9. Juli 2012

Vorwort

IX

VORWORT

Als Hinrich Stoevesandt und ich im Oktober 1992 die Arbeit an den «Vorträgen und kleineren Arbeiten 1909–1914» abschlossen und als sie 1993 erschienen, war unsere Meinung selbstverständlich, dass der Band mit den weiteren Texten aus der Safenwiler Zeit, für den Friedrich-Wilhelm Marquardt einerseits und ich andererseits die editorischen Vorbereitungen getroffen hatten1, sich in absehbarer Zeit anschließen werde. Dass es nun doch anders gekommen ist, dass dieser Band erst nach mehr als der doppelten von Horaz empfohlenen Warte- und Reifefrist erscheinen kann, hat neben den selten genau vorauszusehenden Schwierigkeiten, die bei der Edition solcher Texte immer zu bewältigen sind, vor allem einen Grund: Als ich 1997 von Hinrich Stoevesandt die Leitung des Karl Barth-Archivs und der Karl Barth-Gesamtausgabe übernommen hatte, stellte sich bald heraus, dass diese beiden Funktionen – und dabei vor allem die Verantwortung des ­Gesamtherausgebers – kaum Zeit ließen, daneben noch eine eigene Edition vorzubereiten und zum Erscheinen zu bringen. So konnte ich die Arbeiten an dem vorliegenden Band mit einiger Mühe erst im Übergang in den Ruhestand beenden.

X Einerseits hatte ich nämlich auch an den von mir übernommenen Texten, die ich zum Teil bereits vor Jahren abgeschlossen zu haben meinte, doch noch weiter zu verbessern, seufzend und fröhlich dem keine Ausnahme zulassenden «dies diem docet» Tribut zahlend, das Lust und Last der Arbeit mit historischen Dokumenten ist. Fand ich aber, mit den jeweils zum Erscheinen drängenden anderen Bänden der Gesamtausgabe einigermaßen beschäftigt, schon zur Verbesserung meines Teils der vorgesehenen Texte nur ungenügend Zeit, so war es erst recht unmöglich, die Bearbeitung der von Marquardt vorbereiteten sogenannten «Sozialistischen Reden» nebenbei zu erledigen. Marquardt konnte und wollte sich in den 1990er Jahren, inzwischen mit dem großen wichtigen Projekt seiner siebenbändigen Dogmatik beschäftigt, die sich ganz im lernenden Gespräch mit dem Judentum entwickelt und so einen wichtigen Anstoß Karl Barths entfaltet, nicht mehr der Aufgabe unterziehen, das von ihm mit großem Einsatz vorbereitete Material noch weiter nach den Grundsätzen der Karl Barth-Gesamtausgabe zu überarbeiten und zu ergänzen. So überließ er die Aufgabe einer Schlussredaktion in gutem freundschaftlichen Vertrauen dem damaligen Gesamtherausgeber H. Stoevesandt und mir als dem Herausgeber des anderen Teils des Bandes. Doch stellte diese Aufgabe vor sehr viel größere Probleme, als wir miteinander gedacht hatten, zumal die Editionsgrundsätze im Laufe der Jahre gerade im Blick auf Texte, in denen viele historische Bezüge nach Erläuterung rufen, eine wichtige Präzisierung erfahren hatten, die den Aufwand für die editorische Arbeit jedenfalls nicht verminderte. Es war nämlich klar geworden, dass viele Anspielungen und Bezugnahmen in den Texten Barths, dass aber vor allem die tagespolitisch-zeitgeschichtlichen Ereignisse, die Barth ja in einer Reihe von Referaten und Artikeln beschäftigen, sachgemäß, d.h. sachlich aufschlussreich nur unter ständiger Berücksichtigung seiner (vermutlichen) Quellen kommentiert werden können, während Belege aus anderen, allgemeinen Quellen oft nur ein vages, in manchen Fällen auch täuschendes Licht auf Barths Referat werfen können. In der konkreten Arbeit stellte sich übrigens heraus, dass bestimmte Einzelheiten in Barths Notizen überhaupt nur im Rückgang nicht auf eine, sondern auf die exakte Quelle erhellt, manchmal auch erst an Hand dieser Quelle vollständig und verlässlich entziffert werden konnten.

