1915

Kriegszeit und Gottesreich

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KRIEGSZEIT UND GOTTESREICH

1915

Der Vortrag über «Kriegszeit und Gottesreich» ist zum einen biographisch eine vorläufige Rechenschaft und Summe Barths in der ihn seit dem August 1914 immer stärker beschäftigenden Suche nach neuen theologischen Grundlagen, als solche ein Zwilling des «Antrags betr. Abschaffung des Synodalgottesdienstes»1, der eine ausdrückliche Vergewisserung über den inzwischen gewonnenen Standort in und gegenüber der Kirche darstellt. Der Vortrag hat jedoch zum andern auch einen wichtigen zeit- und theologiegeschichtlichen Kontext: Im Jahr 1915 hatte es die ersten beiden Militärdienstverweigerungen in der Schweiz gegeben.2 In der Juni-Nummer der «Neuen Wege» hatte Robert Lejeune den ersten Fall3 mit bitterer Ironie kommentiert:

Wie ein seltsames Kuriosum wird der Antimilitarist betrachtet; da seine Ansichten aber auch gar zu wunderlich sind, läßt man ihn erst von einem Psychiater auf seinen Geisteszustand untersuchen. […] Doch – der Mensch ist geistig normal, trotz seiner wunderlichen Ansichten! Kein Anzeichen von Geistesstörung, keine Anklänge an Wahnideen, trotz seines wunderlichen Benehmens! Indessen lassen sich diese Wunderlichkeiten daraus erklären, daß er einer gar wunderlichen Sekte angehört, die solch wunderliche Ansichten ihren wunderlichen heiligen Büchern entnimmt, in denen so wunderliche Sätze stehen, wie: ‹Du sollst nicht töten› und ‹Du sollst deinen Nächsten lieben.› Wunderlich!4

Für den zweiten Dienstverweigerer, den Lehrer John Baudraz, traten in der September-Nummer der «Neuen Wege» unter Führung von Leonhard Ragaz 38 religiös-soziale Pfarrer und Laien mit einer Erklärung ein, in der es u. a. hieß:

Wir lassen es dahingestellt, ob ernsthafte christliche Gesinnung in jedem Falle zur Verweigerung des Militärdienstes führen müsse, aber |178 wir können nicht anders, als unserer Meinung Ausdruck zu geben, daß ein Mann, der seinem christlichen Gewissen gehorcht, ohne auf die Folgen zu achten, wie der Verurteilte, ein edler Mensch und ein echter Jünger Christi ist.5

Als Antwort auf diese und ähnliche Stimmen «in einer ganzen Reihe religiöser schweizerischer Blätter» ließ Paul Wernle im Herbst 1915 – das Vorwort ist datiert: «im Oktober 1915» – seine Schrift Antimilitarismus und Evangelium erscheinen, damit «einmal die andere Seite zum Wort kommt».6 Barth hat diese Broschüre, wie die zahlreichen Anstreichungen, Markierungen und Bemerkungen in seinem Exemplar7 belegen, mit außerordentlicher Beteiligung gelesen und seinen Vortrag ganz aus der radikalen Ablehnung der ihm hier entgegentretenden Theologie und Ethik formuliert, obwohl er zunächst vorhatte, in seinen Darlegungen «alle religiösen Kriegsauffassungen positiv [zu] nehmen, aber bei keiner stehen [zu] bleiben, sondern in immer engern Kreisen das Entscheidende in (nicht neben oder gegen) den deutschen, wernleschen etc. Gedankengängen herauszuarbeiten [zu] suchen».8

Die Einladung zu diesem Vortrag kam von Dr. Paul Burckhardt-Lüscher, dem Präsidenten einer von den herkömmlichen Richtungen der liberalen («freisinnigen») Reformer und der «positiven» Traditionalisten unabhängigen kirchlichen Vereinigung in Basel. Am 23. September 1915 wandte er sich mit der Bitte an Barth9,

Sie möchten im kommenden Winter vor den Mitgliedern der «Vereinigung unabhängiger Kirchgenossen Basels» u. vor den dazu eingeladenen Freunden einen Vortrag halten. Vielleicht wissen Sie etwas von dieser Vereinigung, die früher «Freunde der Neuen Wege» hieß. Sie umfaßt ganz verschieden gerichtete Männer u. Frauen, Prof. |179 Wernle, Eberh. Vischer, Jak. Wirz, Rud. Liechtenhan, Albert Barth, Ihr Vetter, Adolf Preiswerk u. a. gehören dazu: die einen kamen von der Reform, andere von den Positiven, viele von Ragaz. Es sind viel ausgesprochen Religiös-Soziale dabei; aber wir verpflichten niemand auf eine bestimmte Richtung; wir wollen nur auf parteilosem Boden Gelegenheit zur Aussprache über religiöse u. soziale Fragen schaffen, ohne daß der Redner von vornherein ein Parteiprogramm vertreten muß oder daß von den Zuhörern, bes. den Laien, ein solches erwartet wird. [...] Nun erwarten wir, wenn wir Sie bitten, uns die Freude zu machen, einen Vortrag zu halten, von Ihnen nichts anderes, als daß Sie Ihre religiös-soziale Überzeugung deutlich u. ohne Rücksicht auf Andersdenkende zum Ausdruck bringen; es werden Ihnen viele zustimmen, andere werden vielleicht opponieren. Was das Thema betrifft, so möchten wir Ihnen vorschlagen: Was kann uns der Krieg lehren? N. B. für unser religiöses Leben. Aber die Formulierung des Themas wäre Ihre Sache. Wir erwarten auch keine neuen oder unerhörten Gedanken, sondern glauben nur, daß Sie bestimmte Überzeugungen kraftvoll u. aufrüttelnd zum Ausdruck bringen können. Liegt Ihnen aber ein anderes, vielleicht verwandtes Thema näher, so bitte ich Sie uns nur ein solches vorzuschlagen. Die Hauptsache ist, daß wir Sie einmal bei uns hören dürfen. Entweder wird der Vortrag öffentlich im Bernoullianum gehalten, oder im Schmiedenhof, wobei nur die Mitglieder u. Gäste kommen. Die Diskussion ist im letztern Fall gewöhnlich belebter; aber der Zuhörerkreis ist kleiner, oft sogar recht bescheiden. Ich bitte Sie, selber sagen zu wollen, was Sie vorzögen.

Barth nahm die Einladung für einen Vortrag im Schmiedenhof an und formulierte wohl auch den seine besondere Intention pointierenden Titel. An Rade berichtet er am 9. November 1915: «Am Montag 15. soll ich in Basel einen Vortrag halten über ‹Kriegszeit u. Gottesreich›. Da wird mir wohl Wernle  nachher einen Strich durch die Rechnung machen.»10 An Thurneysen meldet er am 12. November 1915: «Der Basler Vortrag ist fertig. Er enthält nun u.A. auch eine Generalabrechnung mit Wernle.»11 Gerade diese Abrechnung war es, wie Barth im Rückblick urteilen musste, die seinen Vortrag nicht zum intendierten |180 Ziel gelangen ließ. In einem großen Rückblick auf den Abend in Basel schreibt Barth am 18. November 1915 an Gottlob Wieser12:

Die ganze Sache ist mir als ein starker Schlag – ins Wasser in Erinnerung und ich bin selber schuld, dass es nichts Besseres geworden ist. Offenbar war eben doch die zerstörte «schöne Welt»13 im ersten Teil der stärkste Eindruck, den man davontrug, und Alles, was ich sonst sagte, konnte das Gefühl nicht beseitigen, dass mir «Alles nichts» sei. Das geschieht mir nun ganz recht. Ich hatte ursprünglich eine viel gelungenere Konzeption, nach der Ethik, Vaterland, Sozialismus etc. mit lauter starken positiven Vorzeichen hätten aufrücken und die Minusklammer - (a + b + c . . .) viel bescheidener u. feiner hätte erscheinen sollen. Das wurde mir Alles durch die unglückliche Broschüre von Wernle mit ihrem wahrhaft albernen Moralismus über den Haufen geworfen u. ich liess mich hinreissen, vornehmlich von der Seite: das ists nicht! zu schreiben, wobei dann auch trotz gegenteiliger Versicherung reichlich Hochmut u. Kritiklust mitunterlief.

Wie stark Wernles  Broschüre Barth erregt hatte, wie tief seine Ablehnung ins Grundsätzliche reichte, zeigt noch sechs Wochen später seine Antwort auf die Frage seines Freundes Willy Spoendlin nach seiner Stellung zu Wernles Publikation14:

Ich bedaure es, dass er nichts Tieferes und Sachlicheres zu sagen hat über diese wahrhaftig nicht so spiessbürgerlich simpeln Dinge. Mir erscheint der Gegensatz Militärfreudigkeit - Antimilitarismus, der ihn so schrecklich interessiert, herzlich unfruchtbar. Was er vorbringt, ist seit Luther unendlich oft gesagt worden, gerade wie die pazifistischen Reformideen der Gegenseite schon unendlich oft vorgebracht worden sind, beiderseits mit dem gleichen Resultat, dass rationalerweise Alles in Ordnung ist und dass es dann praktisch doch nicht geht, denn sowenig Ragaz u. sein Anhang die Tatsache des Vaterlandes hinwegrationalisieren kann, sowenig u. noch weniger wird dies Wernle gelingen mit der Tatsache des nun einmal unruhigen Gewissens. Diese glatten gescheiten Lösungen laufen notwendig auf Lügen und Selbsttäuschungen hinaus. Und statt immer aufs Neue solche Sprüche zu |181 thun, durch die nichts anders werden kann, würden wir besser thun, einmal gründlich anzufangen mit einer innern Neuorientierung an den primitiven Grundwahrheiten des Lebens, die uns allein aus dem Chaos der gescheiten konservativen oder revolutionären Meinungen u. Gegenmeinungen herausbringen kann. Es ist ja ganz klar, dass eine Nation sich ihres Lebens wehren muss, u. es ist ebenso klar, dass es eine Sauerei ist, wenn sie es tut. Was hilfts, darüber weiter zu diskutieren? Warum verhandeln wir nicht lieber eingehend darüber, warum dieser heillose Widerspruch zur Zeit offenbar eine Notwendigkeit ist? Etwa darum, weil dann offenbar die Zeit des Artikel- u. Broschürenschreibens zu Ende und die Zeit des Schweigens resp. der persönlichen innern Bemühung um eine neue u. diesmal einheitliche Lebensgrundlage angebrochen wäre? Etwa darum, weil dann offenbar das interessante Rede- u. Schreibeproblem Krieg oder Frieden etc.? abgelöst würde durch das radikale u. bitterernste Glaubensproblem: mit Gott oder wie bisher ohne ihn?

Ebenso deutlich sind die Ausführungen in einem Brief an Leonhard Ragaz, der Barth am 8. Dezember 1915 darum gebeten hatte, den Basler Vortrag für die «Neuen Wege» «ab[zu]treten, u. zwar schon für die Weihnachtsnummer». Barth antwortet am 10. Dezember15:

Ich musste bemerken, dass das Positive[,] was ich zu sagen meinte, nicht mit der innerlich u. notwendig überzeugenden Kraft wirkte, wie ich gedacht hatte. Man kam mir nachher doch wieder mit Fragen, Einwänden u. Missverständnissen, über die ich die Hörer gerade meinte hinausgeführt zu haben[,] und das sagt mir nun, dass ich einfach die Vollmacht noch nicht habe, mit solchen Generalabrechnungen vor weitere Kreise zu treten. Da heisst es nun für mich jedenfalls doch «warten» u. noch etwas älter zu werden u. mit vielem Predigen u. Unterweisen langsam auch zu dem Ausdruck zu gelangen, der nötig wäre, um so entscheidende Sachen zu sagen, wie ich sie in Basel sagen wollte. [...]

