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An die Frankfurter Zeitung

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An die Frankfurter Zeitung

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Im Dezember 1931 gab Günther Dehn «Dokumente zum Halleschen Universitätskonflikt 📖» heraus, in deren Nachwort er der Erklärung der Hallenser Dozenten über den Idealismus der studentischen Jugend (s. Einleitung zum Offenen Brief Nr. 20) widersprach: «Verzerrter Idealismus ist Dämonie. Es ist ja einfach nicht wahr, daß diese fanatische, meinetwegen religiös gefärbte, tatsächlich aber von Gott gelöste Vaterlandsliebe dem Vaterland wirklich hilft. Im Gegenteil, sie wird das Vaterland ins Verderben führen.»1

Auf diese Veröffentlichung reagierte K. Eger, Dehns Amtsvorgänger in der praktischen Theologie, sofort in der Preußischen Kirchenzeitung mit einem langen Artikel, in dem er sich auf die Seite der Studenten stellte.2 Er ließ von seinem Artikel ca. 5000 Sonderdrucke anfertigen, die er in der Universitätsbuchhandlung zur Weitergabe an Studenten zur Verfügung stellte. Da der Aufsatz weit über den Leserkreis der Preußischen Kirchenzeitung hinaus bekannt wurde, trug er zum negativen Bilde Dehns in der Öffentlichkeit wesentlich bei.3 Die Texte wurden auch im Januar 1932 als Sonderdrucke der «Sturmfahne», der Mitteldeutschen Zeitung des nationalsozialistischen Studentenbundes, beigelegt, die in mehreren Artikeln Dehn scharf angriff. Eine Vollversammlung der Studentenschaft und eine Versammlung der Theologenschaft in Halle faßten Resolutionen gegen Dehn.4

Zu Dehns Publikation nahmen auch die Göttinger Theologieprofessoren Emanuel Hirsch (1888–1972) und Hermann Dörries (1895–|1711977) kritisch in einem Leserbrief Stellung, der verschiedentlich nachgedruckt wurde.5 Sie erklärten darin zunächst, jeder theologische Lehrer müsse die Freiheit haben, «in der Kriegsfrage […] durch unbefangenes Durchdenken des Für und Wider zur Klärung der Gewissen das Seine beizutragen» – forderten dann aber von jedem «zunächst die Erkenntnis, daß die Nation und ihre Freiheit bei aller Fragwürdigkeit des kreatürlichen Lebens auch für den Christen von Gott geheiligte Güter sind, die eine ganze Hingabe des Herzens und des Lebens fordern, und aus dieser Erkenntnis folgend dann das Bekennen zu dem leidenschaftlichen Freiheitswillen unseres Volks, das von macht- und habgierigen Feinden geknechtet und geschändet wird.» Die Jugend habe recht gehabt, als sie «dies Bekenntnis» bei Dehn vermißte. Mit seinem Nachwort habe Dehn «sein Wirken als theologischer Lehrer und Erzieher unter deutschen Menschen selbst untergraben.» Dagegen dankten die Verfasser der deutschen Jugend, «weil sie uns in der verzeifelten Lage unseres Volkes neu die Hoffnung auf Deutschland schenkt.»

Von verschiedenen Seiten wurde Barth aufgefordert, sich öffentlich für Dehn zu erklären, so von Leopold Cordier aus Gießen6 und von Martin Rade aus Marburg.7 Barth lehnte das zunächst ab.8 Er schrieb am 9.2. an Cordier: «Dieses offene ‹Wort› zu sprechen wird mir von verschiedenen Seiten nahegelegt. Ich meinte bis jetzt, daß meine öffentliche Erklärung meiner ‹persönlichen und sachlichen Solidarität› mit Dehn9 in dieser Hinsicht vollauf genüge. Sie und die anderen Kollegen, in deren Namen oder Sinn Sie mir schreiben, haben damals nicht mitgetan, sondern die m.E. sehr nichtssagende und sehr unverbindliche Münsterer Erklärung10 unterzeichnet. Sie müssen verstehen, |172 daß ich seither auf Zurufe aus Gießen und Marburg […] etwas sauer reagiere. Meine entscheidende Hemmung, nach Ihrem Wunsch vorzugehen, besteht schlicht in der Tatsache, daß ich als Schweizer nicht gerade selbstverständlich der berufene Mann bin, in dieser Sache als praeceptor Germaniae aufzutreten. Vielleicht überwinde ich diese Hemmung. Ich weiß, daß dies, wenn überhaupt, möglichst sofort geschehen müßte. Aber ich kann nichts versprechen. Zürnen Sie mir nicht, wenn ich es bei jener früher abgegebenen Erklärung bewenden lassen sollte. In solchen Dingen muß jeder seinem Takt und Gleichgewichtsgefühl folgen.»

