2. Mai 1933

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

400
Lieber Eduard,

Du hast mich am Bahnhof in Basel einmal, zweimal gebeten, dir bald Nachricht über die Lage hier zu geben. Nun tue ich es früher, als du wohl erwartest hast, und zwar einfach, weil wir der Situation hier ziemlich ratlos gegenüberstehen und auch Karl daran liegt, daß du uns ein wenig deine Nähe erhältst in dem Auf und Nieder unseres Weges. Wir sind dessen sehr bedürftig, Eduard, vielleicht noch mehr, als ich es auf dem Bergli wußte. — Die ersten Gespräche liegen hinter uns. Eröffnet wurden sie auf einem Weg, den Nelly und ich allein machten und auf dem mir sehr bald klar wurde, daß sie ganz sichtlich bemüht war, die Gespräche in Basel und die Briefe von Karl1 als einen sicher ernsthaften und sicher nicht leicht zu nehmenden, aber eben doch als einen «Zwischenfall» zu behandeln. Ich bat sie, im Gespräch mit Karl doch hinzuhorchen, was es für ihn bedeutete und, so ihr das möglich wäre, sich um des gegenseitigen Verstehens willen zunächst einmal auf diesen Boden zu stellen. Diese Bitte — ich hatte es ihr wirklich nur als solche vorgetragen und in ehrlicher Sorge — löste andern Tags ihrerseits ein Gespräch mit mir aus, das mit einem hemmungslosen Angriff auf mich begann und mit einem mich nicht hoffnungslos berührenden Ausblick auf ein besseres Verstehen unseres Dranseins schloß. Am nächsten Tag |401 folgten dann nahezu von morgens bis abends Gespräche mit Karl, der erst jetzt frei dazu war, nachdem die allernötigsten Fakultätsschwierigkeiten2 gelöst worden waren. Diese Gespräche scheinen großenteils von Nelly geführt worden zu sein im alten Stil, das heißt unter dem Vorzeichen der vorwurfsvollen Frage: «Warum hast du dich von mir abgewandt? Und wie hat L. das tun können und sich so zwischen uns stellen» — eine Frage, die natürlich immer wieder Alles von Grund aus aufrührt und die uns nicht weiterführt. Im Blick auf die Zukunft scheint sich bei ihr dann schließlich nach viel Hin und Her ihr Wunsch dahin formuliert zu haben, «es noch einmal zu versuchen». Sie wolle und sie könne jetzt nicht fortgehen, da dieses Fortgehen für sie den Anfang eines endgültigen Schrittes bedeute, zu dem sie noch nicht «aufgerufen» sei. — Wir, K. und ich, haben uns am späten Abend dann noch dahin verständigt, daß wir sie nicht drängen dürften zum Fortgehen, sondern daß wir abwarten, und zwar im Guten abwarten müßten, bis es dazu komme; daß K. allerdings auch — und gerade nach dem Verlauf der Gespräche — sich nicht im Stande sehe, grundsätzlich etwa seinen Vorschlag zurückzuziehen oder umzubiegen. — Es vergingen dann wieder 2-3 Tage — das äußere Leben spielt sich freundlich-ruhig ab —, und gestern nachmittag rief Nelly Karl plötzlich zu sich und gab ihm die Erklärung, daß sie jetzt weder einen vorläufigen (Trennung) noch einen endgültigen (Scheidung) Schritt zu tun in der Lage sei. Sie möchte ihm das noch einmal ausdrücklich sagen, damit wir nicht erstaunt seien, wenn von ihr aus Alles unverändert bliebe. Karl bat sie dann, doch auch |402 mir das zu sagen, und das löste dann wieder ein ziemlich langes Gespräch zwischen N. und mir aus, in dem ich, wie das erste Mal, in einem gewissen Unterschied zu Karl den Eindruck hatte, daß N. zum Aufhorchen zu bringen wäre und daß diese ziemlich affektbetonte Ablehnung — sie redete zu K. von Selbstmord — nicht das letzte Wort ist. Ich konnte sehr offen mit ihr reden und auch gewisse Knoten, die immer wieder sich knüpfen — so vor allem bezüglich der Kinder — ein Stück weit lösen. Man muß da wirklich viel abtragen — Wichtiges und Unwichtiges geht da fast grotesk durcheinander (so beschäftigt sie jetzt schon die Frage: wenn Karl stürbe, wie sie dann seine [Sac]hen3 für die Kinder gegen mich schütze!) — aber es ließ sich wenigstens für den Augenblick abtragen bis zu dem Punkt: um was geht es jetzt in ihrer Beziehung zu K.? Das «Miteinander im Auseinander», das kann sie nicht verstehen, und darum kann sie auch wirklich keinen Schritt tun, im Augenblick. Ihr zu diesem Verstehen zu helfen, das liegt nicht in Karls Macht und erst recht nicht in meiner. Das wurde mir in diesen Tagen ganz klar. In Karls nicht, weil das Gespräch mit ihm immer wieder die klare Linie verläßt und sich von N. her immer wieder verliert in ganz unfruchtbare Seitenwege, auf denen sie, wie sie mir gestern sagte, nur «Härte» statt «Güte» spüre (wie sollte es anders sein für sie!), und in meiner nicht, weil mir weithin der Mund geschlossen ist aus Scheu vor dem Mißverständnis, zu dem N. jeden Augenblick bereit ist, daß ich eben meinen Weg hemmungslos zu Ende gehen wolle. — Und da stehen wir nun. — Es ist nicht so, daß wir dieses Leben nicht so weiter leben könnten, auch etwa noch längere Zeit, aber es ist nun eben doch dieses Leben unter der Frage, die aufgeworfen ist, das Provisorium, von dem Karl in seinem letzten Brief an N. sprach. Und wenn es als solches sinnvoll sein soll und nicht nur eine ausweglose Sackgasse bedeutet, so muß es doch zu einem Weg werden. Wie es das für Nelly werden soll, das ist mir auf hier4 gesehen ganz dunkel. — Ich habe nach allen Gesprächen mit ihr nicht den Eindruck, als sehnte sie sich nicht im Grunde nach wie vor nach einer Änderung und als könnte sie etwa jetzt ehrlich den bisherigen Weg bejahen und als würde sie nicht auch weiterhin genau so an ihm leiden wie bisher. Aber sie wird die Kraft zu einem Entschluß nicht finden, wenigstens nicht hier bei uns. Und nun geht unsere Bitte |403 an dich dahin: Behalte und suche die Fühlung mit ihr. Sie wird auf dich eher hören, als sie es auf Karl kann. Eine ihrer ersten Fragen war die, ob du ihr auf ihren letzten Brief antworten werdest. Ich weiß, es ist viel verlangt von dir, an sich und auch im Blick auf deine große Arbeit, die kaum Raum läßt für private Briefe. Aber wir bitten dich einfach darum, weil wir das Vertrauen zu dir haben, daß wir es dürfen. — Von Stoevesandt kam übrigens heute ein guter, ruhiger, vertrauender Brief5, und auch Fränzelis Antwort auf Karls Andeutung hin6 war in einer guten Bereitschaft (insbesondere für Nelly) geschrieben, die uns tröstete und mir wirklich eigentlich die Gewißheit gab, daß sie auch zu mir hin den Weg weiter suchen und finden würde. — Der Eilbrief von Karls Mutter7 freilich, den ihr uns in Basel gabt, war eine vehemente Anklage, so vehement, daß sie allerdings ein bißchen an uns vorbeiging und man sich nur etwas besorgt nach dem Zustand ihrer Nerven fragte. Aber gewiß hat es sie erleichtert, einmal so «Alles, Alles» zu sagen. K. Lindt hat sicher ein bißchen unter diesem Druck zu leiden. —