XI Wäre es möglich gewesen, für die Überarbeitung der «Sozialistischen Reden» in dieser Richtung eine entsprechend qualifizierte Kraft zu gewinnen, so wäre es wohl zum Schluss auf eine durchgehende Umarbeitung hinausgekommen. Vielleicht ist es nun aber in einer Hinsicht auch ein Gewinn, dass statt dessen die Aufgabe schließlich sehr ungewollt mir zufiel und dass ich mir nun freilich nicht mehr als eine Überarbeitung vornehmen konnte, bei der ich – insbesondere in den Einleitungen – soweit möglich Informationen und Formulierungen unverändert ließ, die Marquardt und seine Mitarbeiter gefunden hatten. So bleiben der Ansatz und die Richtung seiner Lektüre dieser Texte trotz aller hinzugekommenen Ergänzungen und Präzisierungen noch erkennbar. Marquardt war es ja, der früh die Aufmerksamkeit auf diese Dokumente aus Barths Safenwiler Zeit gelenkt, der für sie unter Mithilfe seiner Frau Dorothee eine Transkription und einen erläuternden Apparat erarbeitet und in vielen Fällen auch Einleitungen entworfen hatte und der sie in einer bestimmten Auffassung zum Fußpunkt eines mit seinem Namen verbundenen neuen Barth-Verständnisses gemacht hatte2. So schien es mir richtig, dass der Bearbeitung, zu der Marquardt uns grundsätzlich freie Hand gegeben hatte, faktisch bestimmte Grenzen gezogen waren.

Dennoch musste z.B. im Falle des Referates über den Schweizer Generalstreik 19183 fast der gesamte erläuternde Apparat neu erarbeitet werden, weil die in der Tat grundlegende Monographie von W. Gautschi4, auf die sich Marquardt vor allem bezogen hatte, die Ereignisse, auf die Barth eingeht, teilweise gar nicht, teilweise auf Grund anderer Primärquellen mit anderen Akzenten und Gewichtungen als Barth behandelt. Es ist zu hoffen, dass aus der Kommentierung aus Barths Quelle, den von ihm täglich gelesenen «Basler Nachrichten», der Gewinn für das Verständnis der Vorgänge und der Wahrnehmung und Urteilsbildung Barths deutlich wird, der sich ergibt, wenn man die Erläuterung – in einem formelhaften Ausdruck – nicht auf eine mögliche Quelle der berührten Fakten, sondern auf Barths faktische Quelle zu stützen versucht.

XII Etwas anders verhält es sich bei einem zweiten Beispiel: bei Barths Referat über die Sozialistenkonferenz vom Februar 1919 in Bern5, bei dessen Kommentierung Marquardt sich ganz auf die Protokolle und Resolutionen des Kongresses stützte, die Barth jedoch wahrscheinlich nicht im Wortlaut kannte. Die außerordentlich sorgfältige und inhaltsreiche Edition der Protokolle, Memoranden, Berichte und Korrespondenzen zu dieser Konferenz6 macht deutlich, wie vielfältig und kompliziert die Quellenlage nur schon hinsichtlich dieser Primärdokumente ist. Trotzdem konnte es in vielen Fällen genügen, den Verweisen auf diese Quellen Hinweise auf die spezifische Quelle Barths – wieder die «Basler Nachrichten» – hinzuzufügen, in vielen anderen aber waren Zitate aus dieser direkten Quelle einzufügen, weil anders die Notizen Barths nicht verständlich werden können.

Ähnlich wäre von dem Bericht, den Barth über «Die russische Revolution 1917» gegeben hat7, zu sagen, dass natürlich viele der berührten Ereignisse in Gesamtdarstellungen der russischen Geschichte erwähnt werden, dass aber Barths besondere Auswahl und Beurteilung des über die Ereignisse vom Juli 1917 bis zum Januar 1918 Berichteten nur aus dem Bezug auf die von Barth benutzte Darstellung Trotzkis «Von der Oktober-Revolution bis zum Brester Friedensvertrag»8 deutlich wird.

