20. Mai 1934

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Ich danke dir für deinen hochwillkommenen Brief! Es ist Pfingstsonntagnachmittag, und ich möchte nicht zögern, deine Begrüßung zu erwidern. Wie rauscht doch der Strom der Zeit weiter und weiter mit einem, durch Wirbel und unter Brücken hindurch, vorbei an ehrbaren Dörfern und verdächtigen Zigeunerlagern, Träger so manches vertrauten oder auch seltsamen anderen Kahnes, allmählich breiter und weniger eilig werdend: immer derselbe und doch nie derselbe. Aber du hast mir einmal berichtet von einer ausgezeichneten Tischrede, die du über |639 dieses in Basel so beliebte Thema «Fluß» gehalten hast und deren Pointe, wenn ich mich recht erinnere, die war, das Beste am Fluß seien doch die unbeweglichen Berge, zwischen denen er seinen Weg nehme. Und so will ich dich lieber angesichts jener Berge grüßen, statt etwa auf jene Fährte zu geraten, die Lollo so wenig liebt, wo zuletzt von den nicht mehr so fernen «alten Tagen» gerührt einige Bilder entworfen oder doch angedeutet werden. Es ist sicher das Beste, wenn man sich immer wieder bestärkend darauf aufmerksam macht, daß es jenseits von allem Juheh! und Haarus!1 und O weh!, das nun einmal das unvermeidliche Wellengeräusch jenes Flusses ausmacht, etliche unbewegliche Dinge gibt, an die zu denken und auf die hinzuweisen sich unter allen Umständen lohnt.

Noch habe ich dir gar nie geschrieben, wie froh ich war darüber, daß du dich dann endlich doch dazu bewegen ließest, jene drei Predigten drucken zu lassen.2 Sie haben, wie ich von mancher Seite hörte und las, weit herum Trost und Mahnung verbreitet, und ich möchte dich doch sehr gebeten haben, schon jetzt darauf bedacht zu sein, bei erster Gelegenheit wieder ein solches Zeichen aufzurichten. Asmussen, den du ja vor einiger Zeit auch wieder gesehen hast, sagte mir, er habe bei diesem Anlaß Alles, Alles, was er mir damals über dich gesagt, bestätigt gefunden, und ich habe ihn dann mit einigen Erzählungen aus deinem Leben bereichern und erfreuen dürfen. Weißt du, daß ich dem amerikanischen Herausgeber deiner Vorträge versprochen habe, ein Vorwort dazu zu schreiben?3 Es soll und wird mir das geradezu eine Lust sein, und |640 ich werde mich bei diesem Anlaß einmal eingehend und grundsätzlich über den Begriff des «Johanneischen» verbreiten und auch nicht versäumen, die Welt auf deine noch ausstehenden weiteren Werke geziemend vorzubereiten.

Es ist mir tröstlich zu hören, daß du zu meinem Kind Fränzeli im Ganzen eine so positive Stellung einnehmen kannst. Du wirst ja gewiß auch den Eindruck haben, daß sie erst im Begriff ist, so richtig aus sich herauszukommen und das Leben an irgend einem Zipfel im Ernst anzupacken. Ihre Briefe hieher klingen alle sehr freudig und künden von einem lebhaft umgetriebenen Dasein, wie sie es hier wohl so nie hatte. Ich bin sehr froh, daß sie diese neue Wegstrecke gerade unter deinem Einfluß und Zuspruch begehen darf, und ich brauche dir nicht zu sagen, wie dankbar ich dir und Marguerite bin für jede hilfreiche Bewegung ihr gegenüber. Ich mußte und muß gerade bei ihr oft an das denken, was in der alten Basler Taufliturgie zu lesen steht: daß «es mit unserm Kinder-Ziehen nichts ist, wann Gott sein Gedeyen darzu nicht gibet». Die Fortsetzung lautet: «Lasset uns also bätten …!»4

Item freue ich mich auch für die so gewaltig daherbrausende, aber irgendwo doch auch sehr lädierte Lili S., daß sie bei euch aus- und eingehen darf. Sie ist ein tüchtiger und gerade gewachsener Mensch, aber sie wird dir für jede väterliche Betreuung, die du ihr angedeihen lassen kannst, dankbar sein.

Unterdessen hat Markus in Bern sein Studium begonnen. Die Freude scheint eine etwas gemischte zu sein, weil es, wie ich ja wohl wußte, mit der dortigen Fakultät eine mehr als üblich bedenkliche Sache ist und weil er bis jetzt auch unter seinen Mitstudenten wenig Gemein|641schaft gefunden hat. Immerhin will er nun, meinen Spuren folgend, Zofinger werden. Ich hoffe, er schlägt sich durch. Immerhin möchte ich ihn einmal sehen und sprechen, und das hat mir denn auch wesentlich den Elan zu dem Entschluß gegeben, Ende der nächsten Woche nach Bern ans Universitätsjubiläum und vor Allem (bewaffnet mit einem vergilbten weißen Hut nebst Band) an einen großen Aufmarsch der Berner Altzofingia zu fahren.5 Es ist ja ein wenig verrückt, mitten in meine hiesige wahrlich aufregende Arbeit und mitten in die mich auch dauernd in Anspruch nehmenden Kirchenkämpfe ein solches «Ritterfest» im arglosen Bern einzuschalten. Aber es muß jetzt sein. Irgend eine verklungene Stimme aus der Jugendzeit ruft mich; die schönen Zehnten, die sich aus der Theol. Existenz heute ergeben6, machen die Sache äußerlich möglich, und so wird man mich denn dort zu den bekannten Klängen des Centralmarsches7 wieder einmal mittrampen8 und auch einem Kommers assistieren9 sehen. Noch hängt die Sache freilich ab von der Einwilligung … unseres Kurators der Universität10. Man hat mich nämlich in einen merkwürdigen kleinen Bann getan11, |642 über den ich dir dann Näheres erzählen werde. Wenn Alles gut geht, komme ich Freitag 2. Juni abends 5.36 in Basel B. B. an, um 6.55 SBB12 weiterzufahren. Da würde sich, wenn du Zeit hast, auf dem Tram durch die Stadt und bei einem besinnlichen Kaffee im Bahnhofbuffet das Nötigste schön austauschen lassen.

