Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in München
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Ach du, viel Ruhe wird in diesen Zeitläuften von mir her nicht zu dir kommen, und gelt, du begreifst das auch und glaubst mir, daß ich es ja gerne anders haben möchte. Aber dein zweiter Brief soll doch gleich ein Echo haben. Es war so lieb von dir, mir sofort wieder zu schreiben. Weißt du, ich denke ja an alles Andere wahrhaftig auch und vergesse nicht, wie schön Alles war und wie wir im Grunde Anlaß haben, uns zu freuen und dankbar zu sein. Im Grunde ist ja auch das ein Symptom von etwas sehr Schönem, daß du sicher der einzige Mensch bist, der in der Lage ist, mir ernstliche Depressionen zu bereiten, nur daß ich eben auch dann wirklich keine deprimierten Tönlein von mir geben sollte. Also die fünf Minuten sind nun erledigt, und ich will es so bald nicht wieder tun.
Denk, gestern abend wurde ich samt
Den Unwillen, mit dem ich deinen Bericht über euer Wahlgespräch6 gelesen habe, brauche ich dir nicht zu schildern, und es ist
ja klar, daß es da doch nichts nützt, unwillig zu werden. Aber daß du dich auf
die Stunden beim Zahnarzt nun geradezu freust, zeigt mir mit schmerzlicher
Deutlichkeit, wie wenig freundliche Tage dir dort bereitet werden. Wärest du
doch hier bei uns, wo nun wirklich alle lieb mit einander umgehen und wo du so
ohne Weiteres gut hineinpassen würdest. Ganz abgesehen davon, wie ganz anders
erquickend dann Alles für mich noch wäre. Es ist doch ein ganz unnatürlicher
Zustand, daß wir |153 nun so in zwei verschiedenen Ländern
uns befinden. Ich will für heute schließen, es sollte auch nur ein kleiner Gruß
sein. Grüße