1919

Der Generalstreik im November 1918

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DER GENERALSTREIK IM NOVEMBER 1918

1919

  Der schweizerische Landes- oder Generalstreik im November 1918 war eine der schwersten politischen Krisen des Schweizer Bundesstaates. Er bestand aus drei Phasen: Einmal aus einem 24-stündigen Proteststreik in 19 Städten am 9. November, der gegen die Anwesenheit von Militär in Zürich gerichtet war, dann aus einem zürcherischen Generalstreik vom 10. bis 11. November und schließlich aus dem schweizerischen Landesstreik vom 11./12. bis 14. November 1918. In der grundlegenden Darstellung der Ereignisse von W. Gautschi1 findet sich zum geschichtlichen Hintergrund folgende Zusammenfassung:

Zürich galt bei den Bürgerlichen ganz allgemein als der Ort, der am stärksten gefährdet war, sollte eine revolutionäre Bewegung im Ausland auf die Schweiz übergreifen. [...] Der Radikalismus der Zürcher Arbeiter war weitgehend bedingt durch die industriellen Verhältnisse und die sozialen Spannungen in dieser größten Schweizerstadt. Auch der Einfluß der vielen in Zürich lebenden ausländischen Deserteure und Refraktäre, vor allem der russischen Bolschewiki, darf nicht übersehen werden. [...]

Die schwelende Unzufriedenheit bei den sonst eher kleinbürgerlich gesinnten Angestellten hatte am 30. September und 1. Oktober 1918 zu einem Arbeitsausstand des Zürcher Bankpersonals geführt. [...] Die Zürcher Arbeiterunion hatte aus Solidarität – wohl auch um die Bankangestellten politisch zu gewinnen – zur Unterstützung [von deren] Forderungen einen städtischen Generalstreik ausgelöst und stellte für die Bankangestellten Streikposten. [...] Eine Verständigung kam erst durch Vermittlung des Zürcher Regierungsrates zustande. [...] Am Abend des 1. Oktober konnte die Staatskanzlei mitteilen, eine Einigung sei zustande gekommen und das Banken-Syndikat habe die Forderungen des Personals erfüllt. Die Arbeiterunion beschloß darauf, den städtischen Generalstreik abzubrechen.

Die Vorfälle, die sich im Zusammenhang mit dem Beamtenstreik ereignet hatten, steigerten die Beunruhigung der bürgerlich gesinnten |445 Kreise. Manchen erschien dieser städtische Generalstreik als Hauptprobe eines umfassenden Generalstreiks mit weiter gesteckten Zielen. Die unmittelbare Gefahr schätzte man zwar vorderhand eher gering ein, doch hatten Mitglieder der zürcherischen Regierung durch «vertrauliche Rücksprache» mit einzelnen Führern der Sozialdemokratie erfahren, daß im Falle «größerer revolutionärer Bewegungen» im Auslande, die auf das nahende Kriegsende zu erwarten waren, die Möglichkeit bestehe, daß «der Funke von jenseits der Grenzen dann zu uns herüberspringe».

Als in den ersten Novembertagen der Zusammenbruch der Zentralmächte zur Tatsache wurde und die ersten Nachrichten vom Aufstande der Kieler Matrosen in die Schweiz gelangten, schien die Voraussetzung zur Auslösung einer putschartigen Aktion gegeben zu sein, dies um so mehr, als die auf den 7. November 1918 angesetzten Feiern zum Jahrestag der russischen Revolution einen Ausbruch revolutionärer Gefühle erwarten ließen.2

Selbstverständlich hatte Barth im November 1918 die Ereignisse «in diesen außerordentlichen Zeiten»3 mit großer Anteilnahme verfolgt. Die detailgenauen Ausführungen in seinem Referat vor dem Arbeiterverein in Safenwil lassen vermuten, dass er Zeitungsartikel zu den Geschehnissen in einem Dossier gesammelt hatte, nach denen er an Hand der Stichwortnotizen die Abläufe referieren konnte. Leider hat er diese Sammlung – anders als die entsprechende Zusammenstellung zum Fabrikgesetz4 – nicht aufbewahrt. Doch zeigt die Recherche deutlich, dass seine Hauptquelle die Nachrichten und Berichte der von ihm im Abonnement bezogenen «Basler Nachrichten» waren, aus denen sich nahezu alle Stichworte konkretisieren und an Hand deren sich auch zunächst unlesbare Stellen schließlich doch entziffern ließen. Ein auf den ersten Blick unerklärliches Detail – die veränderte Reihenfolge, in der Barth die Forderungen des Oltener Komitees wiedergibt5 – erhärtet die Annahme, dass die Quelle seiner Ausführungen ganz überwiegend in den «Basler Nachrichten» zu sehen ist.

446 Barths Bedürfnis, im Februar 1919 über die Vorgänge vor und während des Landesstreiks zur Klarheit zu kommen und, wie er eingangs sagt, «daraus zu lernen», hatte wohl vor allem zwei Gründe: Zum einen stand die juristische Würdigung der Ereignisse im Landesstreikprozess bevor.6 Zum anderen hatte Barths Haltung zum Landesstreik in seiner Gemeinde und in der «Kirchenpflege» (dem Kirchgemeinderat bzw. dem Presbyterium) lebhafte Auseinandersetzungen provoziert, die schließlich zum Rücktritt des Präsidenten und dreier weiterer Mitglieder der Kirchenpflege führten.7 Am 20. Februar 1919 stand die letzte Sitzung der Kirchenpflege in der alten Zusammensetzung bevor. Auch im Blick darauf mag es Barth wichtig gewesen sein, die Ereignisse noch einmal zu reflektieren.

Fr.-W. Marquardt hat die Diskussionen in der Kirchenpflege an Hand der zu jener Zeit von Barth selber als «Aktuar» (Schriftführer) geschriebenen Protokolle der Sitzungen dargestellt.8 In der Sitzung vom 15. November 1918 kündigte der Präsident der Kirchenpflege für die folgende Woche eine Sondersitzung an, in der es um Äußerungen des Pfarrers zum Landesstreik gehen solle. Er bezog sich dabei auf die «Enthüllungen», wie Barth ironisch protokolliert, die Ernst Hüssy-Senn bei einer freisinnigen Versammlung gemacht habe: «Einer der schlimmsten Anhänger des Sozialismus sei der Pfarrer. Er habe nämlich in einem Privatgespräch in einer Familie den Generalstreik verherrlicht, indem er geäußert habe, der Bundesrat lasse die armen Kinder verhungern und der Streik sei notwendig wegen der von der S. B. B. bezahlten Hungerlöhne. Er habe ferner bedauert, gegenwärtig infolge der Grippe nicht predigen zu können, ansonst er auch noch etwas zu sagen hätte.»9 In der Sondersitzung vom 20. November 1918 teilte der Präsident einleitend mit: «dass das beanstandete Gespräch in der Familie des Herrn Hüssy-Kunz geführt worden sei». Die Wiedergabe |447 durch Herrn Hüssy-Senn «hat sich nach den Mitteilungen von Hrn. Hüssy-Kunz als gänzlich entstellt herausgestellt. Die namhaft gemachten Äusserungen sind nicht gefallen. Der Pfarrer hat den Generalstreik nicht ‹verherrlicht›, wohl aber die Ansicht vertreten, er sei eine notwendige Folge der allgemeinen Lage und der herrschenden Politik.»10 In der Diskussion stellte Barth klar: «Zur Sache selbst ist zu sagen, daß es sich nicht um eine Verherrlichung, aber um ein ruhiges Begreifen des Generalstreiks handelt. Der Gebrauch von Gewalt ist selbstverständlich vom Bösen. Aber mit dieser Feststellung ist die absolute Verurteilung einer solchen Erscheinung noch nicht gerechtfertigt. Es ist übrigens mindestens die Frage, von welcher Seite mit der Drohung oder mit dem Gebrauch von Gewalt der Anfang gemacht worden ist. Die Freiheit, solche Erwägungen auszusprechen, wo es sei, kann sich der Pfarrer nicht beschneiden lassen.»11

Der Generalstreik im Nov[ember] 1918

18. II 19

1. Ein in viel Dunkel gehülltes Ereignis. Einer der merkwürdigsten Punkte d. Geschichte, speziell auch des schweiz[erischen] Sozialismus. Alle unbedingten Urteile zu verwerfen. Große Möglichkeiten u. Gefahren taten sich auf, 2 Welten traten sich gegenüber. Zu einer Entscheidung kams nicht. Die Spannung besteht weiter. Umso mehr daraus zu lernen.