Aber noch am gleichen Tage schrieb Barth einen Artikel, den er an die Frankfurter Zeitung sandte. Über seinen Gesinnungswandel berichtete er anschließend Günther Dehn: «Heute morgen habe ich zwei ziemlich zornige Briefe an Rade in Marburg und an Cordier in Gießen geschrieben des Inhalts, sie, die die schlampige Erklärung von Schmitz unterzeichnet hätten, sollten mich in Ruhe lassen mit ihren Zurufen: ich möchte nun endlich aus der Höhle hervorkommen und in Ihrer Angelegenheit ein saftiges Wort an die deutsche Öffentlichkeit richten. Nachdem ich diese Zudringlichen gehörig in ihre Schranken gewiesen und die Briefe hatte abgehen lassen, setzte ich mich, sicher einem unmittelbaren Eingeben des Geistes gehorchend, hin und verfaßte den beiliegenden Artikel, der nun gleichzeitig mit diesem Brief an die Frankfurter Zeitung abgeht. Ich habe nichts hinzuzufügen, sende Ihnen meine herzlichsten Grüße und Wünsche für das weitere und immer weitere Durchhalten und bin treulichst Ihr Karl Barth.»11

Zu seinem Text für die Frankfurter Zeitung schrieb Barth einen Begleitbrief an den Schriftleiter: «Ich gestatte mir, Ihnen beiliegend einen Aufsatz zum Falle Dehn anzubieten, für dessen baldigen Abdruck in der Frankfurter Zeitung ich Ihnen dankbar wäre. Das kritische Stadium, in welches die Angelegenheit neuerdings eingetreten ist, wird Ihnen nicht unbekannt sein. Ich bin u.A. von Professor Rade in Marburg dringend aufgefordert worden, mich zu der Sache zu äußern, und habe es auch von mir aus gerne getan. Indem ich Sie freundlichst bitte, Streichungen und Änderungen in Anbetracht des weithin auch persönlichen Charakters meiner Ausführungen lieber zu unter|173lassen und mir 20 Exemplare von der betr. Nummer zusenden zu lassen, bin ich hochachtungsvoll ergeben Ihr Karl Barth.»

Für die Redaktion der Frankfurter Zeitung bedankte sich Hermann bei Barth mit warmen Worten.12 Die Zeitung druckte die Zuschrift am 15.2. im Montag-Morgenblatt ab, und zwar nicht im Allgemeinen Teil, weil er «mit Material überlastet» sei»13, sondern im Sonderblatt «Für Hochschule und Jugend». Dort erschien sie an erster Stelle.14 Die Zeitung leitete den Artikel so ein: «Der Fall Dehn hat sich so zugespitzt, daß das Ziel des Kampfes mit seinem Anlaß nichts mehr zu tun hat. Dehn soll erledigt werden, um jeden Preis! Ob er das gesagt hat, was man ihm vorwirft, in welchem Zusammenhang dies gesagt wurde – das geht die Studenten nichts an, und sie wollen daran nicht erinnert werden. […] Je mehr der Kampf zu einem bloßen Machtkampf wird, um so nachdrücklicher verlangen wir Sachlichkeit, Wir können nicht umhin, die Studenten – und auch die andern – immer wieder daran zu erinnern, um was es in Wahrheit geht. In unserem Leitartikel vom 27. Januar war dargelegt worden, daß Dehn, der früher religiöser Sozialist war, zur dialektischen Theologie übergegangen sei und sich damit in der Richtung zu einem gewissen Konservativismus entwickelt habe. In diesem Zusammenhang müsse seine Äußerung verstanden werden, die ‹in keiner Weise politisch, sondern nur theologisch› gemeint sei. Karl Barth, einer der Führer der dialektischen Theologie, dessen tapferes und ritterliches Wort zum Falle Dehn wir heute mit Freude veröffentlichen15, geht noch weiter und erklärt, daß |174 sich alle Angriffe, die sich gegen Dehn richten, auch gegen ihn und die dialektische Theologie richten müßten.»

Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie?
Der Fall Dehn und die «dialektische» Theologie

Als im vergangenen Herbst die sogenannte Deutsche Studentenschaft in Halle die Berufung Dehns auf den Lehrstuhl für praktische Theologie mit einem Exodus nach Jena oder Leipzig zu beantworten drohte, habe ich in den Theol. Blättern (Nr. 12, 1931) zusammen mit dem Herausgeber K. L. Schmidt und einigen anderen Kollegen die Erklärung abgegeben, daß ich «mit D. Dehn persönlich und sachlich solidarisch» sei. Ich habe bis jetzt gezögert, mich an der weiteren öffentlichen Aussprache über die Angelegenheit zu beteiligen: sie hat von Anfang an eine politische, um nicht zu sagen hochpolitische Note gehabt, und ich muß mit der verständlichen – wenn auch vielleicht nicht letztlich verständigen – Empfindlichkeit derer rechnen, die einen geborenen Schweizer, sobald die deutschen politischen Dinge zur Diskussion stehen, jedenfalls wenn er nicht ihrer Ansicht ist, von vornherein unwillig anzuhören geneigt sind. Aber der Fall Dehn hat eine Entwicklung genommen, die mich veranlaßt, diese Hemmung fallen zu lassen und jene frühere Erklärung hiermit in alle Form zu wiederholen und kurz zu kommentieren. Mein inzwischen entstandenes Anliegen gegenüber den sämtlichen Gegnern Dehns: von den in |175 der «Hallischen Universitätszeitung» schreibenden, dichtenden und Karikaturen zeichnenden Kommilitonen bis zu den dieser Jugend (in der D.A.Z. vom 31. Januar 1932) geradezu ihre Dankbarkeit erklärenden Theologieprofessoren Hirsch und Dörries in Göttingen, ist kurz gesagt dieses:

1. Sollten sie ihren Streit, wenn sie denn meinen streiten zu müssen, nicht auf viel breiterer Front führen, d.h. aus 374 den tumultuarischen und in seinen Einzelheiten nachgerade immer unwürdigeren Streit gegen den einen Dehn einen Streit gegen die «irgendwie» hinter ihm stehende sogenannte «dialektische» Theologie werden lassen?