Vielleicht verstehen Sie mich noch besser, verehrter Herr Professor, wenn ich Ihnen sage, wie es mir mit Wernle gegangen ist. Der Vortrag wurde mir unter der Hand zu einer scharfen Auseinandersetzung bes. mit ihm. Ich meinte in kindlicher Freude, nun einmal in |182 grösstem Zusammenhang und überlegen aufgeräumt zu haben mit allen seinen Verwirrungen. Und theoretisch war ja wohl alles in Ordnung. Aber gerade die innere siegreiche Überlegenheit, die Überlegenheit von Gott her war nun sichtlich doch nicht da, denn Wernle konnte nachher in der Diskussion aufstehen und fröhlich alle seine Halbwahrheiten, die Sie ja sattsam kennen, noch einmal vorbringen, wie wenn ich nichts gesagt hätte. Und das Publikum hatte offenbar von meiner ganzen Abrechnung mit ihm nur den Eindruck einer schneidigen Polemik nicht aber den von einer erlösenden Klärung der Wernle’schen Widersprüche, die ja jedes Kind als solche einsieht.

Ähnlich klagt Barth in dem schon angeführten Brief an G. Wieser von

dem bemühenden Schauspiel, dass Wernle  einfach seine gesamten Sprüche vom Staatsapostel Paulus bis zur «stillen Ewigkeit» noch einmal aufsagen konnte, als wäre nichts geschehen. Es kam mir überhaupt zum Bewusstsein, […] wie ungeheuer schwer es ist - vielleicht überhaupt unmöglich, unsre Sache so in einem Vortrag dozierend u. rechtbehalten wollend vorzubringen. Da muss man dann so die letzten entscheidendsten Sachen in mehr oder weniger wohlabgewogenen Steigerungen u. Antithesen heraussagen, u. kann sie doch nicht so lebendig u. zwingend heraussagen, dass der Widerspruch einfach zum Schweigen kommt, sondern muss riskieren, gefragt zu werden, was denn nun eigentlich Glauben sei u. wie es im R[eich] Gottes aussehe, muss riskieren, schliesslich auch noch als Grosse Worte-Macher abgesägt zu werden. Was hätte ich antworten sollen? «Es tut mir leid, ich habe offenbar grosse Worte gemacht, da ihr sichtlich noch diskutieren u. widersprechen könnt.»16

Die Enttäuschung spiegelt sich auch in den Aufzeichnungen, die Barth sich in der Diskussion machte. Er hat die Bleistiftnotizen in deutscher Schrift nachträglich mit Tinte in lateinischen Buchstaben (hier in Helvetica wiedergegeben) rubriziert:

183 Wo ist der Glaube?
Möglich so stark wie Glaube der ersten Christen?

  • Etwas Bestimmteres möchten wir hören?
  • Fortschritt? Geistig? meine [?] Not?
  • _____________

Gottes Güte. – Theologen.

  • _____________

Wernle!

  • Wernle: Verzicht auf alles Antworten
  • Klassisches Referat über das was ich nicht verstehe
  • Das sind mir große Worte.
  • Illusion; d. R. Gottes
  • Jesus, Reformation ganz anders
Wer ist Gott? G. R. = Geltung Gottes
Was gilt im N. T.? Aber Gottes! meine Antwort!!
Der Geist des alten Chrts? Voraussetzung
   Dies die Diskussionsnotizen!

Barth schließt seinen Bericht an Wieser mit Eindrücken von einer anschließenden Begegnung mit Wernle:

Bei dem Gespräch mit W. am folgenden Tag kam auch nicht mehr viel heraus. Ich mußte noch hören, mein Standpunkt sei durchaus greisenhaft, gut für «totkranke alte Frauen», da wolle er noch lieber Ragaz mit seinem Optimismus!! ich solle doch «wieder einmal» die Evangelien lesen, freilich unter Außerachtlassung der ja doch ganz zeitgeschichtlich bedingten Eschatologie u.s.w. Es war hohe Zeit, wieder auf mein Dorf «in die Stille» zu gehen und ich werde nicht so bald wieder solche Expeditionen unternehmen.

Es waren natürlich sehr andere Eindrücke, die Wernle über den gleichen Anlass am 26. November seinem Freund Martin Rade zu berichten hatte. Hält man Barths Berichte an Wieser und Ragaz  daneben, wird deutlich, welch einem Epochenbruch die Theologie entgegenging. Wernle  schreibt an Rade:

Ihrem Vortrag über die Kirche17 ists neulich hier ziemlich schlecht gegangen in einem Vortrag, den uns Karl Barth vor unsern Unabhän|184gigen hielt. Er konnte nicht genug sein Erstaunen ausdrücken, wie man von noch engerer Verbindung der Kirche mit dem Staat & Ethisierung der Kirche irgend etwas hoffen könne & vermißte bei Ihnen alle Hauptsachen, die wir brauchen. Das wird er Ihnen wohl selbst geschrieben haben. Ich mußte mich nur wundern, wie ein Schweizer so ohne weiteres besser wissen kann, was für Deutschland nötig ist. Der Vortrag war aber auch sonst vom Unglücklichsten, was ich je gehört habe in meinem Leben. 3 Thesen. 1. die Welt bleibt Welt, vom Teufel regiert, alle Versuche in allen verschiedensten Richtungen, etwas zu bessern & helfen, sind wertlos & erfolglos, 2. Gott ist Gott, das Reich Gottes muß kommen, dann wird alles anders, 3. was haben wir zu thun, an Jesus Christus zu glauben & zu harren auf das Gottesreich. Das war ganz schön & verständlich für Leute, die von Boll her an solche Gedanken gewöhnt sind, aber direct ärgerlich & absolut unverständlich für andere einfache Seelen. Einzelne giengen mit wahrem Zorn davon. Ich schreibe Ihnen das nur, weil wir einig sind in der Hochschätzung seiner Gaben & im festen Glauben, daß etwas Rechtes & Tüchtiges aus ihm wird. Daran halte ich absolut fest. Aber ich würde ihn nicht zum zweitenmal für einen Vortrag vor einfachen Christenmenschen kommen lassen & halte diese Art Theologie für eine Versuchung & im Grund für ein Verzweiflungsprodukt, das nur verständlich ist als Gegengewicht zu einem sehr starken Drang zu wirken, zu bessern & zu handeln. Ich kann es psychologisch völlig verstehen, aber zuzuhören war grauenvoll & wenn Jesus dazu in der Welt gewesen wäre, würde ich ihn offen abdanken. Ich glaube doch, Sie überschätzen ihn gelegentlich. Ernst ist er ja kolossal, ich wollte, er hätte mehr Freude & Frische. Aus diesen Gedanken ist alles Sonnige & Kindliche vorläufig verbannt & dabei hat er eben sein zweites Kindlein bekommen. Wunderlich.

Ich mußte Ihnen das schreiben, weil es Sie interessiert & Sie es nicht falsch auffassen. Wir disputierten nachher ganz brav & friedlich zusammen, nachdem ich es am Abend selbst allerdings scharf abgelehnt hatte. Ich mußte wirklich den andern Seelen noch etwas Brauchbareres geben als diese Apokalyptik schroffster dualistischer Art. Daß er immer wieder zu mir kommt, ist mir eine große Freude, o wenn man nur das nicht verlernt & verliert, sich persönlich auszusprechen. Das ist mein Unglück mit Ragaz & daher ist dort solche |185 Bitterkeit. Mit Karl Barth hoffe ich immer in guter Freundschaft zu bleiben. Wie wird er selber einmal über diese Jugendstücklein sich wundern.18

In gewissem Sinn sollte Wernle  mit der Schlussbemerkung recht behalten: Aus der weiteren Geschichte des Vortrags ist nämlich noch zu berichten, dass Barth ihn 1928 wieder hervorholte, als es darum ging, für den Wiederabdruck des ersten Predigtbandes von Barth und Thurneysen «Suchet Gott, so werdet ihr leben! 📖» einen neuen Abschlusstext zu finden, da Barths Vortrag «Die neue Welt in der Bibel 📖», der in der ersten Auflage am Ende stand, inzwischen im ersten Band seiner Gesammelten Vorträge «Das Wort Gottes und die Theologie 📖» nachgedruckt worden war. Während Barth schwankte19, war Thurneysen «mehr als einverstanden mit dem Abdruck jenes Basler Vortrages, den ich auch noch wie jenen ganzen Abend in schärfster Erinnerung habe. Laß ihn ungekürzt wieder ergehen!»20 Aber Barth wollte inzwischen den Vortrag «doch lieber nicht wieder drucken, weil zu viel theologisch Ungeschütztes darin steht».21 Weil Thurneysen insistierte – «Jener Vortrag hatte eine so schöne Rasanz und sagte unvergeßliche Dinge, die man so gerne wieder einmal hören würde, wenn auch …»22 –, machte sich Barth dann doch «nach Empfang deines Briefes sofort an das Abschreiben und Zurechtschreiben jenes Vortrages», «aber es geht einfach nicht, und nur damit du siehst, daß es wirklich keine Marotte von mir ist, schicke ich dir das Abgeschriebene und den Rest hier zur Einsicht. Sag selber, ob ich nicht recht habe, wenn es mich vor der weitern Beschäftigung mit diesem uralten Käse ekelt.»23 Leider scheint Barths Weisung: «Fort damit, dein Matthias soll Papierpfeile daraus machen, und die schon beschriebenen Bogen eignen sich ausgezeichnet für den Lokus»24 zur Hälfte befolgt worden zu sein. Jedenfalls sind die ersten |186 zwölf Seiten, d.h. die von Barth wohl mit der Maschine abgeschriebenen bzw. zurechtgeschriebenen Seiten sowohl im Manuskript von 1915 als auch im Typoskript von 1928 verschollen.

Der Abdruck erfolgt nach den erhaltenen Seiten 13-31 des mit Tinte auf Quartbögen beschriebenen Manuskripts. Der Text setzt etwa in der Mitte des ersten von insgesamt drei Teilen ein. 

[Kriegszeit und Gottesreich]

der französische, englische, italienische Idealismus, der in diesem Kriege gegen Deutschland geistig mitkämpft, so lauter «Cant» u. politische Mache sei.25 Wir Neutralen werden etwas milder sagen: der wirkliche ehrliche Vierverbandsidealismus26 mit allen seinen Begriffsapparaten u. Kunststücken ist eben bei Kriegsausbruch einfach mobilisiert worden wie der deutsche, wie der österreichische, wie der türkische Idealismus mit ihrem entsprechenden Material auch mobilisiert worden sind. Die Ethik hat sich überall in die Schützengräben begeben, um daselbst die Menschheit fernerhin ihrer Bestimmung entgegenzuführen. Das ist nun einmal das Los der Ethik, dass sie sich für allerlei muss brauchen lassen. Der gleiche Troeltsch hat sie ja vor einigen Jahren auch für die badische Staatslotterie mobil gemacht.27

187 Und wie die Ethik, so steht auch unser Staats- u. Vaterlandsgedanke einfach im Dienste der von Gott gelösten Naturkraft. Der Staat ist ja |188 bei der günstigsten Deutung ein Gebilde unsrer Ethik. Er zähmt, er ordnet, er organisiert die Naturkraft, er setzt sie da u. dort provisorisch matt, wo es ihm passt, um sie an andern Stellen durch künstliche Teufeleien noch zu ergänzen u. zu bereichern. Jedenfalls anerkennt er sie als Wirklichkeit, korrigiert u. überbietet den Privategoismus durch den Kollektivegoismus, die Privatgewalt durch die Kollektivgewalt, den Privatmord durch den Kollektivmord usw. Er braucht die gott-lose Naturkraft u. wird von ihr redlich wieder gebraucht in Krieg u. Frieden[,]28 u. es ist durchaus nicht abzusehen, wie es auf dem Boden des heute gangbaren u. notwendigen Staatsbegriffs anders sein oder wie sich aus dem heutigen Staat jemals etwas prinzipiell Anderes emporentwickeln sollte. Der Staat Friedrichs d. Gr. oder der Basler oder Aargauer Staat wird durch keine Liebesmühe zum Gottesstaat hinaufzuschrauben sein, sowenig wie aus einem Distelstrauch ein Feigenbaum werden kann [vgl. Mt. 7,16].

