24. September 1933

Sorge und Hoffnung der Kirche heutzutage

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SORGE UND HOFFNUNG DER KIRCHE HEUTZUTAGE

1933

Am Ende des Sommersemesters 1933 erreichte Barth die Anfrage, ob er am letzten September- oder ersten Oktobersonntag in der Gemeinde Meiringen (Berner Oberland) eine Predigt oder einen Vortrag halten könne.1 Anlass war die Einweihung der restaurierten ‹Zeughauskapelle› auf dem Friedhof der Gemeinde, die «in Verbindung mit dem kirchlichen Bezirksfest der Ämter Interlaken und Oberhasle» gefeiert werden sollte.2

Die «Kühnheit» seiner Bitte erklärte der ihn einladende Pfarrer der Gemeinde, Wilhelm Ellenberger,3 mit dem Hinweis auf Barths persönliche Verbindung mit der Gemeinde, in der dieser im August 1907 sein erstes Vikariat übernommen hatte4: «Schließlich gibt es auf dem ganzen Erdenrund nur diese eine Gemeinde Meiringen, die sich daran erinnern kann, daß Sie in ihrer Kirche Ihre ersten Predigten gehalten haben. Das wäscht keine Aare weg. Wir dürfen Sie also bei einer etwas krumm gebogenen Sukzessionsliste doch auch irgendwie zu unseren Vorgängern zählen.»5

Barth antwortete noch vor seiner Abreise in die Schweiz, dass er sich über diese Anfrage freue, weil er an «jene vier Wochen in Meiringen [...] immer mit besonderer Liebe zurückgedacht» habe.6 Er sagte unter der Voraussetzung zu, dass das Fest vor seiner Rückkehr nach Deutschland, also am Sonntag, dem 24. September 1933, stattfände: «Es freut mich richtig, bei dieser heimatlichen Sache dabeisein und mittun zu dürfen.»7

Man überließ Barth die freie Entscheidung, ob er eine Predigt oder einen Vortrag halten wolle, und versprach ihm für beide Fälle, dass man seine «Darbietung in den Mittelpunkt der ganzen Feier stellen |414 und die sogen[annten] ‹Einweihungsfeierlichkeiten› auf ein Minimum reduzieren» werde.8 Barth entschied sich für einen Vortrag mit dem Thema «Sorge und Hoffnung der Kirche heutzutage».9 Daraufhin teilte Ellenberger ihm das nun feststehende Programm des Festes mit: «Nach der Feier in der Kirche wird noch ein kurzer Einweihungsakt bei der Kapelle stattfinden. In das Programm in der Kirche werden einige kurze Bachchoräle eingestreut werden. Auf diese Weise haben wir den Schwall der sonst üblichen Einweihungsreden abbremsen können».10

Den Vortrag hielt Barth frei, «eben nur nach Notizen»11, die er erst kurz vor dem 24. September niedergeschrieben hatte.12 In der Presse fand eine vom Schweizerischen Evangelischen Pressedienst verbreitete Zusammenfassung des Referats13 «gute Aufnahme»14, und gut acht Monate später veröffentlichte die «Christliche Welt» ebenfalls eine Zusammenfassung des Referats.15 In Meiringen selbst gingen im|415mer wieder Nachfragen nach einer gedruckten Fassung von Barths Referat ein.16 Aber obwohl im Oktober vorübergehend an einen Abdruck im zweiten Heft der neuen Reihe «Theologische Existenz heute» gedacht worden war,17 blieb der Vortrag ungedruckt. Die maschinenschriftlichen Notizen Barths sind erhalten (KBA 11046) und umfassen drei einzeilig beschriebene Seiten (Folio), an deren Rand handschriftliche Ergänzungen Barths vorgenommen sind.

Sorge und Hoffnung der Kirche heutzutage

I
«Kirche»

Besinnen, was gemeint ist.

Deutsches Wort: «kreisförmig abgesonderter Ort» (verwandt: Cirkel, Cirkus).18 Hl. Ort mit hl. Bau und Werk. Aber nicht menschl[iche] Wahl und Tat macht christl[iche] Kirche, sondern Tat Gottes, an die Ort, Bau, Werk allenfalls erinnern. Kirche als Ort, Bau, Werk schon in heidn[ischer] Vorzeit: Zeichen menschl[ichen] Suchens[,] Ahnens, Wollens. Fremde kamen hie[r]her: Gottes Tat (Wort!) macht Ort, Bau, Werk heilig, macht K[irche] zur K[irche]! ecclesia, Versammlung von Menschen durch Ruf (Aufgebot) Gottes. Hören – Gehören. Das ist K[irche]! Daran erinnert Ort…!

