konstantin N. W. 186 📖.12

Die neue sozialistische Gesinnung

Die alten seelischen Voraussetzungen des Soz[ialismus] müssen von den Einzelnen ganz anders ernst genommen werden u. zum Leuchten kommen.

a) Der Inhalt des Sozialismus ist Gerechtigkeit für die Menschheit, nicht blos Verbesserung des Loses der Arb[eiter]klasse. Mit der ersten stellt sich die letzte ein. Ein egoistischer Sozialismus in13 Widerspruch in sich selbst u. wird solche Konzessionen machen müssen wie jetzt in Deutschland. «Allein durch den Glauben» [Röm. 3,28]. Die Leidenschaft für die Gerechtigkeit ist unsre wirkl[iche] Stärke nach innen u. außen.

b) Der Weg des Sozialismus ist die Siegeskraft seiner Wahrheit.14 Der Kampf um die polit. u. wirtschaftl[iche] Macht stellt ihn äußerlich dar, aber notwendig nur unvollkommen. Der Soz[ialismus] vertritt die absolute Gerechtigkeit, sein äußeres Thun wird immer nur relativ gut sein, seine Schlagkraft muß er aus andern Tiefen nehmen, sonst ist er zankende[,] übel riechende, kompromisselnde Partei unter andern. Das Vertrauen auf jene Tiefen macht den Kampf möglich u. veredelt ihn.

c) Das Ziel des Sozialismus ist die freie[,] reine Persönlichkeit. Der Zukunftsstaat ist dabei nur Mittel zum Zweck. Darum kommt es schon jetzt nicht darauf an[,] Mitglieder, sondern Sozialisten zu gewinnen u. zu werden, die solche P[ersönlichkeiten] sind u. werden möchten: Erlöst vom Egoismus des Bürgertums, erlöst von seinem |155 falschen Idealismus, erlöst von einem halbernsten Christentum, erfaßt von der transzendenten Kraft der sozialistischen Wahrheit. Nur Erlöste können erlösen. Der neue Mensch muß geschaffen werden15

Was thun? Sektierer abseits von der Partei? Anarchist N. W. S. 235 📖, auch Kötting)[.]16 Das ist der ideologische Irrtum des Anarchismus. Nun in der Partei bleiben, weil ihre Orientierung richtig[,] u. die Partei stärken, aber vor Allem ihren Inhalt[.]17 Wir wissen[,] warum wir Soz.dem. sind[,] u. werden es besser zu sein wissen als die Andern.

Pflege des persönl[ichen] Lebens. Familie. Kleine freie Kreise, Bruderschaften zur Stärkung der Gesinnung u. des Geistes, der lebendig macht [Joh. 6,63; 2.Kor. 3,6]

Beilagen: Exzerpte
[Exzerpt I]

Bader18 29. IX 14 (Taschenbuch 14 S. 22f.)19

Zu wenig persönl. Sozialismus, zuviel polit. Machtstreben unter Aufpeitschung antisozialer Triebe. Sozialismus siegt durch sich selbst. Vertrauen in die Sache. Person in den Dienst der Idee

Persönlichkeit möglich in der Partei, weil richtige Orientierung des Ganzen trotz Verdorrung im Einzelnen[.] Partei stärken, aber nicht als Partei[,] sondern als Inhalt. Nicht Sektierer, sondern mittragen als «Salz der Erde» [Mt. 5,13]

156
[Exzerpt II]

Kautsky Die soz[iale] Revolution II S 45f20

Kein engelhafter Charakter vorausgesetzt:

Nötig blos: Intelligenz, Disziplin, Organisationstalent[.] Diese wurden von der kapitalist[ischen] Gesellschaft geschaffen!! Und vom Kampf des Proletariats! Alles schon da[.] Proletarier brauchen sich nicht zu ändern!!

Die angebliche Vorbedingung ist Ergebnis des Sozialismus.

