15. August 1934

Eduard Thurneysen an Karl Barth

679
Lieber Karl,

Nun bin ich auch bereits seit mehr als einer Woche in das dir wohlbekannte Klossnerhaus eingerückt und sitze bei gutem Wetter auf jener Laube, auf der dein Anselmbuch 📖 unter ernsten und schwierigen Studien entstanden ist. Ich habe ein unverhältnismäßig kleineres Opus fertiggestellt, indem ich meine Unterrichtssätze druckfertig gemacht habe.1 Ich sollte schon aus praktischen Gründen diese Sätze endlich in die Presse gehen lassen. Aber vielleicht tragen sie auch abgesehen davon das ihre dazu bei, daß da und dort ein etwas besinnlicherer Unterricht erteilt werden kann. Ich möchte dich aber dringend bitten, dir die Mühe zu nehmen und sie einmal rasch durchzusehen und mir zu sagen, ob sie dir ein wenig einleuchtend vorkommen, oder ob ich sie nur ganz im |680 Verborgenen für meinen eigenen Gebrauch drucken lassen kann und soll. Auch falls du im Einzelnen Ungeschütztes oder theologisch nicht zu Verantwortendes entdeckst und Abänderungen oder Ergänzungen für nötig hältst, so weißt du, wie dankbar ich wäre, wenn du sie mir mitteilen wolltest. Ich habe mit Lempp noch nicht verhandelt, sondern will es erst tun, wenn ich deine Antwort habe. Ich mache dir nun Mühe mit diesem Anliegen, aber du wirst sie mir wohl willig widmen. An wen sonst sollte ich mich auch wenden zur Kontrolle? Nimm im voraus allen Dank!

Unterdessen bin ich in deine Dogmatik eingedrungen und habe die Brunnersache vor allem genau durchgegangen.2 Ich finde deine Auseinandersetzung mit ihm Wort für Wort schlagend, ausgezeichnet und dringend notwendig. Laß doch das hier Gesagte mit wenig Erweiterungen als deine Antwort an Emil ausgehen. Das muß in der Tat sein. Es ist auch im Habitus der Anrede, des schmerzlichen Erstaunens und dringlich-freundlichen Zuredens an Emilen das rechte Wort. Ach Emil! Es ist mir aufs neue klar geworden, daß es irgendwie das Marburger Gespräch ist, das hier aufs neue aufbricht.3 Emil ist einfach der ostschweizerische Humanist, der das eigentliche Geheimnis nicht sehen kann. Ob er durch deine unbeirrbar aus der Sache heraus auf ihn treffende Gegenrede nicht doch noch ein wenig zur Besinnung und zum Hören kommen wird? Er scheint allerdings zunächst wenigstens von außen gesehen seiner Sache so sicher wie die Russen bei Tannenberg zu sein, bis …4 Doch will ich dich damit wirklich nicht mit dem unglückseligen Hindenburg gleichsetzen! Beileibe nicht!

681 Die deutsche Lage! Ich habe allerlei Nachrichten durch Hartenstein, der bis heute hier ist. Eigentlich Wichtiges weiß er freilich auch nicht. Die Bekenntnisfront des Südens war gestern in Augsburg zusammen, um die Lage zu beraten auch mit denen aus Preußen.5 Es scheint eine große Erbitterung in ihren Reihen zu herrschen, und sie wollen jedenfalls sich nichts bieten lassen. Aber wie soll und wird alles weitergehen? Hoffentlich mußt du nicht deine Ferien abbrechen und plötzlich wieder hinausreisen. Tu’s ja nicht! Über die politische Lage lege ich dir den merkwürdigen Artikel bei, den Oeri seinerzeit nach Hindenburgs Tod geschrieben und dann wohl aus Angst vor seiner eigenen Courage wieder zurückgezogen hat6, so daß ihn die Nationalzeitung nachträglich |682 aufgriff7. Haben diese Kombinationen nicht sehr viel für sich? Aber gerade wenn etwas daran sein sollte, wie trostlos ist nachträglich wieder alles, alles verbaut durch Hitlers Verrücktheit! Du wirst dir auch deine Gedanken gemacht haben in diesen Tagen über die deutsche und eure eigene Zukunft. Den Eid auf Hitler — wer mag und kann den leisten in der Kirche!8