Grundsätzlich nicht anders wie mit der Ethik u. mit dem Staat steht es mit dem Sozialismus. Ich bin selber Sozialdemokrat u. rede in eigener Sache, gerade so wie ich auch von der Ethik u. vom Staat in eigener Sache, als Beteiligter u. Mitwirkender geredet habe. Aber ich sehe die Dinge auch beim Sozialismus nicht anders: er lebt von seinem Gegensatz. Wohl will er das im Ansatz eigentlich nicht, die Idee der vielberufenen Theorie vom Klassenkampf heisst ja paradoxer Weise u. in gründlicher Überholung der gangbaren idealistischen Ethik: Aufhebung aller Klassenherrschaft, Freiheit von der Selbstsucht, die die Welt regiert, durch Aufhebung der Selbstsucht überhaupt. Aber dass der Weg zu dieser Freiheit nun selber Freiheit heissen muss, das wagen kaum einige wenige sozialistisch-anarchistische Outsiders zu behaupten: die sozialistische Politik hat sich überall auf den «realen» Boden der Tatsachen gestellt u. als nächstes Ziel die Diktatur des Proletariats u. damit den Kampf der Entrechteten gegen die Besitzenden |189 u. damit den Kampf der Selbstsucht gegen die Selbstsucht proklamiert. So steht die Himmelsleiter29 auch hier auf der Grundlage einer von Gott gelösten Wirklichkeit. Und das hat der Krieg auch hier offenbar gemacht. Das bekannte «Versagen» der Genossen in den kriegführenden Ländern bei Kriegsausbruch u. ihr Verhalten seither hat seine Wurzeln tief in der Friedenszeit u. geht bis auf die Väter des Sozialismus zurück. Es ist nicht zu erklären mit dem sog. «herzerhebenden Ereignis»30, dass die bürgerliche vaterländische Ideologie die Sozialdemokraten einfach angesteckt u. übermannt hätte, wohl aber damit, dass sie selber sich durch ihren blos formalen Gegensatz gegen den bürgerlichen Egoismus so stark an diesen gefesselt hatten, dass sie im entscheidenden Augenblick einfach nicht mehr loskamen, sondern mitmussten. Naumann hat einfach glänzend recht behalten mit dem, was er als Verteidiger der deutschen Sozialdemokratie immer gesagt hat31: sie war längst national geworden, nicht aus «herzerhebenden» Gründen, sondern einfach weil im wohlverstandenen Interesse der deutschen Arbeiterschaft die Eisenrüstung des Reiches u. zuletzt auch deren Gebrauch ebenso nötig war wie im Interesse der deutschen Kapitalistenschaft. Und ebenso war es den Standesegoisten der Trade Unions jenseits des Kanals leicht klar zu machen, dass es nur zu ihrem Vorteil sein könne, wenn der deutsche Konkurrent an die Wand gedrückt werde. Die Einstellung des Sozialismus auf den Gegensatz der Klassenegoismen musste unweigerlich sein «Versagen» nach sich ziehen im Moment, wo die Klassenegoismen sich im Nationalegoismus die Hand reichten. Es ist kein Zufall, dass die Träger des Nationalsozialismus32 überall gerade die Gewerkschaften sind.

190 Und der Pazifismus? Ich gestehe vor Allem, dass ich ihn wenig kenne, so selbstverständlich ich mich auch dieser Bewegung grundsätzlich anschliesse; aber was ich davon kenne, macht mir den ­Eindruck, dass auch dieser Versuch, die Welt zu verbessern, nicht eigentlich etwas Neues Andres in unsern Lebenszusammenhang hineinbringt. Auch er kommt von der Ethik her mit starker Kritik u. wohlwollenden Vorschlägen zur Güte an die Naturkraft heran u. möchte an einem bestimmten Punkt reinen Tisch machen, den einen Hydrakopf des Krieges einmal abschlagen. Warum nicht? Nur müsste dann das erste Wort eines Pazifisten bei Kriegsausbruch ein anderes gewesen sein als die Frage Rades, auf welcher Seite nun wohl Recht, ultima ratio u. gutes Gewissen sei, die selbstverständlich jeder Pazifist mit allen seinen weniger gut gesinnten Mitbürgern zugunsten seines Vaterlandes beantwortet hat.33 Und dann auch scheint mir der Pazifismus die Antwort schuldig zu bleiben auf die Frage, wie er sich die Abschaffung des Krieges vorstellt unter der blos negativen Parole: Krieg dem Kriege! der man immer wird entgegenhalten können, dass der Völkerfriede ein blos formales Gut sei u. dass der Krieg auch seine Ehre habe. Ich habe auch beim Pazifismus den Eindruck, dass auch er aus der Sackgasse, in der sich alle Ethik befindet, nicht herauskomme.

Und schliesslich das Christentum. Bleibts hier auch dabei: Welt ist Welt oder bricht hier eine neue Welt hervor auf den Trümmern der Welt der Naturkräfte? Die Antwort ist hier noch schwerer eindeutig zu geben als vorhin beim Sozialismus. Denn wir treten hier ein in das Heiligtum tausender u. tausender unsrer Zeitgenossen in der Front u. hinter der Front, die tatsächlich in diesem Jahr erlebt haben, wie etwas an sie herantrat, das war etwas total Anderes als die ganze Welt u. ihre «Wirklichkeit»34 u. ihre «Tatsachen»35, das war der erlösende Gott mit |191 seiner Wirklichkeit u. seinen Tatsachen. Ich möchte sagen, das ist überall geschehen, wo immer daheim u. im Felde, in den Kriegsländern oder bei uns Neutralen aufrichtig ein Unservater gebetet worden ist, u. wäre es von einem Feldprediger, überall da, wo eine Seele in harter Arbeit u. schweren Gedanken oder in Todesnot still geworden ist u. das in sich hat reden lassen, was auch da ist in uns ausser dem Selbsterhaltungstrieb in allen seinen Formen, ausser der falschen Idealität der Moral, u. mit diesem Andern wortlose Zwiesprache gehalten hat. Wir können das jetzt noch gar nicht übersehen u. abschätzen, wieviel solch reale Gotteserkenntnis in dieser Zeit gemacht worden ist, vor Allem unter unsern Brüdern im Felde in allen Lagern, u. was für einen realen Segen sie uns aus dieser Quelle mit heimbringen werden. Wir können da nur ehrfürchtig warten, u. ich bin gerne bereit, aus ganzer Seele zu hoffen, dass wir gerade von den Heimkehrenden unendlich viel zu lernen u. zu empfangen haben werden. Aber das muss nun auch deutlich gesagt sein: wir warten auf etwas Reales, während die Pfärrer u. Theologieprofessoren u. auch manche Feldbriefschreiber, die uns immer wieder tröstlich auf die Herrlichkeit des Schützengraben-Christentums hinweisen, eigentlich immer nur das Formale zu sagen wissen: dass der Christenglaube doch auch in Schützengräben leuchte u. sich bewähre, ja, da erst recht, als ob es nun dabei bleiben könne. Dieser formalen Betrachtungsweise gegenüber |192 muss denn doch bei aller Ehrfurcht vor den innern Erlebnissen, um die es sich handelt, gesagt sein, dass es zunächst eine offene Frage ist, ob nicht auch das Christentum vom Krieg einfach gebraucht wird, so gut wie die Ethik. Traubs «Eiserne Blätter» z.B. von den «betenden Eisenbahnzügen» bis zu seinem deutschen Kriegspsalm: Danket Gott aus ganzer Seele etc.36 werden wenigstens bei uns schwerlich Vielen einen andern Eindruck gemacht haben als den, dass hier die «Religion» vollständig unter die Botmässigkeit der ganz rabiat gewordenen Naturkraft geraten ist. Oder wenn Naumann in seiner Weihnachtsbetrachtung von 1914 mit dem ihm eigenen Behagen an solchen Kontrasten schreibt: «Wir feiern das Friedensfest mitten im Krieg nicht, um schwach zu werden, sondern im Gegenteil, um dann desto länger wieder stark bleiben zu können. Es wird in diesen Stunden Lebenswärme gesammelt für viele kalte Kriegsnächte. Wer aus unsern Weihnachtsliedern eine Art Bitte um Nachsicht heraushören möchte, hat keine Ahnung vom deutschen Gemüt, bei dem die Zartheit u. die Zähigkeit zusammengehören. Dieselbe Hand, die heute abend die Weihnachtskerze vorsichtig an den Rand des Grabens aufstellt, dass sie dort tröstlich glimme, schiesst morgen den Feind, sobald er sich zeigt»37 – so werden wir vor dem so beschriebenen Christentum die Frage: ja was soll nun das? nicht zurückhalten können. Und wenn man denselben Naumann hat reden hören von der Religion, die der Staat jetzt einfach brauche, gleichgültig ob sie Katholizismus oder Heilsarmee heisse, u. die türkische Religion sei jetzt die beste, wenn sie nur die Leute fest mache zum Sterben38 – ja dann wird man bei allem Zutrauen, das man haben möchte, den bangen Zweifel nicht los, ob nicht vieles, sehr vieles von dem oft gerühmten Kriegschristentum durchaus kein Durchbruch einer höhern Welt, sondern wiederum ein Himmelsleiterbau auf dem altbekannten Grunde bedeute. Sicher ist |193 eins, dass als z.B. die Betätigung der Feindesliebe in den Schützengräben einige Dimensionen annehmen wollte, die Welt in Form von Armeebefehlen auf beiden Seiten eingriff u. dem ins Kraut schiessenden Christentum ein Ende machte; u. das Christentum musste es sich gefallen lassen. Und sicher ist das andre. Wenn alle Kirchen Europas nachher dem Programm folgen werden, das Martin Rade für die deutsche Kirche nach dem Krieg aufstellt, nämlich: noch engerer Anschluss der Kirche an den Staatsgedanken u. noch mehr «Ethisierung» der Kirche39 – dann ist das Christentum dieser Kirchen, dann ist überhaupt der religiöse Ertrag des Krieges kein Neues, kein Anderes, keine Überwindung der Welt der Naturkraft. Dann bleibt es auch in Bezug auf das Christentum bei dem Sätzlein: Welt ist Welt.

Aber Gott ist Gott, u. bei ihm u. von ihm her giebt es ein Neues. Das scheint mir die andre Erkenntnis, die die Kriegszeit uns nahelegen will. Ich sage nicht, dass ich diese Erkenntnis habe u. besitze, aber ich suche in dieser Richtung zu erkennen.