[Exzerpt III]

Kutter D[as] Unmittelbare S. 225f21

Die Anklagen: Der ökonom[ische] Faktor in d. Geschichte
Die Relativität des Rechtes
Die Inaktivität des Chr[isten]t[um]s

Die Besitzfrage: soll aus d. Welt geschafft werden durch endgiltige Lösung. Unbehilflichkeit beweist ihre Größe. Engels S. 239!!22 Die Forderung der Menschenwürde selbst. Beseitigt soll die Frage werden nicht zum herrschenden Interesse gemacht.

Der Reformismus bedeutet Preisgabe des Besten in der Soz[ial]dem[okratie]!

Der angebl[iche] Materialismus rückt gerade den lebendigen Menschen in den Mittelpunkt, gegenüber dem Egoismus des Einzelnen, dem Privatinteresse

157 Das Realste vom Realen sind wir selbst. Unser Menschentum muß zu Ehren kommen. Die Persönlichkeit ist das Prinzip des Kommunismus, der Komm[unismus] das Reich der Persönlichkeit. Individuelle u. soziale Besonderheit mag bleiben, aber der Besitz darf nicht mehr aller Werte Maßstab sein.

[Exzerpt IV/1]

Kötting N. W. Mai 191523

Die innere Welt muß eine andre werden, von außen her allein kommt das Heil nicht.

Andre Menschen! S. 190!!24

[Exzerpt IV/2]

N. W. Juli 191525

Marxismus als Weltanschauung verschwunden [Selbstwirkendes ökonom. Gesetz, das den Klassenkampf erzeugt. Polit. Kampf kann nur die Katastrophe beschleunigen]26

Bernstein27 Keine Spekulation auf Katastrophe. Geschichte geht aufwärts. Darum Erringung von Partialfreiheiten, direkte Erfolge, polit. Reform.

158 Friedeberg, Brupbacher etc. Entwicklung der sittl[ichen] Persönlichkeit u. wirtschaftl[icher] Kampf.28 Von den polit. Führern aus Egoismus (?) abgelehnt.29

Der neue Mensch muß geschaffen werden. Sozialistische Lebensformen schon innerhalb d. bürgerl[ichen] Welt (Genossenschaften u. Gewerkschaften mit syndikalist[ischer] Tendenz!)30 Neues Menschheitsbewusstsein31, nicht Nur-Kämpfer: Kulturmenschen. Durch andre M[enschen] zu andern Verhältnissen[.] Jetzt schon Sprung in das R[eich] der Freiheit, heute noch!32

[Exzerpt V]

Greulich, Materialist[ische] Gesch[ichts]auffassung33

Das gesellschaftl[iche] Sein bestimmt d. Bewußtsein. Die Produktion des unmittelbaren Lebens ist d. bestimmende Moment in d. Geschichte.

Verneint den Willen nicht, zeigt die Ursachen seiner Entstehung.

159 Wir machen unsre Geschichte selbst, aber (leider!) bis jetzt nicht mit Gesamtwillen nach Gesamtplan sondern in Unordnung. Darum herrscht die wirtschaftl[iche] Notwendigkeit

Darum gewerkschaftl[iche] Selbsttätigkeit

Nur Supposition od. Hypothese[,] nicht letztes Wort der Wissenschaft

[Exzerpt VI]

Matthieu N. W. Mai 191534

Dieser Krieg ist Konsequenz d. Kapitalismus. In diesem Augenblick wird der Soz[ialismus] national! Z. T. zum Profitsozialismus. Warum?

Er konnte nicht anders

Gegen die Entfaltung des reinern Lebenswillens wirkt die Lähmung: Zielherabsetzung u. Vertretungssystem

Sozialismus: Histor[ische] Lage + Ideal

a) Die histor. Lage wird mechanisch gedeutet. Daher Optimismus u. Opportunismus

b) Das Proletariat verliert den Glauben, seine Aktion wird mechanisch

Entstell[un]g d. Marxismus: histor. Fatalismus u. enge Auffassung vom Klassenkampf (infolgedessen Nationalismus u. Pakt mit d. Industrialismus)

Revisionismus, Anarchismus, Syndikalismus als Gegengewichte.