Ein weiteres Beispiel mag die Richtung der geforderten Arbeit abschließend erläutern: Wenn Barth in einem Vortrag vom Oktober 19149 im Zusammenhang mit Ausführungen zu den Implikationen der Neutralität den Namen Wilson erwähnt, liegt es natürlich nahe, an die Erklärungen des amerikanischen Präsidenten vom 4. und 19. August zu denken, die in den Gesamtdarstellungen des 1. Weltkrieges immer erwähnt werden. Jedoch: diese Erklärungen wurden in der Presse in der Schweiz nicht besprochen. Wohl aber wurden die Telegramme im Wortlaut wiedergegeben, die Wilhelm II. und Wilson im |XIII September und Oktober 1914 wechselten. Diese werden wiederum in den Handbüchern nicht erwähnt. Es ist aber mit Händen zu greifen, dass Barth ausdrücklich auf die Ausführungen in Wilsons Telegramm anspielt.10

So werden die Stichworte, die Barth sich für seine Referate im Arbeiterverein Safenwil notiert hat, meist nur vor dem Hintergrund und in der Beleuchtung der von ihm zugrunde gelegten Berichte wirklich aussagekräftig. Ohne diesen Bezug bleiben die Notizen oft – nichts-sagend. Wenn sie dagegen von Barths präziser Kenntnisnahme spezifischer Meldungen und Berichte sprechen, werfen sie ein überraschendes Licht auf die unerhört eindringliche Weise, in der Barth sich mit den Ereignissen seiner Zeit auseinandergesetzt und die Rolle der Gemeinde wie der sozialen und der sozialistischen Bewegung in ihr zu verstehen und zu bestimmen gesucht hat. Das bekannte dictum von der Zeitung und dem Neuen Testament, über denen «man abwechselnd» «brütet» – «und sieht eigentlich furchtbar wenig von dem organischen Zusammenhang beider Welten, von dem man jetzt deutlich und kräftig sollte Zeugnis geben können», wie Barth in den Tagen des Schweizer Generalstreiks an Thurneysen schreibt11 – , gewinnt auf diese Weise verpflichtende Anschaulichkeit. So ist das ganz allgemein gesteckte Ziel, die spezifischen Anspielungen eines Textes aus den spezifischen Quellen des Autors zu erhellen, im Blick auf solche aktuellen Bezüge gewiss besonders sorgfältig im Auge zu behalten. Auf die damit intendierte «Historisierung» auf der elementaren Ebene mag sich, wenn man es darauf absieht, eine weitere Historisierung in komplexere Zusammenhänge stützen – sie kann aber auch dazu dienen, den Vorgang des je einmaligen theologischen und politischen Urteils schärfer zu begreifen, auf das es Barth ankam. Indem ich in diesem Sinne den von Marquardt begonnenen Weg fortzusetzen versuchte, hoffe ich, seinen Intentionen entsprochen und für eine erneute, fruchtbare Auseinandersetzung mit seinem Interpretationsansatz eine Hilfe gegeben zu haben, auch wenn die Frage nach Barths Quellen in manchen Fällen – z.B. für die Februar-Revolution 1917 – noch nicht in der wünschbaren Genauigkeit beantwortet werden kann.

XIV Neben den vielen bisher unveröffentlichten Texten, die Barths Auseinandersetzung mit den Zeitereignissen in einer Breite und Tiefe dokumentieren, die für das Verständnis seines Denkweges neue Aufschlüsse verspricht, stehen die Beiträge, die Barth selber zu politischen Fragen im «Freien Schweizer Arbeiter» und im «Neuen Freien Aargauer» erscheinen ließ12. Obwohl sie ja gedruckt vorlagen und so grundsätzlich zugänglich waren, sind diese von Barth selber als pointierte Meinungsäußerungen veröffentlichten Texte weniger beachtet worden, als sie es in der Diskussion um den Safenwiler Pfarrer und Sozialisten13 grundsätzlich verdient hätten und als es zur Klarheit dienlich gewesen wäre. Dass sie hier nun mit historischen Erläuterungen versehen vorliegen, wird der Diskussion hoffentlich zusätzlich Richtung und Gewicht geben.

Unter Barths Zeitungsartikeln finden sich auch Stellungnahmen zu einem zweiten politischen Komplex, der Barth in diesen Jahren lebhaft beschäftigte: das Thema des Glücksspiels und der Spielbanken.14 Die Frage berührt sich grundsätzlich und praktisch mit dem Problem des rechten Verständnisses der menschlichen Arbeit und damit des Kapitalismus und des Sozialismus, und so sah Barth sich veranlasst, auch hier deutlich Position zu beziehen.

