1917

Die Dreieinigkeit

435

DIE DREIEINIGKEIT

1917

Zeit und Anlass dieses Textes sind nicht überliefert. Er ist auf der Rückseite eines Textfragments notiert, das ein verworfenes Stück aus einer Predigt zu sein scheint. Eine inhaltliche Berührung dieses Fragments mit der Predigt Barths über Ps. 51,8 vom 21. Oktober 19171 lässt vermuten, dass der Text über «Die Dreieinigkeit» nach dieser Predigt bzw. nach dem kassierten Anlauf zu dieser Predigt entstanden ist. Dann wäre daran zu denken, dass der Text als eine Besinnung auf den Glauben an den dreieinigen Gott für die Taufe Christoph Barths (geboren am 29. September 1917) bestimmt war, die eben am 21. Oktober 1917 im Rahmen der Kinderlehre gefeiert wurde. Das würde auch zu dem betont einfachen Stil der Sätze passen.

Die Dreieinigkeit

Wie merkwürdig, das Laufen der Menschen. Alle wollen etwas, im Grunde das Gleiche. Jeder möchte glücklich sein, meint es gut, glaubt an eine Wahrheit. Wie wenn alle eine Erinnerung in sich trügen. Freilich irren sie alle u. sind doch alle gehalten vom Gleichen

________

Einer war da, in dem war Alles erfüllt, so sehr daß die Menschen erschraken, das Licht war ihnen zu hell, da töteten sie ihn. Aber der Tod konnte ihn nicht halten. Er war doch da. Wir alle müssen an ihn denken. Ein andre Luft, die der Heimat [?] weht.2

________

Von ihm aus ist ein Ruf ergangen. Da und dort brach er durch. Nur Eines gilt, hilft, siegt. Da verlor das Böse s[eine] Kraft, der Tod seinen |436 Stachel [vgl. 1.Kor. 15,55]. Da tat sich der Himmel auf mitten auf der Erde.

________

Das ist der Gott dem wir gehören u. der uns lieb hat.

Sachfußnoten

1
K. Barth, Predigten 1917, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1999, S. 370–379 📖.↩
2
Die Entzifferung des Satzes ist unsicher. Sie wird jedoch dadurch gestützt, dass in der Predigt vom 21.10.1917 auch die Metaphern «helles Licht» und «gesunde Luft» gebraucht werden (a.a.O., S. 375 📖).↩