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von Kirschbaum an B. in
Bern
Wie war ich froh, als heute morgen dein sehnlichst erwarteter Brief
kam! – Ich kann dir nicht mehr lang schreiben. Das geht hier nicht.
Aber ich danke dir für diesen lieben Brief und für die schönen, schönen Karten.
Ich schämte mich, sie so ahnungslos mit einem so dürftigen Abbild erwidert zu
haben1, wenn ich mich nicht freute über dieses
Begegnen in Gedanken. –
Fränzeli!! Ich bin mit allen meinen guten Gedanken bei ihr, so
hoffnungsvoll und getrost als nur möglich, aber irgendwie auch mit dem geheimen
Zittern, mit dem man als Beschädigter solche Vorgänge verfolgt. Ich glaube auch:
es mußte für sie so kommen, und zwar auch bald so
kommen. Und daß sie dieser Entscheidung doch so in deiner Nähe entgegengehen konnte, das
tröstet mich fast am meisten. Von daher kommend, hat sie sicher aus
dem Teil ihres Wesens gehandelt, den ich als ihren echtesten
und nächsten ansprechen möchte. Ich schreibe ihr dann von Bonn aus. – –
An Nelly schrieb
ich gestern darüber, nachdem ich einen zweiten Brief von H. Traub2 empfangen hatte, der nun in alle
Details hinein ihre Überlegungen zu Fr.
Verlobung3 miterleben muß. Ich zeige dir
den Brief dann hier. Sie dauert mich. –
392 Wegen deines Wohnens hier will ich noch mit Lempp sprechen. Ich glaube auch gar nicht, daß
sie es räumlich schaffen können, wenn Merzens da sind, und werde ihm wohl sagen, daß ich dich im Hospiz
einmiete. Wir sind dann viel freier und uneingesehener, und das ist
in jeder Hinsicht besser. –
Gestern war ich bei meiner alten Tante4
in Starnberg. Sie war sehr lieb und sprach sehr lieb von dir. Das
hat mir so wohlgetan. Sonst ist Alles schwer hier. –
Lieber Karl, ich freue mich, wie es auch sei, wenn wir wieder zusammen sind. Ich
glaube nicht, daß es Katzen hagelt, sondern ich glaube eher, daß
sie etwas beizubiegen versuchen.
Ganz bei dir