Fremde brachten diesen Sinn in fremder Sprache. Das[,] was immer wieder zu lernen in Bez[iehung] auf K[irche]! Wir wissen es nicht, wir müssen es uns sagen lassen, es muss zu uns kommen, was K[irche] zur K[irche] macht, dass wir K[irche] sind!

416 (Analyse:) «Ruf (Gottes)»[:] Nicht Teil eines Selbstgesprächs, sondern Anruf an Vergessliche, Schlafende, ja Tote. Wir sind an Anderem, nicht nur im Natürlichen, oder Bösen, auch in unserm Guten, auch an diesem bes[onderen] Ort. Ruf ist «Offenbarung», Enthüllung eines Verborgenen, das uns unzugänglich. Hören ist Wunder. Wunder macht K[irche] zum Heiligtum, zur K[irche]! «Was kein Auge…!» [1.Kor. 2,9].

Was ruft Gott?     a) dass er bei uns. Wirklich? Ja: Nicht nur wie Luft, Sonne, Blut, Gedanken, sondern wie Mensch - als Mensch: Jes[us] Chr[istus]. Gott bei uns [vgl. Jes. 7,14; Mt. 1,23]. Wie? In seinem Ruf, vermittelt durch Schrift. Ich bin bei euch alle Tage [Mt. 28,20]. Also keine Einsamkeit, auch nicht gewöhnl[iche] Zweisamkeit, sondern Gemeinsamkeit mit Gott. Nicht weil wir dessen mächtig. Nicht weil verdient. Weil von Gott gewollt und getan. Gott gab… «Der Herr segnet uns und behütet uns» [vgl. Num. 6,25]. Das Wunder:

    b) dass er für uns. Brauchen und sollen nicht selbst für unser Guthaben und Gutsein zu sorgen. Gott nicht gegen uns[,] wenn Leid oder weil Sünde. In beidem für uns! Nicht für dich! Hilfe zu groß! Ist schon geschehen! Ist Gottes Herrlichkeit! «Jeder hat auf seinem Gleise…!»19 Weg-getragen durch Opfer und Leben. Ich? Dieser An|417dere? Diese Welt? Doch! Unsere Zeit: der kurze Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Vergangenheit und Zukunft für Alle und Alles. «Der Herr lässt leuchten…» [vgl. Num. 6,25]. Das Wunder:

    c) dass er mit uns. Als unser Herr! Wir gehören nicht uns selbst. Hochmut und Verzagtheit, Meisterlosigkeit und Bruderlosigkeit. Mahnung und Trost: Das Alte ist vergangen [2.Kor. 5,17]. Freiheit und Offenheit: der Herr! Lebenkönnen (für sich und miteinander)[,] weil dem ewigen Leben entgegen vom ewigen Leben her. «Der Herr erhebt sein Angesicht…» [vgl. Num. 6,26]. Das Wunder:

Ruf schafft Kirche, indem er ergeht. Darum Ort, Bau, Werk[.] Ruf wurde vernommen, kann wieder vernommen werden. Darum neben Staat, Wirtschaft, Schule, Kunst die Kirche. Darum Pfarrer20 und Kirchgemeinde. Abgesondert wegen (der Verheißung und Erwartung) der Versammlung derer[,] die hörten und wieder hören werden. Ort, Bau, Werk erinnert an das Wunder der Offenbarung. Insofern Heiligtum. Was ist K[irche]? Wir Alle, sofern uns dies Wunder angeht. Wirklich? Es ist uns gesagt: hl. Schrift. Wir haben’s gehört: Bekenntnis. Kirche ist da[,] wo Schrift redet und Bekenntnis antwortet. Das ist der kreisförmig abgesonderte Ort!

II
«Sorge der Kirche»

Gibt es das? Sorge: Befürchtung schlimmer Zukunft, Ende, Abgrund des Nichts, Tod. Versammlung der Aufgerufenen kann keine Sorge haben. Wo Schrift redet und Bekenntnis antwortet, da hat man Gott hinter sich und darum vor sich. Sorge? «Sorget nicht!» [vgl. Mt. 6,25.31.34].