2. Die allgem. Lage Anfang Nov.: Deutscher u. österr. Rückzug.12 |448 Abfall von Türkei u. Bulgarien13 3.14 Österr. Waffenstillstand.15 «Neuer Kurs» in Deutschland16 4. Kundgebungen in Stuttgart u. |449 München.17 Aufruf der Reichsregierung18 6. Ausweisung d. Sovjetgesandtschaft aus Berlin19 7. Aufstand in Kiel.20 Waffenstillstandsver|450handl[un]g21 8. Ultimatum d. Soz[ial]dem[okraten] an den Kaiser.22 Republik in Bayern23 9. Abdankung Wilhelms II.24 Revol[ution] in Berlin25 10. Waffenstillstandsbedingungen.26 Regierung Ebert.27 Wil|451helm II. nach Holland.28 Karl I.  abgedankt.29 Republik in Österreich30 – Proklamation des schweiz. Generalstreiks.31

Dieser Zus[ammen]hang zeigt a) den Zus[ammen]bruch der stärksten Stützen des bisherigen Systems b) die sich meldende neue Zeit, ihrer selbst noch ungewiß[.] Die Frage wird für ganz Europa akut: ist das Alte vergangen, ein Neues im Kommen [vgl. 2.Kor. 5,17]. Irgendwie mußten wir dazu Stellung nahmen

3. Bericht über d. Tatsächliche. 1.32 Aufruf d. Geschäftsleitung zur Feier der russ. Revol. (7. XI 17)33 Zeigt, daß die Lage begriffen war. |452 Obs mit den Folgerungen ernst werden sollte, ernst gemeint war? 2. Meldungen von «Umtrieben». 10 Mill. «D. Schweizervolk wittert»34 6. Zürcher Regierung verlangt Militär a) psycholog. Moment35 b) Abreise des Bat[aillons] 1836 c) Mitteilung einer Amtsperson über Bomben37 d) Hetzartikel[.]38 2 Inf[anterie] Reg[imenter] 2 Kav[allerie] |453 Brig[aden]39 7. Nochmals 2 Inf. Reg[.] 2 Kav. Brig.40[,] «steht außer Zweifel[»,] bestimmter Plan, Anschlag auf Staatsgewalt.41 Regierung in Kaserne. Sonderegger.42 Manifest von Herzog[,] «Führer d. Jung|454burschen».43 Arbeiterunion wehrt ab: n[icht] veranlaßt, beweisen. Aktion wie bisher.44 Aber Platten u. Jugend beschließen Kundgebung |455 auf 10.XI45 8. Aufruf des B[undes]R[ates]: Ordnung[,] daher Militär. Wir haben Alles getan!46 Aufruf d. O[ltener] K[omitees47:] Vermutungen! 24stünd. Proteststreik48 9. Zürcher Regierung: das Ausland!49 |456 Nicht gegen d. Arbeiter! Ordnung!50 – Grimm in Bern: polit. Macht[,] aber unblutig!51 «Entdeckungen» der Freisinnigen in Zürich.52 Auflauf am Paradeplatz53 10. Verhandlungen scheitern.54 Generalstreik.55 |457 Aufforderungen an SBB etc.56 Neue Aufgebote.57 Zusammenstoß in Zürich.58 Olten[er] Programm59 11. Neue Aufgebote u. Strafdrohungen.60 Konzessionen in Zürich (3 Demissionen, 8[-­]St[un]d[en-]Tag[,] Truppen weg)61 u. Basel (2 Demissionen, Truppen weg)62 12. B[un|458des-]Vers[ammlung]!63 (Sonderegger: unsre Truppen sind mit Handgranaten ...)64 Calonder: Vertret[un]g der Soz[ialisten] im B[undes-] R[at]. Sozialpol[itische] Vereinbarungen.65 Grimm fragt nach Gründen!66 13. Militär Aktion gegen Komitee67 u. Zeitungen68. Zus.stoß in |459 Grenchen.69 Streikabbruch (Eisenbahner, Versprechungen, nicht vor Masch[inen]gewehren[,] d. Kampf geht weiter)70

460 4. Die Ursachen[:] Bolschewist[ische] Agitation. Vorhanden*72, genügt aber nicht zur Erklärung. Große Teile d. Arbeiterschaft wollten.73 Über Geld nichts bewiesen74 (Parteikassenbücher!) Gründe[:] Tiefgreifende Unzufriedenheit mit den Bundesbehörden, die sich mit Deutschland kompromittiert hatten.75 Mangelnde Fürsorge76 (der Staat ohnmächtig gegen Schieber u. Wucherer)77 Preispolitik (cf. Steiger in B[asler] N[achrichten])78 Kein Entgegenkommen (SBB)79 Militarismus. Anarchie von oben.80 Zum Rechten sehen! Darum: Festbe|461soldete81, Helvet[ische] Gesellschaft82, Zofingia Zürich83[.] Demokratie[.] Ja wo war sie? Proporz!84

5. Der Anlaß: Komplott oder Angstschwindel? Hier auf einmal starke Hand, größte Vorsorge. Und die Tatsachen? Nichts bewiesen (Interpell[ation] Müller!)85 Wille u. das Zürcheraufgebot.86 Gertsch in Bern.87 Sprecher gegen Wildbolz.88 Warum die Konzessionen[,] wenn gutes Gewissen? Eher der Preußengeist d. Armeeleitung schuld. Dis|462lozierungen!89 Bürgerwehren!90 Wie Deutschland 1914 «angegriffen». Wehrlosigkeit d. Arbeiterschaft. Ausland!91

Das Olte[ne]r Komitee hat immerhin entscheidende Beschlüsse gefaßt: Die gewöhnl. Mittel genügen nicht mehr. Streik ist nicht Gewalt, aber auf d. Weg dazu. Zweifellos Gedanke an Umsturz. Lag in dieser Richtung nicht ein böser Irrtum über die Lage? Weltgeschichtl. Betrunkenheit? Eine Folge der vielen Phrasen? Gefangen im eigenen Netz?92 Siegen oder Sterben!93

6. Folgen Dem Bürgertum ist die Gefahr d. Lage klar geworden. Was wird es tun? Reaktion? Dann kommts erst recht. Ernster Wille? Aber dann bald

Und wir? Haben das Halsbrecherische d. Systems Platten94 erkannt, andrerseits die große Arbeit, die zu tun ist.

Beilagen

1. Aufruf d. Parteileitung am 1. XI 1895

Schon rötet die nahende Revol[ution] den Himmel über Zentraleuropa. Der erlösende Brand wird d. ganze morsche blutdurchtränkte Gebäude der kapitalist. Welt erfassen. Eine neue Ära öffnet sich, die Ära d. Kampfes um die Befreiung der Volksmassen von Druck u. Ausbeutung, Hunger u. Krieg, die Ära d. Sozialismus. Indem das Prol[etariat] aller Länder das Banner der soz[ialen] Revol. erhebt, wird es nicht nur die russ. Arbeiterrevol. von den ihr drohenden Gefahren erretten, es wird s[eine] eigenen Fesseln abstreifen. Unsre Aufgabe ist es, das Prol. für diese nahenden Kämpfe zu wappnen. Arbeiter |463 d. Schweiz, zeigt, daß ihr gewillt seid, in der neuen Internationale den euch gebührenden Platz zu beanspruchen!

