24 · 1939

An Pfarrer Karl Reinerth, Hermannstadt, Rumänien

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An Pfarrer Karl Reinerth, Hermannstadt, Rumänien

1939

Im Frühjahr 1939 erhielt Barth einen langen kritischen Brief von Pfarrer Karl Reinerth aus Hermannstadt in Siebenbürgen (s. Nr. 5). Seit der Begegnung zwischen beiden Männern 1936 hatten sich die politischen Verhältnisse in Rumänien stark verändert: Nach Aufhebung der Verfassung und Verbot der Parteien hatte König Carol II. 1938 ein autoritäres Regiment aufgerichtet, und der politische und wirtschaftliche Einfluß des nationalsozialistischen Deutschlands war gewachsen. Unter deutschem Einfluß hatten sich 1938 die konkurrierenden Richtungen der politischen Rechten vereinigt.1 Am 8. April 1939, wenige Wochen, nachdem sich Deutschland am 15.3. den Rest der Tschechoslowakei als «Protektorat Böhmen und Mähren» einverleibt hatte, entfaltete Reinerth auf fünf Schreibmaschinenseiten seine Bedenken gegen Barths Position:

Sehr geehrter Herr Professor!

Bereits als Sie im September v.J. anläßlich der Krise des Tschechoslowakischen Staates, die dann auf der Münchener Konferenz ihre Erledigung fand, an einen tschechischen Professor der Prager Universität einen Brief schrieben, der vielerorts veröffentlicht wurde, darin Sie die Tschechen zum bewaffneten Widerstand gegen die deutschen Forderungen aufriefen2, fragte ich mich, ob ich nicht schuldig sei, Ihnen in einem Brief meine schweren Bedenken, ja Bestürzung über Ihre Stellungnahme anzuzeigen. Ich unterließ es damals, weil mir die Zeit zu unruhig erschien, als daß Worte, die von der Gegenseite kommen, überhaupt noch gehört würden. Heute nach dem Abschluß der damals beginnenden Entwicklung scheint mir die Stimmung doch et|168was ruhiger geworden zu sein, und so nehme ich den Leitartikel, der in der Neuen Zürcher Zeitung über Ihre jüngste Veröffentlichung gegen den Nationalsozialismus erschienen ist3 und der mir in ganz kurzem Auszug aus einer hiesigen Tageszeitung bekannt geworden ist, zum Anlaß, Ihnen meine grundsätzliche Ablehnung Ihrer Haltung mitzuteilen und zu begründen.

Auf dem Gebiet der Theologie bin ich Ihnen bis zum Jahre 1935 nahezu 100%ig zustimmend gefolgt. Allerdings erschienen mir bereits Ihre Ausführungen in Ihrem Briefwechsel mit Gerhard Kittel aus 19344 nicht von restlos überzeugender Wirkung. Politisch war ich ja bereits 1931 für den Nationalsozialismus gewonnen worden.5 1935 fiel mir dann in Ihren Auseinandersetzungen mit Emil Brunner über das Thema: Natur und Gnade6 eine Schwenkung in Ihrer Theologie auf, insoferne Sie die Demut des Zöllners im Hinblick auf die Erlösung nicht bejahender bewerteten als die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer und geflissentlich betonten, daß Jesus nach dem lukanischen Bericht dreimal bei einem Pharisäer zu Gaste gewesen sei.7 Ich schrieb damals dazu einen Aufsatz und legte meine abweichende Anschauung dar, sandte ihn an den Schriftleiter der «Evangelischen Theologie» D. Ernst Wolf, der mir antwortete, der Aufsatz sei Ihnen vorgelegt worden. Daß er veröffentlicht worden sei, ist mir bisher nicht zur Kenntnis gebracht worden. Ich bin jedoch der Meinung: was Sie damals gehindert hat, die Demut des Zöllners bejahend zu bewerten, das hindert Sie überhaupt, die sittlichen Werte im Nationalsozialismus zu erkennen; zu erkennen zum Beispiel, daß das Führererlebnis, das für den Nationalsozialismus grundlegende Bedeutung hat, einer ursprünglich demütigen Haltung entsprungen ist.8 – Immerhin haben |169 Sie ja im Jahre 1934 noch den Satz schreiben können: «Das Kreuz Christi kann ja auch in einer Ihnen und mir höchst verborgenen Weise das quo jure des 30. Januar 1933 gewesen sein.»9 Das ließ mich hoffen, daß Sie sich politisch wenigstens nicht gegen den Nationalsozialismus stellen würden. Die Dinge sind nun anders gekommen und auferlegen so auch mir die Notwendigkeit, zwischen dieser Ihrer politischen Haltung und der meinigen einen klaren Trennungsstrich zu ziehen.