Zwei weitere Zeitungsbeiträge betreffen die aargauische Kirchensynode und die Auseinandersetzung mit der kirchlichen Richtung der «Freisinnigen», die Barth in diesen Artikeln weiterführte15, bevor er 1915 mit dem «Antrag betr. Abschaffung des Synodalgottesdienstes» noch direkter eine Entscheidung suchte, indem er konstatierte: «Der Geist des Evangeliums ist die Richtung auf Gott hin, unsre Synode aber ist nicht in der Richtung auf Gott, sondern auf die Götzen hin.»16 Unmittelbar auf diesen Vorstoß in der Kirche folgte mit dem Vortrag «Kriegszeit und Gottesreich» ein Angriff auf Paul Wernle als einen Vertreter des theologischen Liberalismus.17

XV Es scheint, als habe der doppelte Misserfolg, den Barth sich im Rückblick auf diese beiden Interventionsversuche eingestehen zu müssen meinte, ihn erst recht in eine prägnante Zuspitzung seiner Position und in eine ruhige Konzentration bei der Darlegung seiner Einsichten geführt. So mutet die Reihe der großen, genau zielenden und anschaulich ausführenden Texte an, die von «Die Gerechtigkeit Gottes» (Januar 1916) und «Auf das Reich Gottes warten» (Sommer 1916) über «Die neue Welt in der Bibel» (Februar 1917) nach einer Unterbrechung im Römerbriefjahr 1918 zu «Der Christ in der Gesellschaft» (September 1919), zu den «Unerledigten Anfragen an die heutige Theologie» (Frühjahr 1920) und zu den «Biblischen Fragen, Einsichten und Ausblicken» (April 1920) führte.

In die chronologische Reihe dieser weithin bekannten 6 Texte treten nun 15 verstreut gedruckte, vor allem aber 42 bisher ungedruckte Texte. Wenn man sie in ihrem historischen Zusammenhang studiert, überrascht die Breite der Themen, mit denen Barth sich neben- und nacheinander beschäftigte und in die er die Gemeinde und seine Parteigenossen einzuführen versuchte, insbesondere aber erstaunen die Beziehungen, die er zwischen den Themenbereichen sichtbar macht: nicht nur zwischen dem Evangelium und dem Sozialismus, sondern z.B. auch zwischen der «Befreiung speziell der Frau aus unwürdigem Verhältnis dem Mann gegenüber» und der «Militärdienst-Frage»18.

Zu den bisher unveröffentlichten Texten zählen zum einen größere, ausgearbeitete Stücke wie der bedeutsame Vortrag über «Die Zukunft des Christentums und der Sozialismus» (Juli 1917), zum anderen Vortragsskizzen wie die «Alltagskraft» (April 1917) und zum dritten Stichworte und Thesen für Referate wie etwa die Unterlagen für die «Sozialistischen Reden». Zusammen mit den schon gedruckten ergeben die bisher ungedruckten Texte ein sehr viel reicheres Bild von Barths intellektueller Biographie, als es die eben genannten, sozusagen klassischen sechs Texte vermittelten, die durch den Abdruck in den ersten beiden Aufsatzsammlungen und in der zweiten Auflage der Predigtsammlung «Suchet Gott, so werdet Ihr leben! 📖» allgemein bekannt sind. Doch auch bei diesen Stücken geben die historischen Erläuterungen in den Einleitungen und die Erklärungen in den Fuß|XVInoten hoffentlich wie bei den übrigen Texten Hilfen zum genaueren Verständnis.

Zu den Leitlinien der Edition ist im Anschluss an das dazu im Vorwort zu den «Vorträgen und kleineren Arbeiten 1905–1909» im Einzelnen Ausgeführte zu bemerken:

1. Die von Barth selber publizierten Texte sind nach den Grundsätzen der Gesamtausgabe in Orthographie und Zeichensetzung an die heute gültigen Regeln angepasst worden – behutsam und unter Respektierung der Barthschen Eigenheiten. So blieben etwa auch gewisse Uneinheitlichkeiten in der Groß- und Kleinschreibung unverändert, weil sie doch, obgleich nicht regeImäßig, Bedeutungsnuancen anzuzeigen scheinen – so z.B. das «neue Testament» neben dem «Neuen Testament»19. Lange Passagen werden gelegentlich durch Herausgeber-Absätze untergliedert. Diese sind erkennbar an einem senkrechten Strich | nach dem Punkt.