683 Hast du das Pamphlet Stapels gegen dich gesehen «Volkskirche oder Sekte»9? Ein grauenhafter Kerl, dieser Freund Friedrichs10! Lies auch den beiliegenden Brief Gottlobens11 der, wie auch die letzte Nummer des Kirchenblattes in der von Gottlob stammenden Rezension12 zeigt, immer noch nicht ganz von seinem Meister lassen kann. Lies aber auch |684 den echt Lukasischen Brief aus Pratteln13! Lukas ist wirklich unverwüstlich. Aber in seiner Weise gut. Obwohl ich ihm in diesem Falle nicht zugeben möchte, daß seine Geradlinigkeit wirklich das letzte Wort in dieser Sache sei. Oder?

Nelly habe ich erst einmal gesehen und nur im Kreise aller eurigen und unsrigen Kinder. Ich hoffe, Ende dieser Woche einmal zu ihr hinüberzugelangen. Augenblicklich ist sie für ein paar Tage in Aeschi unten bei deiner Mutter. Das Ferienhaus der Deinen ist wundervoll gelegen, aber ein wenig sehr weit weg von dem unsrigen. Augenblicklich ist die beschwingte Lili für zwei Tage dort hinübergesiedelt, um Fränzeli in Ruhe zu sehen. Sie hat uns viel und Schönes vom Genfersee erzählt.14 Deine Meisterschaft und Geduld im Gespräch besonders bewundernd. Wie gut, daß diese Westler dich einmal in Ruhe fragen konnten.15 Ich freue mich auf das Protokoll.16

Endgültig möchte ich mich durch Euch auf dem Bergli anmelden auf Samstag in 8 Tagen bis etwa Dienstag oder Mittwoch17. Gelt, das geht doch? Für mich ist es beinahe die einzige ruhige und gute Mög|685lichkeit, weil gleich nachher der Unterricht einsetzt und ich nach der langen Ferienpause nichts mehr ausfallen lassen könnte. Ich hoffe sehr darauf, daß du über diesen letzten Augustsonntag also auf dem Bergli zu haben bist, und freue mich riesig darauf, mit dir und Lollo und Ruedis zusammen ein paar Täglein zu haben. Ob unter Umständen Marguerite auch wenigstens für ein bis zwei Nächte mitkommen könnte? Es ist noch gar nicht sicher, ob sie es einrichten kann. Andernfalls suchte sie etwas später dich einmal auf dem Bergli zu sehen.

Grüße Lollo von uns, grüße Ruedis und sei selber gegrüßt von deinem
Eduard

Karl Sartorius habe ich noch nicht geantwortet. Willst du ihm die verlangte Weisung geben? Und soll ich via Koechlin an Weizsäcker18 in Bern gelangen? Oder willst du es auch direkt tun?19

