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Die beiliegenden Bildlein geben
mir erwünschten Anlaß, dir für deinen lieben Brief zu danken, der mich am Morgen
nach unserer Rückkehr aus Holland hier begrüßte. Über
Holland wäre viel zu berichten. Ich werde Eduard veranlassen, dir eine Kopie des Rundbriefs1, den ich über diese Reise
schrieb, zu schicken, und lege überdies zwei holländische Zeitungen2 bei, deren Berichte du vielleicht entziffern
kannst. Bitte im «Telegraaf» besonders auch die eindrucksvolle
Personalbeschreibung3 zu beachten. Ich bin dort andauernd |49
photographiert worden und werde mich
wohl in noch mehr Blättern in dieser Weise erblicken müssen neben allerlei
Indiern4 etc. Alles in
Allem: es war eine sehr gute, lohnende Reise. Wir haben in Groningen und Amsterdam liebe, offene Menschen gefunden, voll von
einer Art Bewegtheit, der ich mich, auch wenn sie anders ist als unsere
deutsche, nicht verschließen kann. Der Kongreß für Innere Mission5 war das Unbedeutendste, umso besser die Pfarrer und
Studenten, mit denen ich zu tun hatte, und Nelly hat auch an den Frauen Freude
gehabt. Wahrscheinlich ist das nur der Anfang zu sehr regen Beziehungen nach
dort. Näheres dann also im Rundbrief. Du zürnst mir nicht, gelt, wegen dieser Abkürzung. Aber
ich bin nun wieder in der Arbeit und müßte viele Seiten füllen, um dir Alles zu
erzählen.
Was du von dem Zusammenbruch
deiner Kollegin erzählst, macht mir doch ernstlich Sorge, ob du bei dem dortigen
Betrieb nicht
schließlich auch noch «in bejammernswertem Zustand» in deine Heimat
transportiert werden mußt. Wehre dich rechtzeitig, gelt, wenn es dir zu viel
wird?? Du darfst dich nicht kaputtmachen.
Nelly denkt auch
oft daran, dir zu schreiben, und unterläßt es aus denselben Gründen, natürlich
in etwas anderer Motivierung. Es wird das Beste sein, wenn ihr es zunächst beide
unterlaßt. Die Lage ist ja wirklich sehr dunkel und kann zunächst
sicher nur von uns allen gesehen werden, wie sie ist. Wir wollen
alle nichts Unrechtes tun, aber dann gibt es auch etwas
Unmögliches, und das besteht für mich darin, dich etwa nur ein
bißchen weniger gern zu haben, als ich dich eben
habe – und hätte, auch wenn du nach Breslau gingest oder sonst etwas Unerhörtes tätest. Nein, ich denke
vorläufig gar nicht daran, das Bergli
zu vermeiden, im Gegenteil, ich freue mich in wahrscheinlich schon
wieder unzulässiger Weise darauf. Sag du also Rudi nur auf alle |50 Fälle zu. Wir wollen uns dann alle Mühe
geben, Vernunft und Aufrichtigkeit miteinander zu verbinden. Nachher wird es uns
sehr leid tun, daß man dann eben wieder auseinandergeht, aber das
ist nun so. Nelly und du und ich müssen uns
jedes in seiner Weise Mühe geben und die Zähne zusammenbeißen,
tragen, was da ungewollt aus der rätselhaft-schuldvollen Tiefe
des Menschlichen über
uns gekommen ist. Ich weiß im Augenblick nichts Anderes. Alles kreist nun immer
wieder um die zwei Punkte: der eine die Heiligkeit des Gebots, der andere, daß du und ich (ich weiß
nicht auf welcher Ebene) zusammen sind. Streichen kann man weder dieses noch
jenes.
Ich lege noch eine Nummer der Münchener Neuesten Nachrichten6 bei
für den Fall, daß du sie noch nicht hast oder jemandem schicken willst.
Ob ich nicht im Juli doch noch einmal an einem Sonntag zu dir nach Krefeld komme? Es geht vielleicht wegen
der Arbeit nicht (deiner und meiner), aber schon der Gedanke vergnügt mich im
Stillen, weil es bis zum 15. August7 noch so sehr lange
geht. Liebe Lollo, nicht wahr, wie bin ich so unverbesserlich! Aber
über Allem denke ich, es müsse Alles gut werden, und das denkst du
mit mir. Laß uns, im Dunkeln tappend, daran festhalten.
Herzlichst