Gott so wie er im Leben u. Wort Jesu zu erkennen ist. Alles Andre, was sich daneben Gott nennt, ist nicht Gott. Ich kann das nur von mir sagen: wenn ich etwas Anderes auch noch Gott heissen wollte, so weiss ich einfach nicht, was mein Glaube dann noch sollte. Ich möchte dann z.B. um keinen Preis mehr Pfarrer sein, denn ich wüsste nicht, was dann das Predigen u. Unterrichten für einen Sinn haben sollte. Ich würde mich aber auch für mich selbst unendlich unsicher u. zwiespältig fühlen. Ich weiss nicht, ob die Hoffnung, die ich zu haben meine, u. das bischen Mühe, die ich mir manchmal gebe, mir dann möglich wären; ich glaube es nicht. Ich denke gar nicht daran, jemanden, dem es anders geht, der auch noch etwas Anderes Gott heisst ausser dem, was uns in Jesus u. seinem Geist erkennbar ist, darum einen schlechten Christen zu nennen, aber ich bin im Stillen der Überzeugung, dass er im Grunde auch von dem lebt, was er an Jesus hat, u. nicht von dem, was ihm seine andern Götter sind. Auch die Propheten |194 u. Psalmsänger des AT lebten im Wesen von dem, worin sie mit Jesus verwandt waren, u. nicht von dem andern Gottesglauben, der auch in ihnen war. Und ähnlich suche ich mir einen Cromwell oder einen G. Traub oder andre Menschen, deren religiöses Leben mich fremdartig berührt, zu erklären. – Ich glaube aber, dass die Kriegszeit uns Alle drängen müsste, mit dem was wir an Jesus haben, ganz anders Ernst zu machen, ganz anders in dem u. von dem zu leben, von dem wir ja in Wirklichkeit leben, u. mit den Göttern anderer Herkunft abzufahren. Gewiss redet Gott z.B. auch durch die Natur mit uns. Aber es macht einen Unterschied aus, ob wir Gott in der Naturkraft erkennen, so wie ihn ein alter Germane darin zu erkennen glaubte, oder ob wir ihn in der Natur wiederfinden, nachdem wir im Evangelium gemerkt haben, wer u. was er eigentlich ist. Das geht doch nicht, dass wir ihn auf die Länge mit beiderlei Augen ansehen[,] mit den Augen des Wotanverehrers und mit den Augen des Jesusjüngers. Eines von beiden Bildern muss das Bild eines falschen Gottes sein. Gewiss redet Gott mit uns z.B. auch durch die Aufgaben am Staat, die er uns «vor die Füsse wirft»40. Aber es ist zweierlei, ob wir den Staat nun ansehen mit den Augen des römischen Imperators oder sagen wir mit den Augen eines altschwyzerischen Landammanns41 oder aber mit den Augen, mit denen uns Jesus diese Dinge anzuschauen gelehrt hat. Eines muss dann mit der Zeit weichen. Auf die Länge wird man nicht den Gott des Imperators oder Landammanns u. den Gott Jesu nebeneinander anrufen können. Einmal muss doch die Entdeckung in uns aufleuchten, dass es gilt Ernst zu machen u. von dem zu leben, wovon wir im Grunde leben – u. dann fallen eben die Nicht-Götter. Ich glaube, dass diese Zeit eine Zeit besonderer Bewegung von Gott her ist, darum, weil sie uns von den Bildern von allerlei Nicht-Göttern |195 mit Macht zu dem einen realen Gott hindrängt. Ich wollte vorhin zeigen, wie uns durch die Erfahrungen des Krieges eine Reihe von Idealen nicht zerstört, aber entwertet werden, dadurch dass sie sich jetzt als blos relativ u. formal herausgestellt haben. Was soll uns der Gott, der uns einst als die höchste Idee der Ethik vorgestellt worden ist? oder der sog. Gott unserer Väter, der Schutzpatron von Morgarten und Sempach42 und die ausländischen Götter seinesgleichen? Oder der Gott des proletarischen Klassenkampfes, an den wir eine Zeitlang doch geglaubt haben? Oder der milde Gott der Pazifisten? Oder der Kirchen- u. Christentumsgott, wie er uns von denen, die am Meisten von ihm reden u. schreiben, gezeichnet wird, schlimmer als der römische Janus mit Gesichtern nach allen Seiten? Was sollen uns alle diese Götter, nachdem wir gesehen haben, wie sie alle «feldgrau» geworden sind? Ephraim, was sollen mir weiter die Götzen? [Hos. 14,9]  Ja, die Welt wird jetzt entgöttert u. erweist sich als das, was sie ist, als Welt. Dafür erweist sich Gott umso kräftiger als Gott.

Als der Gott, den wir aus dem Leben u. Evangelium Jesu kennen. Ja, und was haben wir denn an Jesus? Gerade das, dass er uns Gott als Gott nahebringt u. als nichts Anderes. Der «Vater im Himmel» [vgl. Mt.5,16.45.48; 6,9 par. u.ö.], auf den er uns hinweist, ist keine Idealität, die von ihrem Gegensatz lebt, keine formale unreale Grösse, die schliesslich auch wieder in die Welt hineingehört, keine Idee der Gerechtigkeit oder der Liebe im Wetteifer mit den Ideen der Ethik, sondern die Wirklichkeit[,] aus der unsre ganze Welt herausgefallen ist, so dass sie nur noch Welt ist u. den Krieg u. alle Teufeleien haben muss, u. an die sie doch auch wieder mit tausend Fäden gebunden ist. Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen u. selig zu machen, was verloren ist [Mt. 18,11 par.]. Gottes Leben ist das ursprüngliche Leben, in dem wir eigentlich unsre Heimat haben. Wollen wir etwas von Gott sagen, so wird «Unser Vater im Himmel»: Unser Schöpfer u. Ursprung in der andern für uns ganz neuen Welt! das einzige Positive sein, das wir sagen können. All unser sonstiges Reden von Gott ist ein Stammeln, oder es muss, wenn es Ernst gelten soll, in lauter Negationen bestehen. In Jesus haben wir die grosse Position des Schöpferi|196schen, Wirklichen, Neuen gegenüber unserm ganzen Lebenszusammenhang. Jesus war kein Philosoph, kein Ethiker, kein staatsbürgerlicher Erzieher, kein Sozialist od. Pazifist, Gott sei Dank auch kein Kirchenmann. Er hat nur Gott als Gott erkannt u. gezeigt. Er orientierte sich in der Welt nicht von der Welt aus, um schliesslich auch wieder ein Stück Welt zu erzeugen. Sondern er orientierte sich an Gott von Gott aus, u. mit der neuen Orientierung brach eine neue Welt, die ursprüngliche Gotteswelt an in seinem Leben u. in dem Leben, das von ihm ausging.

Diese neue Welt war das Gottesreich, gegenwärtig in ihm selber u. in seinen Jüngern, aber durchaus nicht nur in den Seelen, sondern in Worten u. Taten, die die alte Weltordnung deutlich und offenkundig durchbrachen. Das Gottesreich, wie es Jesus verkündigt hat, war niemals das Endziel der natürlichen Weltentwicklung, sondern der Wiederanbruch der Geltung Gottes. Und niemals hat Jesus die Welt u. ihre relativen Pflichten, Tugenden u. Güter als Vorstufen zum Gottesreich betrachtet. Sondern diese Welt samt dem Kaiser, dem auch der Jünger giebt, was des Kaisers ist [vgl. Mt. 22,21 par.], steht zum Gottesreich als die Sphäre oder Weltzeit, die zum Vergehen, zum radikalen Verwandeltwerden bestimmt ist. Und wenn Jesus damit gerechnet hat, dass seine Jünger zunächst in dieser vorläufigen Welt, die ihnen durch ihre Erkenntnis Gottes eigentlich fremd geworden, weiterleben müssten, so hat er ihnen trotz Hauptmann von Kapernaum [vgl. Mt. 8,5–13 par.] doch niemals gesagt, dass das nun der Sinn ihres Lebens oder gar noch das Charakteristische ihrer Jüngerschaft sein solle, dass sie sich äusserlich u. innerlich an die Bedingungen dieser Welt anpassten, sondern Wachende u. Betende [vgl. Mt. 26,41; Mk. 13,33; 14,38] – Leute, die in Bereitschaft stehen u. warten – sollten sie sein, warten mit ganzer innerer Spannung und Konzentration auf die Fortsetzung – nicht auf die Fortsetzung der alten Welt mit ihren Gütern u. Göttern, sondern auf die Fortsetzung u. Vollendung des Gottesreiches. Nicht das ist das Eine Notwendige [vgl. Lk. 10,42], dass der Mensch sich in der Welt zurechtfindet, sondern dass er wachend u. wartend dieser Fortsetzung u. Vollendung von Gott her begegne. Wenn er das tut, wird er sich auch in den Fragen u. Nöten u. Aufgaben der Gegenwart nicht verlassen sehen, im Gegenteil: von Gott her u. wo Gott gilt finden sich die Wege durchs Leben schon jetzt, auch in der vorläufigen Sphäre, in |197 der wir uns bewegen, aber nicht das ist das Entscheidende, dass er jederzeit ein sauber gebahntes Strässlein durchs Leben vor sich sehe, das ist vielfach gar nicht möglich, weil jene Voraussetzung von Gott her zu solcher Klarheit noch gar nicht da ist. Der Jünger Jesu ist hundertfach verflochten in die Sünde u. Strafe der Welt, in die alte Gerechtigkeit u. ihre hoffnungslosen Konflikte, er kann u. darf an hundert Stellen nicht anders denken, reden u. handeln, als die Welt tut, er hat allen Anlass zu beten: Vergib uns unsre Schulden! [Mt. 6,12 par.]. Er muss diese Schuld der alten Welt selber in einem unruhigen zerrissenen Gewissen tragen. Aber eben: diese Verflochtenheit in die Gesetze der gegenwärtigen Welt ist ihm nicht eine göttliche Notwendigkeit, sondern eine Schuld, eine Gefangenschaft, etwas, was ihn u. seine Brüder noch von Gott trennt u. was von Gott her fallen muss. Auf welche Weise u. wie bald? das ist nicht die Frage, auf die es ankommt. Aber von Gott her muss sie fallen, Gott will vergeben, Gott will uns vom Bösen erlösen, Gott will, dass sein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel [vgl. Mt. 6,10.12f. par.]. Von Gott her besteht die Notwendigkeit jener Verflochtenheit u. Gefangenschaft nicht, von Gott her giebt es eine andre Gerechtigkeit als jene alte. Sie wird einmal die Fesseln sprengen, in denen wir leben. Nach ihr sich ausstrecken in der Hoffnung, sich ausstrecken nach dem, was bei Gott, von Gott aus gilt, fest u. immer fester werden im Ernstnehmen der Welt Gottes, das ist das Wesen des Jüngers Jesu. Er steht fest in der Gegenwart u. lebt doch ganz in der Hoffnung; er lebt von dem, was von Gott her gilt, und weiss: von Gott her «wird euch solches Alles hinzugetan werden» [vgl. Mt. 6,33 par.]. Solches Alles – nämlich Alles das, was man uns jetzt mit aller Gewalt in den Mittelpunkt des Glaubens rücken will, die Antwort auf alle die Fragen, Nöte, Konflikte, Aufgaben, auf die sozialen u. politischen Probleme der Gegenwart, während das Gottesreich wiederum mit aller Gewalt aus der frohen Realität, als die es uns im NT entgegentritt, zu einem dürftigen Nebelein am Ende der Weltentwicklung verwandelt u. als eine Art Dessert für religiöse Feinschmecker an den fernen Rand hinausgeschoben wird, als eine verzwickte Geschichte, von der man eigentlich nur das Eine sicher weiss, dass es noch gute Weile hat bis dahin u. dass man sich, besonders jetzt, wo in der Welt scharf geschossen wird, besser nicht zuviel damit abgiebt.