Die Internationale als geistige Potenz war nur auf dem Papier, wie das Chrt. Vgl. Konstantin S. 18635

Also: nicht Reformarbeit
nicht «unechte» Revolution
Sondern: Kollektivangriff von neuem Geist beseelt
160
[Exzerpt VII]

G. M. Sch. N. W. Juni 191536

Anarchismus hat praktisch versagt. –

Anarch[ismus] ist eine hohe menschl[iche] Ordnung. Inkonsequenz: Ungerechte Mittel zu ihrer Herbeiführung.

Sozialistisch leben ist d. Weg zur sozialist[ischen] Gesellschaftsordnung[.] Wir können nicht warten bis nach der Revol[ution]. Die Schuld ist nicht beim Staat u. der Kapit[alisten-]Klasse allein, sondern im Persönlichen.

Moral[isch-]relig[iöse] Aufrüttelung der Arb[eiter] ist die nächste Aufgabe.

Ist das möglich in der Soz[ial]dem[okratie]? Nein, das Vertretungssystem ist der Tod.

Jeder Einzelne gehe seinen Weg als Vollstrecker des Gotteswillens.

Sachfußnoten

1
Jahrbuch der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz1914 📖 (s. oben S. 9, Anm. 1), S. 122.↩
2
Bw.Th.I, S. 70. 📖↩
3
A.a.O, S. 72. 📖↩
4
Vgl. oben S. 88, Anm. 5.↩
5
Vgl. Exz. VI.↩
6
Vgl. Exz. VI und VII.↩
7
Fragezeichen vom Hrsg. ergänzt.↩
8
Vgl. Exz. II.↩
9
Vgl. Exz. VI (Punkt a und b).↩
10
Vgl. Exz. III.↩
11
Siehe unten S. 156, Anm. 22.↩
12
J. Matthieu zitiert in seinem Aufsatz Der Zusammenbruch der Internationale (NW, Jg. 9 [1915], S. 161–187) 📖 den Satz eines deutschen Sozialdemokraten: «Die deutsche Sozialdemokratie hat nun die größte Ähnlichkeit mit der Kirche zur Zeit Konstantins. Sie ist zur großen, wunderbar organisierten, technisch tadellosen Form geworden. Aber es fehlt der Geist, die Seele. Sie wartet auf den Cäsar, der die Form so brauchen wird, wie er will.» (S. 186).↩
13
Versehentlich statt: «ist».↩
14
Vgl. Exz. I.↩
15
Vgl. Exz. IV 2.↩
16
Vgl. Exz. VII und IV 2.↩
17
Vgl. Exz. I.↩
18
Pfarrer Hans Bader (1875–1935). In seinem Pfarrhaus in Degersheim im Kanton St. Gallen fand in den ersten Oktoberwochen 1906 die erste religiös-soziale Zusammenkunft schweizerischer Pfarrer statt. Bader war 1919 schweizerischer Teilnehmer der Tambacher Konferenz (s. unten S. 552).↩
19
In Barths Taschenkalender 1914 (Taschenbuch für die Schweizer reformierten Geistlichen 1914 📖) finden sich auf den Seiten 23, 24 und 27 Notizen von einer religiös-sozialen Zusammenkunft am 29.9.1914 in Zürich, bei der H. Bader die Einleitung zu einer ebenfalls von Barth mitnotierten Diskussion übernommen hatte. Das Thema war das «Versagen der Internationale».↩
20
K. Kautsky, Die Soziale Revolution. II. Am Tage nach der sozialen Revolution, Berlin 1904, S. 45–48 📖.↩
21
H. Kutter, Das Unmittelbare. Eine Menschheitsfrage, Berlin 1902; Jena 1911; Basel 1921 📖. Barth exzerpiert aus der ersten Auflage von 1902 aus dem Abschnitt «Die Sozialdemokratie» (S. 225–268).↩
22
H. Kutter bringt S. 239f. aus Fr. Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (1876/78) 📖, eine Prognose für die Zukunft nach «der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft», in der es u. a. heißt: «Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.»↩