Daß es im Westen einige so gute Gestalten gibt wie Maury und Genossen, ist wirklich ein Trost! Weißt du übrigens, daß auch in Italien, nämlich in Fiume, ein sehr tüchtiger Mann, Valdo Vinay, aufs rüstigste am Werk ist?13 Ich kann seine Zeitung allerdings nur durch vages Erraten verstehen, sehe aber, daß er mit umfassenden Mitteilungen ins Zeug geht, und da ich ihn von einem hier verbrachten Semester kenne, traue ich ihm allerhand Gutes zu. Und ich vermute, daß du nun auch in England schon auf eine wesentlich bessere Situation stoßen wirst als ich vor 4 Jahren. Aber es wird doch immer entscheidend darauf ankommen, ob und vor Allem wie es gelingt, hier in Deutschland durchzustoßen. Und da geht eben das sehr Hoffnungsvolle und das äußerst Trostlose dauernd ganz durcheinander.

Ich war vergangene Woche zwei Tage in Frankfurt, wo ich in einem Zimmer des Basler Hofs mit Asmussen und dem Oberkirchenrat Breit14 aus München Tag und Nacht gearbeitet habe — an was? Ja, an |643 nichts weniger als an einem lutherisch-reformiert-unierten kleinen Bekenntnis, das nun demnächst, wenn nichts dazwischen kommt, aus größtem Geschütz abgeschossen werden soll.15 Dieser Breit erwies sich als ein unerwartet ordentlicher Mann, und da das Zusammenwirken mit Asmussen denkbar gut war, ging das Ganze wirklich erfreulich schön. Ich werde aber, da in dem Skriptum nun nur ein Satz — du wirst ihn seinerzeit schon entdecken — nicht von mir redigiert ist16, eine ziemliche Verantwortung zu tragen habe. Sag vorläufig niemandem etwas davon. Ich war neulich wütend zu sehen, daß eine wichtige Nachricht, die wir hier alle für uns behalten, von den verwünschten amerikanischen Journalisten in Berlin doch erwischt worden ist und breit in den Basl. Nachr. zu lesen stand!!17 Das sollten sie, wenn es sich um be|644absichtigte Unternehmungen der kirchlichen Opposition handelt, eben nicht machen. Hoffentlich werde ich dir an jenem Freitag Einiges von guten geschehenen Dingen erzählen können.

Von Georg wissen auch wir gar nichts Direktes. Ich muß wohl fürchten, mir mit meiner letzten Flankendiversion gegen Bodelschwingh18 seine letzten Sympathien verscherzt zu haben, und angesichts dessen, was in den Basl. Nachr. à propos Helmi Vischer zu lesen war — irre ich mich, wenn ich da dich reden hörte?19 —, könnte sich das mangelnde Plus leicht in ein Minus uns allen gegenüber verwandeln.20 Er scheint wirklich sonderbar dran zu sein. Aber der Fehler ist nicht jetzt, sondern wie noch bei so und so viel anderen vor 14 Jahren passiert, wo er viel zu unbesehen bei uns Anschluß suchte und wo wohl auch wir nicht wachsam genug prüften, was für Koalitionen wir da eingingen. Es kommt jetzt schließlich nur heraus, daß er, vor die Wahl gestellt, trotz aller freundschaftlicher Bindungen in dunklem Drang eben doch für Althaus, Heckel und wie die alle heißen optieren muß. — Fast zum Bedauern muß Gogarten dran sein, der sich irgendwie zwischen alle Stühle gesetzt hat21, neulich in Berlin bei einem Vortrag nach einem sehr ab|645lehnenden Bericht der Frankf. Zeitung einen halbleeren Saal hatte22 und nun auch noch von seinen eigenen (deutsch-christlichen!) Breslauer Studenten in einem Atem mit den stehengebliebenen «alten Theologieprofessoren» überhaupt aufs Übelste angegriffen wurde.23 Es erhebt |647 sich in deren durch ganz Deutschland verschicktem Aufruf nun bereits das schlimme Ignorantentum der jungen Leute, die so sehr nur noch S. A.-Leute sind, daß sie es gar nicht mehr für der Mühe wert halten, auch nur die fatalsten Bildungslücken wenigstens ein bißchen zu verstecken. Dieses Genus haben wir hier noch nicht, oder es ist doch nicht in der Lage, sich geltend zu machen.24 Aber es geht jetzt wirklich «um die Wurst», wie Georg in besseren Tagen zu sagen pflegte. Wenn es nicht gelingen wird, diesem Wesen Einhalt zu tun, so werden wir in ein paar Jahren nur noch schreiende Idioten auf den Kanzeln haben. — Die Antrittsvorlesung von Wolf Meyer muß nach einem brieflichen Bericht von Debrunner noch viel schlimmer gewesen sein, als es in jener Zeitung sichtbar wurde. Er hat sich u. a. vor jener ganzen Corona in aller Ausführlichkeit gerühmt, er, Wolf M., habe mir schon 1920 in Safenwil gesagt, er wolle lieber mit seinem Volk in die Hölle kommen als in den Himmel, dessen Schlüssel ich in Händen habe! Nach Debrunner hätten dazu doch nur ein paar Fanatiker getrampelt.25 Übrigens hat er eine |648 kleine Schrift veröffentlicht «Kirche und Sekte», in welcher er den unglücklichen bayerischen Landesbischof Meiser dazwischen nimmt und ihn beschuldigt, das Luthertum an die Reformierten und speziell an die dialektische Theologie (in welcher der Satan in die Theologie eingezogen sei!) verraten und also in der «Fremdenlegion» Dienste genommen zu haben.26 Er ist wirklich vollständig aus der Fasson gekommen. Ich |649 möchte nicht dabei sein, wenn einmal alle diese Besoffenen aufwachen. Oder vielmehr: es wird dereinst fast krankenschwesterlicher Eigenschaften bedürfen, um das rechte Wort zu finden gegenüber dieser ganzen Mannschaft, die sich ja jetzt wirklich so benimmt, daß man sie für ein für alle mal «erledigt» ansehen möchte — wenn das eine christliche Kategorie wäre. Du hast dem Wolf mit großer seelsorgerlicher Weisheit und Würde gesprochen. Vielleicht mußt du dereinst eine große Tournée durch ganz Deutschland machen, um überall den Leuten, denen es dann schlecht sein wird, in dieser Weise zum Herzen zu reden. — Wenn es dann nur auch unserem Freund Emil in Zürich endlich einmal schlecht würde. Seine neue Schrift gefällt mir gar, gar nicht. Was soll ich damit anfangen? Vielleicht warte ich mit einer Antwort darauf bis auf die mir brieflich angezeigte zweite Schrift, in der er sich dann auch noch hinsichtlich der Oxfordbewegung losstrampeln will.27 Vielleicht gebe ich ihm überhaupt erst später Bescheid, oder ich verzweifle ganz an der Möglichkeit, dieses Kind noch einmal ordentlich zu wickeln, oder ich antworte mit einer kleinen Darlegung über die Jungfrauengeburt.28 Da steckt ja oder da signalisiert sich jedenfalls der eigentliche Schaden seiner Systematik, der Schaden, um den er mit 1000 Calvinstellen doch nur herumreden kann, ohne etwas besser zu machen.29