198 Mit dieser Auffassung des Evangeliums weiss ich nun allerdings nichts anzufangen. Von allem Merkwürdigen, das uns im Verlauf dieses Kriegsjahres von Basel aus gesagt worden ist, ist mir die immer wiederkehrende Behauptung die merkwürdigste gewesen, das in der Bergpredigt beschriebene Leben des Jüngers Jesu sei nur so eine Art bessere Quäkermoral mit ein bisschen Sorglosigkeit u. Feindesliebe, die selbstverständlich so in der wirklichen Welt nicht allein bestehen könne, sondern von einer soliden Weltmoral eingerahmt u. eingepanzert sein müsse43, wobei es dann schliesslich für den Christen doch das Dringendste u. Wichtigste ist, dass er doch ja dieser Weltmoral ihr Recht werden lasse. Nach meiner bescheidenen Kenntnis Jesu kommt es mir vor, da stehe nun einfach Alles auf dem Kopf: aus der Ankündigung des Neuen Ursprünglichen von Gott her in der Bergpredigt, in der doch wahrhaftig fast jeder Satz nicht eine Verbesserung, sondern ein prinzipieller Durchbruch unsrer Weltordnung ist, aus dieser Ankündigung, die einen ganzen Kosmos in seinen Grundfesten erschüttert, wird eine sanfte Anweisung zu einem Gott etwas wohlgefälligeren Leben in der Bruderliebe innerhalb unsrer Weltordnung, eine Anweisung, die wohl in einigen Punkten etwas scharf u. hoch ist, im Ganzen aber getrost als Handbüchlein streng christlicher Ethik sofort in Gebrauch genommen werden kann. Aus dem himmlischen Jerusalem, das sich nach dem Wort u. Sinn des ganzen NT auf die Erde |199 herniedersenkt als die Neuordnung aller Verhältnisse von Gott her [vgl. Apk. 21,10], ist hier umgekehrt der Aufbau des höhern innerlichen u. wahrhaft göttlichen Lebens auf der Grundlage des Rechts, des Staates, der jetzigen bürgerlichen u. nationalen Gemeinschaft geworden.44 Aus dem Gebet: Dein Name werde geheiligt! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel! [Mt. 6,9b–10 par.], aus dem doch wahrhaftig die ganze Kraft des Glaubens spricht, des Glaubens an die Wahrheit u. den Sieg des Gottes, der anders ist als die Welt, – aus diesem Gebet wird der mit naumannscher Begeisterung vorgetragene Gedanke, dass es zweierlei Gotteswillen gebe, nämlich den reinen Liebes- u. Friedenswillen Gottes, der in den höhern Partien des Evangeliums zum Ausdruck u. in der feineren Moral feinerer Christen, hauptsächlich aber in der als Leben nach dem Tode verstandenen «stillen Ewigkeit»45 zu Ehren komme. Daneben aber – u. hier setzt nun merkwürdigerweise eine geradezu religiöse Leidenschaft ein – gebe es da einen härteren gröberen Gotteswillen, einen deus absconditus, der aus der Weltwirklichkeit u. ihren Notwendigkeiten erkennbar sei, u. nun wird der Respekt vor diesem härteren gröberen Gotteswillen u. das entsprechende moralische Verhalten zum eigentlichen Kennzeichen des Christen.46 Geht durch das ganze NT hin|200durch das Warten u. Sich-Bereiten auf die volle Wirklichkeit Gottes, bald tief verhalten, bald glühend ausbrechend, bald sich in der Stille läuternd u. verklärend, bald in unerhörten Worten u. Taten sich offenbarend, aber immer ein grundsätzliches Hinausschauen über die Tatsachen dieses Äons, ein Hinausschauen, bei dem das moralische Leben in dieser vorläufigen Welt wahrhaftig nicht zu kurz kommt, – so verlangt dieses moderne Christentum von uns, dass wir uns mit beiden Füssen auf den Boden der harten Tatsachen stellen, dass wir jetzt als Christen unser ganzes Herz vor Allem bei den Notwendigkeiten der schweizerischen Grenzbesetzung47 u. womöglich auch noch bei der Sympathie für den deutschen Nachbarn haben müssten48, |201 dass uns mit einem Wort jetzt Alles das wichtig u. entscheidend sein müsse, was im NT grundsätzlich nicht wichtig ist, während umgekehrt das Entscheidende im NT: seine Gotteserkenntnis u. Hoffnung uns nur in Form einer dürftigen Privatmoral u. einer ebenso dürftigen Zukunftsträumerei erlaubt sein soll. Ich muss noch einmal sagen, dass ich diese Auffassung des Evangeliums nicht verstehen kann. Es liegt wohl daran, dass ich kein Historiker bin. Nein, da freue ich mich nun einfach darüber, dass ich im NT eine ganze Welt aufgehen u. leuchten sehe, die gerade eine total andre Welt ist als die Welt der berühmten «harten Tatsachen», die ich ja in mir u. um mich herum im Krieg u. Frieden deutlich genug sehe u. an die ich wahrhaftig auch genug gebunden bin auf Schritt u. Tritt. Da freue ich mich, wenn mir in der Bergpredigt ein Leben begegnet, mit dem ich zunächst weder für mich persönlich noch für die kleine u. grosse Welt- u. Sozialpolitik etwas anzufangen weiss. Da freue ich mich, wenn mir im Leben u. Sterben Jesu Gott entgegentritt in einer Art, die mir unmissverständlich deutlich zeigt, dass Gott etwas von Grund aus Anderes ist als Alles Andre, was mir sonst als wahr u. richtig vorkommt. Ist es denn so von vornherein ausgeschlossen, dass Gott uns als Einer entgegentritt, den wir zunächst gar nicht brauchen können? Wer heisst uns denn, an Gott sofort wieder heranzutreten mit der Frage: ja was soll denn u. kann denn nun gemacht werden? Ist es Gott gegenüber so wichtig, dass vor allen Dingen wieder etwas gemacht werden kann? Wer heisst uns denn von Gott erwarten, dass er uns sofort auf alle möglichen verzwickten Fragen unsrer verzwickten Welt, z.B. auf die Frage: Militärdienst oder nicht? eine Ja- oder Nein-Antwort, u. zwar noch eine solche aus vollem freudigem Herzen auf die Lippen legen u. ein ruhiges Gewissen zum sanften Schlummerkissen49 obendrein geben müsse? Wie kommen wir eigentlich zu diesem anspruchsvollen Auftreten Gott gegenüber? Lässt es sich denn eigentlich gar nicht denken, dass wir Gott gegenüber einfach einmal in tiefster Freude u. Scham stille werden u. gar nichts, rein gar nichts mit ihm anzufangen wissen, |202 als dass unser Gewissen tief beunruhigt u. unser Herz von einer grossen Sehnsucht nach ihm erfüllt wird? Warum eilen wir über diesen fruchtbarsten Augenblick in unserm Verhältnis zu ihm so schnell hinweg, weil es uns so entsetzlich pressiert, als Christen doch ja auch in ein durchaus positives oder vielleicht auch negativ-kritisches Verhältnis zu Staat, Recht, Kirche und allen möglichen schönen u. unschönen Dingen zu kommen? Warum ist uns so wenig daran gelegen, vor Allem einmal festzustellen, ob wir eigentlich zu Gott in ein positives oder negatives Verhältnis treten wollen? Ich meine, die Art, wie im NT Gott als Gott an uns herangebracht wird, am stärksten in der Bergpredigt u. im Kreuze Christi, stellt uns vor eine im Grunde einfache Frage. Es handelt sich darum, ob der Gotteswille, der sich da vor uns auftut, uns so in Anspruch nimmt, uns einen so bezwingenden Eindruck macht, dass wir erkennen u. bekennen müssen: dieser Gott ist Gott. Dann gilt das ein für alle mal, dann ist alles, was uns sonst im Leben auch noch als gross u. wahr u. stark erscheinen mag, eben nicht Gott; – so sehr es uns ängstigen u. drücken mag, es kann uns von Gott nicht scheiden; – so wichtig es uns sein mag, es hat nur sekundäre Wichtigkeit neben Gott; – so stark es uns beanspruchen mag, es kann unser Innerstes nicht in Beschlag nehmen, denn über das ist bereits verfügt. Dann giebt es ausser Gott keinen «härtern gröbern Gotteswillen», keinen deus absconditus, sondern nur die Welt[,] die Gott noch nicht oder nicht mehr kennt, die vorläufige Welt, die wir uns nach der kräftigen Anschauungsweise des NT als bevölkert u. beherrscht von den Dämonen, Mächten u. Gewalten denken mögen u. zu deren Charakterisierung wir auch ganz getrost den Teufel wieder beim Namen nennen wollen, dessen man sich allzu lange in ganz unnötiger Prüderie geschämt hat, die Welt, über die hinweg wir doch ganz getrost auf Gott hinblicken, weil wir wissen: sie vergeht u. Gottes Reich kommt50. Da ist nun wieder etwas Merkwürdiges: die gleichen Leute, die heute dem Glauben absolut das Götzenbild jenes «gröbern härtern Gotteswillens» u. alles dessen, was dazu gehört, zur Verehrung aufdrängen wollen, erheben andrerseits den Anspruch, die einzig echten Vertreter des sog. alten Christentums eines Luther u. Paul Gerhardt mit seinem kindlichen Gottvertrauen u. seiner treuen |203 Pflichterfüllung mitten in der dunklen Welt zu sein. Ich weiss nicht, lese ich die Schriften u. Lieder dieser alten Christen mit ganz falschen Augen, aber mir kommt es vor, das Entscheidende an ihrem Christentum sei gerade die Art gewesen, wie sie Gott unbedingt ernst u. dafür die Wirklichkeit[,] an die sie von Gott aus herantraten[,] nicht mehr so ernst nahmen, während unser Talmi-Altes Christentum im Geiste Naumanns mit der ehernen Wirklichkeit anfängt u. schliesslich von Gott nur noch Weniges unsicher zu sagen weiss. Der Geist, aus dem heraus P. Gerhardt gesungen:

So will ich zwar nun treiben
Mein Leben durch die Welt,
Doch denk ich nicht zu bleiben
In diesem fremden Zelt51

ist doch wohl ein radikal anderer Geist als der Geist[,] aus dem heraus etwa die «Christliche Welt» jahraus jahrein ihre ethischen u. kirchlichen Probleme u. Problemlein wälzt, ein anderer Geist auch als der, aus dem heraus man Schutzschriften für die bedrohte schweizerische Militärfreudigkeit schreibt. Das muss einmal gesagt sein, damit man uns künftig mit Paul Gerhardt in Ruhe lässt. Das kindliche Gottvertrauen des wirklichen alten Christentums ruhte fest auf dem Grunde Römer 8: Erkenntnis Gottes im Geiste Christi, Klarheit, dass Gott Gott ist u. Welt Welt, Hoffnung auf Gottes unbedingten Sieg. Auf diesem Grunde hat es seinen wunderbar tiefen Sinn, dass wir wirklich mitten in der Weltwirklichkeit allem Bösen u. Traurigen trotzend uns sagen dürfen: Befiehl du deine Wege ...!52 Was das auf dem Grunde einer in sich gespaltenen Gotteserkenntnis für einen Sinn haben soll, kann ich wieder nicht einsehen. – |

Es könnte nun freilich auch das Andre sein, dass der Gotteswille, der sich uns im NT auftut, uns gar nicht so in Anspruch nimmt, uns gar keinen so hervorragenden Eindruck macht, wie wir eben vorausgesetzt haben, wie es Paulus Römer 8 als sein Erlebnis beschrieben hat. Es könnte sein, dass die Stimme der sog. «Wirklichkeit» einfach stärker wird in uns als die Stimme Jesu und uns ihren Gott als Gott |204 aufzwingt, während für das, was Jesus uns zu zeigen hat, nur eine gewisse Bewunderung und sanfte Neigung übrigbleibt, die ihm ja kaum jemand versagen wird. Das ist auch eine mögliche Entscheidung. Dann wird natürlich Verschiedenes anders. Dann ist es an der Zeit, darin die herrlichste Bewährung der Frömmigkeit zu finden, dass man die Wirklichkeit nimmt, wie sie ist. Dann freue man sich immer wieder darüber, dass es die Wirklichkeit z.B. über die «Utopien» der Sozialdemokratie gewonnen hat, dann ists Zeit, mit den Leuten von der «Hilfe» Wirklichkeitsorgien zu begehen; dann glaube u. predige man in Gottesnamen mit Baumgarten53 u. Rade die Wirklichkeit u. ein «ethisiertes» Christentum in Anlehnung an den Staatsgedanken, ein Christentum, das sich von der Wirklichkeit brauchen lässt.

Erwählet euch heute, wem ihr dienen wollet [Jos. 24,15]! Aber es ist ja innerlich ganz unmöglich, dass uns u. diesen Männern im Ernst die Stimme der Wirklichkeit wichtiger u. wahrer sei als die Stimme Jesu. Sollte uns diese Zeit nicht dringend nahelegen, dort Ernst zu machen, wo es uns Ernst ist, u. nur dort!?

