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von Kirschbaum an B. in Bern
Da liege ich halt immer noch auf der Nase. Es ist nicht mehr schlimm, aber
auf meine zwei Beine gestellt, bin ich ein wackeliger Kunde. – Aber du mußt dich nicht
ängstigen. Ich halte ganz schön still, und Frau Pfarrer Landgrebe pflegt mich rührend,
wahrscheinlich ist es ganz gut, daß ich einmal ein paar Tage im Bett sein
muß. – Von außen läuft nicht viel. Alle wichtige Post
geht an dich weiter. Dem Brief von Bockemühl1 liegt wohl ein kleines Mißverständnis zugrunde
hinsichtlich Eduards und meiner
«Enttäuschung». Aber es kann nichts
schaden, wenn sie der
B. K. Beine machen. –
Was in Kohlfurterbrücke beraten und besprochen wird, dafür kann ich nicht
gut stehen. Das muß seinen Lauf nehmen. – – Die Predigt in Cronen|465berg2 kannst du schwerlich
auch noch schaffen. Es häufen sich die Anfragen bereits. Am 10. wollen dich
die Studenten gerne
hier in Fricks Kirche.3 Vom 11.-16. sind Prüfungen. Darüber schreibt
Wolf dir. Er war gestern da
und hat einen Nachmittag lang in deinem Zimmer an der Weimarana gearbeitet.
Das war sehr seltsam, da Jemanden nebenan arbeiten zu
hören, einen Lichtschein zu sehen, und es war nicht K. Ich
war ganz froh, als er fertig war. – –
Wie geht es dir in Bern? Ich
sprach mit Eduard über die vielen
«Sorgen» deiner Mutter. Er meint,
das sei eine für viele ältere Schweizer typische Haltung. Vielleicht kannst
du ihr doch ein wenig helfen? –
Von Lili kam ein guter
Brief.4 Sie war in der
Tat im Begriff abzugehen. Nun aber traf mein Anruf zusammen mit eigenen
Bedenken. Sie will umsatteln und Theologie studieren. – Ich bin sehr froh darüber. Die Gute, sie hat es auch schwer und täuscht die Anderen so leicht durch ihr
Lebhaftsein.
466 Heute morgen kam die Grindelwald-Zeitung.5 Hab vielen Dank. Die zweite gab ich an Joggeli weiter. - Denk, die kleine Lore Schlomka ist sehr krank, mußte in die Klinik
eingeliefert werden. Frau
Schl. ist sehr besorgt.6 Ich sah sie die ganzen Tage
nicht. Über eine Karte von dir wäre sie gewiß froh
(Helmholtzstr. 40).
Ob du meinen großen Brief bekommen hast? Als ich den Schluß schrieb in Köln,
drehte sich mir schon Alles vor den Augen. Stimmte es denn noch?? – Grüß die
Buben. – Träublein war heute früh
rasch da. Er hat jetzt drei Wochen das volle Pfarramt. Das ist viel, aber Schwester Helene ist zufrieden mit ihm. Da macht er es
sicher ordentlich. Zu mir ist er rührend. –
Matthis besucht mich zweimal am
Tage und hält mich auf dem Laufenden über sein Wohlergehen und seine
Wünsche. Er ist so seelenvergnügt, wenn er seine Ruhe hat; will am Samstag
zum dritten Mal in Wallenstein! «Es war halt so
schön.»
Leb wohl, sehr lieber Karl. Am 1., wenn du heimkommst, ist Alles wieder
gut.
Es grüßt dich
Am Montag will N. wiederkommen.
Sie rief gestern abend an. Es geht ihr anscheinend gut
dort.
War Maury schon da?
Laß dir von ihm den Brief von Emil Brunner7 zeigen. Unerhört. Da ist
kein «Nein»8 zu schroff.
Lili schickte mir eine
Abschrift.
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Bleibtreu schickte uns wunderbare
gelbe Narzissen, und von Träublein stehen schöne weiße Tulpen da, fast schon ein
Stücklein Frühling.