650 Aber wie soll man das einem Menschen, der so im Schuß ist und für die eigentlich geistlichen Auslegungen und Erwägungen gar keinen Sinn hat, klar machen?

Die beabsichtigte Sitzung eurer phil. theol. Gesellschaft unter Assistenz des kleinen Papisten Fehr halte ich allerdings auch für eine nicht ungefährliche Sache. An deiner Stelle würde ich es, um Ärgernis zu vermeiden, tunlichst Heiner überlassen, nun einmal seine Grenzen nach dieser Seite deutlich abzustecken, um mir Alles, was da an den Tag kommt, gut zu merken und dann ein anderes Mal, wenn der Papist nicht dabei ist, Auskunft zu verlangen. Wenn ihr euch nämlich vor den Ohren dieses sehr gut geschulten (und N. B. mit meinen Gedankengängen bis in alle Winkel vertrauten — er hat den Doktor über mich gemacht30!!) kleinen Mannes verzankt, so könnte es peinliche Situationen geben, die er gewiß nach beiden Seiten ausspielen würde, um euch zum Schluß alle zur «Heimkehr» einzuladen.

Hier hat Alles endlich — erst am 7. Mai! —, aber ordnungsmäßig beginnen können. Ich habe an Hörern keinerlei Einbuße erlitten, und alle scheinen ruhig und ordentlich dabei zu sein. Das Thema ist zunächst und noch für eine Weile eben — die Jungfrauengeburt, zu der mir noch allerhand aufgegangen ist und die hoffentlich in dieser neuen Fassung ebenso positiv, aber etwas geschützter als das erste Mal dastehen wird.31 Für die neu Hinzugekommenen ist es gewiß eine harte Nuß, daß sie nun ihr Dogmatikstudium z. T. gerade mit dieser Sache beginnen müssen, nicht zum wenigsten für einen kleinen Japaner, der, selber Heide, von seinem heidnischen Philosophieprofessor in Tokio direkt hieher ge|651schickt worden ist, weil der «Römerbrief» die richtige Philosophie sei32. Oha! Ja, der Römerbrief kommt mir überhaupt jetzt gelegentlich als Knüppel zwischen die Füße, und irgend einmal in meinem Leben sollte ich dann doch auch noch dazu Zeit finden, ihn ein drittes Mal so auszulegen, daß er nicht einfach von glatten Heiden geschluckt werden kann. An Schweizern sollen nicht weniger als 18 da sein, darunter eine muntere Gruppe von Welschen. Ein Deutschschweizer, dessen Name mir entfallen ist, hat gleich bei seinem Antrittsbesuch sehr warm für die Oxfordsache plädiert.

Die Biblischen Zeugnisse verlangen für die Predigten sicher keine Übersetzungsgebühr, da ich sie ihnen auch ohne Honorar gegeben habe. Lempp soll das eben auch lassen.33 Wir wollen hier sehen, die Texte zusammenzubringen, und werden sie dir dann schicken. Sag, wollen wir die bewährte Sache mit der Halbanonymität wirklich aufgeben, weil die Neugierigen da drüben durchaus «vergleichen» wollen? Ich würde ihnen das gerne vorenthalten, aber wenn du Gesichtspunkte für diesen Vorschlag geltend zu machen hast, so will ich mich auch damit zufrieden geben.34

Ich habe das Reiten wieder aufgenommen und, weil ich es sonst ganz |652 allein betreiben müßte, sowohl Lollo als auch Wolf überredet, es auch zu erlernen. Das wird nun geschehen. Überdies erzählte mir gestern der Reitmeister, bei ihm hätten sich nicht weniger als sieben schweizerische Theologiestudenten zur Erlernung dieser Kunst angemeldet. Man wird also später die Vertreter der reinen Lehre daran erkennen, daß sie gelegentlich im Galopp durch ihre Gemeinden sausen.

Grüße Marguerite und deine Kinder! Und grüße meine Tochter Franziska! Sie solle aller empfangenen väterlichen Belehrung hinsichtlich der verschiedenen Lebensmöglichkeiten eingedenk sein, und irgend einmal werde auch sie einen Brief von mir erhalten.