Mir ists, die Bewegung und Beunruhigung von Gott her, die wir in dieser Zeit erleben, müsse es uns Allen mit aller Eindringlichkeit sagen:

Ihr, die ihr Christi Namen nennt,
Gebt unserm Gott die Ehre!
Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt,
Gebt unserm Gott die Ehre!
Die falschen Götzen macht zu Spott,
Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott:
Gebt unserm Gott die Ehre!54

205 Und nun lassen Sie mich noch zum dritten Punkt kommen. Sie erinnern sich der Frage, die der Kerkermeister von Philippi an Paulus u. Silas richtet: Liebe Herren, was soll ich thun, dass ich selig werde? Er bekommt darauf die Antwort: Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du u. dein Haus selig! [Act. 16,30f.] Das ists schliesslich, was ich als meinen letzten entscheidenden Kriegszeiteindruck nennen möchte: wir haben einen ganz neuen tieferen ernsthafteren freudigeren Glauben nötig. Und wenn Sie mich fragen, was denn nun geschehen soll, was da zu thun u. zu machen ist, damit unsre Welt von unserm Gott her erneuert werden kann, so weiss ich nichts zu sagen als das: glauben!

Das ist mir jetzt auch etwas ganz Unverständliches, wie gleich bei Kriegsausbruch von allen Seiten dergleichen getan wurde, als ob unser Glaube, das sog. Religiöse eine selbstverständlich gegebene fertige Grösse sei, die jetzt nur in die gehörige Beziehung zu den Erlebnissen, die aus der Weltwirklichkeit über uns kamen, gesetzt werden müsse. Das Stillwerden vor Gott als Gott, das uns in jenem Moment doch gewaltig nahegelegt war, wurde erstaunlich rasch übergangen, u. mit erstaunlicher Sicherheit begannen wir flugs damit, aus dem reichen Schatz unsrer Gotteserkenntnis heraus Kriegsethik oder auch Pazifismus, christlichen Patriotismus oder auch Kritik an diesem Patriotismus zu produzieren, als ob das nun das Dringendste gewesen wäre. Ich habe dabei an meinem Teil durch meinen berüchtigten Brief an Rade55 auch mitgewirkt. Aber wenn wir uns, wie ich glaube, so ziemlich alle, wenn auch in sehr verschiedener Weise, in dieser Richtung verrannt haben, muss es denn nun immer in dieser Richtung weitergehen, u. wollen wir jetzt nicht damit anfangen, uns zu sammeln um die Hauptsache? Ists denn so abwegs, wenn gerade jetzt, gerade in dieser Sturmzeit, die uns mit aller Gewalt zwingen will[,] uns an der Welt zu orientieren, und gerade bei uns in der Schweiz, die wir es verhältnismässig leichter haben, uns das Herz frei zu halten, die alte Losung des NT u. der Reformatoren wieder erneuert wird: das entscheidende Tun des Menschen Gott gegenüber, die wirksame Hauptsache in unserm Leben ist der Glaube! Die Hauptsache ist jetzt weder |206 Patriotismus noch Heimatschutz noch Militärfreudigkeit noch Staatsbewusstsein, die Hauptsache ist jetzt aber auch nicht Menschheitsglaube, Internationalismus, Antimilitarismus u. Pazifismus, sondern die Hauptsache ist, dass wir jetzt ganz anders anfangen, Gott als Gott zu anerkennen, uns vor ihm zu beugen, uns ganz durchdringen zu lassen von der Gewissheit, dass er recht hat u. nicht wir mit unsrer Welt u. unsrer Art. Ich sagte vorhin: wenn wir einmal soweit sind, dass uns Gott wirklich Gott ist, dann gilt das ein für allemal, ja dann sind wir über den Berg, dann hat das Neue angefangen, u. das Alte kommt nur noch als Vergehendes in Betracht. Ist jemand in Christus, so ist er neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe[,] es ist Alles neu geworden [2.Kor. 5,17]. Aber das ist eine grosse heilige Sache, soweit zu sein, dass uns Gott wirklich Gott ist[,] und wer darf da eigentlich sagen, dass er schon soweit sei? Hat uns nicht die Tatsache des Krieges und die Art, wie wir alle hoffnungslos in die Welt des Krieges kompliziert sind, gezeigt, dass wir samt u. sonders noch nicht soweit sind? Ich habe den Eindruck, dass wir in einer grossen Selbsttäuschung befangen sind, wenn wir unsern Glauben an Gott einfach so voraussetzen, wie wir es bei Kriegsausbruch getan haben, und auf unserer vermeintlich religiösen Basis frisch u. fröhlich zur Tagesordnung übergehen, jeder zu der seinigen. Da muss es dann freilich zu so bizarren Erscheinungen kommen, wie das sog. «deutsche Christentum» eine ist, nicht weniger freilich unser «Pharisäismus der Idee»56, mit dem wir dem deutschen Christentum geantwortet haben. Wir müssen dann einfach früher od. später entdecken, dass wir mit unsrer ganzen Tagesordnung ganz flott wieder in der alten Welt drin stehen. Wohl aber könnte etwas Neues unter uns werden, wenn wir es wieder lernen wollten, uns ganz anders vor Gott zu stellen, uns ihm entgegenzustrecken, von ihm her stark und reif zu werden, auf ihn zu warten.

Ein von Gott erleucht’ter Sinn
Kehrt zu seinem Ursprung hin!57

207 Gott will doch nicht, dass unsre Welt, die Welt der von ihm gelösten Naturkraft, das Letzte, das Bleibende sei. Es ist doch seine Verheissung, die uns eines neuen Himmels u. einer neuen Erde warten lässt, in welchen Gerechtigkeit wohnt [2.Petr. 3,13]. Sie fragen mich, ob ich denn die Fortsetzung u. Vollendung der neuen Welt von Gott her in der nächsten Zeit erwarte? Ich weiss es nicht. Jesus hat es ja auch nicht wissen wollen [vgl. Mt. 24,36 par.]. Ich weiss nur das: wenn wir die Hoffnung auf Gottes Reich fortgesetzt aus der Hauptsache zur Nebensache machen, so kommt es überhaupt nicht, weder früher noch später. Dann bleibt Welt Welt. Damit Gottes Wille geschehen kann, dazu müssen wir wieder im Ernst darum beten. Damit seine Verheissung wahr werden kann, dazu müssen wir sie wieder ganz anders als wahr annehmen, müssen ganz anders um Erkenntnis G[ottes] ringen[,] müssen ganz anders uns von Gott für Gott erleuchten u. zubereiten lassen. Das Tun, auf das es jetzt ankommt, das jetzt entscheidend ist, führt uns in die Stille des Gebets, in die einsame oder gemeinsame Vertiefung in Gottes Wort u. Willen, in die innere Sammlung, Konzentrierung und Ladung, in das Fest- u. Klarwerden in der grossen Hoffnung, die wir als Christen haben. Alles Andere ist jetzt nicht entscheidend. Hier wird denn auch die Kirche ihre eigentliche Aufgabe begreifen und ergreifen müssen. Sie wird den Mut haben müssen, grundsätzlich ihren eigenen Weg zu gehen gegenüber allen Faktoren des menschlichen Fortschrittsprogramms. Sie wird in bewusstem Anschluss an die Predigt der Propheten u. Apostel wieder zu einer Kirche des Glaubens u. der Hoffnung werden müssen. –

Und die nächsten Nöte und Aufgaben, die uns das Leben «vor die Füsse wirft»58? Ich stehe stark unter dem Eindruck, dass wir nur zu viel uns immer mit den nächsten u. übernächsten Nöten und Aufgaben innerlich beschäftigt u. uns damit innerlich in jenes Fortschrittsprogramm innerhalb der Welt verwickelt haben, das sich jetzt im Kriege als so sinnlos u. machtlos erwiesen hat. Wir denken bei der Arbeit für Gottes Reich immer gleich an Mission und christliche Vereine, an Liebestätigkeit u. Staatsfürsorge, an die Schule u. ans Militär, an Gewerkschaften u. Konsumvereine u. Friedensvereine, wir schlagen womöglich den Atlas auf u. studieren unter sorgfältiger Berück|208sichtigung der Bücher Naumanns59 die Möglichkeit der vereinigten Staaten Europas. Wir kultivieren den Antimilitarismus, oder wir schreiben Broschüren dagegen. Ich glaube, damit verbauen wir uns den Weg zu den Gedanken Gottes. Es giebt eine letzte Not, die muss überwunden werden. Es giebt eine letzte Aufgabe, die will gelöst sein. Beides geschieht von Gott her. An Gott aber können wir nur glauben.

Aber es ist richtig, die nächsten Nöte und Aufgaben sind da und wollen auch innerhalb unsres jetzigen Lebenszusammenhangs bearbeitet sein. Zu lösen sind sie von der Welt aus grundsätzlich nicht, sondern nur von Gott her. Staffeln zum Gottesreich empor60 sind auch die besten Lösungsversuche innerhalb dieses Zusammenhangs nicht, der Weg zum Gottesreich ist allein der Glaube. Denn im Glauben wachsen wir hinein in die ursprüngliche reale Gotteswelt, in das kommende Reich des Vaters. Aber der Glaube kann ja gar nicht anders als in der Liebe energisch sein [vgl. Gal. 5,6]. Der Glaube, gerade der Glaube an Gott als Gott macht eine sachliche Stellung zu den Lebensproblemen u. Konflikten möglich. Die neue Orientierung an Gott muss in einer neuen Gesamtrichtung des Lebens auch innerhalb der Welt zum Vorschein kommen. Nicht in eindeutigen Antworten auf die Lebensfragen. Ich kann mir z.B. denken, dass ein Mensch, dem es Ernst ist mit Gott, sich dem Militärdienst unterzieht, weil er sich der Solidarität der Schuld auch in diesem Punkt nicht entziehen zu dürfen glaubt, und das ganze Leid um diese Schuld betend und hoffend in sich hineinnimmt. Ich kann mir ebenso gut denken, dass derselbe Mensch, ohne ein Prophet zu sein, einfach in seinem Glauben sich von Gott her gezwungen fühlt, sein Licht gerade an diesem Punkte in der Weise leuchten zu lassen, dass er etwas Anderes tun muss, als alle Welt tut, u. den Militärdienst verweigert. Er tut dann eben das Eine oder das Andre im Glauben an Gottes Verheissung, u. Gott wird ihm auf dem einen oder auf dem andern Weg segnen u. zum Segen werden lassen [vgl. Gen. 12,2]. Er geht so oder so den Weg Abrahams u. des alten Simeon. Entscheidend ist nicht, ob er nun das Eine oder das Andre tue, sondern ob er es tut aus jener tiefen Bewegung u. Beunruhigung des Glaubens heraus, aus der Spannung heraus, in der ein Mensch |209 Gottes in dieser Welt leben muss. In den Menschen, die aus dieser Spannung heraus handeln, wächst die Macht des Gottesreiches, die einmal von innen heraus (nicht durch das, was von aussen gemacht werden kann) die Macht der blossen Naturkraft ablösen wird. Seien wir überzeugte Sozialdemokraten – ich bin es –, seien wir besorgte und eifrige Patrioten – ich lasse mir auch mein Schweizertum von niemand abdekretieren. Aber dass wir uns nur durch alles derartige das Eine, was nottut [Lk. 10,42], diese fruchtbare innere Spannung des Glaubens nicht nehmen oder abschwächen lassen. –│

Dass aus dem Glauben heraus überhaupt etwas geschieht, dafür braucht uns nicht bange zu sein: Aus dem Glauben heraus wird nie u. nimmer eine Haltung möglich sein, die mit untätigem Theoretisieren angesichts der Not der Brüder u. angesichts der eigenen Pflicht auch nur die geringste Verwandtschaft hat. Das ist die alte unfruchtbare Verwechslung. Das Ja oder Nein oder Sowohl-Als auch, das aus dem Glauben stammt, kann nicht Sünde sein [vgl. Röm. 14,23]. Ich denke mir freilich, je wirklicher unser Glaube wird, desto weniger fragen wir überhaupt, wie wir uns nun morgen u. übermorgen halten sollen und wie es im Aargau und in Basel u. in der Welt nun weitergehen soll. Wir denken u. reden u. handeln dann einfach von Schritt zu Schritt so, wie wir müssen. Solange uns die Probleme noch Probleme sind, haben wir daran das sichere Zeichen, dass es uns individuell u. kollektiv am Glauben fehlt, am Glauben an Gott, von dem keine Probleme kommen, sondern Erlösung. Wir dürften wohl auch im Bezug auf unsre ethischen Probleme ein wenig mehr daran denken, dass Jesus die Kinder des Reiches als solche beschrieben hat, die nicht auf den andern Tag sorgen [vgl. Mt. 6,31]. Und bei dieser Beobachtung wird sich unsre entscheidende Aufmerksamkeit eben doch immer wieder bei aller Treue im Kleinen u. Grossen von den Problemen zurückziehen und der uns mangelnden Orientierung an Gott zuwenden.

