Vorwort
Die im ersten Stück dieses Heftes abgedruckte Predigt9 ist am 10. Dezember 1933 im Universitätsgottesdienst in der
Schlosskirche zu Bonn gehalten worden. – Ich
möchte bei diesem Anlass etwas Grundsätzliches zum Problem der Predigt in
diesen Tagen sagen dürfen. Die vorgelegte Predigt berührt die Judenfrage10 – nicht weil ich sie berühren wolltea, sondern weil ich sie in Auslegung des Textes (den ich mir auch diesmal von der Perikopenordnung vorschreiben ließ11) berühren musstea
. Als Thema würde weder die Judenfrage noch eine andere
der uns heute bewegenden Fragen auf die Kanzel gehören. Niemand denke, dass die Frage, ob man
über einen Texta
oder b-ob man (unter
«Zugrundelegung» eines Textes12)-b über ein Themaa
predigt, als |602 Formfrage gleichgültig sei. Jeder bestimmte Inhalta
schafft sich auch seine bestimmte Forma
. Die Predigt Luthersc
und Calvins war Schriftauslegung; die sie
selbst und die Zuhörer bewegenden Tagesfragen wurden berührt,
aber sie wurden nicht zum Thema. Gerade so – als Dienst am göttlichen Wort – war ihre Predigt dem wirklichen Leben
zugewendet aber auch bewahrt davor, ihm zu verfallen. Das ganze Elend des modernen Protestantismus, das wir heute
durchzukosten haben, lässt sich auch dahin zusammenfassen: seine Verkündigung ist Themapredigt13 geworden. Als dies (vor langer Zeit schon!) anfing
und sich durchsetzte, da war man unaufhaltsam auf dem Weg, der bei den Deutschen Christen endigen musste. Denn die Themapredigt (die große
Anmaßung, als ob der Prediger der Gemeinde neben oder mit der Schrifterklärung – d-analogia entis-d!14 – auch noch etwas Selbständiges zu
sagen habe) war und ist nichts anderes als die praktische Anwendung der neuprotestantischen
Verbindung von biblischer und natürlicher Theologie, deren Früchte heute so reif geworden sind, dass eigentlich jedes
Kind an ihnen die Art des Baumes erkennen |603 müsste [vgl. Mt. 7,16–20]. Wenn die Predigt bei und neben dem
Dienst am göttlichen Wort noch etwas Zweites beabsichtigte und wollte, dann hat noch immer
dieses Zweite den Sieg 4 davongetragen und der Dienst fiel aus. Wer heute
mit mir davon überzeugt ist, dass die Kirche etwas grundsätzlich Anderes
sagen muss als das, was die Deutschen Christen sagen, der möge sich klar machen, dass man das
Andere auch grundsätzlich anders sagen muss als die Deutschen Christen samt ihren positiven
und liberalen, rationalistischen und supranaturalistischen
Vorfahren. Solange wir es noch nicht anders sagen, wird es auch noch nicht das ersehnte Andere
sein.
Auch das zweite Stück, ein vor einigen Wochen geführter Briefwechsel15, gehört in die praktische Theologie
der Gegenwart. Eine lehrhafte Erörterung der mir von dem Briefschreiber gestellten Frage16 müsste den Gegenstand natürlich ungleich reicher entfalten
und bewegen als dies in meiner Antwort geschieht. Man möge sie als Brief und nicht als
Abhandlung lesen. Aber ich kann mir denken, dass es dem und jenem Leser hilfreich ist,
wenigstens in dieser Form einmal zu hören, wie etwa man auf e-solche
Fragen-e von dem in diesen Heften verteidigten Ort aus antworten muss.