2. Müßten sie diesen wesentlichen Streit, den Streit um die ernsthaft zur Diskussion stehende Sache, nicht auch wesentlich anders führen, als dies bis jetzt von hoch und niedrig geschehen ist, d.h. müßte er nicht von allen, denen es Ernst ist mit ihrem Streit, dort geführt werden, wo er entsprungen ist und wo er auch allein zum Austrag kommen kann: auf dem Boden der theologischen Wissenschaft?

Ich hoffe immer noch, daß man auch dem geborenen Schweizer – er ist nun immerhin auch zehn Jahre lang dabei gewesen – wenigstens diese Fragen erlauben wird.

Erstens: Der Feind heißt nicht nur Günther Dehn!

Der Magdeburger Vortrag von D. Dehn16 deckte sich, wie Dehn sofort bei der ersten Drucklegung sichtbar gemacht hat17, in wichtigen Bestandteilen sachlich und ein Stück weit sogar wörtlich mit Ausführungen, die ich in meiner Vorlesung über theologische Ethik zuerst im S.S. 1928 in Münster, dann im S.S. 1930 hier in Bonn vor einem zahlreichen Auditorium vorgetragen hatte. Gerade die in Dehns Vortrag am schmerzlichsten aufgefallenen Äußerungen über den Zusammenhang zwischen Mord, Todesstrafe, Notwehrtötung und Krieg sind (als Teilstück einer Erörterung über die Problematik der Lebenserhaltung und Lebenszerstörung) auch bei mir (und so zuerst bei mir) gefallen.18 Merkwürdigerweise hat sich in den betreffenden Kollegstunden (die Vorlesung wurde hier in Bonn vor rund 250 Zuhörern |176 gehalten, unter denen sich, wie ich weiß, auch genug Na-375tionalsozialisten und ähnlich Gesinnte befanden) kein Fuß gerührt, und auch nachher ist keinerlei Protest zu meinen Ohren gedrungen. Warum in Magdeburg und seither in Heidelberg und Halle und nun in halb oder ganz Deutschland die Aufregung über Dehn, der ja erst noch allerhand möglicherweise Provozierendes, das sich in meinem Manuskript fand (z.B. eine Erwägung über das «Gebet von Leuthen»19), nicht vorgebracht und aus Eigenem so harmlose Dinge wie z.B. die doch gewiß diskutierbare Sache mit den kirchlichen Kriegergedächtnistafeln20 hinzugetan hatte? Es ist doch klar, daß Dehn, was er gesagt hat, aus einem bestimmten theologischen Gedankengang heraus gesagt hat, und zwar, wie ja jeder Kundige wissen kann, aus dem theologischen Gedankengang, der im Entscheidenden auch der meinige ist. Der wirklich nicht in freundlicher Absicht geschriebene und massenhaft verbreitete Artikel von Dehns Amtsvorgänger Geheimrat Eger in Halle (Preuß. Kirchenzeitung Nr. 24, 1931 📖)21 und ein speziell gegen mich sehr aggressiver Vortrag, den der Philologe Professor Otto Hoffmann in Münster am 14. Januar gehalten hat (vgl. «Westfäl. Landeszeitung» Nr. 15, 1932 📖, und «Münstersche Zeitung» Nr. 15, 1932 📖)22, |177 haben jedenfalls das Gute, den Finger auf den Punkt gelegt zu haben, auf den es zunächst ankommt: es geht und es muß gehen um die von Dehn vertretene Theologie, für die sich erfreulicher- oder unerfreulicherweise neben einigen anderen der Spitzname der «dialektischen» oder der «Theologie der Krisis» nun einmal durchgesetzt hat. Es handelt sich, wie hier nicht ausführlicher dargelegt werden kann, um den Versuch, Kirche und Evangelium im Gegensatz zu den beiden bisher maßgebenden Richtungen evangelischer Theologie von ihrem in der heiligen Schrift dokumentierten Grund und Gegenstand statt von der christlichen oder sonstigen Frömmigkeit der jeweiligen Gegenwart her zu verstehen. In den Kreis dieses 376 Versuches gehört auch Dehns Magdeburger Vortrag; von da und nur von da aus sind auch seine vielen so anstößigen Einzelheiten zu verstehen. Nicht jeder auf diesem Boden stehende Theologe wäre in der Lage, alles gerade so zu sagen, wie Dehn es dort gesagt hat. Man kann aber als Theologe nicht auf diesem Boden stehen, ohne, wie man auch Dehns Vortrag im einzelnen wissenschaftlich beurteilen möge, bekennen zu müssen, daß Dehn nichts gesagt hat, was nicht für uns alle mindestens erwägenswert wäre, daß man mindestens seinen entscheidenden Voraussetzungen, aus denen er in seiner Weise die Folgerungen gezogen hat, zustimmen muß.