Sachfußnoten

1
Das «Opus» wurde nicht veröffentlicht (Manuskript nicht erhalten). Anscheinend veranlaßte Thurneysen (auch?) Barths bei einem Gespräch auf dem Bergli geäußerte Kritik (s. unten S. 691) dazu, von der Veröffentlichung Abstand zu nehmen.↩
2
Manuskript von Barths Dogmatikvorlesung aus dem beendeten SS 1934; s. oben S. 668f., Anm. 5.↩
3
Im Marburger Religionsgespräch am 1.-4.10.1529 scheiterte der Versuch einer theologischen Einigung der deutschen lutherischen Theologen (Luther, Melanchthon u. a. ) mit den Schweizern Zwingli und Oekolampad an der Abendmahlsfrage. Möglicherweise spielt die Briefstelle zugleich auf das Gespräch am 24.1.1934 in Berlin (s. oben S. 590 bei und mit Anm. 4) an, in dem Barth Fezer — wie in Marburg 1529 Luther Bucer — zurief: «Ihr habt einen anderen Geist».↩
4
Die ihren Gegnern zahlenmäßig weit überlegene russische 2. Armee wurde in der Schlacht bei Tannenberg (vgl. oben S. 540, Anm. 2) von deutschen Truppen besiegt, die sich nach einer abgebrochenen Schlacht gegen die russische 1. Armee auf dem Rückzug befanden. Die Niederlage, bei der 92 000 Russen in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, verursachte auf russischer Seite einen tiefen Schock.↩
5
Durch die von der Nationalsynode am 9.8.1934 in Berlin beschlossenen Kirchengesetze «über die Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche und der Landeskirchen» und «über die Rechtmäßigkeit von gesetzlichen und Verwaltungsmaßnahmen», die der Reichskirchenleitung die uneingeschränkte legislative und judikative Vollmacht auf landeskirchlicher Ebene verschafften, waren die der Bekennenden Kirche nahestehenden Kirchenleitungen von der Gleichschaltung bedroht. Vertreter der württembergischen und bayerischen Kirchen bekräftigten bei einem Treffen am 13(!).8.1934 in Augsburg dennoch mehrheitlich ihre oppositionelle Haltung. (Über eine Beteiligung preußischer bekenntniskirchlicher Vertreter an dieser Begegnung oder über ein separates Treffen an dem von Thurneysen genannten 14.8. ließ sich nichts ermitteln.) In einer Eingabe an Hitler vom 14.8. stellten die Bischöfe Meiser und Wurm ihre Beurteilung der reichskirchlichen Politik, wie sie sich auf der Nationalsynode wieder gezeigt habe, dar und baten ihn um staatliche Unterstützung zur Beendigung der untragbaren Verhältnisse. Vgl. G. K. Schäfer, Die evangelische Landeskirche …, Bd. III, a.a.O. (S. 610, Anm. 11), S. 499–502 📖; Scholder II, S. 285f. 📖; Gesetzestexte in: KJ, Jg. 60-71 (1933–1944), S. 70f. 📖; W. Kolfhaus, Die neuen Gesetze der Reichskirchenregierung, in: RKZ, Jg. 84 (1934), S. 271f. 📖; Gauger II, S. 276.278f. (dort Bericht über die Synode S. 273–280) 📖; Leitungsgesetz auch in: Michaelis/Schraepler, S. 613f. 📖 ↩
6