Das ist keine Lösung! werden Sie sagen. Nein, es ist keine Lösung u. soll auch keine sein. Man kann einander in der Frage, was nun zunächst getan werden soll, die Lösung nicht zeigen, man kann sie nur suchen u. finden u. haben u. wieder suchen u. finden. Aber es giebt eine Wahrheit, u. die zu erkennen und durch sie frei zu werden [vgl. Joh. 8,32] ist wichtiger, als die eine u. andre Lösung haben. Da stehen wir eben wieder vor Jesus mit seinem Trachtet am Ersten nach dem |210 Reiche Gottes! [Mt. 6,33] Dass wir dieses «am Ersten!» jetzt ein wenig besser verstehen können als vorher, das scheint mir die grosse Gottesreichsmöglichkeit dieser Kriegszeit zu sein.

Sachfußnoten

1
Siehe oben S. 164–176.↩
2
Vgl. M. Mattmüller  II, S. 274, und überhaupt S. 273–290 📖.↩
3
Der Name «des Bauern und Artilleriefahrers» (Mattmüller II, S. 274 📖), der zur Sekte der «Antonianer» gehörte, wurde nicht publiziert.↩
4
R. Lejeune, «Christentum und Krieg» vor dem Militärgericht, in: NW, Jg. 9 (1915), S. 254–256, dort S. 255f. 📖↩
5
Erklärung, in: NW, Jg. 9 (1915), S. 422f., dort S. 422; vgl. auch S. 424–427 📖.↩
6
P. Wernle, Antimilitarismus und Evangelium, Basel 1915 📖 (im folgenden zitiert: Wernle, Antimilitarismus), S. 3f. Das Wort «einmal» ist in Barths Exemplar unterstrichen und mit einem Ausrufzeichen versehen.↩
7
KBA R14T7B39a. Auf der letzten Seite hat Barth einen dreifach unterstrichenen Verweis auf «Hiob 29,21–23» angebracht.↩
8
Brief an Thurneysen vom 5.10.1915, Bw.Th. I, S. 86 📖; vgl. auch Bw.Th. I, S. 81f.84.87–90.↩
9
KBA 9315.118.↩
10
KBA 9215.31 (nicht in Bw. R. 📖).↩
11
Bw.Th. I, S. 101. 📖↩
12
KBA 9215.32.↩
13
Anspielung auf den Anfang von Fr. Schillers Gedicht «Die Götter Griechenlands» 📖.↩
14
Brief an Spoendlin vom 7.1.1916 (KBA 9216.5).↩
15
KBA 9215.33.↩
16
Die Briefe, die Barth und Thurneysen nach dem Vortragsabend tauschten, werfen zusätzlich Licht auf das Urteil beider über ihren Standort und ihre Aufgabe: Bw.Th. I, S. 102–104 📖 (der Brief Thurneysens ist freilich für den Druck stark bearbeitet).↩
17
Siehe unten S. 193, Anm. 39.↩
18
Fr. W. Kantzenbach, Zwischen Leonhard Ragaz und Karl Barth. Die Beurteilung des 1. Weltkrieges in den Briefen des Basler Theologen Paul Wernle an Martin Rade, in: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte, Jg. 71 (1977), S. 393–417, dort S. 405f. 📖↩
19
Bw.Th. II, S. 589 📖.↩
20
A.a.O., S. 594 📖.↩
21
A.a.O., S. 599 📖.↩
22
A.a.O., S. 603 📖.↩
23
A.a.O., S. 605f. 📖↩
24
A.a.O., S. 606 📖.↩
25
Barth bezieht sich offensichtlich auf E. Troeltsch, Der Kulturkrieg. Rede am 1. Juli 1915 (Deutsche Reden in schwerer Zeit, H. 27), Berlin 1915, S. 22 📖: «Es ist der bekannte englische Cant, jenes Zusammenfallen von Interesse und Selbstsucht mit Moral und Religion, jene ehrliche Heuchelei, in der Freiheit, Herrensinn, Reichtum und Weltherrschaft der Engländer ohne weiteres zusammenfällt mit dem moralischen Interesse der Welt und der Völker überhaupt. Dieser englische Cant ist zum Cant der angelsächsischen Demokratie überhaupt geworden […]. Die Franzosen haben trotz wesentlich anderer Art ihrer Demokratie wenig Mühe, sich diese Sprache anzueignen […]; sogar die italienischen Macchiavellisten und Skeptiker üben ihre hier etwas ungelenke Zunge in der Sprache des Cant […].»↩
26
Gemeint ist die Entente, die seit Mitte 1915 aus Großbritannien, Frankreich, Russland und Italien bestand.↩
27
Barth bezieht sich auf die Beratungen über die Einführung einer staatlichen Lotterie in Baden in der badischen Ersten Kammer am 14. Dezember 1911 (vgl. Verhandlungen der Ersten Kammer der Stände-Versammlung des Großherzogtums Baden vom 45. Landtag 1911/12. Protokollheft, Karlsruhe 1912, S. 13–22, bes. S. 16f.19 📖). Ernst Troeltsch gehörte zu den Abgeordneten der drei badischen Hochschulen in der Ersten Kammer. Nachdem die Zweite Kammer den Gesetzesentwurf am 7. Dezember beraten und unverändert angenommen hatte, wurde in der Ersten Kammer beantragt: «Das Hohe Haus wolle dem Entwurf eines Lotteriegesetzes seine Zustimmung geben, darüber in abgekürzter Form beraten und die Petition des Vorstandes der evangelisch-sozialen Vereinigung für Baden für erledigt erklären.» Die Evangelisch-soziale Vereinigung hatte «im moralischen und wirtschaftlichen Interesse unseres Volkes die ernstesten Bedenken gegen die geplante Einrichtung einer badischen Staatslotterie» geltend gemacht. Nach einem ersten, ablehnenden Votum des Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs Ferdinand Lewald nahm Troeltsch als zweiter Redner das Wort und führte aus: «Ich möchte nicht unterlassen, auch meinerseits nach der prinzipiellen Seite hin mich rundweg den Erwägungen anzuschließen, welche soeben Exzellenz Lewald ausgesprochen hat. […] Ich bin aber anderseits doch nicht im Stande, aus der prinzipiellen Anerkennung der von Exzellenz Lewald geäußerten Bedenken die gleichen Konsequenzen zu ziehen. Die Schwierigkeit ist hier, wie so oft, der Zusammenstoß des Prinzips mit den praktischen Möglichkeiten und Zweckmäßigkeiten.» «Es ist […] einer der vielen häufigen Fälle, wo sowohl die politisch-ethischen Prinzipien, als auch die einer rationellen Wirtschaft mit den aus der momentanen Konstellation sich ergebenden praktischen Möglichkeiten in schwierigen Konflikt kommen. In einem solchen Falle halte ich es für immerhin nicht unberechtigt, wenn die einmal schlechterdings für die Förderung der Finanzen verpflichtete Großh. Staatsfinanzverwaltung heute auf dem Standpunkt steht, eine doch nicht abzuändernde Lage, die nun einmal vorhanden ist, ähnlich wie die Nachbarn, zu benützen zur Förderung ihrer eigenen Finanzen. Es ist also im Grunde der Standpunkt – es wäre vielleicht nicht passend zu sagen: mit den Wölfen muß man heulen – aber es wird erlaubt sein, dem gleichen Gedanken die Form zu geben: wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen. Nur in dieser Rücksicht auf die uns umgebende Lage, wo ein kleiner Mittelstaat gegenüber einer großen Majorität ihn umgebender Staaten sich befindet, die ihrerseits jenes ethisch-moralisch-nationalökonomische Bedenken nicht anerkennen, und wo er seinerseits sich den Luxus der strengen Durchführung der alleinberechtigten und möglichen politischen, moralischen und ökonomischen Prinzipien nicht gestatten kann, nur aus diesem Grunde ziehe ich nicht die Konsequenz wie Exzellenz Lewald, gegen das Gesetz zu stimmen, sondern ich stimme für ein Gesetz, das ich an und für sich nach rein nationalökonomischen, ethisch-politischen Prinzipien nicht für berechtigt, sondern für rückständig und unerfreulich halte.» Die BN, Jg. 67, 2. Beilage zu Nr. 344 vom 16. Dezember 1911, S. [1], berichteten unter der Überschrift Hans Thoma gegen, Prof. Tröltsch für den Lotterieschwindel 📖, dass «der Theologieprofessor Tröltsch (Heidelberg) die ethischen mit den finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten abwog und aus letzteren opportunistisch seine Zustimmung zur Vorlage ableitete». Barth schickte die Meldung, in der er die Stellungnahme Troeltschs durch Unterstreichung und Ausrufezeichen markiert hatte, mit dem Kommentar «Matth 7,16 !­!­!» am 18.12.1911 an seinen Bruder Peter (KBA 9211.99).↩
28
An dieser Stelle weist eine Markierung mit rotem Farbstift in Barths Manuskript vielleicht auf die Stelle hin, bis zu der er eine Abschrift angefertigt hatte (s. oben S. 185f.).↩
29
Vermutlich spielt Barth hier auf eine Formulierung in Wernle, Antimilitarismus, S. 54f. 📖, an: «Willst du darum deinem Gott aufrichtig dienen, so diene ihm, indem du dem Vaterland leistest, was es von dir verlangt. Es ist ein Teilgehorsam am grossen Ganzen, eine Staffel auf der Leiter zum Gottesreich, und Gottes Segen und Kraft ist mit jedem Arbeiter, der treu ist in seiner Pflicht.»↩
30
Vgl. a.a.O., S. 76 📖: «An die Vaterlandsliebe der deutschen und französischen Sozialdemokraten glauben wir von Herzen […]. Aber an die Vaterlandsliebe unsrer schweizerischen Antimilitaristen, die bei diesem herzerhebenden Ereignis im Nachbarland kein anderes Wort fanden als die Parole vom ‹Versagen der Sozialdemokratie›, glauben wir nimmermehr.»↩
31
Vgl. oben S. 88, Anm. 5.↩
32
Vgl. die Verbindung des Nationalen und des Sozialen, die Friedrich Naumann bei der Gründung des National-Sozialen Vereins 1896 vorschwebte. In anderer Form ging es nach 1914 um die gleiche Verbindung von Nation und Sozialismus bei den «Sozialpatrioten», bei den sozialdemokratischen Vertretern der Idee des sogenannten Kriegssozialismus.↩
33
Vgl. M. Rade, Krieg, in: ChW, Jg. 28 (1914), Nr. 32 vom 6.8.1914, Sp. 745–747, dort Sp. 746f. 📖: «Daß es heute noch Fürsten und Völker gibt, die das Schwert ziehn, wundert ihn [scil. den Pazifisten von heute] nicht. Er fragt dann, ob ihre Sache recht sei. Er fragt, ob der Krieg wirklich ultima ratio sei in diesem Falle. Er fragt, ob sie ein gutes Gewissen haben.» Vgl. Bw. R., S. 112 📖.↩
34
Vgl. M. Rade, Gottes Wille im Krieg, in: ChW, Jg. 28 (1914), Nr. 33 vom 15.8.1914, Sp. 769f., dort Sp. 770 📖: «Gottes Willen aus dem Wirklichen erkennen […], das kann man jetzt meisterlich üben.» ↩