Es gibt das! Heutzutage? Zu allen Zeiten! Nicht in Gott[,] aber in den Gott hörenden (?!) Menschen begründet. Möglichkeit, dass sie den Ruf nicht mehr, nicht wieder hören. Dann Versammlung von Menschen unter sich, sich selbst gehörend, für sich selbst einstehend |418 wie überall sonst. Dann schweigt die Schrift und das Bekenntnis. Dann wird Versammlung zwecklos. Ort, Bau, Werk bleiben übrig. Heiligtum? Eine wüste gelassene Stätte [vgl. Mt. 23,38]. Dann im Menschenleben die furchtbare Lücke: Gott fehlt und damit Alles.

Wie kommt das? Der hört nicht[,] der selber redet. – Menschenleben: der Versuch uns und Andern selbst zu sagen, was nützlich, wahr, schön, gut. Doppelte Grenze dieses Versuchs: Tod (du wirst nichts mehr zu sagen haben!) und – Kirche: Du hast etwas zu hören, was du dir nicht selbst sagen kannst. Schrift und Bekenntnis sagen, für Pfarrer und Gemeinde gilt: «Gott ist gegenwärtig…»21 Dann Fortsetzung unsres Versuchs, aber nicht ohne diese Unterbrechung. Sonntag! – Wenn statt dessen auch in der Kirche Selbersagen (Meinungen, Ansichten, Erfahrungen, Wünsche, Bestrebungen – gute! – von Pfarrer und Gemeinde[)], dann Hören unmöglich. Kirche dann auch nur Teil des allgemeinen Versuchs. Sonntag Werktag. Kirche unnötig, leer, «Kirche ist aus» und: «Gott ist tot»22. Das ist die «Sorge der Kirche». Sorge heutzutage. Inbegr[iffen] die Zeit unsrer Väter und Großväter! Welcher Anlass? Wo die Forderung gilt u[nd] die Meinung besteht:

  • a) In der Kirche müsse Erziehung zum Guten stattfinden. Nötig genug! Und Wort G[ottes] erzieht gewiss. Aber soll K[irche] erziehen wollen? Erziehung setzt voraus, dass Erzieher und Zöglinge wissen[,] was gut ist. Versuch muss gemacht sein. Aber Hören ist etwas Anderes. Als Schule wird K[irche] überflüssig. Wo Gott, wenn K[irche] nur Schule? Sorge!
  • b)In der Kirche müsse Wissenschaft regieren. Bildung ist berechtigtes Anliegen. W[ort] G[ottes] ist die Wahrheit! Aber K[irche] ist nicht die Stätte zur Pflege dessen, was wir jeweils für Wahrheit halten. Bildung ist Selbstgespräch. Hören etwas Anderes! K[irche] hält moderne Konkurrenz nicht aus: G. Keller.23 Sorge!
  • c)419In der Kirche müsse die Erneuerung der Gesellschaft vorbereitet werden. Sozialismus, Pazifismus, Lebensreform. Nötig!! Und W[ort] G[ottes] erneuert und ist Wort der Hoffnung. Aber K[irche] als «Bund der Verschworenen einer bessern Zukunft»24? Das Hören hört dann auf. Ideen regieren, über die man streiten kann und die sich nur teilweise bewähren. Sorge!
  • d)In der K[irche] müssen die Grundlagen des menschl[ichen] Lebens verkündigt und verstanden werden. («Schöpfungsordnungen»25: Ehe, Familie, Volk, Staat) Das gibt es, Mensch ist gebunden durch Schöpfung. Und W[ort] G[ottes] ist Erneuerung der Schöpfung. Aber W[ort] G[ottes] sagt uns[,] was Sch[öpfung][,] als solchen[,] die es vergessen. Unsre Erinnerungsversuche sind nicht Hören! Verwechslung nimmt der K[irche] ihre eigene Aufgabe. Sorge!