Hindenburg war am 2.8.1934 auf Burg Neudeck gestorben. Zu diesem Anlaß erschien ein Extrablatt der Basler Nachrichten mit einem Artikel A. Oeris auf der Titelseite: Um die Nachfolgefrage (Ausgabe vormittags 10 1/2 Uhr vom 2.8.1934) 📖. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde Oeris Artikel in der regulären Ausgabe nicht erneut abgedruckt, sondern durch einen anderen Artikel ersetzt (H., Schicksalsstunde [Tagesbericht], in: BN, Jg. 90 [1934], Nr. 208 vom 2.8.1934 📖). Auf die darauf erfolgte Reaktion der Nationalzeitung (s. Anm. 7) erklärte Oeri, der erste Artikel sei durch die Bekanntgabe der Entscheidung Hitlers, neben seinem Amt als Reichskanzler künftig auch das des Reichspräsidenten (als «Führer») zu übernehmen, bereits vor dem Druck der regulären Ausgabe überholt gewesen und hätte deshalb durch einen anderen Artikel ersetzt werden müssen; vgl. in der Rubrik «Briefkasten der Redaktion» [A.] O[eri], An einen Leser der ‹National-Zeitung›, in: BN, Jg. 90 (1934), Nr. 215 vom 9.8.1934. 📖 — In seinem Leitartikel zum Extrablatt der Basler Nachrichten stellte Oeri die Hintergründe und Zusammenhänge des «Röhm-Putsches» (s. unten S. 807f., Anm. 41) mit Hindenburgs Plänen für seine Nachfolge dar, wie sie aus seit dem 30.6.1934 in Berlin umlaufenden Gerüchten hervorgehen würden. Demnach habe der vorzeitig bekanntgewordene Wunsch Hindenburgs, mit Hilfe der Reichswehr von Papen als seinen Nachfolger durchzusetzen, Hitler zur Planung einer «Säuberung der S.A.» veranlaßt, um die Reichswehr auf seine Seite zu ziehen und von Papen damit auszuschalten. Röhm habe die Bedrohung erkannt und am 30.6. übereilt «sein dilettantisches Komplott» ausgeführt. Dessen Niederschlagung hätte zwar für Hitler einen Erfolg bedeutet; eine wirkliche Versöhnung von Reichswehr und Kanzler sei jedoch durch die von Göring eigenmächtig veranlaßten Morde prominenter konservativer Politiker verhindert worden. Die Ermordung von Papens habe die Reichswehr verhindert.↩
7
Vgl. Ko., Gerüchte um Hindenburgs politisches Testament, in: NZ, Jg. 92 (1934), Nr. 360 vom 8.8.1934, S. 1f. 📖 Nach Einschätzung des Verfassers hatte Hindenburgs Mangel an politischem Weitblick u. a. zu seiner «Kapitulation vor Hitler» am 30.1.1933 geführt. Die deutsche Regierung habe daher «allen Anlaß, eine Besinnung auf die letzten verantwortlichen Entscheidungen des Gefeierten und ihre Folgen nicht im Detail aufkommen zu lassen». Im Sinne eines «unbefangenen Urteils über Einsicht und Erlebnisweise des alten Herrn» seien deshalb nähere Kenntnisse über seine Vorstellungen in bezug auf seine eigene Nachfolge interessant. In dieser Hinsicht sei der Artikel aus dem Extrablatt der Basler Nachrichten vom 2.8. (s. Anm. 6) aufschlußreich. Sollte dieser tatsächlich die wahren Hintergründe der nachträglich zur legitimen «Staatsnotwehr» erklärten Ereignisse aufdecken, dann wäre in einem solchen Staat «schlechterdings alles möglich. … Jedenfalls gibt der aufschlußreiche Artikel, den einer unvollständigen und zufälligen Publizität zu entreißen wir uns verpflichtet fühlten, beachtliche Urteilsgrundlagen über die Hintergründe und Machtspannungen hinter der vom Propagandaministerium aufrecht erhaltenen Fassade des Dritten Reichs, über dessen Verewigung das deutsche Volk am 19. August entscheiden soll.»↩
8
Das am 9.8.1934 von der Nationalsynode beschlossene «Kirchengesetz über den Diensteid der Geistlichen und Beamten» sah für alle Geistlichen verpflichtend den Eid auf die Person Hitlers vor und verknüpfte den Treueeid auf den Staat mit einem auf die Kirchenleitung. E. Hirsch, der «entscheidende theologische Berater Müllers und Jägers für die Synode», hat die Formulierung des Eides sicherlich beeinflußt, vielleicht sogar mitverfaßt (H. Assel, «Barth ist entlassen …» …, a.a.O. [S. 628, Anm. 1], S. 452–455; Zitat dort S. 452 📖). Abdruck des Gesetzes bei Schmidt 1934, S. 128 📖, und Gauger II, S. 278 📖; vgl. Scholder II, S. 286f. 📖; Meier I, S. 216f. 📖 ↩