Heute morgen hat Karl seine Arbeit eröffnet mit der schriftlichen Prüfung.8 Alles blieb ruhig, und ich glaube nicht, daß er noch Störun|404gen zu fürchten hat.9 Seine Gefahr scheint mir augenblicklich eher da zu liegen, daß er zwar nicht Subjekt, aber Objekt der «Gleichschaltung» wird.10 Das ist gegenwärtig unser Problem. — Eduard, wir leben in einem Irrenhaus, ihr ahnt nicht wie sehr. Niemand, fast niemand merkt es. Knittermeyer und Refers sind zu den «Deutschen Christen»11 gegangen12, und sogar der treue R. Karwehl findet anerkennende Worte für |405 die «Obrigkeit»13. Die Kirche ist in einem viel schlimmeren Chaos, als es von draußen sichtbar wurde. — Aber wir wollen warten und schweigen. Einmal muß Karl dann vielleicht doch noch die Stimme erheben. Ich glaube fast sicher, daß das kommen muß, dann nämlich, wenn das Schweigen angesichts der Tausende und Tausende, die zugrunde gehen, und vielleicht noch mehr angesichts der Kirche, die verrät, einfach zu Schuld wird. — Die Universität ist gleichgeschaltet, Pfennigsdorf Dekan. Karl zieht sich von Allem zurück. K. Ludwig mußte ganz plötzlich doch noch Urlaub nehmen und will nun (ein wenig unter Druck von Karl) seine «Neutestamentliche Theologie» schreiben.14 —

Wie weit liegt jener friedliche Schwarze Kaffee15 in der Berglisonne zurück! Doch gut, daß man dort manchmal so Atem holen darf.

