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Ja, die Predigt1 kam von mir. Die Bezeichnung deines Krankenhauses2 war mir
entgangen, und so sandte ich sie Georg Merz zum Weitergeben an dich. Mit der Zusendung der Dogmatikblätter3 kannst du dir
alle Zeit lassen. Ich brauche sie diesen Winter sicher nicht,
und vielleicht überhaupt nicht. Ob du etwas damit anfangen kannst? Als irgendwie
erbauliche Lektüre ist ja die Sache wirklich nicht zu brauchen. Noch vor zehn
Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, daß ich auch einmal vor der Aufgabe
stehen werde, Dogmatik zu lesen, und
daß ich es dann nach vielem, vielem Kopfzerbrechen gerade so werde anfassen
müssen.4 Und wie sollte ich nicht immer noch unsicher
sein, ob es nun so das Rechte ist. Du mußt auch bedenken, daß, was du vor dir
hast, die Nachschrift eines Studenten ist. Die Studenten schreiben aber oft aus ihren eigenen
Bedürfnissen heraus so nach, daß die Sache irgendwie ein anderes Gesicht
bekommt. Nun, ich freue mich an dem Gedanken, daß du so von weitem an meinen
Sorgen teilnimmst, obwohl es mir auch wieder fraglich ist, ob du in deinen
wenigen Freistunden nach so langen Arbeitstagen nicht etwas
Fruchtbareres treiben könntest. Ich werde es dir gar nicht übelnehmen, wenn du
nach einiger Zeit erklärst, das Ding sei dir doch zu lebensfremd.
4 Von uns wäre viel Fröhliches zu berichten über die Kinder, die allesamt, besonders auch Nr. 5, der
kleine Hansjoggeli,
sehr gut gedeihen. Von mir ist zu sagen, daß ich die Ischias noch immer habe, wenn
auch mit weniger Heftigkeit als in der Schweiz.5 Nächsten Mittwoch
halte ich hier vor einer Pfarrerkonferenz einen Vortrag «Theologie
und Kirche»6, den ich am 23.
vormittags 9 Uhr in Elberfeld
wieder halte*. Das ist nicht allzu weit von Krefeld. Es findet vom 20. – 23.
eine «Reformierte Theologische Woche» dort statt, die ich als einer von den
reformierten Häuptlingen mitmachen muß. Nachher geht es nach Münster7,
vorläufig ich allein. Mitte November findet dann der Generalumzug statt von hier nach
dort.8 Ich war samt meiner Frau dort und habe
in der Tat ein Haus gekauft, Himmelreichallee 43. Das Kaufen und besonders hier das Verkaufen hat
uns in alle möglichen Verlegenheiten gestürzt, die noch immer kein Ende nehmen
wollen. Aber ich will dich verschonen mit dem Kram, nachdem ich Rudi
letzthin einen langen Klagebrief über die Unerfreulichkeit dieser Angelegenheit
geschrieben.
Du aber, liebe Schwester Annelotte9 von Kirschbaum, trage doch
ja Sorge zu
deiner Gesundheit.
Das mit den 14½ Stunden Arbeitszeit gefällt mir gar nicht, und meiner Frau, die von einer
Freundin, die |5 Diakonissin war, weiß, was das bedeutet,
auch nicht. Ich weiß nicht, was man dagegen tun kann, aber
tu, was du kannst.
Gestern hatten wir einen leibhaftigen Japaner zum Nachtessen, der uns von jener
fernen Welt ein sehr
eindrückliches Bild gab.10
Ich wünsche dir von Herzen guten Mut zu deiner Arbeit und den Blick auf den
Horizont des Ganzen, den ich mir selber wünsche. Meine Frau grüßt dich unbekannterweise
mit. Es wird sehr schön werden, wenn du uns in unserem bescheidenen Himmelreich einmal
besuchst.
Damit für heute «Grüß Gott!», wie ihr in Bayern so freundlich sagt.