Die Dinge liegen also so, daß es schlechterdings keinen Sinn hat, gegen Dehn als einen doch vielleicht kleineren Dieb in der Weise, wie es geschehen ist und immer wieder geschieht, vorzugehen, alle anderen aber und besonders die in Betracht kommenden großen Diebe laufen zu lassen, nur weil sie das Glück haben, nun nicht gerade diesen Dehnschen Magdeburger Vortrag gehalten zu haben. Wer in das «Burschen heraus!» gegen Dehn einstimmt23, der soll sich, wozu er ja nun auch durch Geheimrat Eger und Professor Hoffmann aufgefordert ist, klar machen, daß der Feind, den er meint und gegen den er schlagen muß, nicht Günther Dehn heißt, sondern landauf, landab auf allerlei Kanzeln und Kathedern mehr oder weniger typisch vorhandenist.24

178Es ist, wie mir scheint, auch von den Gegnern Dehns her gesehen, wenig sinnvoll, und man darf wohl auch sagen: nicht gerade ritterlich, sich immer wieder auf den einen Mann zu stürzen. Warum führt man den Kampf nicht, wie es sich gehört, auf der ganzen Linie?

Warum hat man mich in Münster und Bonn explizite (und teilweise sogar urbildlich) dasselbe sagen lassen, was Dehn sagte, ohne an die Veranstaltung solcher Szenen, wie man sie ihm bereit hat, auch nur zu denken?25 377

Ich möchte ja die Hallenser Aufgeregten wirklich nicht gerade dazu einladen, ihren Wirkungskreis im Sommer zur Abwechslung nach Bonn zu verlegen. Ich möchte aber wohl wissen, wie viele von Ihnen sich über die von Geheimrat Eger angedeuteten und von mir hiermit offen anerkannten Zusammenhänge im klaren sind und welches nun |179 eigentlich die Pointe ihres Kampfes gegen Dehn ist, wenn sie sich sagen müssen, daß Dehn vielleicht gar nicht am schlimmsten das ist, was sie mit ihrem Kampf treffen wollen?

Die Frage richtet sich aber doch auch an die der Jugend so dankbaren Göttinger26: Warum machen sie, die es wissen müßten, diese ihre Parteijugend nicht aufmerksam auf die Tragweite, auf den ihr verborgenen Sinn ihres kriegerischen Unternehmens? Wie ist es möglich, daß auch sie, die doch selber Theologen sind, wie gebannt auf ein paar Sätze von Dehn hinschauen und losschlagen können, als wüßten sie nicht, daß Dehn unter Voraussetzung seiner Theologie ungefähr so reden muß, wie er redet, und daß darum der einzig würdige Gegenstand solch schwerer Angriffe, wie auch sie sie führen, eben diese Voraussetzung sein müßte?

Zweitens: Sei es denn leidenschaftlich, aber wissenschaftlich!

Wenn die alten und jungen Gegner Dehns diese meine erste an sie zu richtende Bitte erfüllen würden, dann müßten sie gewiß von selber offen werden auch für meine zweite Frage. Wenn der im Falle Dehn gemeinte, aber eben bloß gemeinte Kampf zu einem Kampf gegen die «dialektische» Theologie werden würde, dann müßten sich die Streiter doch wohl– und geschähe es auch nochso dilettantisch–378aufrichtig bemüht auf das Gebiet der theologischen Wissenschaft begeben. Das will sagen: es müßten dann die inkriminierten Sätze Dehns, z.B. seine Lehre von dem Zusammenhang zwischen Notwehr und Krieg oder der in seiner Verteidigungsbroschüre getane Ausspruch von der «dämonisierten» Jugend27 oder sein schrecklicher Vorschlag: Kriegergedächtnistafeln besser anderswo als gerade in Kirchen anzubringen, einmal auf ihren Sinnzusammenhang in Dehns Vortrag selber, sodann auf ihre Gründung in der ihm eigentümlichen Theologie, und es müßte endlich diese Theologie als solche auf ihren Wahrheitsanspruch geprüft werden. Nur auf diesem Umwege gewonnen, könnte ein negatives Urteil über Dehns Vortrag oder Broschüre den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben. Von den mir bekannten negativen Beurteilungen Dehns ist keine – ich sage mit Bedacht keine und meine |180 also auch die Voten der Professoren Eger, Hirsch und Dörries – auf diesem Umwege gewonnen. Haben sich etwa die ersten über Dehn Entrüsteten, jene Damen und Herren in Magdeburg, auch nur im geringsten auch nur um den Sinnzusammenhang von Dehns Vortrag bemüht? Der damalige Streit ging nachweislich von Anfang bis zu Ende um einige aus dem Zusammenhang gerissene Schlagworte. Das Fatale war, daß die Sache genau so weiterging: mit der Erinnerung an jene Schlagworte hat Gottfried Traub in seinen «Eisernen Blättern» den Heidelberger Fall Dehn in Szene gesetzt28, mit ihnen und nur mit ihnen ist dann auch in Heidelberg gearbeitet und Dehns Berufung hintertrieben worden, von ihnen nährte sich die schon in den Herbstferien einsetzende Opposition der Hallenser Studenten, auf Schlagworte und nur auf Schlagworte ist endlich auch Dehns Verteidigungsbroschüre abgesucht und aufs neue gegen ihn verwendet worden.