Die Gründe, die Sie heute zu einer derart feindseligen Haltung dem Nationalsozialismus [gegenüber] bewegen, können ja verschiedener Natur sein, und ich werde darauf verzichten müssen, sie alle namhaft machen zu können. In der Hauptsache erkenne ich aber einen theologischen und einen politischen Grund für Ihr Handeln als richtunggebend, die ich nun näher beleuchten werde.

Der theologische Grund liegt darin – und das hängt mit dem vorhin Gesagten zusammen –, daß Ihre Theologie immer mehr zu einer Form erstarrt ist, die als eine neue Orthodoxie erscheint. Das ganze Gewicht wird auf die Lehre gelegt, und so wird auch der Nationalsozialismus von Ihnen nach seinen Lehren, nicht nach dem in ihm waltenden Geist beurteilt.10 Die Lehren des Nationalsozialismus und ihre theologischen Lehren liegen für Sie auf der gleichen Ebene, so daß Sie sich veranlaßt sehen, Widersprüche festzustellen und den Nationalsozialismus der Irrlehre und noch eines schlimmeren zu beschuldigen. Die Überführung der Irrlehrer erfolgt aber nach der Bibel nicht nach dem äußerlichen Maßstab der Lehrunterschiede, sondern durch das Brandmal in ihrem Gewissen (1.Tim. 4,2). Natürlich sind auch Lehrunterschiede bedeutsam, aber diese Unterschiede bleiben innerhalb der theologischen Sphäre und berechtigen zu keinerlei politischen Folgerungen. Solange Sie Ihren Angriff bloß gegen die deutsch-christliche Theologie richteten, bin ich Ihnen trotz gegenteiliger politischer Überzeugung auf weiter Strecke gefolgt. Daß Ihr Angriff politisch bestimmt sei, habe ich zuerst auf Grund Ihrer Erklärungen gelegentlich Ihrer Vorträge in Klausenburg im September 1936 klar feststellen |170 können, obwohl Sie sich auch damals noch berechtigt fühlten, mir den wohlgemeinten Rat zu geben: «Bleiben Sie im Raum der Kirche!»11 Als ob Sie diesen Raum nie verlassen hätten und nicht daran dächten, ihn je zu verlassen.

Und damit komme ich zu dem, was für mich unbegreiflich ist: Wie haben Sie den Schritt vom theologischen Angriff auf die deutschchristliche Theologie zum politischen Angriff auf den Nationalsozialismus so ohne weiteres vollziehen können? Man hätte erwarten müssen, daß Sie zur Begründung dieses Schrittes ein Werk etwa von dem Umfang und Gewicht Ihrer Dogmatik schreiben würden. Statt dessen bloß einige Aufsätze und Briefe, die von dieser verhängnisvollen Entscheidung Zeugnis geben. Da werden Sie wohl selbst denen, die Ihren theologischen Gedankengängen gefolgt sind, nicht zumuten, daß sie Ihnen auch auf diesem politischen Gebiete Gefolgschaft leisten.

Geschichtliche Analogien können nie ganz zutreffen. Dennoch ist es sinnvoll, in diesem Zusammenhang auf die Christuspartei in Korinth (1.Kor. 1,12) hinzuweisen. Theologisch hat ja Paulus gewiß nichts gegen das Bekenntnis sagen wollen: «Ich bin des Christus.» Aber weil diese Christusleute aus ihrem Glaubensbekenntnis ein Parteibekenntnis machten und es gewiß auch mit politischen Mitteln durchzusetzen trachteten, wirft ihnen Paulus vor, sie hätten Christus zertrennt. Mit Recht sind Straßenumzüge in Wien mit dem Schlagwort «Christus ist unser alleiniger Führer!» seinerzeit gebrandmarkt und verboten worden. Mit Erstaunen muß ich nun feststellen, daß Sie Ihr Glaubensbekenntnis zu Christus dem politischen Bekenntnis des Nationalsozialismus und seinem Machtanspruch entgegensetzen, ja diesen mit politischen Waffen bekämpfen, damit selbst zugestehen, daß der Nationalsozialismus ein politisches Bekenntnis beinhaltet, und dadurch Ihr Glaubensbekenntnis auch zu einem politischen Bekenntnis entwerten. Dies ist mir um so seltsamer erschienen, als Sie in Ihrer Theologie doch wie kein anderer für eine völlige Trennung des Glaubens12 («Das ganz andere»13 ) und der Welt unseres irdischen Daseins eingetreten sind. Durch diesen Schritt haben Sie den Weg zur Kirche zweifellos verfehlt.