2. Olten[er] Programm96

Wir fordern: 1. Neuwahl des N[ational-]R[ates]
2. Frauenstimmrecht
3. Reorganis[ation] der Armee
4. Lebensmittelversorgung
5. 48[-­]St[unden-]Woche
6. Allgem. Arbeitspflicht
7. Staatsmonopole f. Export u. Import
8. Alters- u. Invalidenversicherung
9. Schuldentilgung durch die Besitzenden

Siegen oder Sterben!97

3. Steiger in den Bas[.] Nachr. 2. XII 18

Die Ursachen der enormen Teuerung sind heute zu einem beträchtl. Teil im eigenen Lande zu suchen u. die Preissteigerung vieler Artikel wäre nicht in dem Umfang eingetreten, wenn die Bundesbehörden bei Zeiten einem künstl. Hinauftreiben d. Riegel gestoßen hätten.98

Sachfußnoten

1
W. Gautschi, Der Landesstreik 1918, Zürich 19883 📖 (im folgenden zitiert: Gautschi).↩
2
Gautschi, S. 225–227 📖.↩
3
Bw.Th. I, S. 299. 📖↩
4
Siehe oben S. 10.↩
5
Siehe unten S. 463, Anm. 96.↩
6
Gautschi, S. 350–359 📖.↩
7
Vgl. Busch, S. 119 📖.↩
8
Fr.-W. Marquardt, Der Aktuar. Aus Barths Pfarramt, in: Einwürfe, hrsg. von Fr.-W. Marquardt, D. Schellong, M. Weinrich und dem Chr. Kaiser Verlag, [Bd.] 3: Karl Barth: Der Störenfried?, München 1986, S. 93–139 📖.↩
9
A.a.O., S. 128 📖, nach der Vorlage korrigiert. Vom 20. Oktober bis zum 17. November 1918 fanden in Safenwil wegen der Grippe-Pandemie keine Gottesdienste statt.↩
10
Vgl. a.a.O., S. 129 📖.↩
11
A.a.O., S. 130 📖.↩
12
Am 29.9.1918 war es den Armeen der Entente an der Westfront gelungen, die deutschen Linien zu durchbrechen. Am selben Tag forderte die Oberste Heeresleitung die deutsche Regierung auf, den Gegnern innert 24 Stunden einen Waffenstillstand und den Frieden anzubieten, was jedoch erst am 4.10. geschah (BN, Jg. 74, Nr. 468 vom 7.10.1918 [Mittagsausgabe], S. [1] 📖). Anfang November häuften sich die Berichte über den Rückzug der Truppen der Mittelmächte: BN, Jg. 74, Nr. 513 vom 2.11.1918 (1. Blatt), S. [3]; Nr. 514 vom 2.11.1918 (2. Blatt), S. [1f.]; Nr. 516 vom 4.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1], usw. – Am 28.10.1918 hatten alliierte Truppen die österreichisch-ungarische Front am Piave durchbrochen (BN, Jg. 74, Nr. 507 vom 30.10.1918 [1. Blatt], S. [2]; Nr. 509 vom 31.10.1918 [1. Blatt], S. [2]), woraufhin die Wiener Regierung um Waffenstillstand bitten musste und den Rückzug ankündigte (BN, Jg. 74, Nr. 510 vom 31.10.1918 [2. Blatt], S. [1]).↩
13
Bulgarien hatte bereits am 27.9.1918 um einen Waffenstillstand ersucht, nachdem seine Armee an der mazedonischen Front in ernste Schwierigkeiten geraten war (BN, Jg. 74, Nr. 453 vom 28.9.1918 [1. Blatt], S. [3] 📖; Nr. 454 vom 28.9.1918 [2. Blatt], S. [1f.]). - Nach schweren Niederlagen in Palästina musste am 31.10.1918 auch die Türkei einen Waffenstillstand mit der Entente schließen (BN, Jg. 74, Nr. 505 vom 29.10.1918 [1. Blatt], S. [2]; Nr. 512 vom 1.11.1918 [2. Blatt], S. [1f.]).↩
14
Die Ziffern bezeichnen das jeweilige Tagesdatum im November 1918: 3.11.1918 usw.↩
15
Die BN, Jg. 74, Nr. 511 vom 1.11.1918 (1. Blatt), S. [1] 📖, meldeten bereits: «Der Auflösungsprozeß Österreich-Ungarns vollzieht sich ungemein rasch.» Am 3.11. trat der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und der Entente in Kraft (BN, Jg. 74, Nr. 516 vom 4.11.1918 [Mittagsausgabe], S. [1]).↩
16
Am 30.9. demissionierte der deutsche Reichskanzler Graf Hertling. In dem Erlass, mit dem er den Rücktritt annahm, erklärte Kaiser Wilhelm II.: «Ich wünsche, daß das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeite» (BN, Jg. 74, Nr. 458 vom 1.10.1918 [2. Blatt], S. [2] 📖). Am 3.10. wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ernannt. Er bildete eine Regierung aus den Führern der großen parlamentarischen Parteien (u. a. Philipp Scheidemann von der SPD und Matthias Erzberger vom Zentrum) und strebte innenpolitisch eine Änderung der Verfassung im Sinne einer «politischen Mündigkeit des deutschen Volkes» an (so in einer Rede vor dem Reichstag am 22.10: BN, Jg. 74, Nr. 496 vom 23.10.1918 [2. Blatt], S. [1]). Über den Demokratisierungsprozess in Deutschland berichteten die BN in den folgenden Wochen jeweils unter dem Titel «Der neue Kurs» (BN, Nr. 468 vom 7.10.1918 [Mittagsausgabe], S. [6], bis BN, Nr. 523 vom 8.11.1918 [1. Blatt], S. [2]). Das wichtigste Ergebnis der Verfassungsreformen, die zwischen dem 24. und 28. Oktober vom Reichstag, vom Bundesrat und vom Kaiser angenommen wurden, war die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in Preußen und die Bestimmung, nach der der Reichskanzler gegenüber dem Parlament verantwortlich gemacht wurde (s. auch unten Anm. 18).↩
17
Die BN, Jg. 74, Nr. 518 vom 5.11.1918 (2. Blatt), S. [3] 📖, berichteten über «Friedenskundgebungen» der «Unabhängigen Sozialisten» am 3.11. in München und über «größere Kundgebungen der Unabhängigen Sozialdemokraten» am 4.11. in Stuttgart.↩
18
Am 4.11. erließ die Regierung unter Reichskanzler Prinz Max von Baden einen Aufruf an das deutsche Volk, in dem es u. a. heißt: «Die Not der Zeit lastet auf der Welt und auf dem deutschen Volke. Wir müssen diese schweren Tage und ihre Folgen überwinden. Heute schon müssen wir arbeiten für die glücklicheren Zeiten, auf die das deutsche Volk ein Anrecht hat. Die neue Regierung ist am Werke, diese Arbeit zu leisten.» «Wir brauchen in allen Teilen des Staates und des Reiches die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit durch das Volk selbst. Wir haben Vertrauen zu dem Volk. Es hat sich in vier furchtbaren Kriegsjahren glänzend bewährt. Es wird sich nicht von Phantasten sinnlos und nutzlos in neues Elend und Verderben hineintreiben lassen. Selbstzucht und Ordnung tun not.» «Die gesicherte Zukunft Deutschlands ist unser Leitsatz» (BN, Jg. 74, Nr. 519 vom 6.11.1918 [1. Blatt], S. [2] 📖).↩
19
Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetregierung durch die deutsche Regierung am 5.11.1918 meldeten die BN, Jg. 74, Nr. 520 vom 6.11.1918 (2. Blatt), S. [2f.] 📖: «Am 4. November traf von Moskau kommend ein Kurier der hiesigen diplomatischen Vertretung der Sowjetregierung auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Beim Hinuntertragen des Gepäcks vom Bahnsteig wurde eine der Kisten durch Anstoßen beschädigt, so daß die darin befindlichen Papiere auf den Boden fielen. Diese Papiere waren, wie sich herausstellte, in deutscher Sprache gedruckte Flugblätter, die die deutschen Arbeiter und Soldaten zum sofortigen Umsturz aufforderten. Eines der Flugblätter, das von der internationalen Spartacus-Gruppe unterzeichnet war, enthält einen Aufruf zum revolutionären Kampf, während ein anderes Flugblatt die näheren Anweisungen für diesen Kampf gibt, welche zum Meuchelmord und zum Terror auffordern. [...] Die deutsche Regierung hat von der russischen Regierung Bürgschaften dafür verlangt, daß in Zukunft von ihren Organen keinerlei revolutionäre Agitation und Propaganda gegen die staatlichen Einrichtungen in Deutschland geduldet werden [...]. Die russische Regierung wurde ersucht, bis zur Erfüllung dieser Forderung ihre gesamten amtlichen Vertreter aus Deutschland zurückzuziehen, ebenso wurden alle amtlichen Vertreter in Rußland abberufen.» Vgl. Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [2]).↩