Es liegt ein Rauhreif von Barbarei über diesem ganzen Schlachtfeld. Muß das so sein? 379

In der eingangs erwähnten Hallischen Universitätszeitung (Nr. 4) findet sich u. a. ein Stück «Aus einer Rede an deutsche Studenten»(!) von Adolf Hitler. Sie endigt wörtlich wie folgt:

«Wenn der Theoretiker sagt, die NSDAP sei eine oberflächliche Partei, dann kann ich ihm nur antworten: Sie sind eben nur Theoretiker: Es handelt sich im Augenblick um eine Feldschlacht und nicht um das Betreiben kriegswissenschaftlicher Studien. Da haben wir unsererseits keine Zeit, Menschen zu erziehen, die geistig hoch gebildet sind. Wir wollen die Überzeugung erwecken, daß der deutsche Freiheitsgedanke herrscht. Das ist unsere Aufgabe, nicht: Hinsetzen um gerade jetzt geistige Vertiefung zu betreiben. Später ja, wenn wir im Besitz der Macht sind. Jetzt muß unsere Sorge sein, daß uns niemand die Macht nimmt. Da haben wir für theoretische Probleme keine Zeit. Die hatte das 19. Jahrhundert. Allerdings hat dieses Jahrhundert dann auch auf den Erfolg verzichten müssen.»29 (Sperrungen nach Vorlage).30

181Nun, wenn die Ebene, auf der die Hallenser Studenten und ihre professoralen Verteidiger den Fall Dehn austragen wollen, wirklich diese sein sollte, so muß ich mich als auf den Mund geschlagen bekennen. Es muß dann wirklich so sein, daß es auch an der Universität, auch in der Theologie, an der Zeit ist, alle Argumente fahren zu lassen, alle Diskussionen abzubrechen und sich nach irgendwelcher mechanischen Bewaffnung umzusehen. Aber ich kann mir wirklich nicht denken, daß dies die Meinung der gegen Dehn streitenden Studenten und Professoren im Ernst sein sollte. Sie kann es nicht sein, wenn sie, was ich bis auf bessere Belehrung von jedem von ihnen annehmen möchte, als Theologen und Akademiker trotz Hitler noch einige andere Sorgen haben als die, «daß uns niemand die Macht nimmt».31 Sie kann es nicht sein, wenn sie willens sind, dem Ärgernis, das 380 sie an Dehn genommen haben, auf den Grund zu gehen und also sachlich zu werden, d.h. aber ihrem Angriff theologischen Gehalt und wissenschaftliche Gestalt zu geben.

Und nun scheint es mir unmöglich, daß dieser anders, nämlich anders als ein Machtkampf zu führende wissenschaftliche Kampf gegen Dehn bzw. gegen die «dialektische» Theologie nicht auch bei voller |182 Lebendigkeit des uns gegenüber offenbar angebrachten Pathos von selbst ein Kampf um den Frieden, weil ein nicht nur gegen, sondern auch gemeinsam mit dem befehdeten Gegner geführter Kampf werden müßte. Wer sich bei seinem Streit gegen Dehn auch nur im geringsten und im Ergebnis noch so dilettantisch die Mühe gäbe, sei es denn leidenschaftlich, aber wissenschaftlich zu verfahren, der würde wohl bald merken, daß man auch in der Theologie nicht so von heute auf morgen ernsthaft mitreden und Schwarz von Weiß unterscheiden kann, wie es sich mancher Nicht-Theologe und mancher junge Theologe einbildet, daß es keine kleine Sache ist, einen zu recht oder unrecht nun einmal von Etlichen begangenen theologischen Gedankengang als Irrgang zu erweisen. Er müßte sicher bald zugeben, daß man sich dazu nun eben doch «gerade jetzt» ein wenig «hinsetzen» und zwar – nur schon um ihn zu verstehen – auch ein wenig zum Gegner «hinsetzen» muß. Und er würde sicher mit der Zeit mindestens etwas stiller kämpfen in der Einsicht, wie schwierig es ist, z.B. für oder gegen die von Dehn vertretenen Sätze auch nur ein wirklich verständiges Wort zu sagen.