9
W. Stapel, Die Verdammenden und die Verdammten, in: ders., Volkskirche oder Sekte?, Hamburg 1934, S. 7–18 📖 (zuvor separat erschienen in: Kirche und Volkstum in Niedersachsen, Jg. 2 [1934], S. 149–151 📖). «Ich wurde von verschiedenen Seiten ein ‹Irrlehrer› genannt. Obwohl das unter Christen ein schwerer Vorwurf ist, fühlte ich mich dadurch im Gewissen nicht bedrückt. Wie kam das? Um mir darüber Rechenschaft zu geben, schrieb ich die Auseinandersetzung mit Niemöller und Barth, die das erste Kapitel dieser Schrift bildet» (Vorwort in: Die Verdammenden …, a.a.O., S. 5 📖). Vgl. oben S. 628, Anm. 1.↩
10
Gogarten war kein persönlicher Freund Stapels (telephonische Auskunft von Dozent und Pfr. i. R. H. G. Göckenitz vom 27.10.1999); für die dreißiger Jahre lassen sich jedoch Kontakte und eine Übereinstimmung literarisch nachweisen: In seinem Aufsatz Luthers Lehre von der Oberkeit (in: Deutsches Volkstum. Halbmonatsschrift für das deutsche Geistesleben, Jg. 12 [1930], S. 679–691; dort S. 678 📖) dankte Stapel Gogarten für seinen Hinweis auf eine Psalmenauslegung Luthers. Daß Gogarten Stapels Nomos-Lehre zur Kenntnis nahm, zeigt seine Zustimmung zu dessen These, daß «das Gesetz … uns in unserem Volkstum gegeben» sei (vgl. oben S. 522, Anm. 34), in seiner Schrift Einheit von Evangelium und Volkstum? (Hamburg 1933, S. 18) 📖, worauf Stapel wiederum in seiner positiv-würdigenden Rezension der Schrift hinwies (erschienen unter demselben Titel in: Deutsches Volkstum, Jg. 15 [1933], S. 831f. 📖; weiterer Abdruck an einem anderen Publikationsort [S. 355f.] auf einem herausgetrennten Einzelblatt in Barths Exemplar der Broschüre). Diese Schrift erschien ebenso wie seine Broschüre Ist Volksgesetz Gottesgesetz? Eine Auseinandersetzung mit meinen Kritikern (1934) 📖 in der Hanseatischen Verlagsanstalt Hamburg, wo Stapel Lektor war; im Juni 1933 veröffentlichte Gogarten einen Aufsatz in der maßgeblich von Stapel herausgegebenen Zeitschrift Deutsches Volkstum (Die Selbständigkeit der Kirche, a.a.O., S. 445–451 📖). — Material zu der teilweisen Verwandtschaft und den Unterschieden des Denkens von Stapel und Gogarten in: Fr. Brandi-Hinnrichs, Von der personalen zur politischen Theologie …, a.a.O. [S. 340, Anm. 4], S. 358.368-373.377-383.386f.390-397.399f.402.405-407.411-415. 📖 ↩
11
Nicht erhalten.↩
12
In seiner Rezension der Bücher: Th. Ellwein, Gesetz und Evangelium, München 1933 📖; W. Brandt, Das Gesetz Israels und die Gesetze der Heiden, München 1934 📖; Fr. Gogarten, Ist das Volksgesetz Gottesgesetz?, Hamburg 1934 (in: KBRS, Jg. 90 [1934], S. 253f. 📖) behandelt G. Wieser das Buch seines Freundes Gogarten am ausführlichsten und mit der größten Zustimmung. — Gottlob Wieser (1888–1973), langjähriger Freund Barths und Thurneysens, 1920–1937 Pfarrer in Wattwil (Kanton St. Gallen), 1937–1954 in Riehen bei Basel, 1937–1970 Hauptredakteur, dann «Mitredaktor» des KBRS; vgl. auch Bw.Th. I 📖 und II 📖 (Namenregister) und Wiesers Broschüre Friedrich Gogarten, Jena 1930. 📖 ↩