20
Die BN, Jg. 74, Nr. 519 vom 6.11.1918 (Beilage zum 1. Blatt), S. [3] 📖, berichteten von Unruhen in Kiel, «an denen sich Marinemannschaften und Arbeiter beteiligten, nachdem ein Führer der Unabhängigen Sozialisten in einer Versammlung gesprochen hatte. Die Demonstranten beabsichtigten, zahlreiche wegen schwerer Gehorsamsverweigerung in den Militär-Arrestanstalten sitzende Mannschaften des dritten Geschwaders gewaltsam zu befreien. Dabei kam es zu Zusammenstößen, wobei acht Personen getötet und 29 verwundet wurden. [...] Der Gouverneur hat später eine Abordnung der Mannschaften empfangen, um neues Blutvergießen zu vermeiden. Am Nachmittag unternahm man mit den freigelassenen Arrestanten des dritten Geschwaders einen großen Umzug durch die Stadt. Im Zuge wurden rote Fahnen getragen.» Vgl. BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [2]; Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1].↩
21
Staatssekretär M. Erzberger und weitere Bevollmächtige führten vom 8. bis 11.11.1918 in Compiègne Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Oberkommando der Ententemächte und dessen Sprecher Marschall Foch (BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 [1. Blatt], S. [1] 📖; Nr. 526 vom 10.11.1918 [Beilage zum Sonntagsblatt], S. [1]).↩
22
Die BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.18 (1. Blatt), S. [1] 📖, meldeten über das «Ultimatum der Sozialdemokraten an den Kaiser» vom 7.11.1918: «Die Sozialdemokratie fordert, daß 1. die Versammlungsverbote für heute aufgehoben; 2. Polizei und Militär zur äußersten Zurückhaltung angehalten werden; 3. die preußische Regierung sofort im Sinne der Reichtagsmehrheit umgewandelt werde; 4. der sozialdemokratische Einfluß in der Reichtagsmehrheit verstärkt wird; 5. die Abdankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen bis Freitag [8.11.] mittag verwirklicht wird. Bei Nichterfüllung der Forderungen treten die Sozialdemokraten aus der Regierung aus.»↩
23
Am 8.11. proklamierte Kurt Eisner in München die bayerische Republik: «Volksgenossen! Nach jahrelanger Knechtung hat das Volk die Machthaber gestürzt und die Regierung selbst in die Hand genommen. Die bayrische Republik wird hierdurch proklamiert. […] Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!» (BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1] 📖).↩
24
Prinz Max von Baden gab am Mittag des 9.11. die Abdankung Wilhelms II. bekannt: «Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der Reichskanzler [...] beabsichtigt, [...] die Ernennung des Abgeordneten Ebert zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfes wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassungsgebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform des deutschen Volkes […] endgültig festzusetzen» (BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1f.] 📖).↩
25
BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1] 📖: «Die Revolution in Deutschland. Reichskanzler Ebert hat eine neue sozialistische Regierung gebildet. Scheidemann proklamierte den Sturz der Monarchie. Der Arbeiter- und Soldatenrat (A. S. R.) hielt am Samstag [9.11.] im Reichstagsgebäude seine erste Sitzung ab und übernahm die innere militärische Leitung».↩
26
Das vom Obersten Kriegsrat der Alliierten der deutschen Delegation in ultimativer Form auferlegte Waffenstillstandsabkommen enthielt 34 Artikel, in denen wichtige Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages vorweggenommen wurden. In den BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1] 📖, wurden unter der Schlagzeile «Die Waffenstillstandsbedingungen» 18 dieser Bedingungen abgedruckt.↩
27
In ihrem Ultimatum vom 7.11. hatte die SPD-Fraktion im Reichstag praktisch die Regierungsgewalt beansprucht. Fr. Ebert wurde daraufhin am 9.11. Reichskanzler, und zwar durch einfache Amtsübergabe von seinem Vorgänger Prinz Max von Baden. Er konnte bereits am 10.11. eine Regierung bilden, die sich «Rat der Volksbeauftragten» nannte und an der neben Vertretern der gemäßigten Mehrheitssozialisten auch Vertreter der radikalen USPD beteiligt waren (BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 [Mittagsausgabe], S. [1] 📖).↩
28
BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [3] 📖: «Der deutsche Kaiser in Holland. Berlin, 10. Nov. Der Kaiser ist heute vormittag in Arnheim in Holland eingetroffen».↩
29
Der österreichische Kaiser Karl I.  erklärte in seinem letzten Manifest vom 11.11.1918 zwar nicht seinen Verzicht auf den Thron, verzichtete jedoch auf jeglichen Anteil an den Staatsgeschäften: «Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle meine Völker erfüllt, will ich ihrer freien Entfaltung meine Person nicht als Hindernis entgegenstellen» (BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 [2. Blatt], S. [1] 📖).↩
30
Nach dem Regierungsverzicht Karls I.  unterbreitete der deutsch-österreichische Staatsrat der provisorischen Nationalversammlung am 12.11. ein Gesetz über die Staatsform, nach dem «Deutsch-Österreich» eine demokratische Republik und als solche Bestandteil der Deutschen Republik sein sollte (BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 [2. Blatt], S. [1] 📖).↩
31
Der schweizerische Landesstreik wurde in der Nacht vom 10. auf den 11.11.1918 proklamiert, s. unten S. 456, Anm. 55.↩
32
Die Ziffern bezeichnen das jeweilige Tagesdatum im November 1918: 1.11.1918 usw.↩
33
Die Geschäftsleitung der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz veröffentlichte ihren «Aufruf zur Revolutionsfeier», der sich auf die russische Oktoberrevolution vom 7.11.1917 bezog, am 31.10.1918 in der Zürcher Parteizeitung «Volksrecht». Der Text ist vollständig abgedruckt in Gautschi, Dokumente, S. 155–157 📖, zur Vorgeschichte vgl. Gautschi, S. 154f 📖. Barth zitiert die Schlusspassage daraus in der ersten «Beilage» (s. unten S. 462f.). Der 1.11.1918, den er dabei als Datum nennt, erklärt sich daraus, dass die von ihm gelesenen BN den Aufruf gekürzt am 2.11.1918 (Jg. 74, Nr. 513, 1. Blatt, S. [3] 📖) unter Meldungen vom 1.11.1918 ohne Hinweis auf die zuvor erfolgte Veröffentlichung im «Volksrecht» brachten.↩
34