Ich darf noch einmal an die Tatsache erinnern, daß ich vor den Ohren auch von nationalsozialistischen Studenten ungestört und ohne in einen «Fall» verwickelt zu werden, dasselbe gesagt habe wie Dehn. Kann diese Tatsache einen anderen Grund haben als den, daß es meinen Zuhörern – sie sind sicher auch nicht alle «dialektische» Theologen ge-381worden – offenbar wie mir selbst nicht um die Schlagworte, ohne die es ja auch nicht abging, nicht um meine deutlichen oder undeutlichen, angenehm oder unangenehm berührenden Stellungnahmen, sondern um das wahrhaftig schwere, wahrhaftig mit keinem Geschrei zu erledigende Studium der theologischen Ethik ging? Wir waren eben, so gut wir es konnten und verstanden, an der theologischen Arbeit, eine Situation, die sowohl meine wie meiner Zuhörer politische Stellung nicht aufhob, wohl aber für den Augenblick zu einer weniger wichtigen Angelegenheit machte. Dürfte es nicht möglich sein, daß man auch zur Fortführung des Falles Dehn nun allseitig an die theologische Arbeit ginge und daß dabei aus der Fortführung eine Erledigung werden könnte?32 Dürfte nicht sogar der in dieser |183 Sache offenbar besonders grimmige Kollege Hirsch in Göttingen mit mir einig darin werden, daß es an der Zeit wäre, diesen Streit aus dem Bereich der Straße auf ein unser aller und vor allem der evangelischen Theologie würdiges Niveau zu erheben? Ich fürchte, daß er und ich uns weder theologisch noch politisch je verständigen werden. Ich hoffe aber, daß sein und mein primäres Interesse der Theologie und nicht der Politik gehört.