171In Klausenburg hatten Sie in einem Ihrer Vorträge ausgeführt, der aus der Erfahrung abgeleitete Satz, daß die Welt böse sei («100%ige Lüge und Heuchelei nicht nur in der Welt, sondern auch in der Kirche»; die «Kanaille»), nicht zu verwechseln sei mit dem Satz der Prädestinationslehre von der massa perditionis, der aus der Offenbarung stammt.14 Trotzdem wenden Sie den theologischen Satz, daß der Antichrist kommen werde, auf die Erscheinung des Nationalsozialismus an, die Sie meinen aus Ihrer politischen Erfahrung erkannt zu haben, um dieses anathema über ihn sprechen zu können.15

Daher wird man wohl – und damit komme ich zum zweiten – das richtige treffen, wenn man annimmt, daß Ihre Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus nicht theologisch, sondern wesentlich politisch bestimmt ist. Sie deuten das selber an, wenn Sie erklären, durch den Nationalsozialismus sei die Freiheit Europas und vielleicht nicht nur Europas bedroht.16 Das mag mit den politischen Verhältnissen Ihrer Schweizer Heimat zusammenhängen, daß Sie die Dinge so ansehen. Dabei verfallen Sie einem Ideal der Freiheit, das in Wirklichkeit nirgends, gewiß auch in der Schweiz nicht zu finden ist. Auch das ist so überaus seltsam, daß gerade Sie das tun, der Sie im Namen der biblischen Offenbarung allen Idealen der Vernunft und dem Idealismus überhaupt den Krieg erklärt haben. Sie werden doch noch begreifen müssen, daß aus einem anderen Gesichtswinkel und von anderen politischen Erlebnissen her gesehen der Nationalsozialismus gerade als Hort der Freiheit erscheinen kann und man sonstwo Hitlers Wort geradezu als eine Offenbarung erleben kann: Wir Wilde sind doch bessere Demokraten.17

172Ich brauche wohl nicht zu betonen, daß sich in meinen theologischen Auffassungen durch diese meine Stellungnahme nicht das geringste geändert hat.

Da dieser Brief für mich grundsätzliche Bedeutung hat, werde ich mir die Freiheit nehmen, ihn gegebenenfalls zu veröffentlichen.

Über den Graben hinweg sendet Ihnen noch einen Ostergruß
Karl Reinerth, Pfarrer

Barth antwortete:

Sehr geehrter Herr Pfarrer!

Sie wissen nicht, von was Sie reden, wenn Sie vom «Nationalsozialismus» reden. Darum kann ich Ihnen Ihren Brief und Ihre Stellungnahme nicht übel, darum kann ich Sie aber auch in dieser Sache nicht ernst nehmen. Es ist nun einmal so, daß Sie – und wenn ich recht sehe, auch meine ungarischen Freunde unter demselben Himmelsstrich18 – in dieser Sache blind sind. Ich weiß nicht, ob das mit der Dynamik Ihrer besonderen historisch-geographischen Lage oder mit der Dynamik der Goebbels’schen Auslandspropaganda zusammenhängt. Ich sehe nur, daß hier vorläufig keine Diskussion möglich ist …

bis Hitler und die andern unmöglichen Leute, die heute das arme Deutschland in ihrer Gewalt haben, an ihrem Ziele sind

bis es so weit ist, daß ganz allein durch ihre Schuld Europa aufs Neue in Flammen steht, weitere 10 oder mehr Millionen Menschen für ihre Narrheit auf den Schlachtfeldern büßen müssen

bis die innere Hohlheit eines allein auf die Lüge und die brutale Gewalt gegründeten Systems sich in einem Zusammenbruch sondergleichen rächen wird

bis es mit Deutschland politisch so zu Ende sein wird, daß mit den bösartigen auch die treuherzigen (z.B. in Siebenbürgen) geträumten nationalen Träume für Generationen ausgeträumt sein werden

bis dann die Wahrheit hinsichtlich dessen, was nun seit 1933 in Deutschland geschehen ist, europäisch-öffentliches Gemeingut sein und sich auch da, wo man sie jetzt nicht hören kann oder will (z.B. in Siebenbürgen), herumgesprochen haben wird.