Bei den in den Aufsatzsammlungen «Das Wort Gottes und die Theologie 📖» und «Die Theologie und die Kirche» und in der zweiten Auflage der Predigtsammlung «Suchet Gott, so werdet Ihr leben! 📖» erschienenen Stücken wie auch bei dem in der Zeitschrift «Evangelische Theologie» publizierten Vortrag «Religion und Leben» sind die Seitenzahlen dieser Abdrucke zwischen senkrechten Strichen | | im Text mitgeführt, so dass in der Sekundärliteratur zitierte Stellen leicht gefunden werden können.

2. Die bisher ungedruckten Texte sind in der in den Handschriften vorliegenden Form wiedergegeben. Nicht durchgängig, aber doch dort, wo es zum Verständnis hilfreich oder notwendig schien, sind in eckigen Klammern fehlende Satzzeichen ergänzt und abgekürzte Worte – in der Regel beim ersten Vorkommen in einem Text – vervollständigt worden. Beim Inhalt der eckigen Klammern handelt es sich also um Zusätze der Herausgeber, zu denen auch das Fragezeichen in eckigen Klammern gehört, das eine unsichere Entzifferung kennzeichnet. Die verschiedenen Stufen der Hervorhebungen in den Handschriften durch feinere und stärkere Unterstreichung und Wellenlinie werden durch Kursivierung, Unterstreichung und Fettdruck wiedergegeben. Zu beachten ist Barths je nach der Schrift wechselnde |XVII Schreibweise: in den in der alten deutschen Schrift vorliegenden Texten gebraucht Barth das ß (natürlich nach den am Anfang des 20. Jahrhunderts gültigen Regeln), während dafür in den in lateinischen Lettern geschriebenen Texten ss steht.

3. In den ungedruckten Texten wie im textkritischen Apparat zu den gedruckten Stücken sind die Unterstreichungen, die Barth manchmal zur Verdeutlichung der Stelle im Gedankengang nachträglich mit Bleistift oder Farbstift im Manuskript eingetragen hat, durch die Helvetica-Schrift kenntlich gemacht, die dort kursiviert erscheint, wo eine gedankliche Hervorhebung aus der Phase der Niederschrift und eine rhetorische Markierung aus der Phase der Vorbereitung des mündlichen Vortrags zusammentreffen.

4. In den textkritischen Anmerkungen im ersten, mit Buchstaben bezeichneten Apparat sind die Varianten der vorliegenden Drucke aufgeführt. Wenn die dem Druck vorangehenden Vortragsmanuskripte vorliegen, folgen wir der Druckfassung, weisen aber die Abweichungen vom Manuskript nach, um so, wie es in entsprechenden Fällen auch in den Predigten geschehen ist, Barths stetig weitergehende Arbeit am Gedanken und an der Sprache zu dokumentieren. Reine Erweiterungen der Druckfassung gegenüber dem Manuskript sind in ˹ ˺ gesetzt, sonstige Veränderungen sind im ersten Apparat festgehalten, soweit es sich nicht nur um orthographische Varianten, um Abweichungen im Lautbestand eines Wortes und andere rein formale Unterschiede handelt. Entsprechend sind, wo sie vorliegen, die Fragmente des dem Druck zugrunde liegenden Druckmanuskripts berücksichtigt. Der veränderte Ausdruck ist mit einem hochgestellten Buchstaben gekennzeichnet, wo der gemeinte Verweis damit deutlich ist. Sonst ist die von der Veränderung betroffene Sequenz mit hochgestellten Buchstaben vor dem ersten und nach dem letzten Wort markiert.

5. In den erläuternden Anmerkungen des zweiten Apparates wird, wie schon angedeutet, das Maß an Informationen zu geben versucht, das zum genaueren Verständnis der Intention und des spezifischen Gewichts eines Hinweises oder einer Anspielung im Text hoffentlich hilfreich ist. Ein besonderes Problem stellen die Zitate dar, die Barth nicht immer so wort- und buchstabengetreu bietet, wie es die Anführungszeichen heute fordern, sondern in der Blumhardt- und in der |XVIII Overbeckbesprechung20 öfter dem Duktus seines Referates anpasst. Da dabei die Substanz des Referierten nicht berührt wird, schien es jedoch unangebracht, diese Abweichungen z.B. in der Schreibweise oder in der Wortstellung im einzelnen in Anmerkungen zu notieren.21