Sachfußnoten

1
G. Dehn, Kirche und Völkerversöhnung. Dokumente zum Halleschen Universitätskonflikt, Berlin 1931, S. 89f. 📖 Dehn fürchtete, es könne eine Zeit kommen, in der «ein rein machtpolitisch orientierter Staat, der von seiner Verantwortung Gott gegenüber nichts mehr weiß, von der Kirche entweder völligen Gehorsam verlangen oder sie für staatsgefährlich erklären wird.»↩
2
Worum handelt es sich beim Fall Dehn?, in: Preußische Kirchenzeitung, Jg. 27 (1931), 2. Dezembernummer, Sp. 374–379 📖. ↩
3
So H. Sasse in KJ 1932, S. 91–93 📖. ↩
4
H. Schafft, Der Universitätskonflikt in Halle, in: Neuwerk, Jg. 13, 1931/32, S. 345–364, hier S. 350. 352f. 📖 ↩
5
Abgedruckt unter der Überschrift Zum halleschen Universitätskonflikt in der Deutschen Allgemeinen Zeitung am 31.1.1932 📖, im Deutschen Volkstum, Jg. 34 (1932), S. 285 📖, im KJ 1932 S. 98f. 📖 Auch als Flugblatt verbreitet. Bei Schafft (s. Anm. 4), S. 353 📖.↩
6
Brief vom 6.2.1932.↩
7
Postkarte vom 8.2.1932 ↩
8
Brief an Rade vom 9.2., mit dessen Postkarte abgedruckt in: Karl Barth – Martin Rade. Ein Briefwechsel (s. S. 160, Anm. 10), S. 254f. 📖 ↩
9
Siehe den Offenen Brief Barths an den Rektor der Universität Halle, Nr. 20.↩
10
Erklärung von Schmitz und Stählin, s. oben S. 162.↩
11
Brief vom 9.2.1932.↩
12
«Für Ihren ausgezeichneten Artikel zum Fall Dehn möchte ich Ihnen persönlich noch bestens danken. Es war mir eine besondere Freude, gerade diese Äußerung in unserem Hochschulblatt zu bringen. Hoffentlich ist die einzige Wirkung nicht bloß die, daß der Wespenschwarm im nächsten Semester über Sie herfällt. Denn, so sehr ich Ihre Haltung begrüße, kann ich imgrunde doch nicht glauben, daß es noch möglich sein wird, diesen Streit zur Sachlichkeit zurückzuführen. Aber natürlich durfte das weder Sie noch uns abhalten, um so lauter Sachlichkeit zu fordern.»↩
13
Brief der Redaktion an Barth vom 15.2.1932.↩
14
Nachdruck des Texts unter dem Titel Der Fall Dehn und die «dialektische Theologie» in: Neuwerk, Jg. 13 (1932), S. 366–372 📖. ↩
15
Über diesen Text höhnte der nationalsozialistische «Westdeutsche Beobachter» am 23.2. in antisemitischen Tönen, die Nationalsozialisten müßten «beinahe der ‹Frankfurterin› recht geben, in deren einleitenden Zeilen ein streitbarer Maccabäer die politische Kathederweisheit mit dem Prädikat ‹tapfer und ritterlich› belegt und seiner Freude, sie veröffentlichen zu dürfen, deutlich Ausdruck gibt (Melodie: Tochter Zion, freue dich). Über die Ritterlichkeit des Herrn Barth, der sich mit Dehn ‹persönlich und sachlich solidarisch› erklärt, kann man sehr geteilter Meinung sein. Als vor Jahresfrist Pg. [Parteigenosse] Schemm zu den Bonner Studenten sprach, da hielt es ‹Ritter› Barth am anderen Morgen für notwendig, seinen Hörern in einer für einen bedeutenden Theologen merkwürdig unfairen Art die Ausführungen Schemms, die von der Studentenschaft begeistert aufgenommen wurden, mit billigen Spaßen herabzusetzen; wie gesagt: sehr ritterlich und scheinbar ungefährlich im geschlossenen Hörsaal. Kollege Dehn ist aber ja (Gott sei Dank!) ein anderer Fall! Waschechter Pazifist! Da muß man auf einmal ‹ritterlich› sein, nicht wahr Herr Professor? » (s. auch Anm. 24, 25, 31 und 32).↩
16
Siehe Einleitung zum Offenen Brief Nr. 20.↩
17
G. Dehn, Kirche und Völkerversöhnung (s. Anm. 1), S. 18 📖. ↩
18
Vgl. K. Barth, Ethik I, S. 228–292 📖. ↩
19
K. Barth, a.a.O., S. 268 📖. Barth kommentierte die Überlieferung, am Abend der Schlacht bei Leuthen im Jahre 1757 hätten die preußischen Grenadiere M. Rinckarts Lied «Nun danket alle Gott 🎵» gesungen: «Wohl ihnen, wenn sie das konnten, kann man nur sagen, und wohl uns, wenn wir das gegebenenfalls auch könnten! Denn darauf, daß man vorher und nachher so singen könnte, darauf käme es bei der menschlichen Tat im Frieden und im Krieg nun wirklich an. Aber daß man sich ganz unsentimental klarmache, was zwischen jenen beiden Chorälen von den beteiligten Menschen nicht sowohl zu leiden als zu tun war, das eben ist der ethischen Besinnung zweiter Teil».↩
20
Zitat s. in der Einleitung zum Offenen Brief an den Rektor der Universität Halle, Prof. Aubin, Nr. 20.↩
21
Siehe Anm. 2.↩
22
Die Westfälische Landeszeitung berichtete in einem ungezeichneten Artikel Burschen heraus! (Nr. 15/1932) 📖 über Prof. Dr. Otto Hoffmanns Vortrag über «den Fall des Professors Dehn»; «Diese Lehre [Dehns] löst das Fundament des Staates auf und zerstört den Organismus von Volk und Staat. Ihre notwendige Konsequenz ist der Pazifismus. Für uns aber sind Volk und Vaterland heilige Güter, für die wir bereit sind, mit Gut und Blut einzutreten […]. Die Versammlung, in der man neben zahlreichen Professoren auch den Rektor der Universität bemerkte, dankte durch lebhaften und anhaltenden Beifall». Ähnlich der ungez. Artikel in der Münsterschen Zeitung Nr. 15 vom 16.1.1932: Der Fall Dehn und die akademische Freiheit 📖.↩
23
Zitat aus dem Studentenliede Burschen heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! (um 1844), zitiert von der Westfälischen Landeszeitung, s. Anm. 22.↩
24
Der nationalsozialistische «Westdeutsche Beobachter» brachte am 23.2.1932 unter dem Zitat aus Barths Zuschrift «Der Feind heißt nicht nur Günther Dehn …!» 📖 einen Artikel ohne Verfasserangabe mit dem Untertitel: SPD-Professor Barth-Bonn ins Stammbuch: «Mit dieser Erkenntnis trifft Herr SPD-Professor Barth (o. Prof. der Theologie an der Universität Bonn) ins Schwarze. […] Die deutschbewußten Studenten und Dozenten, Herr Professor Barth, sind sich durchaus darüber klar, daß der Feind, den wir im Interesse unseres Vaterlandes auf das schärfste bekämpfen, nicht nur Günther Dehn heißt. Aber beruhigen Sie sich: Herr Dehn ist ein Sammelbegriff, und alle, die so denken und handeln wie dieser, mögen sich bei jeder Abfuhr dieses Herrn auf das stärkste mitgetroffen fühlen! Also bitte, Herr Professor, bedienen Sie sich! Wem der Schuh paßt, der zieht ihn sich an!»↩
25

Darauf antwortete der «Westdeutsche Beobachter» am 23.2.1932: «Wir wissen nicht, ob in Ihr stilles Arbeitszimmer schon einmal das Wort ‹taktisches Verhalten› gedrungen ist. Dies zu Ihrer Aufklärung. Wenn Sie nach der Aufzählung Ihrer ‹Schuldliste›, mit der Sie Herrn Dehn den Rang abzulaufen beabsichtigen, zu dem Trugschluß kommen, daß, weil Ihre Kollegs bisher ohne Lärmszenen durchgeführt wurden, die Bonner Studentenschaft Sie anbetet, so ist dies leider eine irrige Anschauung. Mit größter Genugtuung stellen wir in Ihrem ‹Bekenntnis› fest, daß ‹selbst› die nationalsozialistischen Studenten (die Sie gut zu kennen scheinen!) sich niemals ‹unakademisch› benommen haben (!).[…]

Wir bezweifeln allerdings, daß durch Ihre ‹mutigen und ritterlichen› Artikelchen in jüdischen Parteizeitungen diese bemerkenswerte Ruhe besonders gefördert wird, und wir würden es von Herzen bedauern, wenn durch Ihre gütige Mitwirkung Kommilitonen, die nicht durch die straffe Disziplin nationaler Verbände gehalten, sich dazu hinreißen ließen, den Ihnen scheinbar verwunderlich ruhigen Verlauf Ihrer Vorlesungen in etwa zu stören.»↩