Sowohl – als auch? Eins tun, das Andere nicht lassen? Hören und Selbersagen? Glauben und Leben? Christentum26 und Wissenschaft?27 |420 Ev[angelium] und Sozialismus? Ev[angelium] und Volkstum?28 Nein! Sonst Sorge! Wirkl[iches] Menschenleben freilich: «und». Gerade um des Mensche[n]lebens willen darf K[irche] nicht auch noch «und» sagen, Sonntag zum Werktag machen. Hier hat der ganze Mensch mit seinem Versuch zu hören, Pfarrer und Gemeinde. Weil Leben dieses Hörens bedarf und nicht im Selbersagen aufgehen darf. Im «und» gewinnt es immer der Mensch, fällt das Hören aus, wird K[irche] leer, entsteht die große Lücke. Darum: «Ich bin der Herr dein Gott…» [Ex. 20,2] – «Ihr könnt nicht zweien Herren dienen» [vgl. Mt. 6,24][.] Licht [vgl. Mt. 5,14]! Salz [vgl. Mt. 5,13]! Neuer Lappen und Wein [vgl. Mt. 9,17]! «So halten wir nun…» [vgl. Röm. 3,28] – «Allein Gott in der Höh…[»]29 Trachtet am Ersten… [Mt. 6,33] Sonst Sorge!

III
«Hoffnung der Kirche»

Nicht selbstverständlich, dass es das auch gibt. Soweit das Auge reicht, Anlass zur Sorge. Gesch[ichte] der prot[estantischen] Kirche zeigt seit 200 Jahren ein Nachlassen des Hörens, ein Überhandnehmen des Selbersagens. Größte kirchl[iche] Bewegung der Gegenwart (Deutschland!) steht in diesem Zeichen.30 Auch vermeintliche Erneuerungsbewegungen (Oxford!31) fallen immer wieder in das Selbersagen. Sorge! K[irche] ist wohl Ort, Bau, Werk, aber nicht mehr Versammlung der Aufgerufenen. Gibt es Hilfe und also Hoffnung?

Wenn Hoffnung, dann größer als Sorge. Sorge das Menschliche. (Heidegger32) Hoffnung das Göttliche. «Soviel der Himmel…» [vgl. |421 Jes. 55,9] Wenn Hoffnung, dann Freude, Siegesgewissheit, dann Feier am Platz!

Wo und wie Hoffnung?      a) gerade wenn in der K[irche] die Sorge um die K[irche] lebendig. Wer diese Sorge wirklich teilt, der macht sich ja bereit zum Hören. Die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit [vgl. Mt. 5,6]. Sie kritisieren nicht, sie tragen Pfarrer und Gemeinde. Wo Verlangen ist nach dem Wort, da ist das Wort nicht ferne.

     b) wenn die Pfarrer ihre Aufgabe wieder besser verstehen. Sie liegt vor ihnen33. Schrift kann reden und Bekenntnis wird folgen. Für keinen zu spät. Und Aufruf der Jungen zur Umkehr. Reformation.

     c) wenn Pfarrer und Gemeinde beten: Erhalt uns Herr bei deinem Wort!34 Wort ist Gabe, Gabe will erbeten sein.

Aber das Alles ist menschliche Hoffnung. Bedürfnis, Theologie, Gebet können täuschen und Hoffnung in neue Sorge umschlagen. Alles ist auszurichten auf göttliche Hoffnung: das Wort selber der Herr der Kirche. Er hat sie gebaut. Er muss sie erhalten. Er allein kann es. Hoffnung: Gott bei, für, mit uns. Gott treu in unsrer Untreue. Ist das wahr? Ja, wie Taufe und Abendmahl: als Gnade vor unsrem Glauben, trotz unsrem Unglauben [vgl. Mk. 9,24].

Ich hebe meine Augen auf… [Ps. 123,1; 121,1] Da sind wir Kirche. Aber das macht die K[irche] z[ur] K[irche]: Meine Hilfe kommt von dem Herrn… [Ps. 121,2]