Von Herzen!
Dein
Karl

Sachfußnoten

1
Kampfruf der Schweizer Söldner im Spätmittelalter, den die Frontisten aufgriffen und als Heilruf benutzten (telephonische Auskunft von Dr. Bernhard Christ vom 6.9.1994).↩
2
E. Thurneysen, Die Kraft der Geringen. Drei Predigten (ThExh 8), München 1934. 📖↩
3
James D. Smart B.A. M.A. Ph.D. (geb. 1906), Pfarrer der Presbyterian Church in Ontario, hatte Barth um eine Einleitung für seine englische Übersetzung des 1927 auf deutsch erschienenen Vortragsbandes von Thurneysen «Das Wort Gottes und die Kirche» 📖 gebeten: «I have written to Prof. Karl Barth asking him to write a short introduction to the translated book on the significance of your work. The point of view which you represent is most clearly associated among English-speaking people with his name and I believe that a word from him would be of real worth in introducing the book» (Brief Smarts an Thurneysen vom 25.4.1934; Nachlaß Thurneysen 📖). Im Frühjahr 1935 erhielt er das Geleitwort (Brief Smarts an Barth o. D. [wohl Mai 1935]; s. unten S. 879). Doch seine Bemühungen um einen Verleger für das Werk — am 29.10.1937 (im Nachlaß Thurneysen) schrieb er Thurneysen von acht vergeblichen Versuchen — blieben erfolglos. — Barths damals verfaßtes «Geleitwort» erschien erst viel später in: E. Thurneysen, Das Wort Gottes und die Kirche. Aufsätze und Vorträge (ThB 44), hrsg. [von E. Thurneysen] mit E. Wolf, München 1971, S. 227–230. 📖 ↩
4
Agend-Buch, Oder: Christliche Kirchen-Gebraeuche, und Gebaetter, Wie die in der Kirchen zu Basel, an Sonn- und Werck-Tagen, bey Predigten, Kinderlehren und Baettstunden; in Einsegnung der Eheleuten; Bey dem Kinder-Tauff; Bey der Vorbereitung zu des HErrn Nachtmahl, und Haltung desselben, etc. gehalten und geuebet werden, Basel 1752, S. 74f. 📖: «Nun lasset euch um GOttes willen ernstlich befohlen seyn; dann es ist je ein grosses die Kinder versäumen, und in ihnen die Sünde lassen einwurtzeln. Nun es aber mit unserm Kinder-Ziehen nichts ist, wann GOtt sein Gedeyen darzu nicht gibet, so Lasset uns also bätten».↩
5
Am 2./3.6.1934 beging die Universität Bern ihr 100jähriges Jubiläum. Zu den verschiedenen Veranstaltungen gehörte ein Festzug, an dem auch die Zofinger teilnahmen; vgl. unten S. 662f., mit Anm. 12.↩
6
D. h. das Autorenhonorar.↩
7
Hier liegt eine Verwechslung vor: «Centralmarsch» nennt man den Fußmarsch der Aktiven (oder Alt-Zofinger) der Basler Sektion an das Centralfest (bzw. das Centralfest der A.Z.) nach Zofingen (briefliche Auskünfte — auch zu Anm. 9 — von Dr. R. Develey vom 28.8.1994).↩
8
= schweren, festen Schrittes mitgehen.↩
9
Einem Kommers assistieren («chargieren») der Präsident und zwei Chargen (meist Vizepräsident/Beisitzer und Quästor oder Aktuar). Als Alt-Zofinger hätte Barth nur als Gast an einem Kommers, d. h. bei einer feierlichen, durch Lieder und Reden gegliederten Kneipe (Trinkabend), teilnehmen können.↩
10
Paul Klingelhöfer, ab 1.7.1934 für vier Monate Kurator der Universität Bonn, bekleidete dieses Amt als Vertreter seines beurlaubten Vorgängers faktisch bereits seit Sommer 1933.↩
11
Im Zusammenhang mit seinem Verhör am 30.4.1934 war Barth auferlegt worden, daß er «keine größeren Reisen, insbesondere nicht ins Ausland unternehmen», sondern sich «vielmehr in Bonn und nächster Umgebung aufhalten» solle (vgl. Prolingheuer, S. 18f. 📖; Zitate dort S. 18.245). Die ihm nur mündlich mitgeteilte Einschränkung, das Verbot gelte nur für wenige Tage, wurde im Vernehmungsprotokoll nicht festgehalten. Barth bezog sich jedoch darauf in seinem schriftlichen Einspruch vom 23.5.1934 gegen diese Maßnahme beim preußischen Kultusminister Rust (der seit 30.4.1934 auch Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung war), der ohne Antwort blieb (Abdruck des Briefes a.a.O., S. 246), sowie in seiner Vernehmung am 27.11.1934 (Abdruck des Protokolls a.a.O., S. 254–256, dort S. 256).↩
12
Abkürzungen für: Badischer Bahnhof bzw. Schweizer Bundesbahnhof in Basel.↩
13
Valdo Vinay (1906–1990), Waldenser, nach zwei Semestern in Leipzig SS 1932 Studium bei Barth, Oktober 1932–1940 Pfarrer der damals italienischen Diasporagemeinden Fiume (reformiert) und Abbazia (Istrien) (lutherisch, deutschsprachig), zugleich 1933 Promotion über «Le linee cristologiche nella teologia di Karl Barth», 1940–1976 (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) Professor für Kirchengeschichte und Praktische Theologie an der Waldenserfakultät in Rom; vgl. Busch, S. 385 📖. — Bis Ende Mai 1934 erschienen in der Zeitschrift «Gioventù cristiana. Voce del movimento giovanile protestante» folgende Beiträge von V. Vinay: La rivelazione naturale nella teologia di Karl Barth, Jg. 11 (1933), S. 17–20 📖; La resurrezione di Gesù Cristo nella teologia di Karl Barth, a.a.O. S. 49–53 📖; Per l’«esistenza teologica» nell’ora presente, Jg. 12 (1934), S. 7–13 📖; La predicazione nella teologia di Karl Barth, a.a.O., S. 33–43. 📖 ↩