BN, Jg. 74, 1. Beilage zu Nr. 515 vom 3.11.1918, S. [5] 📖: «Es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß die große Mehrheit des Schweizervolkes die Anwendung von Gewalt in jeder Form verpönt. Deshalb ist es erklärlich, daß es mit Argusaugen darüber wacht, was Unruhen zu bringen geeignet wäre. In neuester Zeit wittert es, wohl nicht mit Unrecht, eine Gefahr in den bolschewistischen Umtrieben, die sich in verschiedenen Formen geltend machen. Man hat davon gehört, […] daß viele Millionen für Rechnung der Bolschewiki bei schweizerischen Banken deponiert sein sollen usw.» In diesem Zusammenhang waren «10 Millionen Rubel» in den BN, Nr. 512 vom 1.11.1918 (2. Blatt), S. [3], genannt worden; vgl. dazu auch P. Schmid-Ammann, Die Wahrheit über den Generalstreik von 1918. Seine Ursachen. Sein Verlauf. Seine Folgen, Zürich 1968, S. 204 📖.↩
35
BN, Jg. 74, Nr. 521 vom 7.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖: «Bern, 6. Nov. […] Die Zürcher Regierung verlangte das Truppenaufgebot im Hinblick darauf, daß gewisse Anzeichen vorhanden sind, wonach in Zürich im Zusammenhang mit dem Jahrestag der russischen Revolution Unruhen zu erwarten sind. Der Bundesrat leistete diesem Verlangen Folge in der Meinung, daß das Truppenaufgebot rein vorbeugenden Charakter trage und in der Hoffnung, daß es dazu beitragen werde, jegliche Ruhestörung zu vermeiden.» Vgl. auch Gautschi, S. 227–232 📖.↩
36
Die Armeeführung hatte am 4.11.1918 den Abzug des in Zürich stationierten Neuenburger Bataillons 18 angeordnet; vgl. BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [3] 📖; vgl. unten Anm. 38; vgl. auch Gautschi, S. 206 📖.↩
37
BN, a.a.O. S. [2] 📖: Zur «Begründung des Militäraufgebots» wird «in der Mitteilung der Zürcher Staatskanzlei» «auf den Rapport einer Amtsperson an das Platzkommando Zürich Bezug genommen, aus dem hervorgehen soll, daß in Zürich neue Bombenfunde gemacht worden sind, daß eine anarchistische Gruppe sich im Besitze von Sprengstoffen befindet und daß für die Tage vom 7. bis 10. November auf dem Platze Zürich ein terroristischer Putsch geplant war»; vgl. auch Gautschi, S. 227f. 📖; Mattmüller II, S. 404f., Anm. 26 📖.↩
38
BN, a.a.O., S. [3] 📖: In einer Erklärung des Zürcher Regierungspräsidenten nach einer Konferenz des Regierungsrates am 8.11.1918 mit Vertretern des Kantonsrates über die derzeitige Lage heißt es: «Für das Truppenaufgebot waren folgende Punkte für den Regierungsrat maßgebend: 1. die Unruhen in den Nachbarstaaten; 2. der Umstand, daß am Dienstag morgen [scil. 5.11.1918] das Bataillon 18, das bisher in Zürich stationiert war, nach der Grenze übergeführt wurde; 3. am Dienstag morgen machte ein Amtsperson dem Platzkommando Mitteilung über geplante Unruhen und Attentate; 4. mehrere Hetzartikel des ‹Volksrecht›.»↩
39
BN, Jg. 74, Nr. 521 vom 7.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖: «Der Bundesrat hat auf kürzesten Termin (Mittwoch, 6. November, nachmittags 3 Uhr) ein größeres Truppenaufgebot erlassen. Unter anderm müssen zwei Infanterie-Regimenter und zwei Kavallerie-Brigaden einschließlich Landwehrmitrailleur-Schwadronen Hals über Kopf einrücken.» Vgl. auch Gautschi, S. 238 📖; Mattmüller II, S. 405 📖.↩
40
BN, Jg. 74, Nr. 522 vom 7.11.1918 (2. Blatt), S. [3] 📖: «Neue Truppenaufgebote. Bern, 6. Nov. Der Bundesrat hat beschlossen, die Intanterieregimenter 7 (Freiburg) und 16 (Bern) sowie die Kavalleriebrigaden 1 und 2 auf Freitag den 8. November, morgens 9 Uhr, aufzubieten.»↩
41
Die BN, ebd. 📖, zitieren aus einem Artikel der NZZ (Jg. 139, Nr. 1483 vom 6.11.1918 [Abendblatt], S. [1] 📖) zum Truppenaufgebot: «Es handelt sich um Maßnahmen zum Schutze unserer staatlichen Ordnung und aller derer, die sich ihr anvertraut haben. Denn daß die auf Verfassung und Gesetz begründete Ordnung bedroht ist, steht heute außer Zweifel. Die ausländischen und inländischen Verfechter des Umsturzes, wie er von den Bolschewiki in Rußland durchgeführt worden ist, sind von der Agitation, die in zielbewußter Verhetzung der Volksmassen bestand, dazu übergegangen, einen bestimmten Plan für einen revolutionären Anschlag auf unsere Staatsgewalt, ihre Träger und ihre Schutzmittel, aufzustellen – einen Anschlag, der in den nächsten Tagen oder Wochen in der Stadt Zürich, dem Herd der ausländischen terroristischen Propaganda, ausgeführt werden soll.» Vgl. dazu Gautschi, S. 234 📖: «Die Annahme, es hätte 1918 in Zürich ein zielbewußt handelndes, aber raffiniert getarntes Revolutionskomitee bestanden, in der Art wie jenes, das in Rußland unter Führung Lenins und Trotzkis  vom 10. Oktober 1917 an systematisch den bewaffneten Umsturz organisierte und den Beginn des Aufstandes datummäßig festlegte, ist zweifellos unrichtig.»↩
42
Weiter zitieren die BN, ebd. 📖, aus dem erwähnten NZZ-Artikel: «Heute sind Infanterie- und Kavallerieabteilungen in Zürich eingerückt […]. Die Mannschaften werden dem Befehl von Oberstdivisionär Sonderegger unterstellt. Das Kommando befindet sich in der Kaserne, wo auch, zum Zwecke der zur Beherrschung der Lage erforderlichen Fühlung zwischen der Staatsverwaltung und der für die Wahrung ihrer Autorität eintretenden militärischen Gewalt, der Regierungsrat Sitzung hält.» Vgl. auch Gautschi, S. 228–239 📖; Mattmüller II, S. 405.408 📖.↩
43
BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖: «Von revolutionär-sozialdemokratischer Seite wurde ein Flugblatt verteilt, welches dem Jahrestag der Zürcher Novemberkrawalle gewidmet ist und folgende Postulate aufstellt: Befreiung aller politischen Gefangenen, Sistierung der militärischen und zivilen Prozesse […]. Im Namen der November-Toten, der Verwundeten und Eingekerkerten verlangt das Manifest die sofortige Erfüllung dieser Postulate. Es trägt die Unterschrift der kommunistischen Partei Zürich, also wohl der Leute der Gruppe Herzog, welche seinerzeit aus der offiziellen sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden waren. Auf der Rückseite des Flugblattes wendet sich die sozialdemokratische Soldatenorganisation Zürich an die Soldaten und fordert sie zur Gehorsamsverweigerung auf, falls es zu Konflikten komme.» Vgl. H. U. Jost, Linksradikalismus in der deutschen Schweiz 1914-1918, Bern 1973, S. 170f. 📖; zu den «Novemberkrawallen» 1917 vgl. a.a.O., S. 148–152; Gautschi, S. 68f. 📖; Mattmüller II, S. 350–375 📖. Die BN, Jg. 74, Nr. 524 vom 8.11.1918 (2. Blatt), S. [3], meldeten, dass das Flugblatt Herzog «zum Verfasser» habe, und zugleich, dass der «Führer der Jungburschen, Herzog», am 7.11.1918 verhaftet worden sei. Die sozialdemokratische Jungburschen-Gruppe, die sich nun «Kommunistische Partei» nannte (vgl. Jost, a.a.O., S. 171), konnte in den Landesstreik nicht mehr eingreifen.↩
44
