An Pastor Friedrich Hübener, Hörpel Bei Soltau
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An Pastor Friedrich Hübener, Hörpel Bei Soltau
1934
Auf die Aufforderung des Pastors
Der Herausgeber
Im folgenden wird Barths Brief an Hübener zum ersten Mal im Wortlaut abgedruckt.
Leider kann ich Ihnen nur mitteilen, daß es mir nicht möglich ist, Ihrer Aufforderung, vor Ihnen und dem Leserkreis Ihrer Zeitung das gewünschte «Bekenntnis» abzulegen, nachzukommen. Ich will Ihnen aber genau sagen, warum mir das nicht möglich ist. Und ich wollte wohl an Ihre Ritterlichkeit appellieren dürfen, Sie möchten Ihren Lesern, vor denen Sie mich zum vornherein ins Unrecht gesetzt haben, das, was ich Ihnen jetzt schreiben möchte, nicht vorenthalten.
321Wenn und in welcher Sache jemand sich im Status confessionis befindet und also bekennen muß, das dürfte bei ihm und nicht bei irgend jemand anderem stehen, der ihm nun gerade seine Fragen aufdrängen und ins Gewissen schieben will.
Ich habe auf Ihre erste Anfrage in guten Treuen und in aller Offenheit die Antwort gegeben: es stehe für mich seit etwa 15 Jahren fest, daß die Auferstehung Jesu nur als leibliche Auferstehung richtig verstanden werde. Sie haben es für richtig gehalten, bei dem Abdruck meines Briefes in Ihrer Zeitung u. a. gerade diesen Satz nicht mit abzudrucken.2 Statt dessen verdächtigen Sie mich ohne allen Grund als einen Mann, der nicht schlicht heraussage, was er meine, und verlangen, ich müsse mich nun auch noch dazu «bekennen», daß die Auferstehung Jesu eine «geschichtliche Tatsache» sei und jeder, der das leugne, eine «Unchrist». Verzeihen Sie, aber in dieser Atmosphäre von wahrhaft polizeilichem Mißtrauen kann ich nicht «bekennen», sondern nur schweigen.
Zweitens muß ich Sie darauf aufmerksam machen, daß der Begriff «geschichtliche Tatsache» kein biblischer, sondern ein sehr moderner philosophischer Begriff ist, gar nicht einfach, gar nicht eindeutig. Wenn Sie darüber anderer Ansicht sein sollten, dann wissen Sie eben Einiges nicht, was man hier wissen müßte. Ich nehme Ihnen das nicht übel. Aber Sie können von mir, der das nun eben weiß, nicht verlangen, daß ich mich ausgerechnet zu diesem Begriff nun gerade «bekenne». Ich könnte Ihnen wohl Einiges dazu schreiben, aber das müßte eine kleine Abhandlung werden, und Sie haben ein «Bekenntnis» verlangt.
Drittens scheint mir eine solche Herausforderung zu öffentlichem Bekenntnis nur dann legitim zu sein, wenn der Herausforderer sich zuvor einige Mühe gegeben hat, sich über die Gesamtanschauung des Herausgeforderten einigermaßen zu orientieren. Sie haben das wirklich nicht getan. Sie haben Ihren Lesern nicht einmal über den son|322stigen Gehalt jenes Buches über
Viertens mißfällt mir ganz außerordentlich der kirchenpolitische Hintergrund Ihrer Anfrage bzw. Ihres Angriffs. Sie überschreiben ihn: «Zum Kirchenkampf», und Sie sagen ja auch ausdrücklich, was Sie bewogen hat, gerade jetzt jenen Hasen aufzujagen. Ginge es Ihnen um die Sache, dann hätten Sie das seit zehn Jahren längst tun können und dann würden Sie heute wahrscheinlich Dringenderes zu tun finden, als diesen Streit mit mir – einen Streit, der mit dem, wofür und wogegen die Kirche heute zu streiten hat, gar nichts zu tun hat – vom Zaune zu reißen. Sie wissen sehr genau, daß so und so viele «
323Sie und Ihre Freunde interessieren sich, wie ich sehe5, auch für die Tatsache, dass ich die Erklärung der 35 Theologieprofessoren6 unterschrieben habe. Dazu kann ich nur bemerken: Wenn ich eine solche Erklärung zur Unterschrift vorgelegt erhalte – diese ist übrigens unter meiner Mitwirkung und hier in meinem Studierzimmer redigiert worden –, so frage ich keinen Augenblick danach, wer sie etwa nachher auch noch unterschreiben könnte, sondern ganz allein danach, ob ich mich zu ihrem Inhalt bekennen kann. Findet es sich nachher, daß auch einige ausgesprochen Liberale dabei sind, dann mag ich mich darüber wundern.7 Aber ist es nicht noch viel mehr verwunderlich, daß so viele angeblich Positive regelmäßig nicht dabei sind? Für die allein wichtige Frage des Inhalts einer solchen Erklärung scheint mir weder das Eine noch das Andere interessant zu sein. Und wieder kann ich es nur mit Ihrer Kirchenpolitik mir erklären, daß Sie auch in dieser Sache die Polizei spielen zu müssen glauben.
Alles in Allem: ich glaube nicht, daß die Zeit und Aufmerksamkeit, die Sie an diesen Angriff gewendet und die Sie von Ihren Lesern und doch auch von mir dafür beansprucht haben, gut angewendet war, |324 und ich möchte Ihnen wohl raten können, sich nun wieder solchen Angelegenheiten zuzuwenden, in denen Sie sich nützlicher, kompetenter und doch auch ein bißchen christlicher betätigen können.