14
Thomas Breit (1880–1966), 1933–1945 Oberkirchenrat in München und Stellvertreter des Landesbischofs, 1947–1950 Leiter des Martin Luther-Bundes in Erlangen; vgl. Busch, S. 258 📖.↩
15
Die Bildung des Theologenausschusses war am 2.5.1934 auf Vorschlag von K. Immer vom sogenannten Nürnberger Ausschuß, dem späteren Bruderrat der Bekenntnissynode, beschlossen worden. Sein Auftrag lautete: Der «Dreierausschuß leistet die Vorarbeit für den Theologischen Nürnberger Ausschuß und arbeitet einen Entwurf für die Deutsche Bekenntnissynode [29.-31.5.1934 in Barmen] aus.» Davon abweichend glaubten die Ausschußmitglieder anscheinend, sie sollten bereirs die fertige Synodalvorlage erarbeiten. Das Gespräch am 15./16.5. im Basler Hof in Frankfurt am Main fand — in krankheitsbedingter Abwesenheit des ebenfalls berufenen H. Sasse — auf der Grundlage eines Entwurfs von K. Barth statt. Vgl. C. Nicolaisen, Der Weg nach Barmen. Die Entstehungsgeschichte der Theologischen Erklärung von 1934, Neukirchen-Vluyn 1985, S. 27– 36.73-79 (dort S. 73: Entwurf Barths vom 13.5.; S. 74–76: Sitzungsprotokoll von Asmussen; S. 76–79: Notizen Barths) 📖; Scholder II, S. 113f.175.177-179 📖; Meier I, S. 177. 📖↩
16
Auf Asmussen geht der zweite Teil der 2. These zurück: «durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen». Vgl. E. Konukiewitz, Hans Asmussen …, a.a.O. (S. 98, Anm. 28), S. 93. 📖↩
17
Nachdem die Basler Nachrichten unter Berufung auf United Press am 14.5.1934 neben der Bildung der freien Synoden in Thüringen und Sachsen bereits auch die geplante Gründung einer freien Nationalsynode gemeldet hatten (Die freien Synoden, in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 128 📖), erschien am 18.5.1934 ein Artikel unter der Überschrift Ende Mai Zusammentritt der deutschen bekennenden freien Nationalsynode? 📖: «Berlin, 17. Mai. Wie die United Preß [sic] erfährt, soll der Zusammentritt der bekennenden freien Nationalsynode unter Leitung des Führers der westfälischen Synode, Pastor Koch, bereits Ende Mai erfolgen. Die Bekenntnissynode in Westfalen soll unentwegt und zielbewußt am Aufbau der neuen Kirche arbeiten. In Gemeinden, wo die deutsch-christlichen Pastoren amtieren, sind ‹bekennende Seelsorger› ernannt worden, um die Anhänger der Kirchenopposition zu betreuen» (Nr. 133, 1. Beilage; der zweite Teil des Artikels beschäftigt sich mit dem durch eine «der Reichskirchenregierung nahestehenden Seite» erfolgten Dementi der im Ausland verbreiteten Meldung über die Entlassung oppositioneller Pfarrer). — Den Hintergrund für die Bildung freier Synoden bildeten die im März per Gesetz erzwungenen Neuwahlen der Provinzialsynoden (vgl. oben S. 613, Anm. 20), die in Westfalen zur Konstituierung einer freien Bekenntnissynode unter dem Präses Karl Koch führte, der die Mehrheit der bisherigen Synode angehörte. Die Bildung freier Synoden in anderen Landeskirchen wurde durch den Aufruf der neuen westfälischen Synode zur Bildung von Bekenntnissynoden vom 27.3.1934 maßgeblich unterstützt; vgl. Scholder II, S. 98f. 📖; Meier I, S. 167–172. 📖↩
18
Die kritischen Äußerungen zu Bodelschwingh im Vorwort zu Offenbarung, Kirche, Theologie (ThExh 9), München 1934, S. 11–13. 📖↩
19
(Korr.) [= E. Thurneysen], Zur deutschen kirchlich-theologischen Lage. Entlassung eines Schweizergelehrten in Deutschland, in: BN, Jg. 90 (1934), Nr. 129 vom 14.5.1934, 2. Beilage 📖; mit anderen Hervorhebungen und Kürzungen auch abgedruckt unter dem Titel Der Fall Vischer, in: NZZ, Jg. 155 (1934), Nr. 870 vom 15.5.1934 📖; s. auch unten S. 653, Anm. 5.↩
20
Vgl. unten S. 652f., Anm. 3.↩
21
Gogarten stand in Distanz nicht nur zur Bekenntnisfront und zu den Deutschen Christen, sondern auch zur Reichskirche (vgl. Anm. 22). Eine Aufforderung des Reichsbischofs, im Verfassungsausschuß an seiner Sitzung am 6./7.7.1934 in Erfurt mitzuarbeiten, lehnte er ab; vgl. Gauger II, S. 254 📖; Scholder II, S. 271f. 📖; Meier I, S. 211. 📖↩
22
Die Quelle, aus der Barth über Gogartens Vortrag vom 26.4.1934 informiert war, ist wahrscheinlich eine Notiz im deutschen Protestantenblatt, der ein Bericht aus der Frankfurter Zeitung, Nr. 213/4 von 1934, zugrunde liegt: «In der Lessing-Hochschule sprach Montag abend Prof. D. Gogarten aus Breslau über ‹Kirche und Bekenntnis›: Die erste Überraschung war, daß der Saal nicht einmal zur Hälfte gefüllt war — kaum ein Theologe, kaum ein bekannter Mann aus den kirchlichen Kreisen! Das wäre noch vor einem Jahre undenkbar gewesen. … Das aber, was er über Kirche und Bekenntnis sagte, war keine Überraschung: beides gehöre notwendig zusammen, und darum habe die Zerrüttung der Kirche nicht erst 1933 begonnen, sondern im liberalen Zeitalter, als das Bekenntnis in der Kirche zerfloß. Da Gogarten zwischen ‹Deutschen Christen› und ‹Pfarrernotbund› hin und her geschwankt hat und von beiden verstoßen ist, wendet er sich mit Schärfe gegen beide; der Notbund kämpfe zwar für das