Die evangelisch-kirchlichen Dinge in Deutschland haben sich, seit ich das
Vorwort zu Heft 417 schrieb, in raschem Tempo
weiterentwickelt. Herrn Krauses Rede im Sportpalast18 und der Beifall seiner 19 99919
|604 hat weitere und immer weitere Wellenringe gezogen: Von der so
viel besprochenen, groß aufzuziehenden «Volksmission», mit der die Deutschen Christen und mit ihnen die neue Kirche ihr Daseinsrecht zu beweisen gedachten,20 ist es nach jenem etwas unglücklichen Anfang wieder ziemlich still
geworden. Die auf den ersten Advent vorgesehene feierliche Einführung des Reichsbischofs hat nicht stattgefunden.21 Indem der Reichsbischof
seine Würde als «Schirmherr»f der Deutschen Christen niederlegte und seinen Ministern und den sämtlichen
Kirchenregierungen eine ähnliche Neutralisierung anempfahl,22 schien er sich von denen, die ihn
emporgetragen, auf einmal zu |605 distanzieren. Der führende Mann der
Deutschen Christen, Bischof Hossenfelder,
verschwand – nachdem er (zu spät!) bewiesen hatte, dass auch er auchg anders konnte23 – zwar nicht aus der «Reichsleitung», wohl aber aus der
Reichskirchenregierung.24 Und über die |606 Deutschen Christen selbst schien jetzt rasch und seltsam 5 so etwas wie eine Katastrophe hereinzubrechen. Eine Hand war wider die des Andern
[vgl. Sach. 14,13]. Während die Einen in
den Reihen der Glaubensbewegung für Herrn Krause
eintraten und ausgerechnet Bischofh
Hossenfelder eines veralteten Dogmatismus
beschuldigten,25 begeisterten sich die Anderen gerade an der tatkräftigen
Art, in der die Reichskirchenregierung und die Reichsleitung gegen die «Irrlehre»26 vorgegangen seien.27 Wieder andere aber, und zwar sehr viele
Deutsche Christen fanden auf einmal das Ganze unheimlich.
Es setzten sich die Einen einfach in faktischen Widerspruch zu dem, was die Glaubensbewegung
bisher gewesen war, indem sie sich, als ob sie es |607 nie anders
gemeint hätten, den auf einmal hageldicht niedergehenden Protest- und Bekenntniserklärungen
gegen die Richtung Krause und gegen das Regime
Hossenfelder anschlossen oder gar führend dabei
mitwirkten.28 Wieder Andere haben sich «von
der Reichsleitung losgesagt»,29 ein freilich nicht ganz durchsichtiger und auch nicht gerade
stilgemäßer Vorgang. Es kam zu dramatischen Auseinandersetzungen zwischen Hossenfelder und den
Tübinger Professoren Fezer, Rückert30 und Weiser31, in denen der Engländer Dr. Frank Buchman (der Gründer und Führer der Oxfordbewegung)32 – wie kam er auf |608 diese Galeere?33 – eine im
Einzelnen nicht bekannte Rolle gespielt hat und die nach viel Hin und Her mit dem freiwilligen
Austritt der Tübinger aus der Glaubensbewegung endigte.34 Von der Möglichkeit, aus
der Glaubensbewegung einfach wie aus dem ersten besten Verein auszutreten, scheint aber auch
sonst vielfach Gebrauch gemacht worden zu sein. In Württemberg, aber nach allen Nachrichten auch hier im Westen, muss es zu wahren
Auswanderungen gekommen sein.35
|609 Die Bayern haben
sich – noch ist nicht ganz deutlich, was siei
eigentlich damit sagen wollten – angesichts der norddeutschen Wirren in Treue um ihren
Landesbischof geschart.36
Kurz, viele wollten es jetzt auf einmal nicht mehr so recht gewesen sein! Die in meinem
letzten Vorwort erwähnten 3000 des Pfarrernotbundes37 aber sollen, wenn der Bericht stimmt, gleichzeitig
auf 7000 angeschwollen sein.38 Kleine