13
Nicht erhalten.↩
14
L. Simon, die vom 10. bis 25. August mit Thurneysens in Adelboden ihre Ferien verbrachte, hatte an der Internationalen Studentenkonferenz in La Châtaigneraie, einem Knabeninternat bei Coppet am Genfersee, teilgenommen, an der Barth am 7. August über «Der Christ als Zeuge» sprach (nach einer Stenogramm-Nachschrift abgedruckt in: K. Barth, Der Christ als Zeuge [ThExh 12], München 1934, S. 5–17 📖, und in: Th.Fr.u.A., S. 185–196 📖). Zur Konferenz vgl. Busch, S. 264f. 📖 (Photographie dort S. 252, Abb. 50). Eine ausführliche Schilderung der Konferenz aus Ch. von Kirschbaums Sicht findet sich in ihrem Brief vom 13.8.1934 an H. Traub (10 S.; Kopie im Karl Barth-Archiv).↩
15
Wegen der internationalen Zusammensetzung der Konferenzteilnehmer wurde, wie Ch. von Kirschbaum H. Traub in dem genannten Brief beschrieb, während der Diskussionen jeweils «die versammelte Mannschaft … in drei Gruppen geteilt: rechts die Deutschsprachigen, in der Mitte die Engländer und links die Franzosen. Jedes Votum und jede Antwort wurde je nach Bedürfnis in die beiden anderen Sprachen übertragen.» Unter den sechs im Protokoll (s. Anm. 16) einzeln aufgeführten, jeweils nach ihrer Nation bezeichneten Fragestellern sind nur zwei «Westler» (eine Amerikanerin und ein Engländer) genannt (a.a.O., S. 18 📖). Möglicherweise berichtete L. Simon Thurneysen von weiteren, in einem zweiten Teil der Diskussion gestellten Fragen, über die das Protokoll nur summarisch Auskunft gibt (a.a.O., S. 25).↩
16
Stenogramm-Abschrift des Vortrags und der nachfolgenden Diskussion in: Der Christ als Zeuge (ThExh 12), a.a.O., S. 5–31. 📖 ↩
17
25.-28. oder 29.8.1934.↩
18
Ernst von Weizsäcker (1882–1951), 1933–1936 deutscher Gesandter (Botschafter) in Bern, trotz seiner inneren Distanz zum nationalsozialistischen Staat bis 1945 hochrangiger Diplomat des Deutschen Reiches (zuletzt als Botschafter beim Vatikan), 1948 vom Internationalen Militärtribunal zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die nach einer Revisionsverhandlung verkürzt wurde.↩
19
Am 2.8.1934 hatte sich Barth bereits selber brieflich an E. von Weizsäcker gewandt mit der Bitte, auf eine Aufhebung der Beschlagnahme (s. oben S. 679, Anm. 2) hinzuwirken. Er wies auf den Prestigeverlust hin, den ein Bekanntwerden dieser Aktion im Ausland nach sich zöge, und betonte, daß er seine Werke weder in einem ausländischen Verlag publizieren noch sich einer Vorzensur unterwerfen wolle. In seiner Antwort vom 6.8.1934 bestätigte Weizsäcker die außenpolitische Bedeutung des Falles. «Dagegen fühle ich mich außerstande, in der unmittelbar vorliegenden Frage, die von den inneren Behörden behandelt wird, Ihnen einen Rat zu erteilen, zumal mir die dazu nötige Kenntnis des etwaigen Instanzenzuges sowie der zurzeit gültigen Verordnungen und Bestimmungen fehlt. Ich kann daher nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie, sehr verehrter Herr Professor, alle innerdeutschen Wege und Möglichkeiten erschöpfen, um den in der Sache liegenden gesamten deutschen und religiösen Interessen gerecht zu werden.»↩