Bekenntnis, meine aber eigentlich das Bürgertum — so wird, wenn auch in vorsichtigster Form, der Notbund politisch diffamiert! Die ‹Deutschen Christen› aber hätten die große Aufgabe noch gar nicht erfaßt: es gelte ein neues Bekenntnis zu schaffen, denn es gebe keine abgeschlossene Offenbarung Gottes. Der Hörer, den das sehr an den eben totgeschlagenen ‹kirchlichen Liberalismus› erinnerte, empfand das als die letzte Überraschung dieser Rede» (Jg. 67 [1934], Nr. 19 vom 6.5.1934, Sp. 299 📖; im Karl Barth-Archiverhalten). Der Vortrag wurde in der in Berlin vorgetragenen Form nicht veröffentlicht, ging aber sehr wahrscheinlich in den Aufsatz «Das Bekenntnis der Kirche» ein (in: Fr. Gogarten, Das Bekenntnis der Kirche [Aufsatz- bzw. Vortragssammlung], Jena 1934, S. 5–52 📖; vgl. bes. dort S. 20–30.33f. — Auskunft von Dozent und Pfr. i.R. H. G. Göckeritz). — In derselben Nummer des Protestantenblattes findet sich eine stark ablehnende Rezension von G. Walter über Gogartens Schrift «Ist Volksgesetz Gottesgesetz?» (Sp. 295–297).↩
23
Der Aufruf der Fachschaft der evangelisch-theologischen Fakultät Breslau «An die evangelischen Theologen!» vom 7.5.1934 (Faltblatt, 4 S.; ein Exemplar im Karl Barth-Archiv), verfaßt von stud. theol. Georg Walter, rief zu einer Reform des Theologiestudiums im Sinne der Parole «Alles für Deutschland, / Deutschland für Christus» (1. S.) auf und griff hauptsächlich Fr. Gogarten an: «Es ist eine ganz selbstverständliche Pflicht und Aufgabe, daß wir Theologen deutsch denken und fühlen und im kleinsten für unser Volkstum eintreten. Uns jungen Theologen fällt das leichter als den alten. … Wir können begreifen, wenn sich die älteren Herren nicht mehr so umstellen können. Wenn sie ehrlich am alten hängen, muß man sie lassen. Es gibt aber jüngere Professoren, die uns glauben machen wollen, sie seien Nationalsozialisten, von denen wir genau wissen, daß sie es nicht sind und sich nur im heutigen Staat lieb Kind machen wollen. Nicht ohne Grund haben wir im Mai 1933 auf dem Schloßplatz deutschfeindliche Bücher verbrannt. Es war darunter auch ein theologisches, in dem zu lesen stand: / ‹Was im Falle [Fall] des Nationalismus, so wie er heute bei uns in Deutschland um sich gegriffen hat, erstrebt wird, das ist, ob man [es] weiß und will oder nicht, Cäsaropapismus, der freilich geistig das [trostlose] Format hat, das den geistigen Ansprüchen dieser Zeit entspricht. Aber darum ist es leider politisch von nicht geringerem Verhängnis.› [Korrekturen des Zitates nach: Fr. Gogarten, Politische Ethik. Versuch einer Grundlegung, Jena 1932, S. 213 📖] / Der Verfasser schrieb das ein halbes Jahr vor der Machtübernahme, und es ist wohl klar, was und wen er damit meinte. Als der Umschwung kam, da hat dieser Verfasser, der heute noch uns Theologen mit seiner Weisheit belehrt, sich nach außen hin umgestellt, weil es gefährlich wurde, solche Gedanken weiter gegen den Nationalsozialismus und seine Führer auszustreuen. Wir jungen Nationalsozialisten haben ein Gefühl dafür, was echt ist und was nicht. Wir wissen genau, wenn sich einer aus innerster Überzeugung umstellte, oder ob Heuchelei vorliegt, gegen die wir bis zum letzten angehen. Dann sind uns schon aufrechte Gegner des Nationalsozialismus lieber. … Für diese Verkündigung danken wir und fordern mit aller Schärfe immer wieder, daß uns solche Professoren nicht als Lehrer vorgesetzt werden. Sie wirken für alles andere, nur nicht für ein neues Deutschland» (2. S.). «Es ist vor allem die systematische Theologie, die gänzlich falsche Wege geht. Was uns da als Offenbarung und Sünde erzählt wird, ist weder christlich noch deutsch. Ein Volk, das wie das unsere, einen Krieg hinter sich hat, den es nicht wollte, den es verlor und für den es schuldig gesprochen wurde, kann es nicht aushalten, wenn ihm in übertriebener Weise dauernd seine Sündhaftigkeit vorgehalten wird. In unserem Volke sind noch so gute Instinkte vorhanden, daß es dieses aufdringliche Reden von der Sünde nicht verträgt. … Damit in Zusammenhang steht der Offenbarungsbegriff der Theologie von heute. Offenbarung ist nach der Weisheit der Theologen nur in der Bibel zu finden. Dieser Gedanke ist unchristlich und undeutsch. Das Christentum ist keine Buchreligion … Das Judentum ist so, nicht aber der Glaube Jesu … Wir lehnen es ab, Gott Gesetze geben zu wollen, wie die dialektische Theologie und ihre neuerlichen Ableger es tun» (3. S.). «Wenn ein Theologe noch im letzten Semester in seinem Kolleg einen Paragraphen über die Eigenschaften Gottes lesen konnte und in Unterteilen dann seine Gerechtigkeit, Güte usw. behandelte, so sind das Dinge, die wir jungen Theologen nicht mehr ernst nehmen können. Die Forderung ‹Deutschland für Christus› schließt in sich, daß wir das viele Phantasieren über Gott einmal sein lassen, ihm nicht immer unsere unzulänglichen Gedanken unterschieben, daß wir trotz wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Bibel