Sozialdemokratie und Militärwesen
SOZIALDEMOKRATIE UND MILITÄRWESEN
Am 9./10. Juni 1917 fand in
Von den Abenden im Arbeiterverein berichtete Barth am 25.3.1917 seiner
Aber auch bei den Revoluzzern im Arbeiterverein gehe ich immer noch aus und ein, dort befreunden wir uns alle Dienstage mit
Am gleichen Tag schrieb er an
Im Arbeiterverein pflügen wir Woche für Woche die Gutachten und Resolutionen über die Militärfrage durch, die jetzt die Partei be|355schäftigt. Die Dialektik, in der sich die Genossen […] ergehen, ergibt sich in immer neuen Beleuchtungen, sodaß die Ausblicke auf «Allertiefstes» sich immer wieder von selbst einstellen, allerdings in anderer Weise als bei
Und er fügte an:
Die Hiesigen wollen mich als Delegierten an den
Sozialdemokratie u. Militärwesen
A. Internationales5
Ende: Ende des Kapitalismus oder Opfer u. Empörung treiben die Völker zur Beseitigung d. Systems.8
Mittel: Verweigerung d. Militärkredite9
356 Demokratisierung d. Wehrwesens10
Aber nicht uniforme Aktion11
Kriegsausbruch droht Alles aufbieten, die wirksamsten Mittel12
Kriegsausbruch erfolgt rasche Beendigung, Aufrüttelung d. Volkes13
Mittel[:] Schiedsgerichte, Abrüstung, geheime Dipl[omatie], Selbstbest[immungsrecht.]15 Droht d. Krieg ... Falls ... (Wie oben!)16
357
B.
358Arbeitsprogramm 423
359
Fragen: Wie steht die
Wie bei Kriegsausbruch?
Ist die Situation B von
Sind die
Sozialdemokratie u. Militärwesen
II Die 2 Anträge33
1. Mehrheit34 Militarismus als Folge des Kapitalismus35, verschleiert36, gefährliche Selbstschädigung d. Prol[etariats]37, Waffe für d. Gegner38 – auch gegen Kapitalismus!39
361 Aufgabe: Aufklär[un]g, Bekämpf[un]g, Ablehn[un]g, Widerstand.40
Kritik: Gut, weil ehrlich antimilitaristisch, gesagt[,] was man will.
Aber die Logik stimmt nicht. Militarismus ist als Folge u. Mittel erkannt, was sollen dann diese Aufgaben?
Papierene Phrasen; entweder ist das ernstgemeint, dann müßte es deutlicher gesagt sein – oder es soll nur tönen, damit blamieren wir uns
Wenn radikale Absicht im Ernst dahinter[,] ist die Zeit reif zur offenen Empör[un]g – ist die Kraft dazu da?
2. Minderheit41 Emanzipation, Hand in Hand damit Antimilitarismus. Vorläufige Vorbedingungen. Kreditverweigerung? Keine grundsätzl. Ablehnung42
362 Aufgabe: Landesverteidigung, nicht Arbeitskonflikt, Schiedsgerichte, event. Kreditverweigerung43
Kritik: Gut, weil sachlicher, politischer gedacht.
Leider stimmt Logik nicht: Die Bejahung der Landesverteidigung läßt keine Klausel zu[.] 4.!44
Nicht recht ehrlich. Gegenwartsfrage, es wird verschleiert, daß die Frage spruchreif ist und nun bietet der Antrag Elemente zu Ja (E 6 A 1) und Nein[(] E 5 u. A 2-4)45
Die Frage[,] ob Zeit u. Kraft da ist, bleibt auch hier offen.
Problem: Verhältnis von Endziel u. vorläufigen Lösungen?
Letztere sind möglich, wenn nicht die Mittel untauglich
So sind sie nötig u. aussichtsvoll[:] muß eine sorgfältige politische Überlegung zeigen, nicht Gefühle!
Verbind[un]g der antimilitarist. Ehrlichkeit der Mehrheit mit der polit. Klugheit der Minderheit, auf Grund gründlicher Prüfung der Zeit u. der eigenen Kraft.