Ursache, große Wirkungen! Ob das Alles nun schon das Ende der vor kurzem noch so gewaltig
daherbrausenden Deutschen Christen be|610deutet, lässt sich zur Zeit nicht sagen und ist auch nicht von allzu
großem Interesse. Ich könnte mich hier nur wiederholen: ihre Speere waren und sind hohl39 und früher oder später wird 6 es
mit dieser nicht gut angesetzten Sache sicher auch ein nicht gutes Ende nehmen. Aber es
handelt sich nicht um die Deutschen Christen, sondern um unsere evangelische Kirche, in deren
Raum und Schoß das Alles geschehen ist, und zwar so geschehen ist, dass wir Allej, ob wir nun zu den Deutschen Christen gehören oder gehört
haben oder ob wir immer schon in der Opposition
standen, Anlass haben, uns vor Gott und den Engeln zu schämen,40 dass das möglich war. So wenig
Erkenntnis war unter uns, dass es des groben Heidentums des Herrn Krause bedurfte, um den Sturm einer Entrüstung zu
entfesseln, die, wenn sie echt gewesen wäre, spätestens im vergangenen Juni41 hätte losbrechen müssen. So wenig Kraft
hatte diese Entrüstung, dass sie sich bis jetzt doch nur in ein paar vorgenommenen
Personalverschiebungen,42 aber keineswegs
in einer Erschütterung des theologisch-kirchlichen Systems, unter dem wir stehen, ausgewirkt
hat. Und so wenig Tiefgang, dass es auf ihrem Höhepunkt schließlich doch nur zu einem Streit
gegen – Hossenfelder und für die zweite (nicht bessere!) Form der deutsch-christlichen
«Richtlinien»43 gekommen ist. So wenig schei|611nen viele Hunderte von Pfarrern im vergangenen Sommer gewusst zu haben, was sie
taten [vgl. Lk. 23,34], als sie an der
Spitze ihrer Gemeinden den Deutschen Christen beitraten,
dass sie der Leitung ihrer «Bewegung» (ihrer «Glaubensbewegung»!) die
Gefolgschaft, kaum zugesagt, so schnell wieder versagen konnten, um morgen – wer weiß? –
welcher anderen «Bewegung» zu
verfallen. So billig sind auf einmal die tapferen «Entschließungen» und die orthodoxen
Glaubensbekenntnisse zu haben, dass die Kirchen k-jetzt plötzlich davon
widerhallen-k,44 während im Sommer, als es darauf ankam, fast
ebenso allgemein geschwiegen oder mit den Wölfen geheult45 wurde. Und so sehr sind wir, die wir nun doch mit so vielen «Bischöfen»
gesegnet sind,46 verlassen von jeder echten,
eindeutigen, zuverlässigen Führung, dass man wohl fragen
kann, ob die evangelische Kirche wohl je so sehr eine Herde ohne Hirten [vgl. Mt. 9,36] gewesen ist. Wirklich, zum Triumph oder zur
auch nur teilweisen Beruhigung ist angesichts der hinter uns liegenden Ereignisse kein Grund
vorhanden. Sie haben keine Erleichterung gebracht. Sie haben uns gezeigt – und dafür halte ich
mich wirklich, nachdem ich 12 Jahre in dieser Kirche mitgetan habe, für mitverantwortlich –
wie wenig Glaube, Liebe und Hoffnung [vgl. 1.Kor. 13,13] unter uns lebendig ist. Wenn das nun
etwa 7 doch das Ende der Deutschen Christen gewesen ist, so möchte es wohl heißen: l-«Afflavit
Deus et dissipati sunt»-l [vgl. Ex. 15,10]!47 – mitm der |612 Beharrlichkeit und mit dem
Wachsein [vgl. Kol. 4,2] aber würden wir
dann alle miteinander erst recht – um wie vielmehr, wenn es noch nicht das Ende sein sollte –
von vorn anfangen müssen. Mit einer deuteronomischen Tempelreform [vgl. 2.Kön. 22,1–23,30] wird es nicht getan sein.
Umkehr tut uns not. Was kommt, könnte sonst schlimmer sein, als was gewesen ist.