173 Dann, lieber Herr Pfarrer, – wenn wir beide dann noch das Leben haben werden – werden Sie vielleicht einsehen, wie vollkommen wirklichkeitsfremd auch Ihre jetzigen Vorstellungen über mein Verhältnis zum Nationalsozialismus gewesen sind.

Wenn Sie Ihren Brief an mich wirklich veröffentlichen wollen, so tut mir das darum leid, weil Sie damit die in Ihrem Bereich herrschende Irreführung und Verwirrung der Geister in bester Absicht noch vermehren werden, und weil es Sie später vielleicht reuen wird, sich jetzt in dieser Weise öffentlich festgelegt zu haben. Aber ich kann und will Sie an Ihrem Vorhaben nicht hindern.

Nur daß es vielleicht ratsam wäre, daß Sie meine Broschüre («Die Kirche und die politische Frage von heute»19), auf die sich jener Artikel in der NZZ bezieht20, wenigstens selber lesen und sich also darüber klar sein würden, gegen was Sie sich nun eigentlich aussprechen wollen!

Und daß es loyal sein könnte, wenn Sie diese meine Antwort Ihren Lesern gleich mit zur Kenntnis bringen würden!

In alter Gesinnung mit freundlichem Gruß!
Ihr
Karl Barth

Unmittelbar nach seinem Brief an Reinerth beantwortete Barth am 17.4.1939 auch einen Brief des ungarischen Professors Vasady vom 2.12.1938 (s. Offenen Brief Nr. 20) und kam dabei kurz auf Reinerths Brief zu sprechen.21 – Reinerth antwortete Barth am 13.5.1939:

174
Sehr geehrter Herr Professor!

Zunächst muß ich feststellen, daß Sie in Ihrem Brief vom 17. April l.J. mit keinem Wort auf meine Darlegungen eingegangen sind, die meinen ablehnenden Standpunkt ihrer politischen Haltung gegenüber begründen. Sie halten mir zweierlei vor: 1. daß ich den Sünden des Nationalsozialismus gegenüber blind sei, 2. daß ich ein Urteil über ihn ohne genügende Erfahrung gefällt hätte. Den ersten Vorwurf muß ich Ihnen in der Form zurückgeben, daß Sie die Sünden der Demokratien geflissentlich übersehen. Was das zweite betrifft, so ist der Nationalsozialismus so sehr eine öffentliche Angelegenheit Europas geworden, seine Taten liegen für jedermann offen zu Tage, daß, wer die Ereignisse aufmerksam verfolgt hat, sich darüber ein Urteil zu bilden vermag. Sollte jedoch Ihr Urteil zutreffender und objektiver sein, weil Sie mit dem Nationalsozialismus noch persönliche Erfahrungen gemacht haben, die mir fremd geblieben sind? Sollte es nicht gerade darum befangen sein?

Im übrigen bestätigt mir Ihr Brief, was ich bereits ausgesprochen habe, daß Ihr Urteil über den Nationalsozialismus wesentlich von politischen Erwägungen bestimmt ist. Sie weissagen ihm und damit Deutschland eine politische Niederlage. Sie hoffen auf einen politischen Sieg der Demokratien England, Frankreich, Polen usf. Aber selbst wenn Ihre Weissagung, was Gott verhüte, eintreffen sollte, ist Ihre These, daß die Demokratien das Christentum und der Nationalsozialismus den Antichrist vertreten, in keiner Weise bewiesen. Denn die Wahrheit des Christentums steht und fällt doch nicht damit, daß es im politischen Kampf überall den Sieg erringt. Auch hier zeigt sich, daß Sie sich einer Verquickung von Glaube und Politik hingeben, die Sie nun einmal in Ihrer Theologie aufs schärfste gebrandmarkt haben.