406 Marguerites Narzissen sind alle erblüht und duften herrlich. — Karl läßt euch beide grüßen. Er wartet sehr auf die Joh.-Vorlesung16. Denk, nun hat er 14 Wochenstunden! Aber es gilt, den Platz für K. Ludwig offen zu halten.17

Lieber Eduard, ich danke dir von Herzen für dein Mitgehen und Mittragen. (In dem «dein» ist auch Marguerite mit eingeschlossen.) Und ich hoffe, dieser Brief sei dir nicht nur eine Zumutung, sondern sage dir auch ein wenig, wie vorbehaltlos ich dir vertraue.

Deine
Lollo

Das Calvin-Protokoll kommt in diesen Tagen.

Sachfußnoten

1
Siehe oben S. 371–381.399f.↩
2
In einer zur Gleichschaltung der Universität angeordneten Wahl am 27.4.1933 wurde E. Pfennigsdorfmit 3 Stimmen und 6 Enthaltungen (bei 9 Anwesenden) zum Dekan gewählt, nachdem Barth, G. Hölscher und E. Wolf die Wahl abgelehnt hatten. Im Protokoll begründete K. L. Schmidt die Stimmenthaltungen: «‹Als Anhänger der altbewährten Selbstverwaltung der Universität› hätten sie sich nicht darauf einlassen können, ‹der Anwendung des politischen Gleichschaltungsprinzips durch aktive Teilnahme an der Wahl› ihre ‹Zustimmung zu geben und damit die Verantwortung für diesen entscheidungsvollen Schritt mit zu übernehmen›»; Amtsantritt des neuen Dekans war am 1. Mai (vgl. Bizer, S. 227–275, Zitat dort S. 254f 📖; Mühling, S. 144 📖; H. Faulenbach, Heinrich Josef Oberheids theologisches Examen im Jahr 1932 und das Geschick seines Prüfers Karl Ludwig Schmidt im Jahr 1933, in: «Daß unsre Augen aufgetan werden …» [Festschrift für H. Dembowski zum 60. Geburtstag], hrsg. von J.-E. Gutheil und S. Zoske, Frankfurt a. M. u. a. 1989, S. 57–97, dort S. 74 📖; Meldung K. L. Schmidts zu den angeordneten Neuwahlen in der Rubrik «Aus Wissenschaft und Leben» in: ThBl, Jg. 12 [1933], Sp. 183 📖).↩
3
Durch Lochung z. T. unleserlich; Ergänzungsvorschlag unsicher.↩
4
D. h. im Blick auf die häusliche Situation in Bonn.↩
5
Brief vom 30.4.1933.↩
6
Brief Barths an seine Tochter vom 11.4.1933 und ihre Antwort vom 23.4.1933.↩
7
In ihrem Brief vom 24.4.1933 blickte A. Barth zunächst zurück auf die Entwicklung der familiären Situation im Hause Barth seit dem Einzug Ch. von Kirschbaums, die entgegen einer vorherigen Vereinbarung auch dann im Haushalt geblieben sei, «als N. einige Jahre später wünschte, L. möchte sich eine eigene Wohnung suchen». Als Nelly Barth nun nach erneutem Zusammenbruch die Scheidung gewünscht habe, habe Karl Barth sich zunächst dagegen gestellt, «da die Tragweite und die Unmöglichkeit dieses Schrittes nicht übersehen werden könne», dränge jetzt jedoch selbst auf Scheidung. A. Barth bat ihren Sohn dringend, diesen Schritt «ohne Trotz und Leidenschaft und vor Gott …, dessen Gebote aber für alle gelten», zu überdenken. Die Konsequenzen für Nelly Barth — das «Gefühl der völligen Verlassenheit», die alleinige Verantwortung für die Erziehung der beiden jüngsten Kinder in einem doch kaum zu finanzierenden eigenen Haushalt — seien zu schwer zu verkraften. Vor allem könne «der ganze Eindruck, den deine bald erwachsenen Kinder von dir bekommen werden, … jedem zu Verderben werden. Was hilft die scharfsinnigste Theologie, wenn sie im eigenen Hause Schiffbruch leidet. Was die Öffentlichkeit, Freunde und Gegner von Allem denken würden, erübrigt sich zu beschreiben.» Barths Mutter schloß nach einem Verweis auf das Neue Testament (Mk. 9,42f.; 10,11; 1.Kor. 13,5) mit der Vermutung, daß Scheidung und Wiederheirat auch für ihren Sohn keine wirkliche Erleichterung bedeuten würden.↩