Sachfußnoten

1
Brief W. Ellenbergers an Barth vom 10.7.1933 (KBA 9333.481).↩
2
Ebd.↩
3
Wilhelm R. Ellenberger (1901–1965) war von 1924–1935 Pfarrer in Meiringen.↩
4
Vgl. Busch, S. 54 📖.↩
5
Brief Ellenbergers vom 10.7.1933 (Anm. 1).↩
6
Brief Barths an Ellenberger vom 19.7.1933 (KBA 9233.178; Br. 1933, S. 300 📖).↩
7
Ebd.↩
8
Brief Ellenbergers an Barth vom 21.7.1933 (KBA 9333.527).↩
9
Brief Barths an Ellenberger vom 20.8.1933 (KBA 9233.203; Br. 1933, S. 332 📖). In diesem Brief sagte Barth auch seine Teilnahme an einer Sitzung des dortigen Pfarrvereins zu, die am Tag nach dem Vortrag stattfinden sollte.↩
10
Brief Ellenbergers an Barth vom 27.8.1933 (KBA 9333.630).↩
11
Brief Barths an Thurneysen vom 16.10.1933 (KBA 9270.603; Bw.Th. III, S. 516 📖).↩
12
In einem Brief an Thurneysen vom 22.9.1933 (KBA 9270.601; Bw.Th. III, S. 503 📖) schrieb Barth: «Ich bin an meinem Vortrag für Meiringen. Der erste Teil liegt vor. Ein zweiter und dritter sind noch zu gebären.»↩
13
Vgl. z. B. Basler Nachrichten, Jg. 89, Nr. 267, 2. Beilage, 29.9.1933 📖. In Auszügen abgedruckt in: M. U. Kaiser, Deutscher Kirchenkampf und Schweizer Öffentlicheit in den Jahren 1933 und 1934 (BSHST 17), Zürich 1972, S. 377f. 📖↩
14
Brief Arthur Freys an Barth vom 2.10.1933 (KBA 9333.722). Arthur Frey (1897–1955) war seit 1931 freier Mitarbeiter und wurde gerade zum 1. Oktober 1933 hauptverantwortlicher Herausgeber des Schweizerischen Evangelischen Pressedienstes; später begründete und leitete er den Theologischen Verlag Zollikon-Zürich. Barth lernte seinen späteren Freund Frey anlässlich dieses Vortrags kennen. Frey ist höchstwahrscheinlich auch der Verfasser der von seinem Pressedienst verbreiteten Zusammenfassung.↩
15
H. Meltzer, Sorge und Hoffnung der Kirche, in: ChW 48 (1934), Sp. 584–588, dort Sp. 584f. 📖 Der Zusammenfassung von Barths Vortrag stellte Meltzer eine Kurzbeschreibung der Gemeinde und der Kirche Meiringens voran und ließ ihr eigene Überlegungen zum Vortragsthema folgen.↩
16
Vgl. Brief Ellenbergers an Barth vom 5.1.1934 (KBA 9334.21), in dem er sogar anbot, eine maschinenschriftliche Fassung nach Diktat Barths herzustellen, falls dieser vor den nächsten Semesterferien nicht dazu käme.↩
17
Siehe unten, S. 488.↩
18
Nach DWb 5 (1873), Sp. 790 📖, wurde die noch von Jacob Grimm behauptete Verwandtschaft von «Kirche» und «Circus» später kaum noch vertreten: «jetzt ist man ziemlich allgemein entschieden für die alte ableitung von einem griech. Worte in der kirchensprache» (= kyriakón).↩
19
Aus Strophe 1 des Liedes «Das Leben», dessen Text aus den letzten vier Strophen des Gedichtes «Die Nachtreise» (1792) von Ludwig Giseke besteht und erstmals 1795 von Friedrich Wilke vertont wurde:
Unser Leben gleicht der Reise
Eines Wandrers in der Nacht;
Jeder hat auf seinem Gleise
Vieles, das ihm Kummer macht.
  (zit. nach Bacchus, Mars und Amorn, oder den Schutzgöttern lustiger Brüder gewiedmet, zweite, vermehrte Auflage, Zürich 1809, S. 78 📖). Dieses Lied war und ist in der (deutschsprachigen) Schweiz allgemein als «Beresina-Lied» bekannt. Es war das Lieblingslied des Glarner Oberleutnants Thomas Legler, der es am Abend der Schlacht an der Beresina (26.–28.11.1812) anstimmte, in der vier Schweizer Regimenter unter hohen Verlusten den Übergang der Reste der Grande Armée Napoleons über den Fluss deckten und ermöglichten. Erneut populär wurde das Lied mit der bis heute gebräuchlichen, von Johann Immanuel Müller komponierten Melodie während des Ersten Weltkriegs, nachdem es von Otto von Greyerz in seine Sammlung Schweizerischer Volkslieder aufgenommen worden war (Im Röseligarte. Schweizerische Volkslieder, hrsg. von O. von Greyerz, mit Buchschmuck von R. Münger, Bd. 3, Bern 1910, S. 42f. 📖). Vgl. R. Buehler, Art. «Beresina», in: Schweizer Lexikon 91, Bd. 1, S. 479 📖. Nach Eberhard Busch sang Barth dieses Lied noch 1967 seinem Enkel Thomas vor (vgl. E. Busch, Meine Zeit mit Karl Barth. Tagebuch 1965–1968, Göttingen 2011, S. 242 📖).↩