In den Arbeiterunionen hatten sich Gewerkschaften und sozialdemokratische Organisationen zusammengeschlossen. Die BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖, meldeten: «Zürich, 7. Nov. Die Vorstände der Arbeiterunion Zürich, der sozialistischen Partei und des Gewerkschaftskartells veröffentlichen im heutigen ‹Volksrecht› folgenden Aufruf:    Arbeiter, Genossen!  Die Arbeiterschaft Zürichs, verkörpert durch die Arbeiterunion Zürich, die ihre Beschlüsse offen faßt und für alle ihre Aktionen die Verantwortung trägt, hat durch keine Maßnahmen auch nur im entferntesten ein Massenmilitär-Aufgebot veranlaßt. […] Die Arbeiterschaft Zürichs, in ihrem Bestreben nach Eroberung der politischen Macht, wird nicht zu terroristischen und konspirativen Mitteln ihre Zuflucht nehmen, sondern das Mittel der Massenaktion auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet zur Anwendung bringen. Die Tatsache, daß weder der Arbeiterunion noch den städtischen Behörden auch nicht das geringste von dem Schritte der Regierung bekannt war, beweist, daß die Maßnahmen der Regierung eine Provokation sind, auf die hereinzufallen wir die Arbeiterschaft warnen. […] Wir protestieren gegen die Militärdiktatur. Wir fordern die Arbeiter auf, sich strikte an die Losungen des Unionsverbandes zu halten, der sich durch keine Maßnahmen von seinem Wege abbringen läßt. Wir fordern den Regierungsrat des Kantons Zürich auf, seine Beweise zu veröffentlichen und damit der gesamten Öffentlichkeit für jene Behauptungen den Beweis zu erbringen, mit denen er sein Vorgehen rechtfertigt.»↩
45
BN, Jg. 74, Nr. 524 vom 8.11.1918 (2. Blatt), S. [3] 📖: «Zürich, 7. Nov. Die Arbeiterunion Zürich und die sozialdemokratische Jugendorganisation Zürichs veröffentlichen im ‹Volksrecht› eine Einladung zu einer nächsten Sonntag, 10. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem Fraumünsterplatz stattfindenden großen öffentlichen Kundgebung zur Feier des Jahrestages des Sieges der sozialistischen Revolution in Russland. Referenten sind die Genossen Fritz Platten und Paul Rüegg.» Platten war Sekretär der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, Rüegg gehörte zu der sozialdemokratischen Jugendorganisation. Vgl. auch Gautschi, S. 262 📖.↩
46
Die BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.1918 (1. Blatt), S. [2] 📖, druckten den «Aufruf des Bundesrates an das Schweizervolk» vom 7.11.1918 ab, in dem es u. a. heißt: «Wir sind fest entschlossen, die vornehmste aller unserer Pflichten zu erfüllen: Ordnung im Lande zu halten und die öffentliche Sicherheit zu schützen. Daher haben wir beschlossen, vier Infanterieregimenter und vier Kavalleriebrigaden aufzubieten.» «In diesen 4 Kriegsjahren haben wir alles getan, und wir werden fernerhin alles tun, um dem Schweizervolke und insbesondere unsern Mitbürgern mit bescheidenem Einkommen die Lebensbedingungen zu erleichtern.» Vgl. Gautschi, Dokumente, S. 196–198 📖; Gautschi, S. 250f. 📖↩
47
Das «Oltener Komitee» geht auf den «Aktionsausschuß der Oltener Konferenz» zurück, zu der sich am 4. Februar 1918 Vertreter der Sozialdemokratischen Partei und des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes getroffen hatten, um über den Widerstand der Arbeiterschaft gegen die geplante Einführung einer Zivildienstpflicht zu beraten; vgl. Gautschi, S. 86–94 📖.↩
48
In der Meldung über den Aufruf des Oltener Komitees vom 7.11.1918 zu einem 24-stündigen Proteststreik in den BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.1918 (1. Blatt), S. [2] 📖, heißt es: Das Komitee «konnte feststellen, daß sich die bundesrätlichen Maßnahmen auf bloße Vermutungen und haltlose Konstruktionen stützen». Vgl. Gautschi, Dokumente, S. 204–206 📖; Gautschi, S. 247–257 📖.↩
49
BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [3] 📖: In der Erklärung des Zürcher Regierungspräsidenten vom 8.11.1918 (s. oben S. 452, Anm. 38) heißt es: «Mit den sozialdemokratischen Führern trat der Regierungsrat in Fühlung und fragte sie an, ob sie Garantien bieten könnten, daß für den Fall, daß die revolutionären Bewegungen in den Nachbarstaaten auf die Schweiz übergreifen würden, sie die Massen in den Händen hätten, um zu verhindern, daß diese Funken auf unser Land übersprängen. Diese Garantie konnten die sozialdemokratischen Führer nicht geben.»↩
50
BN, ebd. 📖: «Der Regierungsrat erklärt, daß er nicht die Rechte der organisierten Arbeiter antasten wolle. Er habe diesen Schritt getan, um im Kanton Zürich und in der Eidgenossenschaft in diesen Tagen die allgemeine Ordnung und die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten.»↩
51
BN, ebd. 📖: Auf einer Kundgebung in Bern am 9.11.1918 erklärte Robert Grimm, einer der führenden Sozialdemokraten: «Wir sind keine Anarchisten und Putschisten, aber wir wollen die politische Macht erobern, und zwar auf unblutigem Wege.» Vgl. Gautschi, S. 280 📖.↩
52
Wahrscheinlich sind die von Barth ironisch so genannten «Entdeckungen» gemeint, von denen in einer Meldung vom 9.11.1918 über einen Aufruf der freisinnigen Partei (vgl. oben S. 303, Anm. 2) die Rede ist; vgl. BN, ebd. 📖: «In einem Aufruf der freisinnigen Partei der Stadt Zürich heißt es unter anderem: ‹Die Regierung weiß bestimmt, daß eine kleine Minderheit beabsichtigte, die Militärstallungen in Brand zu setzen, unter Benützung der Verwirrung sich des Zeughauses zu bemächtigen und sich mit Maschinengewehren und Munition zu versehen, sich der Telephon- und Telegraphenzentrale zu bemächtigen und die bolschewistische Gewaltherrschaft bei uns aufzurichten.[›] Der Aufruf fordert die Bürger auf, unsere demokratischen Einrichtungen zu schützen, die andere Völker erst erkämpfen müssen.»↩
53
BN, ebd. 📖: «Nachdem die auf dem Paradeplatz versammelte Menschenmenge sich gegen 10 Uhr auf eine nach Tausenden zählende Menge angewachsen hatte, […] gab die Infanterie mehrere Salven von blinden Schreckschüssen ab, die von der Menge mit Gejohle und Gepfeife begrüßt wurden. Schließlich wurde der ganze Platz geräumt und die Zugänge zu demselben abgesperrt.» Vgl. auch Gautschi, S. 252f. 📖↩
54
BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖: Entgegen der durch die Nationalräte Grimm und Ilg überbrachten Forderung des Oltener Komitees, «daß die Truppen aus Zürich zurückzuziehen seien, da deren Verbleiben als Provokation der Arbeiterschaft betrachtet werden müßte», beschloss der Bundesrat am 10.11.1918, «daß das Truppenaufgebot und die bisher getroffenen Maßnahmen in vollem Umfange aufrecht zu erhalten seien». Vgl. Gautschi, S. 272–276 📖.↩
55