35
Vgl. Wernle, Antimilitarismus, S. 49–51 📖: «Wer sein Gottesreich in den nächsten Tagen und Monaten erwartet, der hat allerdings die Aufgabe und Pflicht, sein Herz von der Welt gründlich loszureissen und auch die sittlichen und politischen Aufgaben zu entwerten zugunsten des einen, was notwendig ist, der Einstellung alles Glaubens und aller Arbeit auf das grosse Wunderbare, das kommen soll. […] Wir verstehen diesen Standort und ehren seine Konsequenz. Aber wir meinen, so zu denken, sei Sache eigensinniger Träumer, die mit purer Eigenmächtigkeit sich Dinge vorspiegeln, die Gott uns durch die Sprache der Tatsachen vorläufig zu hoffen gerade verbietet. Wer auf die Sprache der Tatsachen achtet, der hört gegenwärtig kein Rauschen des Gottesreiches voraus, sondern sieht sich überall vor neue und ungeheure Verwicklungen des Weltlaufs gestellt, die die volle Arbeit des nächsten Jahrhunderts verlangen werden.» «[…] fromm sein heisst für mich den Willen Gottes in all diesen Verwicklungen und Aufgaben erkennen und dem Ruf zur Arbeit, zur konkreten Arbeit folgen, der in all dem liegt.»↩
36
G. Traub, Deutschland betet (Eiserne Blätter, Nr. 2), Dortmund 1914 📖; Kriegspsalm (Eiserne Blätter, Nr. 31), Dortmund 1915 📖.↩
37
Fr. Naumann, Weihnachten 1914, in: Die Hilfe, Jg. 20 (1914), S. 848f., dort S. 849 📖 (wieder abgedruckt in: ders., Werke, Bd. 1: Religiöse Schriften, hrsg. von W. Uhsadel, Köln und Opladen 1964, S. 845–848, dort S. 848 📖). Bei Naumann heißt es: «damit sie dort traulich glimme».↩
38
Vgl. Barths Wiedergabe seines Gesprächs mit Naumann in Marburg unten S. 536f.↩
39
Vgl. M. Rade, Die Kirche nach dem Kriege (Sammlung gemeinverständlicher Vorträge und Schriften, H. 79), Tübingen 1915, 27 📖: «Was folgt aus dem Verhalten der Kirche während des Krieges für die Kirche nach dem Kriege? 1. Keine Rede mehr von Trennung des Staates und der Kirche. 2. Im Gegenteil, Neubefestigung der Landeskirche als Volks-, d. i. als Staatskirche. 3. Damit und darum: Ethisierung der Kirche.»↩
40
Wahrscheinlich eine Anspielung auf Wernle, Antimilitarismus, S. 87 📖: Die «religiösen Antimilitaristen» «kommen mit dieser Gesinnung immer mehr ins Träumen statt ins Arbeiten, sie schwärmen für die höchsten und gewaltigsten Aufgaben, die Gott uns Christen stellt, aber haben kein Herz für die nächsten und gegenwärtig wichtigsten, die er uns, ohne uns um Erlaubnis zu fragen, zuwirft.»↩
41
Bezeichnung für das gewählte politische Oberhaupt eines Landkantons, so z.B. des Kantons Schwyz. Bis ins 19. Jahrhundert hinein leitete der Landammann auch die «Landsgemeinde» und übte die hohe Gerichtsbarkeit aus.↩
42
Siegreiche Schlachten der Eidgenossen gegen österreichische Heere am Morgarten am 15.11.1315 bzw. bei Sempach am 9.7.1386.↩
43
Vgl. Wernle, Antimilitarismus, S. 55–59, bes. S. 57f. 📖: Jesus ist mit den Weisungen der Bergpredigt «kein Reformator der Welt», sondern «der Vertreter des Vollkommenen und Absoluten, der Ewigkeitsforderung, nicht für die Welt, die als Ganzes schwerlich darauf eintreten wird, aber für die einzelnen, die seine Jünger sein wollen.» «Es ist eine wunderbare Welt der Liebe, die hier im Innersten der Gesinnung aufbrechen soll». «Folgt daraus nun, dass ein Christ seinem Vaterland den Militärdienst und Kriegsdienst verweigern wird im Namen Jesu? Wir denken, es folgt etwas ganz anderes, entgegengesetztes daraus. Freilich zunächst etwas viel Schwereres. Er soll an jedem Platz, wo er steht, darnach trachten, den innern Frieden seiner Seele und die Bruderliebe zu bewähren. Auch im Soldatenberuf […].» Vgl. ders., Gedanken über Krieg und Frieden, in: KBRS, Jg. 29 (1914), S. 185–187.189–191.193–196.201–204, bes. S. 186 📖: «läßt sich mit der Forderung Jesu die konkrete Wirklichkeit des Weltlebens restlos bemeistern, können die Leitlinien Jesu Gesetze werden für eine menschliche Gesellschaft? Das ist das eigentliche Entweder-Oder. Wer die Frage bejaht, der wird den Krieg unter allen Umständen verurteilen müssen, wie die Mehrzahl der Täufer, die Quäker, Tolstoi».↩
44
Vgl. Wernle, Antimilitarismus, S. 47 📖: «Entweder wir stellen Staat und Gottesreich in sich ausschliessenden Gegensatz […]. Oder wir sehen in Staat und Gottesreich eine Stufenordnung, wir schätzen den Staat als ein geschichtliches Mittel, durch das wir auch auf das Leben im Gottesreich vorbereitet werden und das nicht übersprungen werden kann». Vgl. S. 54: Jesus verbindet «weltliche Pflicht und Gottesreichspflicht»; so ist «in der rechten Erfüllung der weltlichen Pflicht kein Hemmnis, sondern eine Schule für das Hineinwachsen in die Arbeit am Gottesreich» zu sehen.↩
45
Vgl. aus der 5. Strophe des Chorals «O Jesu Christ, mein Leben» von M. Heußer (1797–1876) (GERS [1891] 256) 🎵:
Du bist mein ew’ges Leben […];
Drum will ich dich erheben […]
Schon hier im Erdenstreit
Und bald in Friedensstätten
Der stillen Ewigkeit.
Vgl. K. Barth, Predigten 1913, hrsg. von N. Barth und G. Sauter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1976, S. 443 📖.↩
46
Vgl. Wernle, Gedanken, a.a.O. (s. oben Anm. 43), S. 189 📖: Das Christentum vermochte es, «sich zur Welt und ihren Einrichtungen in ein positives Verhältnis zu setzen» – «aber nicht auf Grund der Bergpredigt, sondern des Naturrechts und des Alten Testaments.» S. 190: Diese «drückten sozusagen den harten und groben Gotteswillen aus, der, wenn auch unterevangelisch, dennoch Gottes Wille war, ein Wille der Ordnung, der Zucht, der Rechtlichkeit und Ehrbarkeit, des Gemeinschaftssinns und der Ergänzung von Schutzempfang und Dienstleistungen, mit dem man mit gutem Gewissen leben und auf dem Boden der Erde dem Himmel zustreben konnte». Der Calvinismus lehrt: «eine Ethik, welche die Welt vorwärts bringen will», muss «auf die Normen der Bergpredigt, also auch auf die reine Friedlichkeit, grundsätzlich verzichten», «um ein gröberes und niedereres Ideal auf Erden zu verwirklichen». Ebenso weiß Luther «ganz klar, was Jesus in der Bergpredigt von jedem Christen verlangt […]. Er weiß aber ebenso gut, daß die Welt […] für dies evangelische Ideal einfach unfähig ist, und daß sie nach einem härteren und gröberen Gotteswillen geleitet werden muß, damit sie nicht ganz untergehe in der Anarchie des Bösen.» S. 191: Über Luthers «nüchternes Urteil: die Welt kann nicht nach dem Evangelium geleitet werden» kann man «nicht so fröhlich zur Tagesordnung gehen wie Karl Barth und seine Freunde».↩
47
Wernle, Antimilitarismus, S. 86 📖: «Wir […], denen immer noch der Friede vergönnt ist, und die lediglich für tüchtigen Schutz unsrer Grenzen zu sorgen haben, besitzen die gesunde Kraft, ein reiches Mass von Träumereien und von rein theoretischer Kritik zu ertragen. Deshalb bedeutet der Antimilitarismus für die Schweiz keine Landesgefahr. Aber gesund und in der Ordnung ist das immer üppigere Gedeihen dieser Luxuspflanze bei uns doch nicht.»↩
48
P. Wernle, Gedanken eines Deutsch-Schweizers, Zürich 1915, S. 27 📖: «Es ist uns eigen zu Mut, wenn wir erzählen hören, wie Luthers Trostlied ‹Ein feste Burg ist unser Gott› jetzt dort im Feld gesungen wird von Protestanten und Katholiken, dies Lied, in das wir das beste und höchste unseres eigenen Glaubens hineinzulegen gewohnt sind, und wir halten daran fest: ein Volk, das so singen, so beten, so kämpfen und so sterben kann, das ist nicht das Volk, das unsere Welschen jetzt aus den ausländischen Zeitungen sich schildern lassen, sondern ist das Volk, das wir ganz anders kennen und mit dem wir innerlich uns tief verbunden wissen.»↩
49
Nach dem Sprichwort: «Ein gut Gewissen (ist) ein sanftes Ruhekissen» (vgl. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1. Bd., a.a.O. [s. oben S. 27, Anm. 27], S. 1670 📖).↩
50
Vgl. Did. 10,6 📖 und Mt. 6,10 par.↩
51
Anfang der 4. bzw. 6. Strophe des Chorals «Ich bin ein Gast auf Erden» (GERS [1891] 321; EG 529; RG [1998] 753) 🎵.↩
52
GERS (1891) 266; EG 361; RG (1998) 680 🎵.↩
53
Barth hat wohl neben der von Otto Baumgarten herausgegebenen, seit Kriegsbeginn in sogenannten «Kriegsheften» erscheinenden Zeitschrift «Evangelische Freiheit» den Aufsatz Baumgartens Bismarcks Bedeutung für unser inneres Leben, in: ChW, Jg. 29 (1915), Sp. 263–265.303–305.321–324.340–343.519–521.548–550 📖, im Blick. In Barths Exemplar sind die letzten beiden Stücke, die die «Spannung zwischen nationaler Ethik und Bergpredigt, wie sie im Leben und Wesen Bismarcks verkörpert ist» (Sp. 519), behandeln, mit zahlreichen Anstreichungen markiert.↩
54
8. Strophe des Chorals «Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut» von J. J. Schütz (GERS [1891] 9; EG 326; RG [1998] 240) 🎵.↩
55
Vom 31.8.1914; vgl. K. Barth, Offene Briefe 1909-1935, hrsg. von D. Koch (Gesamtausgabe, Abt. V), Zürich 2001, S. 18–41 📖.↩
56
Vgl. H. Kutter, Ich kann mir nicht helfen… Auch ein Wort an die deutschen Freunde der Religiös-Sozialen, Zürich 1915, S. 4.7 📖; vgl. Bw.Th. I, S. 47 📖.↩
57
Schluss der 2. Strophe des Chorals «Himmelan geht unsere Bahn!» von B. Schmolck (GERS [1891] 227) 🎵.↩
58
Vgl. oben S. 194, Anm. 40.↩
59
Siehe unten S. 537.↩
60
Vgl. oben S. 189, Anm. 29.↩