nicht vergessen, daß die Wissenschaft nicht die Hauptsache ist, sondern der Glaube, und daß ferner die Theologen, getreu auf dem Evangelium stehend, ihre Theologie auf deutsch treiben und es nicht weiter immer noch verkennen, daß wir nicht im Raume schweben, sondern auf deutscher Erde leben, die Gott uns schuf» (4. S.). — Gogarten selber war durch den Angriff nicht ernstlich beunruhigt. Am 7.7.1934 schrieb er an Helmuth Kittel: «Die Botschaft unserer Fachschaft ‹An die evangelischen Theologen› ist das Machwerk einer ganz kleinen Gruppe von Anhängern Bornhausens. Die überwiegende Mehrheit unserer Studenten will nichts damit zu tun haben. Leider wird sie aber von dieser kleinen Gruppe terrorisiert. Erst in der letzten Zeit sind Versuche gemacht worden, diesen Terror zu durchbrechen. Ich glaube nicht, daß die Sache verdient, daß Sie zu ihr Stellung nehmen» (Brief im Nachlaß Fr. Gogarten). Gemeint war damit die in der Fachschaft führende evangelisch-theologische Fachgruppe des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes. Zu Prof. K. Bornhausen, NSDAP-Mitglied und Gegner von Gogartens Berufung auf den anderen Lehrstuhl für systematische Theologie, stand Gogarten 1934 in offenem Gegensatz, seit dieser öffentlich seine nationale Zuverlässigkeit bestritten hatte. — Mit Zitaten angereicherte Besprechung des Breslauer Aufrufs in: RKZ, Jg. 84 [1934], S. 169 📖; zu der erwähnten Bücherverbrennung am 10.5.1933, bei der Bornhausen die «Feuerrede» hielt, vgl. K.-W. Thyssen, Begegnung und Verantwortung …., a.a.O. (S. 494, Anm. 5), S. 223 📖, Abdruck der Dokumente in: Fr. Brandi-Hinnrichs, Von der personalen zur politischen Theologie …, a.a.O. (S. 340, Anm. 4), Anhang IV-2 und IV-9 📖; Auskünfte über die Hintergründe des Aufrufs und seine Bezüge zu Fr. Gogarten verdanke ich Dozent und Pfr. i.R. H. G. Göckeritz.↩
24
Zu den Schwierigkeiten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, sich an der Bonner Universität durchzusetzen, vgl. H.-P. Höpfner, Die Bonner Universität …, a.a.O. (S. 404, Anm. 9), S. 134–138. 📖 ↩
25
Albert Debrunner (1884–1958), 1925–1935 Professor für indogermanische Sprachwissenschaft in Jena, schrieb Barth am 12.5.1934 ausführlich über W. Meyers am selben Tag gehaltene Antrittsvorlesung. «Ein Trost ist mir aber doch zuteil geworden. Meyer erzählte, wie er zu Ihnen in Safenwil 1921 [sic] gesagt habe: ‹Lieber will ich mit meinem Volk zur Hölle fahren als in den Himmel kommen, dessen Schlüssel Du hast›. Ein Mann im Braunhemd fing mächtig zu trampeln an; zaghaft fielen etwa 2 Dutzend Füße ein; aber es blieb dabei, und das Trampeln hörte sehr schnell auf! Und dabei saßen doch vor aller Augen der Minister Wächtler und sein kirchenpolitisches Orakel Oberregierungsrat Leffler …» In der gedruckten Fassung der Vorlesung lautet das Zitat: «Unvergessen bleibt mir jene Nachtstunde im Schweizer Pfarrhaus von Safenwil im Jahr 1923 [sic]. Nach stundenlangen, eindringlichen Gesprächen sagte ich Karl Barth vor seinem Umzug nach Deutschland: ‹Lieber fahre ich mit meinem Volk in die Hölle, als ohne mein Volk in Deinen Himmel» (W. Meyer-Erlach, Das neue Deutschland und die christliche Verkündigung, Weimar 1934, S. 9 📖; das Exemplar im Karl Barth-Archiv trägt auf dem Deckblatt die Aufschrift «Mit frdl. Gruss! A.D.» und enthält neben wohl von Barth stammenden Anstreichungen mit Rotstift auch Bleistift-Markierungen und Glossen von Debrunner). Siehe auch Anm. 26 (Zitat aus Meyers Schrift Kirche oder Sekte …, S. 17 📖) und unten S. 657, Anm. 5.↩
26
W. Meyer-Erlachs — weitgehend in direkter Anrede formulierte — Anklage gegen Meiser galt der angeblichen Unvereinbarkeit seiner Haltung mit seiner erklärten Treue zum lutherischen Bekenntnis. Er treibe «schlimmste Union mit der reformierten Renitenz im Rheinland … Das land- und volksverbundene Luthertum, das Bindung und Freiheit zu gleicher Zeit gewesen ist, das immer offen war für die großen Nöte des Volkes und für den aufbrechenden Geist der Zeit[,] wird eingetauscht gegen eine landfremde, vom Satan der Theologie beherrschte Lehre, deren Verkünder wie der Priester und wie der Levit an dem unter die Mörder gefallenen Volke herzlos vorübergehen» (Kirche oder Sekte. Offener Brief an Herrn Landesbischof D. Meiser, München, Weimar 1934, S. 6–10; Zitate dort S. 7 📖). Damit vergehe er sich — zweitens — «an der Bibel, am Bekenntnis, an den Erkenntnissen Luthers» (S. 10–21; Zitat S. 10). «Es ist eine Lüge, zu tun, als ob die deutschen Christen, die behaupten, die Stimme Gottes in der nationalen Erhebung, im Erwachen unseres Volkes gehört zu haben, die reden von der Offenbarung Gottes, von seinem helfenden Erbarmen durch die nationale Revolution, es ist eine Lüge, von diesen Deutschen Christen zu sagen, sie seien Ketzer, die neben die Stimme der heiligen Schrift noch die Stimme der Geschichte als Offenbarung setzen. Dasselbe tut die Bibel, dasselbe tun die