BN, ebd. 📖: Nach der Entscheidung des Bundesrates, die Truppen nicht zurückzuziehen, beschloss eine Versammlung des Oltener Aktionskomitees, des Bundeskomitees des schweizerischen Gewerkschaftsbundes und der Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei in der Nacht von Sonntag, 10.11., auf Montag, 11.11.1918, «nach einläßlicher Besprechung der gravierenden Lage, unter Würdigung der nationalen und internationalen Situation, […] einstimmig […] auf Montag nachts 12 Uhr den allgemeinen Landesstreik zu verhängen». Die BN druckten nach dieser Meldung zunächst eine Zusammenfassung des Aufrufs und die neun Programmpunkte des Oltener Komitees und dann unter der Überschrift «Ein Aufruf der Sozialdemokraten» den vollständigen Wortlaut der Proklamation ab; vgl. Gautschi, Dokumente, S. 237–240 📖; Gautschi, S. 276–302, dort S. 281f. 📖 eine Abbildung des Aufrufs «An das arbeitende Volk der Schweiz!»↩
56
In der Proklamation des Landesstreiks werden «Eisenbahner, Staatsangestellte» im besonderen aufgefordert, «Streikarbeit» zu verweigern: «Eure Entschlossenheit vermag den Kampf abzukürzen» (BN, ebd. 📖; Gautschi, Dokumente, S. 239 📖). Außerdem erließen die Eisenbahnpersonal-Verbände eine besondere Weisung zur Durchführung des Streiks; vgl. Gautschi, Dokumente, S. 240–243; Gautschi, S. 286–288 📖.↩
57
Die BN, a.a.O., S. [2] 📖, berichteten über «Neue Truppenaufgebote»; vgl. auch Gautschi, S. 297f. 📖↩
58
Die BN, a.a.O., S. [3] 📖, berichteten über die Ereignisse auf dem Fraumünsterplatz am 10.11.1918, auf dem sich trotz des Verbotes der Versammlung zum Jahrestag der russischen Revolution mehrere tausend Personen eingefunden hatten. Als die Menge der Aufforderung, auseinanderzugehen, nicht folgte, schoss das Militär in die Luft oder auf den Boden. Dabei wurden vier Personen verletzt. Vgl. auch Gautschi, S. 263f. 📖↩
59
Vgl. unten S. 463 die zweite «Beilage».↩
60
Die BN, Jg. 74, Nr. 528 vom 12.11.1918 (1. Blatt), S. [2f.] 📖, berichteten über «Neue Truppenaufgebote» und über den Aufruf des Bundesrates an die Staatsbediensteten, der das «Treueverhältnis» dem Staate gegenüber einschärfte und den Streikenden wie denen, die zum Streik aufriefen, Strafe androhte; vgl.auch Gautschi, S. 300 📖.↩
61
BN, a.a.O., S. [3] 📖: «Zürich, 10. Nov. Heute Nachmittag haben Besprechungen zwischen dem Regierungsrat des Kantons Zürich und dem Stadtrat von Zürich stattgefunden. Zur Beilegung des Konfliktes erklärte sich die Regierung zu folgenden Zugeständnissen an die Arbeiterschaft bereit: 1. Es werden sofort drei Mitglieder des Regierungsrates demissionieren, um der Arbeiterschaft eine Vertretung einzuräumen. 2. Der Regierungsrat ist bereit, sofort eine Gesetzesvorlage einzubringen, die den Achtstundentag für das gesamte kantonale Personal enthält, und in ähnlichem Sinne für das ganze Gebiet der Eidgenossenschaft beim Bundesrat vorstellig zu werden. 3. Der Regierungsrat ist bereit, die sofortige Zurückziehung der Truppen zu verlangen, wenn der Streik als beendet erklärt wird.»   Zur weiteren Entwicklung vgl. den Bericht in den BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 (2. Blatt), S. [2].↩
62
Die BN, Jg. 74, Nr. 528 vom 12.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖, berichteten unter der Überschrift «Rücktritt von Regierungsräten» über den geforderten bzw. erwarteten Rücktritt zweier Basler Regierungsräte, die nicht mit der Linie der bürgerlichen Regierungsräte übereinstimmten. Ebd. wurde berichtet, dass «eine sozialdemokratische Delegation» gegenüber dem Regierungsrat «Garantien für einen unblutigen Verlauf der Bewegung in Basel übernehmen» wollte «unter der Bedingung, daß kein Militär einschreite». Zwar ging die Regierung darauf nicht ein, doch hielten sich die Truppen im Hintergrund, so dass die BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [3], über das «Aussehen der Stadt» am ersten Tag des Generalstreiks berichten konnten: «Militär sah man nur sehr wenig, häufig dagegen die weißen Binden der Bürgerwehr», die sich «zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung» gebildet hatte.↩
63
Die BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [2] 📖, berichteten über den Beginn der außerordentlichen Sitzung der Bundesversammlung am 12.11.1918; vgl. Gautschi, S. 302–318 📖.↩
64
BN, ebd. 📖: «Zürich, 12. Nov. Oberstdivisionär Sonderegger erläßt folgende Kundgebung an die Bevölkerung der Stadt Zürich: Unsere Truppen sind mit Handgranaten ausgerüstet. Sie haben Befehl, sie zu gebrauchen, wenn aus Fenstern und Kellerlöchern geschossen wird.» In einer Erklärung an das Präsidium der Arbeiterunion Zürich schreibt Sonderegger: «Die Truppen werden […] von ihrem Rechte Gebrauch machen und nach vorangegangener Warnung auf diejenigen feuern, die sich ihnen widersetzen.» Vgl. auch Gautschi, S. 264f. 📖↩
65
Die BN, ebd. 📖, referierten aus der Rede des Bundespräsidenten Calonder: «Was die Forderungen des Oltener Komites anbetrifft, so ist der Bundesrat einer Vertretung der Sozialdemokratie in seiner Behörde nicht abgeneigt, wenn möglich auf dem Wege einer Vermehrung der Mitgliederzahl.» «Der Bundesrat hat entschieden die Notwendigkeit der Aufnahme sozialpolitischer Vereinbarungen in die grundlegenden Bestimmungen des Völkerbundes betont. Alle Reformen können nur auf dem gesetzlichen Wege und unter Rücksichtnahme auf das ganze Volk vor sich gehen in unserer Demokratie.» Vgl. auch Gautschi, S. 303f. 📖↩
66
Die BN, Jg. 74, Nr. 531 vom 13.11.1918 (2. Blatt), S. [2] 📖, berichteten über die Erklärung Robert Grimms im Namen seiner Fraktion: «Ursache des Landesstreiks ist das Truppenaufgebot. Bis zur heutigen Stunde ist niemand darüber unterrichtet, welche Erwägungen diese Maßnahmen begründet haben. Die heutigen Erklärungen des Bundespräsidenten können der Arbeiterschaft nicht genügen». Vgl. auch das Referat der entsprechenden Passage bei Schmid-Ammann, a.a.O. (s. oben S. 452, Anm. 34), S. 282 📖.↩
67
Die BN, Jg. 74, Nr. 533 vom 16.11.1918 (2. Blatt), S. [3] 📖, brachten eine «Anmerkung» «von sozialdemokratischer Seite» über die am 13.11. erfolgte Festsetzung des Oltener Komitees, das «militärisch überwacht und festgehalten wurde», bis «abends 6 Uhr» «das improvisierte Gefängnis» aufgehoben wurde. In einer angefügten «Anmerkung der Redaktion» dazu heißt es: «Diese schnoddrige ‹Anmerkung› echt Grimmschen Kalibers wird niemand täuschen.» «Die Bundesbehörden hatten allen Anlaß, sich einige Persönlichkeiten des Oltener Sowjets etwas genauer anzusehen. Bekanntlich gibt es Verbrechen, die Anstiftung zum Aufruhr, Anstiftung zur Widersetzlichkeit usw. heißen.»↩
68
Das «Bulletin der nationalen Presse», das während der Streikmaßnahmen gegen die Buchdruckerei der BN erschien, brachte in Nr. 1 vom 13.11.1918, S. [2] 📖, die Meldung: «Bern, 13. Das Gebäude der ‹Tagwacht› ist heute früh militärisch besetzt und Druckerei geschlossen worden. Der telephonische Verkehr mit der Streikleitung und der Redaktion der ‹Tagwacht› ist unterbunden.» Die BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1], berichteten aus Zürich: «Am Nachmittag [scil. des 14.11.] wurde das Gebäude des ‹Volkrecht› militärisch besetzt und die Druckerei geschlossen.» Vgl. Gautschi, S. 294 📖.↩