8
Aufnahmeprüfung für das Seminar.↩
9
Vielleicht hatten die im März 1933 beginnenden studentischen Aktivitäten gegen K. L. Schmidt wegen seiner SPD-Mitgliedschaft (s. Mühling, S. 139f. 145f. 📖; H. Faulenbach, Heinrich Oberheids Examen …, a.a.O. [Anm. 2], S. 64–68.73 📖) auch Barth entsprechende Schwierigkeiten erwarten lassen. Der von Mühling genannte Aufruf des «Führers» der Bonner Studentenschaft, stud. theol. Walter Schlevogt, zu einem Boykott der Vorlesungen der sozialdemokratischen Dozenten Barth, Lieb, Schmidt und Fuchs durch einen vom damaligen Rektor genehmigten Anschlag vom 4.5.1933 konnte nicht aufgefunden werden (Mühling, S. 146, mit Verweis auf M. Rohkrämer, Fritz Lieb 1933-1939. Entlassung— Emigration — Kirchenkampf — Antifaschismus, in: Fritz Lieb. Ein europäischer Christ und Sozialist. Eine Dokumentation der Evangelischen Akademie Berlin, hrsg. von M. Karnetzki und K.-J. Rese, Berlin 1992, S. 51–68, dort S. 56.58 📖). In zwei Abschriften erhalten ist jedoch ein vom Rektor genehmigter, auf den 4.5.1933 datierter Anschlag Schlevogts, in dem unter den vier Dozenten, zu deren Boykott aufgerufen wird, Lieb als einziger Theologe genannt wird (Abschriften im Universitätsarchiv Bonn [Signatur: Kurator H 1, Bd. 6] und im Nachlaß Fritz Lieb [Signatur. NL 043 Ha 3, 1], Universitätsbibliothek Basel; vgl. H.-P. Höpfner, Die Bonner Universität im Dritten Reich, Akademische Biographien unter nationalsozialistischer Herrschaft [Academica Bonnensia 12], Bonn 1999, S. 121–123 📖).↩
10
Vgl. unten S. 502, Anm. 7.↩
11
Die Glaubensbewegung Deutsche Christen, die ihre Organisationsform von der NSDAP übernahm, war offiziell am 6.6.1932 in Berlin gegründet worden, zunächst als Kirchenpartei für die altpreußischen Kirchenwahlen im November 1932. Ihr Ziel war eine evangelische Reichskirche, die sich, wie es in den «Richtlinien der ‹Deutschen Christen›» ihres Reichsleiters J. Hossenfelder hieß, «zu einem bejahenden artgemäßen Christusglauben, wie er deutschem Luthergeist und heldischer Frömmigkeit entspricht» bekannte (abgedruckt bei Gauger I, S. 67 📖; Schmidt 1933, S. 135f 📖; Michaelis/Schraepler, S. 581f 📖; Auszüge bei Scholder I, S. 262–265 📖; vgl. unten S. 427, Anm. 5). Als Beraterin der NSDAP in kirchenpolitischen Fragen wurde sie im Laufe des Jahres 1933 — bis zu dem Einbruch durch die Sportpalastkundgebung am 13.11. — zur kirchenpolitisch bestimmenden Kraft. Am 16.5.1933 wurde L. Müller, dessen Kandidatur für das Reichsbischofsamt sie unterstützte, ihr Schirmherr. Vgl. Gauger I, S. 67–85; Scholder I, S. 239–274; Meier I, S. 56–76.85–90 📖; K. Meier, Die Deutschen Christen. Das Bild einer Bewegung im Kirchenkampf des Dritten Reiches, Halle a.d.S. 19652. 📖 ↩
12