26
Professoren Dörries und Hirsch, s. Anm. 5.↩
27
Siehe Einleitung und Anm. 1.↩
28
Siehe Offenen Brief Nr. 20 (Einleitung und Anm. 4). In einem Brief an G. Traub vom 10.1.1932 formulierte Barth: «Sie wissen, daß Sie mit einer […] Notiz den ‹Fall Dehn› geschaffen bzw. nachdem er seit Jahren erledigt war, neu geschaffen haben.» (nach. H.-G. Ulrichs [Hrsg.], Hellmut Traub. «Unerschrocken zur Zeit und zur Unzeit». Beobachtungen eines Predigers, Zeugen und Lehrers zur kirchlichen Zeitgeschichte, Wuppertal 1997, S. 157, Anm. 10 📖).↩
29
Zitat bei Barth aus der Hallischen Universitätszeitung vom 3.2.1932: A. Hitler, Intelligenz und politische Führung. Aus einer Rede an deutsche Studenten 📖. Es handelte sich um Hitlers Rede auf der Führertagung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes in München vom 2.5.1931, in: Hitler. Reden, Schriften, Anordnungen, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte, Bd. IV, T. 1, (1994), S. 353 📖. ↩
30
Die im Urdruck gesperrt gedruckten Teile sind hier durchweg kursiv gesetzt.↩
31
Der «Westdeutsche Beobachter» nahm am 23.2. hierzu wie folgt Stellung: «Daß Sie die Worte Adolf Hitlers in der Halleschen Universitätszeitung nicht verstehen würden, verwundert uns in keiner Weise. Sie haben nicht die geringste Ahnung von der ‹auch› für einen Theologen notwendigen inneren Verbundenheit zu diesem deutschen Volke in seiner tiefsten Not und Erniedrigung. Der Wille zur Macht, den unser Führer so überaus stark betont, ist der Ausgangspunkt, die Schlüsselstellung aller Dinge, die unser Volk angehen. Es ist für uns Nationalsozialisten belustigend, sich illustriert vorzustellen, wie Sie in fälschlicher Deutung unserer Auffassung des Strebens zur Macht im Begriffe stehen, sich nach einer mechanischen Bewaffnung umzusehen. Schultern Sie eine lange Pfeife, einen Regenschirm oder ein anderes bürgerlich-kriegerisches Attribut, aber die ‹spitze› Feder des Politikers legen Sie besser beiseite, damit tun Sie nur sich und dem Kollegen Dehn wehe!»↩
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Der «Westdeutsche Beobachter» kommentierte am 23.2. in seinen Schluß-abschnitt: «In Ihrem Biereifer bemerken Sie wohl gar nicht, daß Sie trotz aller Beschwörungsversuche gegen Polemik und Politik überhaupt bei diesen heiklen Dingen Ihre ‹Dialektische Theologie› verlassen und selbst begonnen haben, eine, wenn auch komische, Rolle auf der politischen Bühne zu spielen. Der Heiterkeitserfolg ist Ihnen gewiß, und aus diesem Grunde dürfen wir die Lachsalven, die Ihr erstes politische Debut hervorrief, gewissermaßen als Plus buchen. Solange das Publikum noch gutmütig lacht, ist nichts zu befürchten. Wenn aber erst Verstimmungen auftreten, faule Eier zur Bühne fliegen und die bekannten Pfiffe auf Hausschlüsseln ertönen, dann ist der ‹erschröckliche› Zustand eingetreten, den Sie in Ihrem Artikel mit nachstehenden Worten in courths-mahlerischer Meisterschaft zu charakterisieren wissen: ‹Es liegt ein Rauhreif von Barbarei über diesem ganzen Schlachtfeld›! Da fragen wir mit Ihnen, Herr Professor: ‹Muß das sein?› Mitnichten! Frönen Sie nur weiterhin Ihrer (fast möchten wir sagen) dämonischen Leidenschaft, den tragischen Helden, den Märtyrer zu spielen. Tun Sie es aber bitte in Ihrem Bonner Hörsaal. Dort, auf streng akademischem Boden, wird man hoffentlich auch das notwendige mitleidige Verständnis für Ihr Steckenpferd haben. Dort können Sie ‹selbst› vor den Ohren nationalsozialistischer Studenten Ihre so überaus tragische Rolle ‹völlig ungestört und ohne in einen ’Fall’ verwickelt zu werden› mimen, solange, bis, nun bis die Sache ‹gegen Dehn und Genossen› vom deutschen Volke entschieden ist. Solange aber, Herr Professor Barth, werden wir kämpfen, hier etwas lauter, dort (ganz nach Ihrem Wunsch) etwas ‹stiller›. Kampf und Ziel bleibt gleich. Nochmals, Herr Professor, Namen spielen hierbei gar keine Rolle, doch haben wir gern zur Kenntnis genommen, unser Feind heißt nicht nur Günther Dehn!»↩