Diese Hefte werden auch im evangelischen Ausland mit Aufmerksamkeit gelesen;
das erste ist ins Französische, Englische und Holländische übersetzt worden,48 andere sollen folgen. Es war klein und hässlich, dass
Hans Michael Müller, der
«Theologische Referent des Reichsbischofs»49, in seiner Schrift
«Der innere Weg der Kirche», Tübingen 1933, S. 60,
versucht hat, mich deshalb politisch zu denunzieren.50 Mehr habe ich ihm nicht zu sagen. Wohl aber möchte ich den
Ausländern, die sich mit diesen Heften und überhaupt mit der Opposition in der deutschen evangelischen Kirche
beschäftigen, bei diesem Anlass offen sagen, dass sie mit allem, was sie dazu redenn und schreiben, eine große Verantwortung auf sich nehmen.
613 Es muss sehr schwer sein, schon von der Schweiz, geschweige denn von England,
Frankreich oder Amerika aus, auch nur die deutschen Tatsachen richtig zu sehen und festzustellen. Sie sind aus der Nähe gesehen immer noch
ein bisschen anders, als sie sich auch dem gewissenhaften Beobachter aus der Ferne darstellen.
Und die Journalisten haben schon das, was sie bei gutem Willen feststellen konnten, oft
wirklich zu wenig gewissenhaft festgestellt, bevor sie darüber geschrieben haben. Ich nenne
als Beispiel den großen, an sich ernsthaften Artikel von Raoul Allier 51, «Les conflits
politico-religieux dans le protestantisme allemand» im Pariser Temps vom 3.,
4. und 5. Dezember,52
o-der doch von Ungenauigkeiten und Missverständnissen in Bezug auf das
rein Tatsächliche nur so wimmelt-o.53
Noch schwieriger muss es draußen sein, unsere kirchlichen Vorgänge angemessen zu beurteilen. Ich möchte vor allem darauf hinweisen, dass man sich das
Verständnis für die kirchliche Opposition in
Deutschland sofort verbaut, wenn man sie als Symptom eines vorhandenen Widerstandes gegen die gegenwärtige Staats8regierungp deutet.54 Ich
glaube schon, dass sie den durchschnittlichen Zeitungs|614leser draußen unter diesem Gesichtspunkt interessieren mag. Aber uns, die Beteiligten, in
deren Namen ich wohl hier reden darf, interessiert sie nun (so leid das etwa den
schweizerischen Religiös-Sozialen sein
mag!55) gerade nicht unter diesem Gesichtspunkt. Ich bin nicht Nationalsozialist.
Aber damit hat der Streit, den ich in diesen Heften führe, nichts zu tun. Ich möchte das
Ausland bitten, zu beachten, dass das sogar von Seiten des nationalsozialistischen
Staatesq anerkannt zu sein
scheint: man hat mich mitten im Dritten Reich, obwohl es an
Denunziationen schon bisher nicht gefehlt hat56 bis auf diesen Tag in |615 dem, was ich getan
habe, tun wollte und tun musste, gewähren lassen. Wer mich etwa als Daniel in der Löwengrube
[vgl. Dan. 6] beloben und bewundern sollte,
dem muss ich schon sagen, dass ich mit diesem Propheten nurr das gemeinsam habe, dass die Löwen mir s-bis
jetzt-s nichts zuleide taten! Und der Staat scheint nach dem letzten Erlass des
Reichskanzlers57 auch sonst im Begriff zu sein, die
Selbständigkeit der kirchlichen Fragen und damit das gute und nicht zu verdächtigende Recht
einer kirchlichen Opposition bestimmter zu
anerkennen, als dies im vergangenen Sommer der Fall war. Aber meine Arbeit und meine
Opposition und die vieler Anderer wären kirchlich und nicht politisch gemeint, auch wenn das
vom Staat nicht anerkannt wäre oder in irgend einer weiteren Entwicklung vielleicht nicht mehr
anerkannt würde. Ich widerstehe einer heute beim Nationalsozialismus ihre Zuflucht suchenden Theologie, nicht der nationalsozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung. Gewiss nicht aus klösterlicher