Barth wurde über Refers Beitritt zu den Deutschen Christen von einer Bremer Studentin am 1.5.1933 brieflich informiert und erhielt auf seine entsprechende Anfrage vom 2.5. bei K. Stoevesandt von diesem am 4.5. einen ausführlichen Bericht über Refer und Knittermeyer (Zitat aus Barths Antwortbrief an D. und K. Stoevesandt vom 4.5.1933 in: Th.Ex.h. 1933, S. 138 📖).↩
13
Richard Karwehl (1885–1979), 1914–1956 Pfarrer in Osnabrück-Schinkel (Amtsantritt aus Kriegsgründen erst 1918), danach Tätigkeit beim Blauen Kreuz und bis 1975 im Konvertiten-Unterricht. Beeinflußt von Lehrveranstaltungen seines späteren Freundes Karl Barth, die er von Osnabrück aus besuchte, wandte er sich von der liberalen Theologie ab und wurde zum Vertreter der dialektischen Theologie (nach brieflichen Auskünften und Dokumenten von R. Karwehls Tochter Ruth vom 24.3.1994; vgl. Bw.Th. II, S. 113.704 📖). Karwehl stand sowohl der nationalsozialistischen Obrigkeit als auch — als Mitglied des «Osnabrücker Kreises» — dem um Verständigung mit dem Staat bemühten Hannoveraner Kirchenregiment gegenüber in Opposition. Ch. von Kirschbaum bezieht sich wohl auf eine mündliche Äußerung. Vgl. K. Kühling, Osnabrück 1933-1945. Stadt im Dritten Reich, Osnabrück o. J. [1963], S. 76 📖; Meier II, S. 283. 📖 ↩
14
Wie es ihm einige Tage zuvor vom Rektor nahegelegt worden war, hatte K. L. Schmidt am 29.4.1933 beim preußischen Kultusministerium seine Beurlaubung beantragt und umgehend erhalten. Um seinen Platz freizuhalten, übernahmen Hölscher und Barth (s. unten Anm. 17) seine Veranstaltungen. In einer Notiz über K. L. Schmidts Beurlaubung «zum Zwecke wissenschaftlicher Arbeiten» heißt es: «Er wird sich vor allem mit der Abfassung eines Grundrisses der ‹Biblischen Theologie des Neuen Testamentes› beschäftigen, der in der von Erich Seeberg, Berlin, herausgegebenen Sammlung Theologischer Lehrbücher bei Quelle und Meyer, Leipzig, erscheinen soll» (in der Rubrik «Aus Wissenschaft und Leben» in: ThBl, Jg. 12 [1933], Sp. 155f. 📖). Das Werk wurde nie veröffentlicht (vgl. Mühling, S. 145.171 📖; H. Faulenbach, Heinrich Oberheids Examen …, a.a.O., S. 73f.78f. 📖). — Schmidt wurde am 31.5. «vom Landesleiter der DC als Muster eines Parteibuchbeamten angegriffen und mehr dergleichen … [so] daß der Generalsuperindendent seine Mitwirkung am zweiten Examen für ‹untunlich› erklärte» (Bizer, S. 255 📖). Siehe auch oben S. 397f., Anm. 8 und 9.↩
15
Siehe oben S. 106, Anm. 18.↩
16
K. Barth, Erklärung des Johannes-Evangeliums …, a.a.O. (S. 180, Anm. 1); vgl. dort S. IXf. 📖 — Thurneysen hatte das Manuskript am 25.10.1931 von Barth erbeten und benutzte es zur Vorbereitung von Bibelstunden; vgl. oben S. 180.206. Barth benötigte es für die (partielle) Wiederholung im SS 1933.↩
17
Barths ursprünglich geplante Lehrveranstaltungen, sämtlich Fortsetzungen der entsprechenden Lehrangebote aus dem WS 1932/33, waren: die vierstündige Vorlesung «Geschichte der protestantischen Theologie seit Schleiermacher» (vgl. oben S. 370, Anm. 10), das Seminar «Calvin, Institutio Lib. III», die Dogmatische Sozietät «Luthers Großer Katechismus» und die «Übungen in der Predigtvorbereitung» (letztere nicht im Vorlesungsverzeichnis angekündigt). Dazu kam die vierstündige Vorlesung «Erklärung des Johannes-Evangeliums» als Ersatz für die von K. L. Schmidt angekündigte Vorlesung «Johannesevangelium und Johannesbriefe».↩