Sozialdemokratie u. Militärwesen
III Die Thesen Grimm u. Müller 46
1. Grimm47 Aus der imperialist. Entwicklung des Kapitalismus48 folgt einerseits die Charakterisierung des Kriegs als kapitalist. Raubkrieg49[,] andrerseits die Aufhebung der nat[ionalen] Selbständigkeit der kleinen Staaten.50
Nur militärisch ist die Landesverteidigung unmöglich51 u. liefert uns den Nachbarn aus52. Milizcharakter u. Demokratie bedeuten nichts53.
364 Schutz der kleinen Länder: internat. Verständigung der Arbeiter im revolut. Massenkampf54
Aufgaben: Internationale!55
Ablehnung aller Kredite56
Dienstverweigerung – wenn!57
2.
Prüfung des Kräfteverhältnisses.65 Wenn keine selbständige Existenz möglich: Anschluß oder Scheinexistenz u. deren Konsequenzen!66
Ist letzteres nicht Unglaube?
Ist ersteres begründet?
Sozialdemokratie u. Militärwesen
IV Die Thesen Naine u. Pflüger
Schenkel u. Scherrer67
367
2. Landesverteidig[un]g.83 Armee ist Gefahr. Das Nötigste84
3693. Nicht Entwaffnung85
4. Nicht Dienstverweigerung86
Sozialdemokratie u. Militärwesen
V Ergebnisse
A. Erwägungen 1. Der Krieg ist Folge des Kapitalismus und des kapitalist. Geistes der heut[igen] Gesellschaft, daher von uns zu bekämpfen.
2. Die Bekämpfung mißlang 1914[,] weil dieser Kampf weder innerlich noch äußerlich weit genug gediehen war.
3. Wir sind überzeugt, daß die Völker heute die Reife erlangt haben, mit dem Kap[italismus] auch den Krieg auszuschalten.
4. Wir nehmen daher die Bekämpfung des Krieges ausdrücklich in unser Aktionsprogramm auf und übernehmen dafür die volle historische Verantwortung
Beschlüsse 1. Ablehnung d. Militärkredite
2. Aufforderung zur Entwaffnung
3. Unterstützung d. Dienstverweigerung
4. Aufruf zur passiven Revolution an das ganze unorg[anisierte] Proletariat
5. Aber Ablehnung aller Gewaltakte.
B Erwägungen 1. wie oben
2. wie oben
3. wir sind dazu noch nicht reif
4. wir streichen die Bekämpfung d. Militarismus als solche vom Aktionsprogramm und unterstützen unsre Demokratie u. die Landesverteidigung
Beschlüsse Fortsetz[un]g der polit.[,] gewerksch[aftlichen], genossensch[aftlichen] Organisationsarbeit
Sozialdemokratie u. Militärwesen
Wir kamen im Winter zum Ergebnis, daß vom grundsätzlichen sozialist. Standpunkt zwei Stellungnahmen zur Militärfrage möglich sind: die radikale, die die sozialist. Theorie sofort in Praxis umsetzen will[,] u. die «opportunistische», die mit der Praktizierung noch warten will.
Die Entscheidung liegt in der Frage, ob das Proletariat sich den Willen u. die Kraft zutraut, Ernst zu machen mit der Ablehnung der Landesverteidigung oder nicht.
________
1. Tag.101 Die Beurteilung der «Sozialpatrioten»102
Beschickung der 3 Stockholmer Konferenzen: Russische,
373 Parteivorstand: Ja Zürcher Antrag:
374
375
376
377
378 Antrag
Antrag
2. Tag116 Die Landesverteidigung117
Nicht spruchreif.118
(Aussprache beschlossen.)119
| ┐ | ||
| ├ | Nur einfach: Ja oder Nein! | |
| ┘ |
| 379 | ┐ | |
|
| ├ | |
| |
| |
│ | ||
| ┘ |
380
Meine Abstimmung131
Resultat132
381 Keine Landesvert[eidigung] – im Ernst?