Gleichgültigkeit gegen die Fragen der Staats- und Gesellschaftsordnung, aber einfach darum,
weil ich überzeugt bin, dass die Kirche gegenüber Staat und Gesellschaft der übergeordnete, der überlegene Bereich ist, dass die eigentlichen Entscheidungen auch über Staat
und Gesellschaft nicht in Staat und Gesellschaft, sondern in der Kirche fallen. Nicht damit,
dass die Kirche Staat und Gesellschaft regiert und formt, sondern damit, dass sie mitten in
Staat und Gesellschaft nüchtern und sachlich Kirche ist.58 Dass sie das sei und
danach tue, dafür möchte ich |616 arbeiten und streiten und für nichts
Anderes. Für nichts Anderes, weil damit, wenn es streng und ernst getan wird, auch für alles
Andere gearbeitet und gestritten, und zwar aufs Beste gearbeitet und gestritten wird. 9 Dieses Eine muss aber t1-mit leidenschaftlicher
Einseitigkeit-t1 um seiner selbst willen und also ohne Programm t2-und Absicht-t2 im Blick auf Staat und Gesellschaft getan werden. Würde ich dabei 3-auch nur nebenbei-t3 politische Opposition meinen und machen,
so würde ich unter umgekehrtem Vorzeichen genau das tun, was eben – den Deutschen Christen
vorzuwerfen ist.59 Gerade das kann und darf
man nicht tun! Und gerade in dieser Hinsicht möchte ich im Ausland genau so verstanden sein,
wie ich es tatsächlich meine und halte.
617 Wenn das begriffen ist, so möchte ich weiter freundlichst darauf aufmerksam machen, dass
freilich – wie man eben in Deutschland Alles
unheimlich gründlich und konsequent durchzuführen pflegt, so nun auch die Vertauschung des
Evangeliums mit einer dem gegenwärtigen deutschen Staat
angepassten religiösen Ideologie in einer allerdings auffallenden Gestalt in die Erscheinung
getreten ist – dass man aber darum im Ausland nicht denken dürfte, den Deutschen
gegenüberzustehen wie die Gerechten den Ungerechten. Oder gibt es etwa die entsprechende
Vertauschung – vielleicht in weniger eklatanter Form, aber vielleicht nur umso radikaler! –
gar nicht auch in anderen Ländern? Wird das Evangelium etwa in der Schweiz, in England, Frankreich oder Amerika rein von allen derartigen Ideologienu gepredigt? Wie, wenn man sich
dort einmal unter dem unerhörten äußeren Druck befände, unter welchem sich Deutschland nun
seit bald 20 Jahren befindet? Seid ihr sicher, dass v-die offene
religiöse Irrlehre-v dann
nicht auch bei euch ausbrechen würde? Ich fürchte, ich fürchte, dass viele von denen draußen,
denen es heute eine gewisse Freude macht, den Weg der kirchlichen Opposition in Deutschland zu verfolgen, in anderer,
vielleicht milderer Form jetzt schon ganz selbstverständlich genau dasw sind und genau das meinen, was unsere Deutschen Christen sind und meinen.60 Und ich fürchte, ich fürchte,
|618 dass ich, wenn ich irgendwo im Ausland lebte, jetzt schon binnen
kürzester Frist ebenso zur kirchlichen Opposition gehen müsste wie hier in Deutschland. Wer sich darüber nicht klar ist, der weiß
nicht, was er tut, wenn er mich lobt. Wir sind dem Ausland dankbar für jede Teilnahme an
unseren Sorgen und Kämpfen, die darauf beruht, dass man weiß: Es geht hier nicht um einen
zufälligen Irrtum in der deutschen Kirche, sondern um eine gemeinsame Not der ganzen christlichen Kirche; wir 10 fechten hier in Deutschland eine Sache aus, die, wenn auch in anderen Formen, früher oder
später in jederx
modernen Kirche ausgefochten werden muss. Wer das weiß, der kann uns nicht genug den Rücken
stärken; er wird das nicht mit Beifallsbezeugungen tun, sondern indem er mit uns laut und
bestimmt den christlichen Glauben bekennt. Wer das nicht weiß – nein, von dem möchten wir
lieber nicht gelobt sein …!
Bonn, den 11. Dezember 1933.