Zum Schluss ist zu danken: Der erste Dank gilt in aufrichtigem Andenken Friedrich-Wilhelm Marquardt ( 2.12.1928–25.5.2002), der mit hohem Engagement die Grundlage für einen gewichtigen Teil dieses Bandes geschaffen hat. In gleichem Atem ist dankbar Hinrich Stoevesandt zu nennen, der in vielen Jahren die Probleme der nun endlich insgesamt vorliegenden drei Bände der «Vorträge und kleineren Arbeiten 1905-1921» mit mir erörtert und nach der entscheidenden Mitwirkung an den ersten beiden Bänden damit auch dem vorliegenden Band den Weg geebnet hat.

Sodann möchte ich mit freudigem Dank Reinhard Breymayer erwähnen. Der vielerfahrene Pietismusforscher und Fachmann der Geschichte der Rhetorik hat mich in der letzten Phase der Arbeit an diesem Band mit einem Vorausexemplar einer Veröffentlichung überrascht, in der zwei Fragen, die ich einmal den Kennern der württembergischen Kirchengeschichte ans Herz gelegt hatte22, pünktlich bearbeitet und beantwortet werden: das Problem des teilweise übereinstimmenden Textes der Römerbriefauslegungen von Steinhofer und Rieger und das Rätsel der durch Barths gelegentliche Verweise weiter verbreiteten Aussage über die Evangelien: «spirant resurrectionem». Bei Bengel, dem Barth sie zuschreibt, ist sie nicht zu finden. Ich bin froh, dass nun in der betreffenden Anmerkung eine präzise Angabe gemacht und auf Breymayers anregend-aufschlußreiche Abhandlung verwiesen werden kann.23 In Württemberg, einem von Barth «schon wegen seiner chthonischen Eigentümlichkeiten geschätzten Landstrich»24, ist auch Jörg-Michael Bohnet verwurzelt, der schon als Stu|XIXdent seinen Spürsinn und seinen Scharfblick in den Dienst der Edition der vorangehenden Bände der «Vorträge und kleineren Arbeiten» gestellt und sich nun bei diesem Band noch einmal in treuer kluger Mitsorge bei den Korrekturen bewährt hat.

Dankbar sind auch die Zivildienstleistenden zu erwähnen, die sich nacheinander an den Vorbereitungen zur Drucklegung beteiligt und in verschiedenen Hinsichten Wichtiges zur formalen Vereinheitlichung der Texte und der Anmerkungen, zur Genauigkeit der Textwiedergabe und zur möglichst klaren und übersichtlichen Information in den Anmerkungen beigetragen haben: Bastian Thurneysen, Andreas Betschart, Michael Stephan Pfenninger und Lars Cleary.

Besonders ist erneut Marcel Wittwer zu danken, der die Grundlagen für die Register gelegt und sich darüber hinaus in vielen Einzelheiten kundig und tatkräftig um den Band verdient gemacht hat. Nicht weniger erwähnenswert sind die Verdienste, die sich Jan Arni um das Auffinden und um die Kontrolle von Zeitungsmeldungen und Kirchenordnungen, vor allem aber um die Aufklärung wichtiger Details der kirchlichen und politischen Auseinandersetzungen im Aargau – so z.B. um den Bolschewismus in Apachengestalt!25 – erworben hat. Aber auch die freundschaftliche Hilfe von Christophe Chalamet, der in Neuchâtel die seltenen «Nouvelles de l’Association chrétienne d’etudiants» besorgte, bleibt unvergessen. Schließlich ist auch hier noch einmal sehr dankbar Margrit Müller zu nennen, die bei der Kontroll-Lektüre vieler der hier vorgelegten Texte eine ermutigende Hilfe war. Ihr wie den übrigen Helfern sage ich von Herzen Dank.

Im Rückblick auf den langen Weg wie nun im Blick auf die künftigen Leserinnen und Leser mag es nicht unangemessen und jedenfalls nicht unangebracht sein, sich zum Schluss unter das Wort, unter die Bitte zu stellen: Denen zu wenig oder zu viel getan scheint – sie mögen verzeihen. Denen es genug ist – die mögen Gott mit uns danken.

Hans-Anton Drewes