69
Die BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [2] 📖, berichteten über «ernsthafte Ausschreitungen» in Grenchen am 13./14.11.1918. Am 14.11.1918 «kam es zu Zusammenstößen, wobei die Truppen Feuer gaben. Drei der Demonstranten blieben tot auf dem Platze.» Vgl. auch Gautschi, S. 328 📖.↩
70
Die BN, Jg. 74, Nr. 533 vom 16.11.1918 (1. Blatt), S. [2] 📖, brachten die Erklärung des Oltener Komitees zum Streikabbruch vom 14.11.1918, in der es heißt: «Die Frage der Weiterführung des Streiks war eine Frage des Verhaltens der Eisenbahner und der mobilisierten Truppen. Eine Mehrheit der Leitung des Verbandes schweizerischer Eisenbahn- und Dampfschiffangestellter schoß unserer Bewegung und den Vertrauensleuten in den Rücken. Der Bundesrat und die Bundesversammlung haben […] hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Forderungen allgemeine Versprechungen gemacht. Diese Zugeständnisse können nicht befriedigen. Um aber im Augenblick mehr zu erreichen, wäre die Umwandlung des Landesstreiks in einen revolutionären Generalstreik nötig gewesen. Die Arbeiterschaft hätte über gleichwertige Waffen verfügen müssen, wie das verbrecherisch auf sie gehetzte Heer. Diese Gleichheit bestand nicht. Die Massen wehrlos den Maschinengewehren der Gegner ausliefern, das konnten und durften wir nicht.» «Der Landesstreik ist beendigt, der Kampf der Arbeiterklasse geht weiter.» Vgl. Gautschi, Dokumente, S. 320f. 📖; Gautschi, S. 318–331 📖.↩
71
Vgl. Gautschi, S. 157f. 📖↩
*
Und die deutsche Propaganda u. Gelder?71↩
72
Vgl. Gautschi, S. 156–171.380 📖. Barth teilt hier die Einschätzung beispielsweise von L. Ragaz, vgl. Mattmüller II, S. 423f. 📖↩
73
Vgl. Gautschi, S. 295f. 📖↩
74
Vgl. Gautschi, S. 161f.354f. 📖↩
75
Vgl. z.B. die Affäre des sog. «Obersten-Handels» im Jahre 1916, in dem zwei Schweizer Oberste mit den deutschen und österreichischen Militärattachés neutralitätswidrigen Nachrichtenaustausch betrieben (dazu E. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität, Bd. II, Basel 19705, S. 159–168 📖; H. von Greyerz, Der Bundesstaat seit 1848, in: Handbuch der Schweizer Geschichte, Bd. 2, Zürich 1977, S. 1019–1246, dort S. 1132 📖), und den Vorwurf des Verstoßes gegen die Neutralität zugunsten Deutschlands, der 1917 zum Rücktritt des Bundesrates Arthur Hoffmann führte (Bonjour; von Greyerz, a.a.O., S. 1132f.).↩
76
Vgl. Gautschi, S. 36–39 📖.↩
77
Vgl. Gautschi, S. 39 📖.↩
78
Vgl. unten S. 463 die dritte «Beilage».↩
79
Die BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [2] 📖, berichteten: «Nach in Bern eingetroffenen Meldungen scheinen die Eisenbahner entschlossen, [...] die Arbeit unverzüglich wieder auf der ganzen Linie aufzunehmen, allerdings hegen sie dabei die Hoffnung, daß der Bundesrat für das Bundespersonal eine allgemeine Amnestie eintreten lasse. Wie verlautet, ist aber der Bundesrat nicht in der Lage, eine solche allgemeine Amnestie in Aussicht stellen zu können.»↩
80
Eine ähnliche Einschätzung der Haltung von Regierung und Parlament findet sich bei L. Ragaz, der rückblickend von einem «Bolschewismus von oben» sprach; vgl. Mattmüller II, S. 421–423 📖.↩
81
Die BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 (2. Blatt), S. [2] 📖, meldeten das Eintreten des Zentralvorstands des «Schweizerischen Bundes der Festbesoldeten» «für die sofortige Umbildung der Landesregierung» und für «die 9 Postulate des Oltener Aktionskomitees».↩
82
Die BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [2] 📖, brachten den Text eines Schreibens der «Neuen Helvetischen Gesellschaft», Ortsgruppe Zürich, an den Bundesrat mit der «dringlichen Anregung», «es möchte unverzüglich die Neuwahl des Nationalrates in die Wege geleitet werden». Vgl. Schmid-Ammann , a.a.O. (s. oben S. 452, Anm. 34), S. 274–277 📖; Gautschi, S. 301 📖.↩
83
«Die überwiegende Mehrheit der Zofingia, Zürich», erklärte in einem Aufruf vom 14.11.1918 An die Studenten der Universität Zürich u. a. : «Wir halten dafür, dass die Fragen der Zeit nicht durch Militärgewalt wirklich gelöst werden können.» «Wir bekennen uns zu den sämtlichen 9 Forderungen des Oltener Aktionskomites». «Auch wir halten den Boden der Verfassung für den einzig gangbaren Weg.» (Centralblatt des Zofinger-Vereins, Jg. 59 [1918-1919], S. 43–45, dort S. 44 📖; s. auch Schmid-Ammann, a.a.O., S. 276f. 📖; zur Auseinandersetzung über diesen Aufruf innerhalb der Studentenverbindung Zofingia vgl. Centralblatt, a.a.O., S. 46–52.192–200).↩
84
Das Gesetz über die Einführung des Proporzes bei Nationalratswahlen vom 14.2.1919, für die die Entscheidung in der Volksabstimmung vom 13.10.1918 gefallen war, antizipierte den Zusammenbruch der Vormachtstellung des bürgerlichen Freisinns, der von 1848 bis 1919 dominierende Mehrheitspartei war; vgl. von Greyerz, a.a.O. (s. oben Anm. 75), S. 1140–1142 📖.↩
85
Die BN, Jg. 74, Nr. 563 vom 4.12.1918 (1. Blatt), S. [1] 📖, berichteten über die Interpellation: «Müller (Bern) und Mitunterzeichner wünschen vom Bundesrat über die Ursachen und Motive der vor dem Streik beschlossenen und vollzogenen Truppenaufgebote akten- und wahrheitsgemäß Aufschluß.» ↩
86
Vgl. Gautschi, S. 199–211 📖.↩
87
Vgl. Gautschi, S. 240–242 📖.↩
88
Vgl. Gautschi, S. 244 📖.↩
89
Vgl. Gautschi, S. 206f. 📖↩
90
Vgl. Gautschi, S. 297.316 📖.↩
91
Vgl. Gautschi, S. 211–214 📖.↩
92
Vgl. Gautschi, S. 345f. 📖↩
93
Aus der Proklamation des Landesstreiks durch das Oltener Komitee (s. oben S. 456, Anm. 55), die mit den Sätzen endet: «Der Anarchie, dem Putschismus und verhängnisvollen Sonderaktionen setzen wir die organisierte Massenaktion entgegen. In ihrem Zeichen wollen wir kämpfend siegen oder sterbend untergehen! Hoch die Solidarität! Es lebe die neue Zeit!»↩
94
Gemeint ist die von Fr. Platten und der Zimmerwalder Linken verfolgte Taktik des gewaltsamen revolutionären Umsturzes.↩
95
Vgl. oben S. 451, Anm. 33.↩
96
Das «Minimalprogramm» aus der Proklamation des Landesgeneralstreiks durch das Oltener Komitee (s. oben S. 456, Anm. 55). Barth nennt die Punkte in der von der Proklamation abweichenden Reihenfolge, in der sie in der zusammenfassenden Meldung der BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (1. Blatt), S. [3] 📖, aufgeführt sind.↩
97
Vgl. oben Anm. 93.↩
98
In den BN, Jg. 74, Nr. 560 vom 2.12.1918 (Mittagsausgabe), S. [1] 📖, berichtete der Redaktor für den wirtschaftlichen Teil, Prof. Dr. J. Steiger, unter dem Namenskürzel «st.» über «Wirtschaftliches aus der Bundesstadt». U.a. wurde an Hand einer Tabelle über die «Kaufkraft des Geldes im Kleinhandel» das Absinken der Kaufkraft von Juni 1913 bis Juni 1918 auf 40% dargestellt. Im Anschluss an diese Tabelle findet sich die von Barth fast wörtlich zitierte Passage.↩