Sie werfen dem Nationalsozialismus vor, daß sein System auf Lüge und Gewalt gegründet sei. Sie werden sich jedoch darüber auch keiner Täuschung hingeben können, daß auch das demokratische System letztlich auf Gewalt beruht. Allerdings versuchen die Demokratien, diese Tatsache in der Regel mit heuchlerischer Geste zu verschleiern. In dieser Hinsicht ist gerade der Nationalsozialismus ehrlicher und also auch wahrhaftiger.

Entscheidend ist aber, daß bei der heißen Liebe zu seinem Volk, die Hitler bei all seinen Worten und Taten beseelt, kein Deutscher teil|175nahmslos bleiben kann. Sie sind auch Deutscher und haben über ein Jahrzehnt in Deutschland gelebt. Ihr Urteil über Deutschland dürfte diese existentielle Grundlage nicht verleugnen.

Die Briefe werde ich vorläufig nicht veröffentlichen, da ich es vermeiden möchte, öffentlich politisch gegen Sie Stellung zu nehmen.22

In der Hoffnung, daß Sie sich diesen Argumenten doch nicht auf die Dauer werden verschließen können, grüßt Sie
Karl Reinerth, Pfarrer
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Sachfußnoten

1
Vgl. W. Miege, Das Dritte Reich und die Deutsche Volksgruppe in Rumänien 1933-1938. Ein Beitrag zur nationalsozialistischen Volkstumspolitik, Bern/Frankfurt 1972, S. 252–269 📖; J. Böhm, Das Nationalsozialistische Deutschland und die Deutsche Volksgruppe in Rumänien, Frankfurt/Bern/New York 1985, S. 73–85 📖. ↩
2
Barths Offener Brief am Hromádka, s. Nr. 17.↩
3
«Kirche und Politik», Neue Zürcher Zeitung Jg. 160, Nr. 401 vom 5.3.1939 📖, vgl. den folgenden Offenen Brief Barths an die NZZ, Nr. 25.↩
4
Siehe Offene Briefe 1909-1935, Nr. 32-35 📖.↩
5
Vgl. Nr. 5, S. 30, Anm. 11.↩
6
E. Brunner, Natur und Gnade. Zum Gespräch mit Karl Barth, Tübingen 1934 📖; K. Barth: Nein! Antwort an Emil Brunner (ThExh 14), München 1934 📖; beide in: «Dialektische Theologie» in Scheidung und Bewährung 1933-1936 hg. v. W. Fürst (Theol. Bücherei 34), München 1966, S. 169–258 📖. ↩
7
K. Barth, Antwort an Erwin Reisner, in: EvTh, Jg. 2 (1935/36), S. 51–66, dort S. 54f. 📖 – Vgl. U. A. Wien, Briefwechsel, a.a.O. (S. 27, Anm. 2), S. 161 📖. ↩
8
Diesen Satzteil markierte Barth sich am Rande.↩
9
In Barths zweitem Offenen Brief an Gerhard Kittel vom 19.6.1934, s. Offene Briefe 1909–1935, S. 292 📖. Barth fährt dann fort: «Aber wenn Sie das positiv behaupten, so ist das Ihre religiöse Privatmeinung, mit der Sie nicht die Verkündigung der Kirche belasten […] dürfen.»↩
10
Diesen Satz markierte Barth sich am Rande.↩
11
Vgl. den ersten Offenen Brief an Reinerth, Nr. 5, S. 30, Anm. 11.↩
12
Diesen Teil des Satzes markierte Barth sich am Rande.↩
13
«Gott als der ganz Andere» – Schlagwort, mit dem Barths «dialektische» Theologie vielfach charakterisiert wurde.↩
14
Vgl. K. Barth, Gottes Gnadenwahl (ThExh 47), München 1936, S. 12f. 📖↩
15
Barth hatte in seiner Schrift «Die Kirche und die politische Frage von heute» betont, daß «der Nationalsozialismus als religiöse Heilsanstalt alle Merkmale einer grundsätzlich antichristlichen Gegenkirche» darstelle (Schw.St. S. 85.87 📖). In dem Artikel der NZZ, der sich darauf bezog (s. Anm. 3), hieß es: «Der Zug vereinzelter protestantischer Theologen, eine Art sichtbares kirchliches Lehramt einzuführen, um ex cathedra zu sprechen und Anathema zu schleudern, paßt Unseres Wissens schlecht zum Wesen des evangelischen Kirchenbegriffes.»↩
16
Vgl. Barths Brief an Hromádka, Nr. 17.↩
17
Vgl. Johann Gottfried Seumes Gedicht «Der Wilde» (Gedichte, Riga 1801) 📖: «Seht, wir Wilden sind doch beßre Menschen!»↩
18
Vgl. Barths Offenen Brief nach Ungarn, Nr. 20, S. 147–156.↩
19
Vortrag in Wipkingen am 5.12.1938 (s. Offenen Brief an Hromádka, Nr. 17, S. 129).↩
20
Siehe Anm. 3.↩
21
Barth versicherte Vasady am Schluß, daß es ihm «bei dem allen nach wie vor nicht um das Politische an sich und als solches geht, sondern um die heute hinter dem Politischen stehenden Fragen ersten Ranges. Es macht mich ja traurig, daß Sie das nicht auch sehen und dann – Politik hin oder her – mit mir einig gehen können. Gestern beantwortete ich den Brief eines Mannes aus dem sächsischen Siebenbürgen. Der war noch viel schlimmer als der Ihrige!! Gott behüte uns Alle und die arme Welt. Es braucht vielleicht wirklich wieder einmal ein großes Unglück, bevor wir Einiges besser verstehen als heute.»↩
22
Zu Reinerths Haltung nach 1939 s. die bei O. B. Nr. 5 genannte Literatur: U. A. Wien, Kirchenleitung [Anm. 4], S. 171 📖; E. Wagner [Anm. 1], S. 3.7f. 📖; H. Beyer [Anm. 6], S. 125 📖; Zuschrift Reinerths an Die Spur, Jg. 4, 1964, S. 173 📖; über seine Reibungen mit der Volksgruppenleitung 1940ff. s. Aus meinem Leben [Anm. 1], S. 69–72; s. auch seinen von seinem Sohn K. M. Reinerth 1996 verfaßten Lebensabriß mit Bibliographie (73 Titel), S. 3 (im Besitz von R. Lang, geb. Reinerth, Lauffen).↩
23