23
H. Kötting, Neues Leben, in: NW, Jg. 9 (1915), S. 188–191 📖. Zur Person Köttings vgl. Mattmüller II, S. 141 📖.↩
24
Kötting, a.a.O., S. 190 📖: «Niemals wird uns der Sozialismus erstehen als Produkt einer äußeren Entwicklung oder einer Katastrophe, sondern er setzt zuerst andere Menschen voraus, die ‹mit vollem Bewußtsein und klarer Erkenntnis ihre Geschichte selber machen› wie Friedr. Engels sagt, Menschen, in denen der Drang lebt, nach schöpferischer Tätigkeit und neuer Kultur. Mehr und mehr kommt es in unserer Zeitperiode darauf an, an Stelle des reinen Klassenbewußtseins das Menschheitsbewußtsein zu wecken, an Stelle des Nur-Klassenkämpfers den Kulturmenschen zu erziehen. – Es kommt darauf an, den Arbeiter innerlich umzuwandeln, ihn loszulösen und vollkommen unabhängig und frei zu machen von all den alten bürgerlichen Anschauungen und Vorurteilen; und nicht nur in seinem Denken, sondern vor allem in seinem Fühlen».↩
25
H. Kötting, Vergangenheit und Zukunft, in: NW, Jg. 9 (1915), S. 282–298 📖.↩
26
Eckige Klammern von Barth.↩
27
Barth resümiert das Zitat von Eduard Bernstein, das Kötting a.a.O., S. 286 📖, bringt, und die Folgerung, die Kötting S. 287 anfügt.↩
28
Kötting nennt den «früheren Genossen Dr. Friedeberg in Berlin» und den Schweizer Arbeiterarzt Fr. Brupbacher als Vertreter des Vorrangs der beiden genannten Ziele, zu deren Gunsten die «politisch-parlamentarische Tätigkeit» zurückgedrängt werden sollte, vgl. a.a.O., S. 290 📖.↩
29
A.a.O., S. 293 📖.↩
30
A.a.O., S. 294–296 📖.↩
31
A.a.O., S. 297 📖.↩
32
A.a.O., S. 298 📖.↩
33
H. Greulich, Die materialistische Geschichtsauffassung, Berlin 1907 📖2. Das Exzerpt betrifft die Seiten 5-13. – Hermann Greulich (1842–1925), ein 1865 aus Schlesien in die Schweiz eingewanderter Handschuhmacher, wurde der erste große Führer der schweizerischen Arbeiterbewegung. 1887 wurde er der erste schweizerische Arbeitersekretär, 1890 Kantonsrat in Zürich und 1902 Nationalrat. 1914 vertrat Greulich in Einsicht der politischen Schwäche der Arbeiterbewegung die Burgfriedenspolitik und war dann auch Gegner der Zimmerwalder Bewegung und des Beitritts zur 3. Internationale. Gegen die Ergebnisse des außerordentlichen Parteitags vom 11.2.1919 in Bern (s. unten S. 437–443) ­unterzeichnete er eine «Erklärung der Neun». Vgl. Fr. Schmidt, Hermann Greulich. Ein kleines Lebensbild, [Bern] 1935 📖2; E. Nobs, Hermann Greulich, Zürich / New York 1942 📖; E. Weckerle, Hermann Greulich. Ein Sohn des Volkes, Zürich 1947 📖.↩
34
J. Matthieu, Der Zusammenbruch der Internationale 📖 (s. oben S. 154, Anm. 12).↩
35
S. oben S. 154, Anm. 12.↩
36
G. M. W. Schulz, Sozialdemokratie, Anarchismus und Krieg, in: NW, Jg. 9 (1915), S. 230–236 📖. Zu dem aus Deutschland emigrierten Buchbinder Gustav Martin Walter Schulz (1889–1918), der Ragaz sehr nahe stand, vgl. Mattmüller II, S. 140f.188f.345f.357f. 📖↩