20
Hier und im Folgenden im Tskr. statt «Pfarrer» immer «Pfr.»↩
21
Anfang eines Liedes von Gerhard Tersteegen (EG 165; RG 162 🎵).↩
22
Fr. Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (1882), Aphorismen 108.125.343, Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, hrsg. von G. Colli / M. Montinari, Bd. 3, München / Berlin 1999, S. 467.481.573. 📖↩
23
Wohl eine Anspielung auf den Roman Der grüne Heinrich (1855, 2. Fassung 1880) 📖, den Gottfried Keller (1819–1890) u. a. mit der Absicht verfasst hatte, «den psychischen Prozeß in einem reich angelegten Gemüte nachzuweisen, welches mit der sentimental-rationellen Religiosität des heutigen aufgeklärten, aber schwächlichen Deismus in die Welt geht und an ihre notwendigen Erscheinungen den willkürlichen und phantastischen Maßstab jener wunderlichen Religiosität legt und darüber zugrunde geht» (Brief Kellers an Hermann Hettner vom 4.3.1851, in: Gottfried Keller 1819–1890, hrsg. von H. Wysling, Zürich / München 19902, S. 199 📖).↩
24
Diese bei Barth und in seinem Freundeskreis häufiger benutzte Wendung geht wohl zurück auf Schleiermacher. Siehe Friedrich Schleiermacher’s Monologen. Kritische Ausgabe, hrsg. von Fr. M. Schiele (PhB 84), Leipzig 1902, S. 62 📖 (vgl. Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 3: Schriften aus der Berliner Zeit, hrsg. von G. Meckenstock, Berlin / New York 1988, S. 1–61, dort S. 36 📖): «Es nahet sich in Liebe und Hoffnung jeder, der wie ich der Zukunft angehört, und durch jegliche That und Rede eines Jeden schliesst sich enger und erweitert sich das schöne freie Bündniss der Verschwornen für die bessere Zeit. Doch auch dies erschwert so viel sie kann die Welt, und hindert jedes Erkennen der befreundeten Gemüther, und trachtet die Saat der bessern Zukunft zu verderben.» – Auf die Rückseite eines Fotos, das Barth mit seinem Bruder Peter, Thurneysen, Wilhelm Loew und Gottlob Wieser auf einem gemeinsamen Ausflug im September 1912 zeigt, notierte Thurneysen handschriftlich: «Die Verschworenen einer bessern Zukunft. Nicht Priester – Propheten! Nicht Pfarrer – Religiosi!» (vgl. R. Bohren, Prophetie und Seelsorge. Eduard Thurneysen, Neukirchen-Vluyn 1982, Abb. 18 und 19 📖).↩
25
Zu Barths Kritik an einer Theologie der Schöpfungsordnungen vgl. oben, S. 225.↩
26
Aufgelöst aus der Abkürzung: «Chrt.».↩
27
Vgl. etwa den gleichnamigen Titel der Zeitschrift des Leipziger Kartells Theologischer Studentenvereine (Leipzig, Jg. 1 [1925] – 10 [1934]), deren Herausgeber sich 1929 «freudig zu dem ‹Und› im Titel unseres Blattes» bekannt hatten (R. Winkler / H. Sasse / C. Schneider, An die Leser und Mitarbeiter von «Christentum und Wissenschaft», in: CuW 5 [1929], S. 97f., Zitat S. 98 📖).↩
28
Vgl. oben, S. 110–113 und S. 321–323.↩
29
Anfang eines Liedes von Nikolaus Decius, nach dem «Gloria in excelsis Deo» (EG 179; RG 221 🎵).↩
30
Gemeint sind die Deutschen Christen (s. oben, S. 320–330).↩
31
Zur «Oxford-Bewegung» s. unten, S. 607f., Anm. 32.↩
32
Vgl. M. Heidegger, Sein und Zeit (1927), Gesamtausgabe, Abt. 1, Bd. 2, hrsg. von Fr.-W. von Herrmann, Frankfurt/M. 1977, bes. S. 240–305 (Kap. 6: «Die Sorge als Sein des Daseins»). 📖↩
33
Tskr.: «ihm» (korrigiert durch die Hrsg.).↩
34
Anfang eines Liedes von Martin Luther (EG 193; RG 255 🎵).↩