Nach dem Ende des Nationalsozialismus nahm Reinerth zwei Jahrzehnte lang keinen Kontakt zu Barth auf. So erfuhr Barth nicht, daß Reinerth, der 1945 einen Sohn in russischer Kriegsgefangenschaft verloren hatte, in Hermannstadt weiter wirkte, nun auch als Leiter der Hermannstadter Kirchengemeinde, Krankenhaus- und Gefangenenseelsorger. – Am 7.5.1966 gratulierte Reinerth von Lauffen am Neckar aus, wo er seit 1961 als Pensionär lebte, Barth mit folgendem Briefe: «Sehr geehrter Herr Professor! In dankbarer Erinnerung daran, daß ich durch Ihre Schriften und Werke in meiner theologischen Entwicklung und Erkenntnis ganz wesentlich gefördert worden bin, erlaube ich mir, Ihnen zu Ihrem 80. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche zu übersenden. Möge Gott Ihnen Kraft und Gesundheit verleihen, daß Sie auch an Ihrem Lebensabend uns und der evangelischen Kirche aus dem reichhaltigen, Ihnen zu Gebote stehenden Füllhorn der göttlichen Gnade köstliche Gaben schenken dürfen, wie wir solche bisher in überreichem Maße empfangen haben. Mit Phil. 4,4 grüßt Sie: Karl Reinerth, Pfarrer i.R.»

Reinerth verfaßte im Ruhestand noch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten über Siebenbürgen und seine Kirche in Mittelalter und früher Neuzeit und erhielt dafür verschiedene Ehrungen, darunter 1973 den D. theol. der Universität Klausenburg-Hermannstadt. Seiner msl. Erinnerung Aus meinem Leben (1979) setzte der 88jährige auf S. 76 den hsl. Satz hinzu: «Abschließend hebe ich nochmals hervor: Noch vor Beginn der neuen Epoche habe ich mich von Hitler und seiner politischen Richtung losgelöst und bin insofern unbelastet in die neue Zeit eingetreten, vermag also ohne Befangenheit die neuen Eindrücke und Ereignisse auf mich wirken [zu] lassen.»↩