alten Väter, dasselbe tut Luther, dasselbe tun die Bekenntnisse und das orthodoxe Luthertum. … Doch was gelten die Propheten, was gilt selbst der ewige Herr, was gelten die Väter, was gilt Luther und das Luthertum in einer Kirche, die den Namen Luthers trägt[,] aber tatsächlich zur Fremdenlegion der dialektischen Theologie herabgesunken ist» (S. 14f.). Der «Gott dieser Theologen ist nur ein Gott der Toten und nicht der Lebendigen, ist nur ein Gott für Juden[,] aber nicht für Deutsche. Dann lieber mit den Vätern, lieber mit Luther, lieber mit all denen, die in der Kraft und im Trotz ihres Glaubens ihren schweren Lebensweg gingen[,] zum Teufel gefahren, als diesem Gott der Retorte zu dienen. / Hier bricht der Satan ein in die Theologie. Hier wird im Namen der Theologie Gott geleugnet, wird der Lebendige totgeschlagen mit Buchstaben und Lehrmeinungen. Herr Landesbischof, wissen Sie so wenig von der Bibel, so wenig von Luther, so wenig von den Vätern, daß Sie zu dieser Ketzerei Ihrer nächsten Mitarbeiter, die ganz von dem Geist eines Wahngottes getrieben sind, schweigen?» (S. 17). Meiser müsse sich daher auffordern lassen, entweder — seine eigenen Bekenntnisse ernstnehmend — sich von den Unionsbestrebungen zu lösen oder offen zuzugeben, was er tatsächlich tue (S. 22–27).↩
27
Am 8.5.1934 hatte Brunner Barth von einer geplanten Schrift «Kirche, Theologie und Gruppe» geschrieben. «Wenn die Gruppe das wäre, für was du sie ansiehst, würde ich dein negatives Urteil fast völlig für richtig halten. / Sofern sie es ist, würde ich also weithin mit dir gehen in der Kritik. Es ist also eine quaestio facti. Ich glaube, dein Bild von der Sache ist falsch. Ob es mir gelingen wird, dir ein anderes zu vermitteln, weiß ich nicht» (Bw.Br., S. 251 📖). Vgl. E. Brunner, Die Kirchen, die Gruppenbewegung und die Kirche Jesu Christi, Berlin 1936 📖; ferner: ders., Was ist und was will die sogenannte Oxford-Gruppe?, in: Zwinglikalender, Jg. 17 (1935), Basel, S. 48–50 📖; Das Ärgernis der Oxford-Gruppenbewegung, in: NZZ, Jg. 156 (1935), Nr. 1951 vom 9.11.1935. 📖↩
28
Vgl. KD I/2, S. 200f.207 📖, wo Brunners Haltung zur Frage der Jungfrauengeburt (von diesem dargelegt in: Der Mittler. Zur Besinnung über den Christusglauben, Tübingen 1927, S. 288–292 📖) kritisiert wird.↩
29
In dem Abschnitt über Calvin in seiner Schrift Natur und Gnade, a.a.O. ([S. 629, Anm. 4], S. 22–31 📖 [= O.W. I, S. 352–362 📖]) führt Brunner 126 Calvinzitate an (vgl. unten S. 669–671).↩
30
Fehr promovierte 1932 in Freiburg (Schweiz) über «Das Offenbarungsproblem in dialektischer und thomistischer Theologie 📖» (PO, Kanonikus und Erziehungsrat Dr. Jakob Fehr, Pfarrer von Schmerikon, in: St. Galler Volksblatt, Jg. 116 [1971], Nr. 125 vom 25.10.1971 📖). Seine Dissertation bildet wohl die Grundlage für sein 1939 unter demselben Titel veröffentlichtes Buch (erschienen in Freiburg [Schweiz] / Leipzig), in dem jedoch u. a. auch KD I/2 (erschienen 1938) 📖 berücksichtigt ist. Barths Exemplar des Buches enthält die Widmung: «Herrn Prof. Dr. K. Barth in dankbarer Erinnerung an mein Bonner Studium gewidmet vom Verfasser».↩
31
Siehe KD I/2, S. 187–221 📖; vgl. Chr.Dogm., S. 365–379 📖; ferner ders., «Unterricht in der christlichen Religion», Bd. I: Prolegomena (1924), hrsg. von H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1985, S. 197–204. 📖 ↩
32
Katsumi Takizawa (1909–1984) war ein Schüler von Kitarô Nishida, Professor für europäische Philosophie an der Kyôtô-Universität in Tokio. «Er war es auch, der mir kurz vor meiner Abfahrt nach Europa aufs eifrigste empfahl, lieber bei Karl Barth als bei andern Philosophen und Theologen zu studieren, obgleich er selber ein selten erfahrener Zen-Buddhist war»; vgl. K. Takizawa, Was hindert mich noch, getauft zu werden?, in: Antwort. Karl Barth zum siebzigsten Geburtstag am 10. Mai 1956, hrsg. von R. Frey, Ch. von Kirschbaum und E. Wolf, Zollikon-Zürich 1956, S. 911–925, bes. S. 919–921 (Zitat dort S. 919, Anm. 1). 📖 — Takizawa ließ sich im Dezember 1958 taufen; vgl. K. Barth, Predigten 1954-1967, hrsg. von H. Stoevesandt (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 19812, S. 134. 📖↩
33
Die deutschen Originalfassungen einiger der in God’s Search for Man (s. oben S. 638, Anm. 45) 📖 übernommenen Predigten Barths waren außer in «Biblische Zeugnisse …» auch in Publikationen des Chr. Kaiser Verlags erschienen; s. Verzeichnis der Veröffentlichungen in: Pr. 1921-1935, S. 657–659. 📖↩
34
In ihren beiden älteren gemeinsamen Predigtbänden — Suchet Gott, so werdet ihr leben!, Bern 1917 (München 19282) 📖, und Komm, Schöpfer Geist!, München 1924 (19324) 📖 — hatten Barth und Thurneysen die Verfasserschaft der einzelnen Predigten nicht kenntlich gemacht. Ebensowenig geschah das dann in God’s Search for Man 📖. Doch sind in dem dritten gemeinsamen Predigtband Die große Barmherzigkeit, München 1934 📖, im Inhaltsverzeichnis die Verfassernamen angegeben.↩