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Barth an v.K. in Bonn
Es langt heute nur zu wenig. Maury und Visser ’t Hooft waren da. Wir haben uns
für den Fall
Basel – der Fall
Genf als
solcher schied aus – dahin verständigt, daß ich dann von Basel aus bisweilen
wie jetzt in Utrecht1 an Freitagen oder Samstagen eine Reihe von Vorlesungen in
Genf2 halten würde. Das
scheint mir ein tragbarer Kompromiß. Ich |469 habe in diesen
Tagen eine Menge von Korrespondenz erledigt. Die Predigt
in Barmen am 3. Februar nehme ich an.3 Alles Andere ist schon
abgesagt. Auch hier wollten immer noch mehr Hände nach mir greifen. Es ist aber
an dem morgen zu haltenden Vortrag4 und an der Abendpredigt am Sonntag5 gerade genug. Auf diese
Weise – Heft 176 hat eben allen möglichen Leuten Mut
gemacht – könnte ich rasch zu einer Art Wanderprediger werden. Aber an dem ist es doch
noch nicht.
Bockemühl hat auch die Absicht und den Schritt
von D. Hesse ganz
falsch verstanden7; ich habe ihn nun
aufgeklärt. An Frau Doktor Schlomka8 habe ich auch geschrieben, auch an Steck ein paar ermunternde
Worte, auch an Nelly, und so noch an viele Andere. Jede Post trägt Briefe und
Karten von mir fort, aber immer noch ist das «Unerledigte» sehr dick. Wird es je
dünn werden?
Heute abend und nacht muß nun der Vortrag entstehen, nachher die Predigt. Lollo, ich
leide doch alsgemach sehr an der Unentschiedenheit meiner Situation und
wollte wohl, daß es, nachdem ich Eduard und dann dich noch einmal gesprochen, ernstlich zum Klappen
käme.
Aber was hat das alles zu bedeuten neben der Tatsache, daß es dir zwar immer
«besser» geht, du aber doch immer noch nicht auf «deinen zwei Beinen»
(ach …!) stehen kannst?
Was hat das zu bedeuten, und wo soll das hinführen?
Stehe nur ja nicht zu früh wieder auf, und fahre mir auf keinen Fall, wie ich
dir vorschlug, nach Basel entgegen. Es könnte dein Ende sein. Sondern schone und
pflege dich in jeder |470
Weise. Wenn
du erst richtig wieder beieinander bist, werden wir auf eine richtige Kur für
dich denken müssen. Es geht auf keinen Fall an, daß du an meiner Seite
dahinsiechst. Liebe Lollo, ich denke wirklich zärtlich und ängstlich an dich,
und wenn es jetzt nicht gleich besser wird, breche ich hier Alles ab und komme
zu dir.
Für den Augenblick muß ich leider das Umgekehrte tun: von dir Abschied nehmen.
Mein Vortrag morgen zieht soviel Volk an, daß er von dem Schulsaal der
Neuen Mädchenschule in die benachbarte Nägeligass-Kapelle verlegt werden muß.
Und dabei muß dieser Vortrag jetzt erst
entstehen, und zwar aus dem Handgelenk, da m. Sch. mir die Manuskripte nicht
eingepackt hat. Ach du, du brauchtest auch nicht.
Du darfst Alles. Jüngst, als jemand bei Tisch ein Glas Wein umwarf,
haben wir, Markus und ich,
so lebhaft an dich denken müssen. Nicht umsonst hast du schon in zartester
Jugend jenes andere Gefäß zertrümmert und dir Schaden zugefügt. Tu’s doch ja
nicht mehr!
Liebe kl. Lollo,
ich habe Alles an dir sehr lieb und am meisten dich selbst
Gestern abend war ich bei Lindts mit den bekannten Freunden. Gilg hat eine Seminararbeit von Markus
sehr gelobt: sie sei weit über dem Niveau eines zweiten
Semesters. Am Mittwoch war ich in der Zofingia und erlebte eine
Wiederkehr aller Dinge.